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Chikō (智光) und Sanron

(von Adi Meyerhofer)

Chikō (智光, 709-780), war ein Mönch der Sanron-Schule (三論宗; ch.: San-lun) in der Tradition des Chi-tsang (吉藏). Bekannt ist er als Verfasser des ersten japanischen Werkes zum „Reinen Land“, dem Muryojukyoron shaku. Dabei handelt es sich um einen Kommentar zu Tan Luan’s (jp.: Donran; 476-542) Wang-sheng-lun chu, der starken koreanischen Einfluß zeigt. Die Vorstellung vom reinen Land wird dann über die Jahrhunderte weiterentwickelt, um im 14. Jhdt. eine eigene Richtung darzustellen.1

Die Qualen, die Chikō Legende II, 7 nach erleiden muß, dürften eher mit seiner Kritik an der Hossō-Schule (ch.: Fa-hsiang; Pinyin: Faxiāng) zusammenhängen. Spätere Generationen (und damit Kyōkai) haben Gyōgi für diese vereinnahmt, wenn eine derartige Zugehörigkeit auch historisch dünn belegt ist. Da die Abfassung des NR vergleichsweise zeitnah geschah, hat Kyōkai die Hintergründe wohl als bekannt vorausgesetzt. Besonders kritisch stand Chikō der Lehre von den drei Zeitaltern (三時教判) gegenüber. Diese ursprünglich chinesische Lehre, postuliert von Kuiji (窺基) und Wonchuk (= Wŏn-hyo; 圓測), basiert auf dem Sādhinirmocana-sūtra [?]. Die Zeitalter (des Dharma) werden doktrinär geteilt. Grob gesagt in die Zeitalter des wahren (shōbō), des falschen und des degenerierten (mappō) Dharmas. Die schematische Abstufung: 500 Jahre „wahrer Geist,“ die Blütezeit in der das Buddhatum seine ganze Kraft entfaltet und sich im Wandel seiner Nachfolger bewährt. Es folgen 1000 Jahre „äußerlichen“ Buddhismus, während derer man zwar die wahre Lehre noch verkündet und auch die Mönchsregel der Form nach eingehalten wird, dies jedoch ohne lebendige Bewährung. Zuletzt folgen 10000 Jahre Endzeit – des degenerierten Dharmas (mappō) – zu völligem Zerfall führend, bis ein neuer Buddha, Maitreya (jp. Miroku Bosatsu) erscheint.
Verschiedene Vorstellungen zur Länge dieser Zeitalter existierten. Die in Japan populärste setzte den Beginn des degenerierten (mappō) Zeitalters auf das Jahr 552, zugleich Ankunft des Buddhismus. Chikō kommentierte die Lehren als: [Die Unfähigkeit dieser beiden zu verstehen] „ist wie wenn ein Blinder nachts wie verrückt herumrennt.“ Insgesamt vertrat er vehement die Ansicht der Überlegenheit der Sanron über die Hossō (ohne dabei von Wonchuk’s anderen Theorien unbeeinflußt zu bleiben). Was ihm seine Gegner dafür wünschten, kann in der erwähnten Legende nachgelesen werden.
Chikō selbst ist noch als Erschaffer des „Chikō no Jōdō mandara,“ im von ihm begründeten Gokuraku-in in Nara, bekannt.2

Sanron und Jōjitsu

Bekanntester Vertreter des Sanron der Zeit war Chikō, der vom Daianji aus wirkte. Als zweiter Bringer gilt Fukuryō. Vertrat die Lehre des Medhyamika von Nāgājuna. Die Jōjitsu-shū von der es zweifelhaft ist, ob sie in Japan jemals wirklich eine eigene „Schule“ bildete, unterschied sich wenig, ist jedoch dem Hinayāna zuzurechnen. Gebracht wurde sie 624 vom Koreaner Hyegwan (jp.: Ekan) dem wohl Hyeja (jp. Eji; † 623, in Japan 595-615) vorausging. Beide Schulen gingen in der Kegon-shū auf. Zu den Entwicklungen ab dem 7. Jahrhundert Exkurs: Die sechs Nara-Schulen.

Anmerkungen:

Der Beschriebene ist nicht zu verwechseln mit Chiko (智興, *914), dessen Geschichte – ursprünglich in Hosshinshū VI – häufig in anderen Sammlungen nacherzählt wurde.

1) Den Ausdruck dieses Volksglaubens findet man in H. B.; Buddhistische Sonntagsschullieder übersetzt; Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft, Nr. 44 (1929), 7, S. 198-209 [  ]
2) Weiterführend und bedeutend detaillierter: Nakamura, S. 3-18 [  ]

Literatur:

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