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Gangōji (元興寺)

(von Adi Meyerhofer)

Asuka-dera (Hōkō-ji)

Der Gangō-ji (元興寺), dessen ursprünglicher Name Hōkōji (法興寺; „Tempel des Gedeihens des Gesetzes“) lautete, wurde nach traditioneller Auffassung erbaut 593–6, wohl jedoch zwischen 588–608, im Auftrag Soga no Mumako’s in Einlösung des Gelübdes, das er in der Schlacht gegen Moriya 587 gegeben hatte. Er wird auch als Asuka-dera (飛鳥寺) oder Asukadaiji bezeichnet, weil das Vorläufergebäude zunächst in Asuka (Bezirk Takichi, Yamato) dem alten Hauptstadtgebiet lag. Die frühe Geschichte des Tempels wird im Gangoji engi,1 das ab 747 enstanden ist, überliefert. Das Hauptgnadenbild wurde 605 [? 608] gestiftet und im folgenden Jahr geweiht. Das erste japanische Nonnenkloster Toyoura-dera (豊浦寺) befindet sich etwa 800 m entfernt.
Die Umbenennung des Hōkō-ji (= Asukadera) in Gangō-ji erfolgte 613 aus Anlaß einer Feier zum Gedenken des einhundertsen Geburtstages Kimmei’s, dem Vater Suiko’s.

603, Sommer 4. Monat, 1. Tag (16.5.603):
Die Kaiserin forderte alle Würdenträger auf, dass sie ein Gelübde ablegten, zwei neue Buddhabilder von 16 Fuss Höhe, das eine in Kupfer, das andere in Stickerei anfertigen zu lassen. Hiezu schickte auch der König von Koma einen Tribut von 300 Ryō Gold.2 Das Taishiden-bikō berichtet genauer als das Nihongi: „Die Inschrift auf dem Heiligenschein der 16 Fuss hohen Buddhastatue im Tempel Gangōji lautet wie folgt: »Im 13. Jahre der Suikō-Tennō konstruierten wir aus 23000 Pfund Kupfer und 759 Ryō Unzen Gold in Ehrfurcht Buddhastatuen 16 Fuss hoch in Kupfer und in Stoff, ebenso auch die Bodhisattva.«“ …
606, Sommer, 4. Monat, 8. Tag (20.5.606):
Die Statuen wurden fertiggestellt. Als man die 16 Fuss hohe kupferne Statue in der „Goldenen Halle“ des Tempels Gangōji aufstellen wollte, erwies sie sich höher als das Tor der Halle. Ihr Verfertiger Kuratsukuri-no-Tori fand jedoch Mittel, die Statue in den Tempel hineinzuschaffen ohne das Tor niederzureissen, wie das die Arbeitsleute zu tun vorschlugen. Am selbigen Tage wurde der Statue anbetende Verehrung gezollt. Dies ist die erste Begehung des Kwambutsuye-Festes (Kambutsu-e; 灌仏会) in Japan, der Feier des Geburtstags Shakas, die jährlich am 8. Tag des 4. Monats stattfindet.

Zenshitsu
Zenshitsu des Gangō-ji

Zwanzig Jahre später wurde von hier erstmalig Sanron verbreitet, die sich bald in zwei Zweige, den Gangōji-ha und den Daianji-ha teilte. Mit einer Anzahl anderer Studienpriester wurde Dōshō, der Oberpriester des Gangōji am 12.6.653 nach China entsendet. Er wurde dort zusammen mit Kiki (Jion Daishi) ein Schüler des Genjō (Hsüan Tsang) und lernte bei ihm die Doktrin der Hossō-Sekte, die er nach seiner Rückkehr 660 verkündigte. Er wurde damit zum Träger der ersten der vier Übertragungen der Hossō-Doktrin und soll eine „Zen“-Halle eingerichtet haben. Seine Variante der Lehre wird auch als Nanji-den („die südliche“) bezeichnet. Dōshō starb 72jährig im Jahre 700 im Gangōji.

Der Asuka-dera war baulich insofern ungewöhnlich, als daß er drei „goldene“ Hallen und eine Pagode im inneren Bezirk hatte. Nicht überraschend ist, daß sowohl das Design der Dachziegeln,3 als auch Format der Anlage koreanischen Vorbildern – vermittelt über Paekche – folgen, da entsprechende qualifizierte Handwerker von dort angeworben wurden. (19 Namen sind bekannt. Als Grundmaß diente das shaku von Kuma mit 31,5 cm.) Die Fundamente der Sutra-Halle und des Glockenturms sind (noch) nicht gefunden worden, vermutlich befinden sie sich unter dem von modernen Wohnhäusern überbauten Gebiet nördlich der ursprünglichen Anlage.
Die Vortragshalle (kōdō) maß 43×26 m. Diese Prachtentfaltung kann man als Zeichen der tatsächlichen Macht des Soga-Klans sehen, die von den Zusammenstellern der Reichsannalen aus ideologischen Gründen deutlich geringer dargestellt wird und die für das frühe 7. Jahrhundert eine „kaiserliche Patronage“ des Buddhismus (zur Legitimierung der Macht des Yamato-Klans) zu konstruieren suchen, die in realiter vor 645 wohl kaum bestanden hat. Das 584 aus Paekche gebrachte steinerne Miroku-Bildnis war wohl zuerst in der östlichen Kondō aufgestellt. Ein durch Blitzschlag verursachtes Feuer 1196/6/7 beschädigte wesentliche Teile der nach dem Umzug (iken) verbliebenen Anlage, die auch heute noch – in sehr viel kleinerer Form – als Tempel, Ango-in, dient. Die ursprünglich 592 in den Kern der Pagode eingebrachten Reliquien wurden 1197 unter der Leitung Bengyō’s aufs Neue eingebracht. 1956-7 fand man etwa 3000 dieser Gegenstände.
Die heute sichtbaren Teile des Tempels lassen wenig von der früheren Grandeur und Größe erkennen – der nahe Busparkplatz scheint größer als die gesamte Anlage.

Was von dem alten Gangōji erhalten geblieben ist, das ist wesentlich der sogenannte Asuka-Daibutsu (Große Buddha). Ishida Mosaku war der erste Kunsthistoriker, der den Tempel 1917 studierte. 1928 und 1933 ließ er die (stark beschädigte) Statue des „großen Buddha“ vom Dreck der Jahrhunderte befreien. Unzweifelhaft aus der Asuka-Ära stammend, gilt sie als Frühwerk von Tori busshi, wobei der Gelehrtenstreit ob als Vollendungsjahr 596 oder 609 anzusehen ist, noch unentschieden ist.

Gangōji in Nara

Gangoji-Pagode
Pagode des Gangō-ji
» Lage in Nara

Zur Vorgeschichte siehe » I, 05.

Man siedelte mit Genshō und gleichzeitig mit dem  Yakushi-ji 718 [716] nach Nara um. Dort wurde er Neuer Gangōji (Shin-Gangoji) genannt, während die alte Anlage Hon-Gangōji hieß.

„Viel machte der Shin-G(w)angōji von sich reden, während der Nara-Zeit und kurz nachher. Riesig war die Zahl der Gebäude.“ Er galt als einer der sieben großen Tempel Naras. Heute ist nur mehr die Kannon Halle erhalten und die kostbaren, zu Staatsschätzen erklärten Statuen der elfköpfigen Kannon (stehend) und des Yakushi (sitzend). 765 kontrollierte der Tempel steuerfreien Landbesitz von etwa 2000 chō (≈ 23,4 km²). 780 gingen Pagode und Kondō in Flammen auf, Ninna 3. Jahr (887) brannte der Tempel wieder ab, wurde aber neuerbaut. Das Echi shōen (Provinz Ōmi) des Tempels, 859 nur etwa 10 chō, wuchs bis ins elfte Jahrhundert zu einem Großgrundbesitz, dessen Felder für 3 to (ca. 22 l) polierten Reis pro tan (11,66 Ar) verpachtet wurden.4

Anmerkungen

1) Kurz beschrieben in: Bohner, Hermann; Jōgū Shōtoku Hōō Tei-setsu (上宮聖徳法王帝説); Tōkyō 1936; MOAG 29 C, I.
Druckausgabe: Gangōji garan engi narabi ruki shizaichō 元興寺伽藍縁起并流記資財帳; Gangōji engi); DNBZ 118: 138–48. Zu beachten ist, daß dieses engi,das viel Legendäres enthält, zu einer Zeit abgefaßt wurde, als es für die nun herrschenden Klassen nötig war, die Dominanz des Yamato-Klans ideologisch in die Vergangenheit zu projezieren. Tatsächlich war der Tempel im 7. Jhdt. auf engste mit den Soga verbunden gewesen. Hinsichtlich der Baugeschichte dürften die Angaben aber zuverlässiger sein als das Z. [ ▲ ]
2) „300 ryō gelbes Metall“ gespendet durch König Tè-hung von Korgyŏ. [ ▲ ]
3) Japanische Spezialisten haben ein eigenes Fachvokabular für die Einzelheiten der Dachziegel entwickelt, vgl.: 1) Renge hyakusō; Nara 1999. 2) Pak Yonchin; Kudara gatō no taikeitai bunrui; in Kudara bunka to Asuka bunka; T. 1978 [  ]
<4/a>) Details: Echi-no-sho in: Miyamoto; Ritsuryoseiteki tochi seido; S. 49-138 (besonders 131-36) [ ▲ ]

Im NR-Text erwähnt:
I, 3, indirekt I, 5, I, 23, II, 1 und II, 29.

Literatur:

Externe Weblinks:

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