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Gyōgi Bosatsu (行基)

(von Adi Meyerhofer)

Erstmalig findet sich eine Gyōgi-Biographie im Daisōjō sharibyōki1 unter 749/03/23 (14.4.749) von Shinsei (in: Inoue Kaoru; Gyōgi jiten; 1997). Diese gibt, abweichend von Kyōkai, folgende Daten: Uji: Koshi, ordinierter Name: Hōgyō, jedoch bereits vor seiner Assoziation mit dem Yakushi-ji als Gyōgi2 (oder Gyōki, selten Gyōji) bekannt. Der Vater Saichi ein Nachfahre eines Prinzen Wani von Paekche. (Der erwähnte Prinz soll laut Kojiki zur Zeit Ōjin’s als erster Kung’s Gespräche (論語) nach Wa gebracht haben.) Die Mutter war die älteste Tochter des Hachida no Torami, der im Ōtori-Bezirk des Gaus Kawachi lebte. Geboren im 7. Jahr Tenji (668). Ordiniert im 11. Jahr Temmu (682) [shami]. Er praktizierte Askese und lehrte das Volk. 731 erlaubte der Hof die Ordination einiger seiner Anhänger. 745 zum daisōjō, mit einer Pfründe von 100 Land ernannt. Im Alter von 82 Jahren 749/2/2 (23.2.749) plötzlich verschieden, während er wie gewöhnlich auf der rechten Seite liegend Sutren rezitierte. 749/2/8 (1.3.749) auf der Ostseite des Ikoma im Heguri-gun verbrannt. Im Z findet sich, daß er früh die Lehren des Yogācāra studierte und erfaßte. Zur Zeit seiner Ordination waren die Bestimmungen des sōniryō, das den Aktivitäten der Mönche enge Grenzen setzte, noch nicht in Kraft. Bis etwa zu seinem 40. Lebensjahr hat er als Asket in den Bergen geübt. Erst danach trat er als Prediger auf und wandte sich den caritativen und Bauprojekten zu, für die er im Volk als Bodhisattva (Bosatsu) verehrt wird. Zumindest ein Teil der von ihm initiierten Bauten – heute würde man sie Infrastruktumaßnahmen nennen – dienten dazu, den Verkehr zwischen (neuer) Hauptstadt und den Provinzen zu verbessern. Dies stellte für das gemeine Volk insofern eine Erleichterung dar, da die in Naturalien abzuführenden Steuern auf Kosten des Zahlers in die Hauptstadt gebracht werden mußte (Steuerbelastung).

Ein Edikt im Z (717/04) warnt ihn seine „verwerflichen Aktivitäten“ (d. h. wandernd predigen und caritativ tätig sein) im Volk einzustellen. Man fürchtete die unkontrollierte Zusammenkunft großer Menschengruppen, eine eventuelle Bewaffnung der Sangha und die Zunahme von „Selbstordinierten,“ die dadurch um Steuerzahlungen herumkamen.0 Erst die mittelalterlichen Werke – hier besonders das Gyōgi nempu (1175), das als historisch zuverlässig gilt – geben dataillierte Aufstellungen von Gyōgi’s Bautätigkeiten, die sich fast alle in den Provinzen Izumi, Kawachi, Settsu und Yamato finden. Insgesamt sind es 49, nämlich: sechs Brücken, neun Ratsplätze an Landstraßen, zwei Reeden, 15 Wasserspeicher, sieben Bewässerungskanäle und drei Brunnen weiterhin 49 Meditationshallen. Von Interesse ist, daß der Kamagasaki-Bezirk des heutigen Ōsaka in dem er seine größten caritativen Aktivitäten entfaltete, immer noch die am meisten benachteiligte Region Japan, mit geschätzten 10000 Obdachlosen ist.

Spätestens seit 731 ist davon auszugehen, daß Gyōgi’s Aktivitäten die Unterstützung des Hofes hatten. Es ist spekuliert worden, daß er ab 726 von Fujiwara no Umakai, einem Mitglied des Staatsrates der häufig in die Provinzen bereiste, in denen Gyōgi tätig war, protegiert wurde. Ab 741 ist davon auszugehen, daß der Kaiser Shōmu und Tachibana no Moroe Gyōgi’s Aktivitäten billigten, da sie auch der Errichtung der geplanten Hauptstadt Kuni dienten. Sein wesentlicher Verdienst scheint die Entwicklung des Synkretismus, zum sogenannten Ryōbu-Shintō, zwischen der traditionellen japanischen Religion und dem „fremden“ Buddhismus gewesen zu sein, so daß man seine und Shōmu’s Traumvision der Erscheinung Amaterasus, die beiden verkündete Vairochana sei eine Inkarnation der Sonne, dazu nutzen konnte, um damit, in einer Zeit größter wirtschaftlicher Not im Lande, die Errichtung des monumentalen Daibutsu von Nara zu rechtfertigen.
Dokumente der Nara-Zeit enthalten, im Gegensatz zu späterer hagiographischer Literatur, wenig Hinweise darauf, daß er tatsächlich am Sammeln von Spenden für das Daibutsu-Projekt beteiligt war. Die Ernennung 745 zum daisōjō scheint eher ein Ehrentitel gewesen zu sein. Nominell war er damit, als erster Amtsträger dieses neu geschaffenen Rangs, der oberste Priester des Landes. Auf jedem Fall muß er als eine charismatische Persönlichkeit angesehen werden.

Weitergehende Biographien Gyōgi’s, die teilweise auf den von Bohner bei den Legenden aufgeführten Paralellen aufbauen, finden sich auch in eigenständigen Werken wie 1) Gyōgi Bosatsuden (11. Jhdt.) darauf basierend 2) Gyōgi Bosatsu Kōshiki; 3) Gyōgi Nempu (1175); 4) Gyōgi Daibosatsu Gyōjōki (14. Jhdt.).

Anmerkungen:
0) Wodurch wieder erkennbar wird, wie wenig sich die Ziele der herrschenden Klassen geändert haben. Das Grundgesetz der BRD sieht ausdrücklich vor, daß Versammlungen „ohne Waffen“ lediglich angemeldet werden müssen. Tatsächlich liest man jedoch meist nur Meldungen über „nicht genehmigte“ Versammlungen. Das Demonstrationsrecht ist seit der ersten Notstandsgesetzgebung derartig verschärft worden, daß öffentliche Meinungsäußerungen von mehr als zwei Personen (bayerisches Versammlungsgesetz) eigentlich nur noch von Nackten gesetzeskonform durchgeführt werden können. Perfide sind nicht nur der wieder eingeführte und immer restriktiver ausgelegte Begriff eines „Landfriedensbruches“ als auch der einer „passiven Bewaffnung,“ wozu nach höchstrichterlicher Entscheidung auch eine Zitrone (!) gehört. Vgl.: Donat, Ulrike; Polizeiliche Freiheitsentziehung; Berlin 2003 (RAV) [  ]
1) 1915 wurde nahe dem Dorf Arisato (beim Berg Kochi, Nara) eine wortgleiche Steininschrift geborgen, die vermutlich von der (umgebetteten) Urne Gyōgi’s stammt und textliche Ähnlichkeiten mit einer anderen des Jahres 708 aufweist. [ ▲ ]
2)Vgl. das gleichlautende: 行儀 (gyōgi) [rituell anständiges] Benehmen / Verhalten [zur Herstellung eines ästhetisch schönen Erscheinungsbildes als Ausdruck einer sittlichen Persönlichkeit des Handelnden] ( 儀 steht für Regel, …) [ ▲ ]

Im NR-Text:
Gyōgi (行基; 668-749) ist die am häufigsten im NR genannte Person. Insgesamt wird er in seiben Legenden erwähnt (I: 5; II: 2, 7, 8, 29, 30). Etwa 200 Jahre nach seinem Tode begann eine reichhaltige hagiographische Literatur zu entstehen, die Augustine (2005) ausführlich, jedoch nicht übermäßig gelungen, beleuchtet. Religionswissenschaftliches Interesse an seiner Person hat erst in den letzten 30 Jahren Einzelstudien hervorgebracht. (Zum sōniryō siehe auch die Einleitung Nakamura's.)

Monographien zur Person:

  1. Augustine, Jonathan M.; Buddhist Hagiography in Early Japan; Abigdon 2005 (Routledge Curzon); ISBN 0-415-32245-6 [mit ausführlicher Bibliographie. Auch mit den relevanten NR-Legenden, dabei jedoch Schwächen (stellenweise haarsträubend) in den Übersetzungen (Da die Widmung – wie so oft bei japanologischer Forschungsliteratur – auch den Namen der japanischen Ehefrau aufführt, kann wohl davon ausgegangen werden, daß ihre Hand im Hintergrund mitgewirkt hat. Die Schwächen bzgl. Kenntnissen der Klassiker werden dadurch auch nicht kaschiert.)]
  2. Inoue Kaori; Gyōgi; Tōkyō 1959 (Yoshikawa Kōbunkan)
  3. Yoshida Yasuo; Gyōgi to ritsuryō kokka; Tōkyō 1987 (Yoshikawa Kōbunkan)

Neuere Artikel zu Gyōgi:
堀一郎; 1a) 日本霊異記と行基大徳; in: 是真, 6, 1 (昭10年 1月) und 1b) 行基伝説の社会性 in: 日本上代文化と仏教』 (昭15年 11月);
2) 出雲路修 「日本霊異記」の行基 in: 国文学,20巻15号 (昭50年 11月);
3) 吉田靖雄; 『霊異記』の行基文殊化身説をめぐって; in: 日本仏教,46号 (昭53年 11月);
4) 魚尾孝久; 古代仏教説話と行基; in: 大正大学大学院研究論集,3号 (昭54年 3月);
5) 瀧田寿陽; 道昭・行基の考察; in: 淑徳短期大学研究紀要, 18号 (昭54年 3月);
6) in: 説話文学辞典; 東京 1969;
7) 増子和子; 『日本霊異記』における行基信仰; in: 『上野学園創立七十五周年記念論文集』 (昭54年 9月);
8) 黒沢幸三; 日本霊異記小論ー行基説話の意味するものー in: 『土橋寛先生吉稀;
9) 藪敏晴; 『日本霊異記』行基関連説話小考―水神零落譚試 in: 説話文学研究, 27 (平4年 6月);
10) 行基と智光,根本誠二 in: 日本古代の人と文化 (平5年 8月);
11) 高橋貢; 行基 in: 岩波講座日本文学と仏教, 1 (平5年 11月);
12) 霧林宏道; 『日本霊異記』における行基説話の一考察―女性教化説話の視点から in: 国学院雑誌, 102巻, 12.

Externere Weblinks:

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