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Kabane und Hofränge

(von Adi Meyerhofer)

Hermann Bohner setzt in seinem Abschnitt „Zu Merkendes“ (Original S. 56-) vergleichsweise weitgehende Kenntnisse der japanischen Gesellschaft der Asuka- bezw. Nara-Zeit voraus. Da derartiges Wissen bei Nutzern dieser Seite nicht vorausgesetzt wird, wurde an dieser Stelle eine bedeutend detailliertere Einführung erstellt.

Siehe auch Ritsuryō (Verwaltung und Gesetze)


Es empfiehlt sich für den mit dem Gegenstande wenig vertrauten Leser sich mit folgenden Bezeichnungen vertraut zu machen:

Die Kabane (姓)

H. B.: Klassenverbandsbezeichnungen ältester Zeit (vgl. FQ, 28, 445).

Die Rangfolge der Adeligen richtete sich in der japanischen Frühzeit nach dem ihren Familienverbänden (uji) zukommenden erblichen Standestiteln (kabane).
Über die Rangfolge und Bezeichnung herrschen in der Forschung die unterschiedlichsten Auffassungen. In der englischen Literatur, hat sich noch nicht einmal ein allgemein feststehender Ausdruck durchgesetzt.

Uji

Uji waren im wesentlichen weitverzweigte (adlige) Großfamilien bzw. -gruppen, die ihren Ursprung auf dieselbe Person (auch Kaiser) bzw. Kami zurückführten, oft mit eigenen Uji-spezifischen Namen, alle trugen jedoch dasselbe Kabane. Die Ursprünge dieses Klassifizierungssystem gehen in die japanische Frühzeit (4.-5. Jhdt.) zurück. Es sind 24 verschiedene Kabane bekannt, wobei diese nicht in einer exakten Reihenfolge festgelegt waren. Verleihung (bzw. Erhöhung) erfolgte durch den Herrscher. Vereinzelt erfolgten Verleihungen auch an verdiente Einzelpersonen. Insgesamt war dieses System jedoch, besonders vor Einführung des Hofrangsystems, zu unflexibel, da mit der erblichen Verleihung eines Kabane Privilegien an die (teilweise sehr großen) Familienverbände, die gewisse erbliche Funktionen bei Hofe hatten, verbunden war. Die Klanoberhäupter kontrollierten gewisse, als „-tomo“ oder „-be“ bezeichnete, Berufsgruppen (Zünfte), die wohl einen Hintersassen-ähnlichen Status hatten.

Zum Vollbild
Fujiwara Stammbaum: Versippung mit dem Kaiserhaus

Dominierendes Uji der Frühzeit waren die, die Waffenschmiede „-be“ kontrollierend, Mononobe, diese wurden ab 578, bis zum coup d'etat 645, von den Soga verdrängt, danach dominierten die Fujiwara, die das Ritsuryō-System mit einführten. Deren geschickte Familienpolitik (Versippung mit dem Kaiserhaus) ist aus dem Stammbaum ersichtlich. Unter Kaiser Temmu wurde mit Edikt vom 684/10/1 ein 8stufiges Rangsystem festgelegt (Yakusa no Kabane, siehe Tabelle). Bereits in den Jahren zuvor war begonnen worden, einzelne Uji in entsprechende Kabane zu befördern. Die alten Kabane bestanden jedoch weiter, so keine Neueinordnung stattfand. Dies wirft einige Probleme bei der Zuordnung auf. Im wesentlichen wurden die meisten alten kimi (公) in die höchste Klasse mahito überführt; omi, kimi (Schreibung 'kun') zu asomi. Viele obito, miyatsuko, kishi, atahi, fuhito, agnata-nushi usw. in das neue – im Rang niedrigere – vorläufig (680-1) zu muraji, einige dieser dann nach 684 zu sukune bzw. imiki, meist im muraji belassen. Die „alten“ – höherstehenden – muraji wurden meist sukune. Der neue vierte und fünfte Rang, der der Mehrzahl der vor-Taika omi und muraji zugeteilt wurde, stellte den Hauptteil der höfischen Aristokratie. Unter diesen Stufen nahmen die Privilegien für die niedrige Hofaristokratie und die Nachkommen der alten kuni no miyatsuko die eine Art Landadel enstehen ließen, rasch ab. Der erbliche Adelsrang und (Hof-)Amt brachten Sondereinkünfte und Nebeneinnahmen. Rangabhängige Pfründe waren z. B. eine gewissen Anzahl von Gefolgsleuten, Nutznießung zugewiesener Ländereien und Steuerbefreiung. Der Landadel erhielt steuerfreies Amtsland, jedoch wenige Privilegien. Als Familienoberhaupt folgte in den Ämtern und Rechten der älteste Sohn.
In späteren Zeiten wurden Kaisernachfahren, die i.d.R. in der 5. Generation aus der kaiserlichen Familie „aussortiert“ wurden, d. h. ihnen wurden Familiennamen gegeben, zu mahito. Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß die obersten beiden (neuen) Ränge, Nachkommen des kaiserlichen Hauses vorbehalten blieben. Viele der einflußreichsten Uji, die ihren Ursprung auf Kami zurückführten, erhielten den Rang sukune. Verleihungen der unteren 4 Ränge sind erst ab der Regierung Mommu’s (697–707) in den Annalen verzeichnet.

Shinsen-shōjiroku

Als sich der Yamato-Klan zur führenden Kraft entwickelt hatte, ergab sich bald die Notwendigkeit die zahlreichen Ansprüche einzelner Klans nachzuprüfen. Der Saga-Tennō beauftragte 815 den Prinzen Mata eine Adelsmatrikel, das Shinsen-shōjiroku (新撰姓氏) zu erstellen. Aufgenommen wurden, in Zweifelsfällen nach Feuerprobe, 1182 Familien aus den fünf inneren Provinzen (kanai). Dieses Verzeichnis wurde in drei Abteilungen gegliedert: 1) Kobetsu: Nachfahren von „Kaisern“ seit Kaika (traditionell 208–98), 2) Shimbetsu: diejenigen „göttlicher Abstammung,“ und 3) solche „ausländischer,“ d. h. meist koreanischer Herkunft (324 Sippen). Es erfolgte genaue Aufschlüsselung der Genealogien. (Mit Immigranten sind hier diejenigen, von der koreanischen Halbinsel ankommenden Träger der Zivilisation gemeint, die nach ca. 450 kamen. Die aus den koreanischen „Invasoren“ von 369 hervorgegangenen herrschenden Clans (u. a. Soga, Ki, Kose, Heguri, Katsuragi) waren zu diesem Zeitpunkt schon japanisiert.0
Die Obsession der Japaner mit Blutlinien und damit verbundener „respektabler“ Abstammung hält bis heute an und findet ihren Ausdruck in den offiziell geführten Familienregistern, deren Ursprünge auf diese Zeit zurückgehen. Seit 670 ist die Erfassung der Bewohner durch Haushaltsregister vorgeschrieben. In dieser Richtung zu sehen sind auch die „schwarzen Listen“ (deren Existenz vehement bestritten wird) zu sehen, mit denen Personalabteilungen prestigeträchtiger Großfirmen, Bewerber mit burakumin o.ä. Hintergrund aussieben.

Rangfolge nach Bohner
(Koreanische) Immigrantenfamilien (s. u.), waren von den drei obersten Rängen ausgeschlossen.
Leicht abweichend gibt Miller (1974; s. o.) die oberen Ränge: Mahito, Asomi, Sukune, Imiki. Weiterhin unterscheidet er bei den (alten) Kimi zwei Schreibungen 1) ko, 2) kun, wobei erstere den höheren Rang darstellten und auch nach 684 fast alle zu Mahito wurden, während letztere meist unter Asomi eingereiht wurden.
OmiEdeling, Großherr, Adel kaiserlichen Geblüts; Ohoomi: Groß-Omi; retainer, subject
MurajiScharherr, Dörferschaftsherr, alter Dienstadel nicht kaiserlichen Geblüts
MiyatsukoKönigsknappen; vgl., Wedemeyer 109; 235 ff.
Kimi公 oder 君Herr, Fürst; vgl. W. 68 n 124; 109 n 238
Atahi
atae
Vitztum vgl. W. 111 n 239.
Agatanushi, Suguri, Wobito県主, 村主, 選Oberhaupt (Suguri bezeichnete ausschließlich Einwandererfamilien.)
Asomi朝臣2.-höchstes Kabane bei der Neuverteilung. („Nachfahren“ der Kaiser vor Ōjin bezw. der kami)
Sukune宿禰3.-höchstes Kabane
Imiki忌寸4.-höchstes Kabane (vgl. FQ, 445)

Rangfolge von 684 (nach Ingelore Kluge)

mabito真人1. Rang für kaiserliche Verwandte. (Hauptsächlich Nachfahren von Keitai; 13 Sippen.)
ason朝臣2. Rang. (Hauptsächlich Nachfahren der bisher Omi betitelten Familien, oder Nachfahren aus der kaiserlichen Linie von Keiko. Zusammen 52 Sippen.) Auch für Personen vom 5. (Hof-)Rang aufwärts als ehrenvoller Beiname. (Lesung chōshin 'Höfling')
sukune宿禰Fünfzig Sippen, die sich als Nachfahren von Kami verstanden. (Meist …no Muraji.)
imiki忌寸Fremdadel. (Erste Ernennungen 685/6/20 von zwanzig Sippen, fat alle Provinzvorsteher.)
michi no shi道師für Handwerker, Künstler usw. (Lesung dōshi Taoist, Moralist)
omi(mit Lesung: shin Vasall, Untertan)
muraji(mit Lesung: tsurete Begleiter, Freund, Anhängsel)
inakiunterster (Adels-)Rang

Gemeines Volk, Sklaven

Bauernhaus
Bauernhaus mit elf Bewohnern
(Meiji-Ära. Die bis in die 1920er verbreitete Ansicht, dies sei ein seit dem Altertum unveränderter Haustyp hat sich als nicht haltbar erwiesen. Das einfache Volk lebte lange in gedeckten Erdgruben.)

Mit Umsetzung der Taika-Reformen (645–702) wurde auch die Bindung der Berufgruppen (-be) an einzelne Uji aufgehoben, was zu einer Schwächung dieser Adelssippen gegenüber der Zentralmacht führte. Das gemeine, steuerzahlende Volk war danach im wesentlichen in Ryomin (良民) und Semmin (賤民) geteilt.
Erstere bildeten die obere Klasse und waren in: Kanjin (官人), Komin (公民), Shinabe (品部) und Zakko (雑戸) untergliedert.
Darunter die Semmin, aufgrund ihrer 5stufigen Gliederung oft als go no sen (五の賤) bezeichnet. Sie waren nach ihren Aufgaben wie folgt gegliedert: Ryōko (陵戸), der kaiserlichen Familie zugeordnet, häufig Bewacher von Kaisergräbern. Kanko (官戸), den Behörden zugeordnet. Kenin (家人) Bediente des Adels. Weiterhin zwei Arten von Sklaven; die kunuhi (公奴婢) Eigentum des Kaisers und die shinuhi (私奴婢) im Besitz von Privatleuten. Kunuhi wurden mit Erreichen der Altersgrenze (66) zu Kanko, mit 76 Jahren Freie. Heiraten zwischen den einzelnen Gruppen waren anfangs nicht gestattet, das System war aber nicht so streng wie das indische Kastenwesen. Anfangs wurden Mischlingskinder der beiden Kasten den Semmin zugeordnet, nach 789 den Ryomin. Diese Gliederung wurde bis ins 10. Jhdt. angewendet. Erblich Unfreie trugen bestimmte Namen, so daß auch dadurch ihr Status kenntlich wurde.
(Sklaven gab es auch in späteren Zeiten, jedoch unter anderen Bezeichnungen. Jesuitische Missionare berichten aus dem 16. Jhdt. davon.) Das System der klassenmäßigen Abstufung der Gesamtbevölkerung legte die Grundlage der späteren konfuzianisch beeinflußten (erblichen) vierstufigen Gliederung im Shogunat.

Migration der Landbevölkerung aus den Dörfern ihrer Geburt war unerwünscht, kam aber bei verschlechterten Lebensbedingungen vor. Ein Mal im Leben konnte dem Antrag eines Haushaltsvorstands stattgegeben werden. Umzüge über Provinzgrenzen bedurften der Genehmigung aus der Hauptstadt, die Umziehenden hatten nach den Bestimmungen des Taihō-Kodex im Winter von Offiziellen bis zur Provinzgrenze begleitet zu werden und wurden dort in Empfang genommen. Flüchtige wurden nach 721 zwangsweise in Begleitung repatriiert, freiwilligen Rückkehrern wurden Reise-Papiere gegeben. Aufgegriffene wurden ab 736 vor Ort, ohne daß ihnen Land zugeteilt wurde, zur vollen Steuer veranlagt. Die Bestimmung, 780/1-5 vorübergehend außer Kraft gesetzt, führte im frühen 9. Jhdt. zur Schaffung von Vaganten-Registern (furōnin chō). Verschiedene pragmatische (Ausnahme-)Verordnungen zeigten, daß die Kontrolle in den Provinzen nicht so streng war, wie offiziell gewünscht. Die duolokalen und bilateralen Heiratsgewohnheiten führten auch zu Migration. Gewisse Berufsgruppen, z.B. Fischer waren mobil, ebenso war die Brandrodungswirtschaft bis in die Heian-Zeit üblich, was Haushaltsverlegungen erforderte. Ausgrabungen von Dörfern der Nara-Zeit haben weniger kompakte, als verstreut liegende Siedlungen zu Tage gefördert. (Wehrdörfer mit Palisaden waren allenfalls in Mutsu nötig, sonst herrschte im Yamato-Reich ein Jahrhunderte langer Landfrieden.) Gewohnt wurde lange noch in Erdlochbehausungen (竪穴住居 [たてあなじゅうきょ] ) (ø 16 m², für 5-7 Bewohner), mit Lehmherden, deren Materialien alle 15-20 Jahre Neubauten erforderten. (Saisonale) Arbeitsmigration, z.B. zum Bau des Tōdai-ji ist, ebenso belegt, wie Beschwerden, daß dadurch ein Fachkräftemangel in den Provinzen enstand. Die Schätzung der Gesamtbevölkerung auf 5½ Millionen (von Sawada Goichi, 1927) zur frühen Nara-Zeit, als die Kontrolle bis etwas nördlich der Kantō-Ebene reichte, gilt heute als zu hoch gegriffen. 4–5 Millionen dürfte eine realistische Annahme sein. Die Lebenserwartung (hohe Kindersterblichkeit heraugerechnet), läßt sich aus erhaltenen Zensus-Unterlagen auf ø 35-38 Jahre schätzen.


Hofrang

Es sei darauf hingewiesen, daß in Japan der „1. Rang“ immer die höchste Stufe ist. Die „linke“ bzw. „östliche“ Seite ist immer würdevoller als ihr Gegenpart.

Im Jahre 11 der Herrschaft der Kaiserin Suiko (d. i. 603) eingeführt, bestanden die Hofränge (冠位十二階, kan'i junikai ) für Beamte nach chinesischem Vorbild – aber entsprechend der Praxis an den koreanischen Höfen. Ursprünglich in sechs Rängen: 徳, 仁, 禮, 信, 義, 智; von diesen jeweils eine obere und untere Stufe. Das Nihon shoki XXII (Suiko 11/12/5) beschreibt die Einführung des Klassifizierungssystems. Nun war es möglich Personen nach ihrem Verdienst zu befördern, ohne auf die unflexible Kabane-Klassifizierung der Sippen in jedem Fall Rücksicht nehmen zu müssen.
Erstmals wurde dieses System 647 (13 Stufen; Kan-i shichi shoku ju-san kai) modifiziert. Bereits im 5. Jahr Kōtoku (649) wurde es in ein 19stufiges Rangsystem (Kan-i ju-ku kai) geändert. Dei Unterscheidung erfolgte auch hier anhand der Kopfbedeckung („Mützenränge.“ Nihon Shoki XXV: Taika 5/2). Weitere Reformen fanden 646 (26 Stufen) und 685 (zwölf der Kaiserfamilie vorbehaltene und 48 einfache Räge, Shaku-i shi-ju-hachi kai) statt. Den Abschluß fanden diese 701 (18 kaiserliche und 30 Stufen für Untertanen). Die unteren Ränge waren jeweils in vier Stufen unterteilt, z. B. „6. oberer“ („gerader;“ „wirklicher“) bzw. „folgender“ („unterer“) Rang, mit je einer oberen und unteren Stufe. Die Ränge 1-3 („Großwürdenträger“) waren nur in zwei Grade unterteilt. Weiterhin wurde zwischen „inneren“ (Beamte bei Hofe) und „externen“ Rängen (in der Provinz) unterschieden. Die ersteren erforderten u. a. Residenz der Familie in der Hauptstadt. Aufstieg in den Bereich der gemachfähigen Amts- bzw. Würdenträger (5. Rang aufwärts) blieb Außenstehenden meist verwehrt.

Imperial Palace in Kyoto - chair of emperor's office 3 (title=
„Thron“ in der Audienzhalle (im rekonstruierten Palast in Kioto). Da die himmlische Majestät sonnengleich strahlt, wurden die Bambusvorhänge bei Anwesenheit herabgelassen, auf daß die Besucher nicht erblinden sollten.

Die obersten drei Ränge bildeten den Kreis der Großwürdenträger, die kuge. Alle Ränge vom fünften aufwärts berechtigten den Inhaber ins Antlitz des Herrschers zu treten,2 sie bildeten die sogenannten denjōbito. In gewissen Fällen war es unumgänglich, einer verdienten Persönlichkeit aus einer „nicht-würdigen“ Familie den fünften Rang zu verleihen, dies jedoch ohne Vortragsrecht. Für diese Zwecke wurde 728 eine spezielle externe Stufe des „fünften folgenden Rangs untere Stufe“ geschaffen; anfangs mit gleichen Bezügen und Rechten wie die inneren Ranginhaber. Die Privilegien wurden später abgebaut. Gewöhnliche Höflinge und Beamte (jige) standen im 6.-8. Rang. Darunter gab es den Einstiegsrang Daisō-i. Den Einstiegsrang im Staatsdienst bei Hofe bestimmte nicht nur die Note der Abschlußprüfung an der Daigaku sondern auch die gesellschaftliche Position der Sippe und der Hofrang des Vaters entscheidend mit.

Aus den Rängen, die immer auch ein Gradmesser gesellschaftlicher Stufung sind, ergaben sich gewisse Pfründen und Privilegien (z. B. hinsichtlich Eskorten oder Ehrenbezeugungen). Zwischen Dienstposten und Rängen der Amtsinhaber bestand eine gewisse „Angemessenheit des Ranges“ (kan'i-sōtō). Der für die Übernahme eines Amtes erforderliche Hofrang konnte einem Kandidaten nach Vollendung des 25. Lebensjahres verliehen werden, bei entsprechend hohem Kabane auch schon mit 21. Dabei hing der Einstiegsrang von der Herkunft und der Bildung des Kandidaten ab. In den unteren Klassen wurden die Beamten jährlich beurteilt (Schreibmaterial dafür war selbst zu bezahlen), die Aufstiegschancen, normalerweise von Länge der geleisteten Dienstperionden (stellungsabhängig unterschiedlich 4-6, teilweise auch 10 Jahre) waren ebenso wie die Entlohnung gering.

Als Sondergruppe zu betrachten sind postum verliehene Ehrenränge (zo-i), die der Familie des Verstorbenen bessere Versorgung sicherten. Dieser war normalerweise drei Stufen höher als die des Verblichenen. Nach 718 wurden noch provisorische Ränge (shaku-i), meist an niedere Provinzbeamte verliehen, teilweise auch an Gesandte.

1600–1945

Nominell wurden die Ränge Höflingen bis 1871 weiterhin verliehen, sie waren jedoch schon ab Beginn des Ashikaga-Shōgunats – ebenso wie die Macht des Kaisers – bedeutungslos geworden. In einigen Fällen waren Titularämter (kanshokumei, 官職名) jedoch zur Legitimation eines Kriegsherren von Bedeutung. So ließ sich Hideyoshi in einen Zweig der Fujiwara adoptieren, damit ihm der erste Rang, seiner Machtposition entsprechend, verliehen werden konnte.
Auch nach der Reform des japanischen Adels nach westlichen Vorbildern (Kazoku) 1884 wurden an japanische Staatsbürger weiterhin Hofränge (ikai oder kurai) verliehen. Diese hatten jedoch nur noch zeremoniell-symbolischen Wert. Auch wurde die Anzahl der Stufen verringert – es wurde nur noch in „wirkliche“ und „folgende“ Ränge unterschieden. Die neuen Adligen erhielten automatisch einen ihrem Adelsrang entsprechenden Hofrang, Barone z. B. wurden in den 4. Hofrang eingereiht. Der „erste wirkliche Rang“ wurde hohen Würdenträgern nur postum verliehen. Die seit Nakatomi no Kamatari († 669) übliche Praxis der Erhöhung am Sterbebett bestand also fort.

Verdienstränge

Als militärisches Gegenstück zu den zivilen Rängen wurden Verdienstränge (kun'i), ebenfalls in zwölf Stufen, die jedoch keineswegs gleichwertig waren, verliehen. Nach Abschluß eines Feldzugs wurde ein Meritenregister (kumbo) erstellt. Die direkte Erhebung in den 6. Rang erfolgte z. B. nach Ablieferung von 40 Feindesköpfen. Mit diesen Rängen waren keine Einkommen und wenige Privilegien verbunden. Ab dem 8. Rang erfolgte Steuer- und Fronerlaß, in der 9. Klasse nur Fron- und Wehrpflichtbefreiung. Im 8. Jahrhundert erfolgten etwa 12000 Verleihungen, die meisten in den unteren Klassen. Im 9. Jahrhundert häufen sich Verleihungen an assimilierte (fu-shū „Unterworfene") Emishi, die oft gleichzeitig noch spezielle „Barbarenränge“ erhielten. Die Verleihungen endeten mit dem Übergang von der allgemeinen Wehrpflicht zur kondei-Miliz.

Erst seit etwa 1967 werden die Taihō-Ränge wissenschaftlich korrekt interpretiert, wobei verschiedene Fragen zum Verhältis von Verdienstrang ggü. Hofrang noch ungeklärt sind.


Geistliche Ränge

Bereits zur Zeit der Soga-Herrschaft versuchte der Hof, das Leben und den Zugang zur Sangha zu regeln und die Struktur zu kontrollieren. Dazu wurden unter Kaiserin Suiko 624, als Sōgō-sei, (僧綱制) die drei Positionen sōjō (僧正, ch.: seng-cheng), sōzu (僧都, ch. seng-tu) und hōzu (法頭, ohne chin. Vorbild) geschaffen. Ein eigenes Gesetz, das Sōni-ryō, das auch Verhaltensregeln für Mönche enthielt, und z. B. Mönche an bestimmte Tempel band, wurde erlassen (Teil des Taihō-Kodex). Der Hauptzweck war es, den Buddhismus dem Nara-Hof dienstbar zu machen. Beginnend mit der Regierung des Kaiser Temmus (?673–86) mußte jede Ordination, die an gewisse Voraussetzungen geknüpft war, von einer eigenen Behörde, dem Gembaryō – das die Funktion des hōzō übernahm – genehmigt werden. Dadurch sollte u. a. verhindert werden, daß sich Bauern vor der hohen Steuerlast in den geistlichen Stand flüchteten. Trotzdem zog eine große Zahl „unoffizieller“ Mönche (jidō) durchs Land. Shōmu zentralisierte und verstaatlichte die Verwaltung mit Hilfe der Provinztempel, die zentral vom Tōdai-ji aus verwaltet wurden. Der Jun’nin-Tennō bestimmte, daß die gewöhnlichen Kleriker in vier Ränge eingeteilt wurden, die in der Würde den Stufen des sechsten Hofranges gleich standen. Die Stufen, alle beginnen mit Dentō…, sind von oben: …daihōshi, etwa: „Dharma-Großmeister der Weitergabe der Leuchte“; …hōshi, etwa: „Dharma-Meister …;“ …man-i: „Oberer Rang;“ …jū-i „Unterer Rang;“ …nyū-i: „Novize“ (= 沙彌, shamon. Noch ohne Rang). Die Auswahl der höheren Würdenträger erfolgte nicht durch die religiösen Gemeinschaften, sondern von Staats wegen („Religion“ war in Japan der weltlichen Herrschaft immer untergeordnet und dienstbar).
Mit dem Aufkommen der von Saichō verbreiteten Lehren (ab ca. 800) wurde die strenge Kontrolle der Sangha hinfällig. Buddhistische Mönche und Shintō-Priester unterlagen einem milderem Strafrecht.1

Bezeichnungen und Ehrentitel für buddhistische Geistliche (H. B.)

Viele der obigen Begriffe finden sich ausführlicher erläutert im Verzeichnis buddhistischer Termini.
Bosatsu菩薩Bodhisattwa, der bodhi (Erleuchtung) Gewordne, nachststehend den Buddhas; Buddhist saint
Hōshi法師(chin. fashi) Meister des Gesetzes (Buddhas), des Dharma, führender Kleriker; Buddhist priest; dharma master
Zen-shi禪師„Zenmeister,“ Meister des Zen, der Meditation. H.B’s Übersetzung, dieses in den Legenden häufigen Begriffs erscheint unglücklich, da Zen in der heutigen Umgangssprache, die Schule diese Namens bezeichnet, die als solche aber zur Entstehungszeit des NR in Japan noch nicht bestand. Dhyana-Meister bzw. Meditations-Meister wären angemessenere Begriffe. In der Nara- und frühen Heian-Zeit hatte der Titel noch die unterschwellige Bedeutung von „Exorzist.“
Dai-toku大徳(Groß-Wesenskraft, Groß-Tugend), ehrende Kleriker-Bez. "the Most Venerable". Skr.: bhadanta. Höchste der „12 Mützenstufen“ des Jahres 603
Shamon
Shami
沙門oder (so J) Samon, =Śramaṇa, (Ggs. zu den weißes Gewand Tragenden, was in Indien alle Laien tun), allg. Bez. für Geistliche (Asketen, Mönche) die 10 Gebote, aber noch nicht die Vollkommenen Gebote auf sich genommen haben (Novizen).
Gyōja行者(Wandeltuende, Schreitende) der Buddha-Erleuchtung entgegenstrebend, der Lehre gemäß Übung Tuende; ascetic
Jido自度(in ältester Zeit auf eigene Faust ohne Amtserlaubnis)* geistlichen Wandel Obliegender
Ubasoku優婆塞Upasaka (“close attendant”) der im Laienstand verbleibende Gläubige. Weibliche Form: Ubahi. lay brother/sister. Skr.: upāsaka/upāsikā
Danochi壇越Dan-otsu, Dāmapati „Spende-Herr“, Tempelpatron, Stifter, Gemeindemitglied

Shintō

Die Ämter für Shintō-Priester wurden seit 701 vom Jingikan (= Kamitsukasa; 神祇官) verliehen, das als Behörde außerhalb – jedoch parallel zum – Ritsuryō-Verwaltungssystems organisiert war. Schreine hatten je nach ihrer Bedeutung, und Nähe zum Kaiserhaus einen Rang. An der Spitze stand der Oberpriester von Ise, die anderen folgten entsprechend dem Rang ihrer Schreine.
1873 wurde eine achtklassige Rangordnung für Schreine eingeführt, die besonders in den oberen Stufen staatlich gefördert wurden und deren Vorsteher entsprechende Titel erhielten. 1947 erfolgte die Trennung von Staat und Kirche, seitdem gibt es keinerlei Förderung aus Steuermitteln mehr.

Anmerkungen:

Wesentliche Teile dieser Seite wurden vom Webseitengestalter auf der deutschen wikipedia 2006-8 in die Artikel „Geistlicher Rang in Japan,“ „Hofrang in Japan“ und „Risturyō“ eingearbeitet, wo sie seitdem von anderen – nicht immer zum Besseren – verändert wurden.

†) Siehe auch: Nyōin-shōoden; in: Kluge, I. L. (Hrsg.); Ostasiatische Studien; Berlin 1959 (Akademie); Der Beitrag Hermann Bohners gibt die Übersetzung dieses vor 1360 vollendeten Werks aus dem Gunsho-ruijō (Abt. Biographien). Der Inhalt beschränkt sich auf Kurzbiographien der Prinzessinnen und Kaisergemahlinnen bzw. deren Rangerhöhungen. Diese sind zwar strenggenommen Familienangelegenheiten der kaiserlichen Familie, jedoch waren die Formalien für alle Hofdamen analog gültig. [  ]
0) Zur Entwicklung von Nachnamen im 8. Jhdt. siehe Kiley, Cornelius; A Note on the Surnames of Korean Immigrant Officials in Nara Japan; Harvard Journal of Asiatic Studies, Vol 29 (1969), S. 177-89 [  ]
1) Ausführliche Schilderung bei Nakamura, S. 18-29: State Contol of the Sangha and Popular Buddhist Movements. ]
2) Seit der Übernahme chinesischer höfischer Sitten war es ab 647 Tabu, den wirklichen Namen der himmlischen Majestät zu benutzen. 764 wurde Ōmi no Mifune damit beauftragt, postume Namen für die Kaiser seit Jimmu zu bestimmen. Das 720 vollendete Z wurde entsprechend redigiert. Kōken erneuerte 757 diese Regelung bei Strafandrohung, 774 wurde die Bestimmung auf die Dauer von 30 Generationen ausgeweitet. Das Verbot bezog auch phonetische Duplikationen mit ein (z. B. hito wurde stattdessen tami gelesen, oder ein Tabu-Zeichen wurde gleich ersetzt, hier z.B. durch ) und galt auch für die Namen kaiserlicher Prinzen. Ebensowenig wandelten Tennō’s „auf Erden,“ sondern stets entlang Veranden, Brücken, Teppichen usw. [  ]

Literatur

Grundllegend für das Verständnis sind die Arbeiten von Hans A. Dettmer und R. Miller, wenn auch letztere teilweise überholt ist.

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