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Residenzen zur Asuka-Zeit

(von Adi Meyerhofer)

Es ist zu beachten, daß, insofern in den ersten Legenden von „Palästen“ die Rede ist, damit nur gemeint ist, daß es sich Residenzen von „Kaisern“ bzw. Klanoberhäuptern handelte, nicht jedoch um besonders solide repräsentative Bauten. Auch die Tennōs residierten in schilfgedeckten Hütten, zusammengehalten von – aus Wicken gedrehten – Seilen, in denen Stoffbahnen o.ä. als Raumteiler dienten. Die maximale Lebensdauer eines solchen Gebäudes war 20-5 Jahre. (Inwieweit dies der Anstoß war, den Ise-Schrein, der für den damaligen Baustil als represäntativ gelten muß, alle 21 Jahre neu zu bauen, muß Spekulation bleiben.) Noch Kaiser Jōmei litt unter undichten Schilfdächern. Die Idee der Verwendung von Dachziegeln – eines Imports aus China über Korgyö – ist erstmals für 643 nachweisbar.1 Archäologische Grabungen der letzten Jahrzehnte haben – zumindest innerhalb des aufgeschlosseneren Teils der japanischen Academia – zu einem neuen Verständnis des 7. Jahrhunderts geführt, was aber erst in den wenigsten Fällen Eingang in westliche Standardwerke gefunden hat.

Tradierte historische Weisheit hat es, daß die Residenzen der Fujiwara- und Asukaperiode (552–644) nach dem Tode eines „Kaisers“ aufgegeben wurden, weil sie durch den Tod desselben „unrein“ (kegare, ein wichtiges Konzept im Shintō) geworden waren. Tatsächlich läßt sich zeigen, daß die Verlegungen fast immer dann erfolgten, wenn das neue Oberhaupt aus einem Zweig des Yamato-Klans kam, dessen engerer Kreis schwerpunktmäßig in einer anderen Region lag. Es handelte sich also eher um eine Maßnahme der Machtsicherung, auch deshalb, weil sich die „Kaiserwahl“ im fünften bis frühen siebten Jahrhundert, als eine verbindliche Erbfolge noch nicht festgelegt war, für den Herrscher durchaus lebensverkürzend auswirken konnte. Vgl. z. B. die Vorgänge um die Söhne des Ichinobe Oshiba no ōji, die Prinzen Oke (Kenzō-Tennō) und Ōshi (*479, r. 488–9, † 489). Erst zur Zeit Suiko’s (nach 600) kam die Praxis auf Thronfolger zu designieren. Die Vererbung innerhalb der heute noch regierenden „himmlischen Dynastie“ begann gar erst mit dem Konin- bzw. nach Hauptstadtverlegung Kammu-Tennō (r. 781–806), als auch Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen wurden. Auch die letzte Verlegung der Hauptstadt nach Kioto (Heian-kyō), von der allgemein gesagt wird sie erfolgte, um die buddhistische Geistlichkeit aus der Politik zu halten (zunächst waren keine Tempel in Kyoto erlaubt), muß nach heutigem Wissensstands eher auf den dynastischen Bruch zurückgeführt werden, besonders wenn man bedenkt, daß Kammu ein Förderer Saichō’s war und Saga Kūkai unterstützte.

siehe auch: Regierungszeiten japanischer Kaiser und Ära-Namen (trad.)

Chronologische Übersicht der Asuka-Paläste

Zur Nara-Zeit (und im Kojiki) unterschied man zwischen dem „fernen Asuka“ (Teil Yamatos; tōtsu Asuka), wenn man sich auf die Residenz von Inkyō (r. 412–53, traditionell) und Suiko (r. 592–628) bezog und vom „nahen Asuka“ (schon in Kawachi gelegen; chikatsu Asuka) sofern vom Palast der Kaiser Richū (r. 400–5) oder Kenzō (450–87, r. 485–87) gesprochen wurde. Die Errichtung des Fujiwara-kyō unter der von vielen als Usurpatorin gesehenen Jitō (r. 686–97; † 702) führte wegen der sich ergebenden drückenden Steuerlast zu Unmut im Volk.

Osawa Tsuyoshi hat einigermaßen überzeugend dargelegt, daß die von Saimei bis Jitō bewohnten Asuka-„Paläste,“ nämlich Okamoto, Itabuki, Kiyomihara und der „spätere“ Okamoto im wesentlichen Teil ein und desselben Komplexes waren und nicht wie man lange glaubte an verschiedenen Orten.

„Paläste“ der Asuka- und Hakuhō-Periode
ResidenzKanjiBezugsjahrKaiser (Fundstelle im NR)
* = Kaiserinnen.
In alter Literatur finden sich zahlreiche andere Schreibungen für Asuka: 明日香, 安宿, 阿須賀, 阿須可, 安須可 etc.
Karte: Asuka/Kioto [428k; 831×1300px]; Karte: Yamato-kuni [396k; 842×1328px]
Toyoura-no-miya
[Toyora]
豊浦宮592–603Suiko* (Vor I; I: 1, 5; III: 38) verm. heute: Toyoura-dera (bzw. Kogenji; 34° 28′ 56″ N, 135° 48′ 47″ O)
Oharida-no-miya
H. B.: Woharida
小治田宮603–28Suiko* (I:1, 5, 6, 8; II: 7). 34° 29′ 2″ N, 135° 48′ 46″ O. Den Standort vemutete man lange zwischen Minabuchi-yama und Kaguyama. Neuere Ausgrabungen haben Tonscherben mit entsprechender Aufschrift beim Izakuchi-Hügel zu Tage gefördert, also östlich des Asuka-Flusses. („Oharida“ oft syn. mit „Asuka.“)
(Asuka) Okamoto-no-miya
H. B.: Wokamoto
鵤岡本宮630Jomei, abgebrannt 636/6. (vorher Wohnung Shōtoku Taishi’s; I, 4) Heute Hokiji-Tempel.
Tanaka-no-miya田中宮636Jomei, begab sich 639/12/14 zu einer Residenz bei den heißen Quellen von Iyo, um nach mehreren Monaten in den Umayasaka-no-miya umzuziehen.
Umayasaka-no-miya厩坂宮640Jomei († 641)
Kudara-no-miya百済宮640/10Jomei (außerhalb Asuka. Heutiges Kōryō-chō, Nara-ken)
(Asuka) Itabuki no miya板葺宮643Kōgyoku* (d.i. Takara, Witwe Jomei’s)
(Naniwa) Nagara Toyosaki-no-miya長柄豊前宮645Kōtoku (Prinz Karu, Bruder Kōgyoku’s). I: 9, 13, 23; heutiges Ōsaka, daher häufig: 難破宮.
(Asuka) Itabuki-no-miya(s. o.)655Saimei* (= Kōgyoku, 2. Regentschaft); I: 9. 655/10 abgebrannt.
(Asuka) Kawara-no-miya川原宮Saimei*. im I, 9 als: (Asuka no) Kahara no Itabuki no Miya 川原板宮. 34° 28′ 20″ N, 135° 49′ 2″ O. Ausgrabungen. 656 (?) in einen Tempel umgewandelt (Kawara-dera = Gufukuji; 661/11 als mogari no miya für Saimei † 661/7).
(Nochi no Asuka) Okamoto-no-miya後岡本宮Der „spätere“ Okamoto-Palast, von Saimei* als Ausweichquartier bezogen. In II, 17 als Nonnenkloster (von Shōtoku Taishi gegründet) erwähnt.
Asakure no Tachibana no Hironiwa-no-miya朝倉橘広庭宮661/1Saimei* (Verlegung aus militärischen Gründen während der Kämpfe in Korea, im heutigen Fukuoka-ken.)
Omi Otsu-no-miya667Tenji (reg. ab 661/7, Inthronisation: 668, † 671); Kōbun (*649; r. 671, Selbstmord 672, erst 1870 in die offizielle Liste der Tennō aufgenommen). In der heutigen Otsu-shi, Shiga-ken.
Shima-no-miya嶋宮672Temmu, jüngerer Bruder Tenjis. Putschte gegen dessen Sohn und rechtmäßigen Thronfolger Otomo („Jinshin-Wirren“), der etwa ein Jahr als Kōbun amtierte.
(Asuka) Okamoto-no-miya(s. o.)672Temmu
(Asuka) Kiyomihara no miya浄御原宮672Temmu. Inthronisationsort dieses Tennō 673/2/27. Erst nach dessen Tod 683 unter diesem Namen bekannt.(Unter Archäologen besteht Uneinigkeit ob die Ausgrabungsstätte, die für den Itabuki-Palast gehalten wird, nicht dieser Palast ist.) (I, 9)
Fujiwara-no-miya藤原宮694Jitō*; Mommu; Genmei*. I: 28, 30.
Nara-no-miya奈良宮
諾樂宮
710(=平城宮). Gemmei*, Genshō*, Shōmu, Kōken* (= Shōtoku), Jun’nin, Kōnin, Kammu. Die erste permanente Hauptstadt (bis 784). In I, 24 und II, 1 als:諾楽.
Angelegt auf Grundfläche von 4800 × 4200 m. Die Verlängerung der Mittelachse Naras nach Süden trifft genau auf die östliche Begrenzung des Fujiwara-kyō, die Verlängerung der 4. Straße (四坊大路) auf die westliche Grenze der alten Hauptstadt.
Das 1300jähriges Jubiläum Naras (2010) wurde aufwendig begangen. Der historisierenden Nachbau des Palastes beruht auf späteren Vorbildern, über das Aussehen des Originals ist – außer den Abmesssungen – nichts bekannt.
[Yamato]kuni-ōmiya Während der Wanderjahre Shōmu’s 741–44 in Grundzügen errichtete, dann wieder aufgegebene Residenz.
Nagaoka-no-miya長岡宮Diese Residenz blieb ein Zwischenspiel vor dem endgültigen Umzug nach Kioto (Heian-kyō). Zu den Vorgängen siehe III, 38A.

Die Residenz Shōtoku Taishi’s, der Ikaruga-Palast (Bauzeit 601–5), befand sich knapp 20 km nördlich von Asuka. Ausgrabungen vor dem zweiten Weltkrieg legten eine Anlage im Ostteil des heutigen Hōryū-ji2 frei. Südlich des Palastes, aber außerhalb des modernen Tempels gelegen, fand man Reste eines weiteren Tempels.

Bei den Asuka-Palästen, die sämtlich ohne Fundamente errichtet worden sind, gehen Forscher davon aus, daß sie amehr oder weniger auf dem selben Stück Land errichtet worden sind. Es wären dies der erste Okamoto-Palast, Kimmeis; der Itabuki-Palast; der zweite Okamoto-Palast Kōgyokus. Zuletzt dann die Residenz Temmus, die sich insofern von den Vorläufern unterschied, daß an die im Norden in der Mitte liegende Halle CVhōdō-in ein für besondere Staatszeremonien genutzter Saal, Daigoku-den (大極殿) angebaut war. Das Vorbild für diese Neuerung dürfte die gleichnamige Halle im Daming-Palast (大明宮) von Chang'an gewesen sein.

Anmerkungen:

1) Gerade die Ausgrabungen der Dachziegel und das Studium der Entwicklung ihrer Ornamente hat es japanischen Spezialisten ermöglicht, Funde auf eine bestimmtes Jahrzehnt, teilweise sogar ein Jahr, genau zu bestimmen. [  ]
2) Die auf den Annalen basierende Historikerkontroverse zur Frage: wurde der westliche (saiin) Hōryū-ji nach Brand 670 (wieder) aufgebaut oder bestand er schon seit 607? hat, wegen den weitreichenden Implikationen in Bezug auf Shōtoku Taishi und dem Yamato-Klan, seit der Meiji-Zeit etliche Monographien gefüllt. Erst die Ausgrabungen 1939 brachten südöstlich des Saiin die Fundamente eines eindeutig älteren – nach koreanischen Vorbildern gebauten – Tempels ans Licht. [  ]

Literatur:

Weblinks:

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