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Kannon (Avolokiteśvara)

(von Adi Meyerhofer)

1000armige Kannon
Kannon (Photo ca. 1880)

Kannon (觀音, vereinf.: 観音; Kanzeon, unreformiert auch: Kwannon. „die (flehenden) Laute der Welt betrachtend“1) ist die ostasiatische Variante des Bodhisattva Avolokiteśvara,2 der – wohl durch Verschmelzung mit einer chinesischen Sagengestalt – weibliche Züge angenommen hat. Als solches ist sie eine Göttin des Mitleids (karuṇā) und der Barmherzigkeit. In China wird sie als Kuan-shih-yin – was meist zu Kuan-yin (Pinyin: Guanyin) verkürzt wird – bezeichnet. Es hielten sich aber bis in die Sung-Dynastie auch männliche Darstellungen, in Tung-Huan entdeckte man eine mit Schnurrbart. Der volkstümliche Glaube sieht sie auf der Insel P’u t’uo-shan beheimatet. Dort soll sie, die die dritte Tochter des Königs Miao chung gewesen war, wiedergeboren worden sein, nachdem sie Enra, der Herr der Unterwelt durch Entführung in sein Reich vor ihrem Vater – der sie erschlagen wollte, weil sie gegen seinen Willen im „Kloster des weißen Spatzen“ blieb – gerettet hatte. Nach ihrer Rettung und Wiedergeburt heilte sie den erkrankten Vater, indem sie ein Stück ihres eigenen Fleisches auf eine Wunde legte.

Shingai Kannon
Shingai Kannon

Kannon
Kannon

Im siebten Faszikel des Lotus-Sutra wird ihr die Fähigkeit die Schreie aller Wesen der Welt zu hören zugeschrieben. Weiterhin gilt sie für Frauen als „kindgewährend,“ Beschützer vor Schiffbruch oder Sturm, sowie sämtlicher Gefahren oder Bedrohungen durch Schwert, Dämonen oder Feuer. Sie kann verschiedenste Verkörperungen annehmen um das Dharma zu lehren, was zu zahlreichen ikonographischen Darstellungen geführt hat. Vielfach hält sie in der Hand einen Weidenzweig, eine Lotusblüte und das Gefäß mit dem „himmlischen Tau.“ Im Herzsutra wird sie ch. als Kuan-tzu-tsai erwähnt. Das Sukhāvatī-Vyūha schildert sie als einen der Begleiter Amithabas. Im esoterischen „Mantra des großen Mitgefühls“ (ch.: ta pei chu) stellt man sich hintereinander 108 Erscheinungsformen vor.

Im japanischen Buddhismus wird Shōtoku Taishi (572–621) als eine ihrer Verkörperungen betrachtet.3 Erwähnungen finden sich auch in den Reichsannalen, besonders dem Nihon shoki ab Jitō- und Temmu-Tennō. Spätestens seit dem 10. Jahrhundert beteten Kaiser vor im Palast aufgestellten Kannon-Bildnissen, besonders Kazan (968–10084) vereehrte sie. Die populäre Gründungs-Legende des Dōjōji (Wakayama-ken), in der gesagt wird, eine Taucherin habe zur Zeit Mommu’s die erste Repräsentation der 1000armigen Kannon in Japan aus dem Meer gehoben, findet sich erstmals im Hokke Genki (um 1040) und muß als Erfindung dieser späteren Zeit gelten. Im Ryōbu-Shintō ist ihr Kuni-no-sazuchi-no-Kami gleichgestellt. Im estorischen Buddhismus gehört sie zu den 13 angebeteten Gottheiten. Eine Vision dieses Bodhisattvas spielt auch bei Shinran, (親鸞) dem Begründer der Jōdō Shinshū eine wesentliche Rolle. Im Japan sind die Wallfahrten zu den „33 Kannon-Tempeln“ beliebt gewesen. Es gibt zwei derartige Gruppen, eine in Westjapan (西国三十三所; Saigoku Sanjūsan-sho) und der Region um Bandō (坂東三十三所). Hergeleitet ist diese Zahl von den 33 verschiedenen Repäsentationen (十三觀音 bzw. 三十三尊觀音) chinesicher Tradition. Häufige Symbole sind Weidenzweig, Drache, Sutra(rolle), Heiligenschein, weiße Robe, Fischkorb, schlafender Lotus, mit gefalteten Händen, Medizin spendend, Wasser ausgießend usw.

Die Senjū- des Kiyomizudera (Kyoto) und die Nyoirin-Kannon des Ishiyama-dera (Shiga-ken) werden nur alle 33 Jahre öffentlich gezeigt, offiziell existieren keine Photos. Unregelmäßig, aber ebenfalls selten gezeigt werden die Statuen im Kanjin-ji (Osaka), Jimokuji (Aichi) sowie Tempukuji (Chiba-Stadt).

Kunstgeschichte

1000-armige Kannon
1000armige Kuan-yin

In Japan finden sich sieben Formen von Avolokiteśvara/Kannon, die Einflüsse des (tibetanischen) Mahayana zeigen: 1) Shō-Kannon (Weisheits-K.), 2) Juichimen (11köpfige-K.), 3) Senjū (1000armige-K.), 4) Juntei, 5) Fukū-Kenjaku, 6) Bato (Pferdekopf-K.), 7) Nyo’inrin. Die Darstellungen der ersten drei folgen Formen der tibetischen Göttin der Gnade. Bato’s Vorbild ist der tibetische Gott Hayagrīva. Vorbild für Juntei ist die Göttin Cundā (bzw. Cuntī). Im Tendai verwendet man Juntei nicht; Shingon verzichtet auf Fukū-Kenjaku.
Wann die ersten Skulpturen nach Japan gelangten kann nicht mehr festgestellt werden, jedenfalls gehören Kannon-Statuen zu den frühesten buddhistischen, plastischen Darstellungen, sie finden sich schon in der Hakuhō-Ära. Bereits die aus Shiraki an Suiko gesandte Figur scheint diesen Bodhisattva darzustellen. Spätestens Dōshō (道昭; 629–700), einer der Bringer der Hossō Schule, dürfte bei seinem Studien bei Hsüan-tsang in China sie kennengelernt haben. Bekanntermaßen brachte er mehrere Skulpturen mit, worunter wohl Avolokiteśvara sowohl in weiblicher als auch männlicher Form gewesen sein dürfte. Wirklich populär gemacht wurde dieser Bodhisattva aber erst im tantrischen (esoterischen) Shingon, dessen Gründer Kūkai sich vom Kami in Ise die „Genehmigung“ holte, diesen „fremdem Gott“ in Japan anzusiedeln.

Japanische Darstellungen der Krone haben i.d.R. mehr (herabhängende) Ornamente, anstelle der in Tibet üblichen 5fältigen Kopfbedeckung. Brust und Schultern sind fast immer unbedeckt dargestellt, wenn auch eine Halskette und der traditionelle Schal von der linken Schulter über die Brust geworfen ist, der dann graziös über die Arme fällt. Das um die Hüften geschlungene Tuch reicht bis zu den Knöcheln und folgt dem Gandhāra-Stil. Die Ohrläppchen sind, indischer Tradition folgend, stets stark verlängert, die Augen aber im japanischen Stil dargestellt. Üblicherweise findet sich die ūrṇā sowie hinter der Krone („Mitra“) die ushṇīsha. Gelegentlich folgt das Muster der Bekleidung der eines (japanischen) Buddhas, bleibt von diesem jedoch durch die reiche Kopfverzierung unterscheidbar.

In den esoterischen Schulen wird Kannon oft in Mandalas dargestellt. Zen-Maler ab dem 13. Jahrhundert zeigen sie oft in weißer Robe (entspannt) in einer Grotte, einem Bambushain oder bei einem Wasserfall sitzend. Oft ist sie auch von tosenden Wellen, die sie beruhigt, umgeben.

Zur Zeit der Chistenverfolgungen in der Tokugawa-Zeit wurden „Marien-Kannon“ hergestellt, in denen eine Jesuskind versteckt war. Bereits in China hatten Jesuiten zu dem Trick gegriffen Maria mit Guan-yin gleichzusetzen, da für Ostasiaten ein „Gott,“ der durch die für Sklaven reservierte Art der Hirnrichtung der Kreuzigung schwer annehmbar war.

1) Der Shō-Kannon (Arya) ist die einfachste Darstellung des Bodhisattva, nämlich die seiner Manifestation Padmapāṇni (蓮華手菩薩). Der stehende Jüngling, mit halb-geschlossenen Augen, zeigt das Vitarka-Mudra. Sein Symbol ist der Lotus, meist als Knospe. Das Haar hinter Krone ist in der Form der ushṇīsha. Vielfach ist ein Oberlippenbärtchen angedeutet, die Schultern sind meist frei. Das in indischen Darstellungen gelegentlich vorkommende Antilopenfell fehlt in Japan immer. Falls Juwelen dargestellt werden, entsprechen sie nicht den 13 traditionellen Ornamenten eines Bodhisattvas.
Eine schöne Bronzeskulptur des Padmapāṇni von ca. 570 findet sich im Museum of Fine Arts, Boston.

2) Die Juichimen-Kannon (skr.: Ekādaśa-mahākarunika-Lokeśvara), ist in der Darstellung des Körpers (mit nur zwei, selten vier Armen) nicht unähnlich 1, der Kopfschmuck besteht jedoch aus elf Köpfen, die normalerweise in zwei Reihen zu drei und einer zu fünf angeordnet sind. Der Kopf Amithābha’s entspringt der ushṇīsha. Gelegentlich ist einer der mittleren Köpfe durch eine buddhagleiche Figur ersetzt. Diese repräsentiert Kikuta Sanzo, einen indischen Prinzen, der im 7./8. Jhdt. für die Ritsu-Schule in Japan wirkte. Erkennbar ist er an seinen immer bedeckten Händen.
Die linke Hand des Bodhisattva hält eine Vase, in der sich meist eine Lotusblüte befindet. Die rechte Hand – im „Wohltätigkeits“-Mudra – hält entweder einen Rosenkranz oder shakujo (錫杖; skr.: khakkhara). Sofern die Darstellung einen Heiligenschein mit enthält, finden sich in diesem auf jeder Seite fünf Sonnen und ein cintāmaṇi. Die elf Köpfe, zehn davon meist kleiner, der Juichimen Kannon symbolisieren die Eigenschaft in alle Richtungen zu sehen (allsehend zu sein.) Die 11köpfige Kannon des Yakushiji ist eine der berühmtesten. Eine der schönsten erhaltenen ist die Rōben zugeschriebene, aber wohl erst nach 750 entstandene Statue im Sangatsu-dō des Tōdai-ji, die nur selten öffentlich gezeigt wird.
Die Juichimen-Kannon aus der mittleren Heian-Zeit in der Kannon-dō des Dōgan-ji (渡岸寺観音堂; Takatsuki, Shiga) ist als besonders gelungenes Exemplar ein japanischer Nationalschatz.

3) Senjū (千手千眼; 千手千眼大慈大悲觀音菩薩 Sahasrabhuja-arya-avalokiteśvara, kurz: Sahasrabhuja-sahasranetra), die 1000armige-Kannon5, wird nur in den seltensten Fällen tatsächlich mit eintausend Armen dargestellt. Üblicherweise beschränkt man sich auf 42 Arme. Nur zwei der Paare sind nicht ausgestreckt, sondern vor der Brust der Figur, die oberen Hände halten dann eine pātra (應器, Almosenschale) oder zeigen das Gebets-Mudra. Im zweiten Armpaar findet sich eine Schale mit Nektar, oder sie zeigen hinter dem Kopf auf Höhe der Krone das Añjali-Mudra, selten ein Vajra oder eine kleine Amitābha-Figur haltend. Die restlichen Hände können (tantrische) Symbole halten. Jeder der 40 Arme reicht durch die 25 Ebenen der Existenz (25×40=1000 + 2 gewöhnliche).

Als Begleiter dienen der 1000händigen Kannon, die 28 Gruppen Genien. (二十八部衆; skr.: ṛṣis) Sie stehen unter dem Kommando von Mayūrarāja; (孔雀王 Kujaku·Myōō. Auf einem Pfau sitzend mit vier Armen dargestellt).

Zu Nationalschätzen erklärt sind in Kyoto die Senjū-Kannon des Kōryū-ji (266 cm, vor 873), Hosshō-ji (109,7 cm, um 934) und in der Sanjūsangen-dō des Myōhō-in eine sitzende Darstellung von Tankei (1251–4, 334,8 cm) mit 28 Begleitern. Die Statue im Hon-dō, des Fujii-dera (葛井寺) von Osaka hat 1041 Arme (2 „normale,“ 38 große und 1001 kleine dem Rücken der Statue entspringend. 131,3 cm, Mitte des 8. Jhdt.) Im zum selben Komplex gehörenden Dōmyō-ji befindet sich auch eine stehende 11köpfige Statue aus der frühen Heian-Zeit (99,4 cm).

4) Die immer weiblich, meist sitzend dargestellte Juntei (準提觀音 ) leitet sich von der indischen Göttin Cuntī (skr.: Kotī-b;ri, vollständig Sapta-kotī-Buddha-mātṛ-Cuntī-devī 七倶胝佛母尊, syn. Marīci 摩利支), bzw. Cuṇḍī, die nachdem sie die drei Meditation (三重法界. Der Beziehungen zwischen nomenal und Phenomenalem. In der Kegon a) daß das Universum und das Gesetz [Dhamma] eins (眞如), d.h. von derselben Buddha-Natur sind; b) 理事無礙法界, daß die Buddha-Natur und das Dingliche (also das Absolute und Phenomäne) sich gegenseitig ausschließen; c) 事事無礙法界, daß Phenomäne untereinander sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern einen Teil eines harmonischen Ganzen bilden) vollendet hatte, vom Buddha geleitet wurde. Im indischen Pantheon entspricht sie Durga-devi, der Frau Shivas. Ihre Legende ähnelt eher der deas menschenfressenden Ungeheuers Hāritī. Cuntī soll die 70000 – nach japanischer Vorstellung 100000 – Buddhas geboren haben. Meist wird sie friedlich, gelegentlich aber auch als tobende Göttin dargestellt. Sie hat in ihren achtzehn Armen verschiedene Symbole und trägt das dritte Auge auf der Stirn. Die beiden „normalen“ Arme zeigen das renge no in-Mudra, wobei jedoch nur der Ring- und der kleine Finger eingehakt sind. Die Hände des obersten Armpaars halten Schwert und Banner. Gekleidet ist sie in wallende Gewänder, meist weiß. Den ushṇīsha bedeckt eine konische Kopfbedeckung („Turban“).

5) Fukū-Kenjaku (不空羂索観音; skr.: Amoghapāśa), die „Kannon mit der Fangschlinge,“ oft sech-, seltener achtarmig dargestellte Manifestation Kannons, die der Tendai-Schule zufolge in der Menschenwelt wandelt, um dort die Wesen zur Erlösung zu führen. Mit ihr verbunden ist u.a. das Amoghapāśa-kalparāja (不空羂索神変真言経 [ふくうけんじゃくしんぺんしんごんきょう] . „Sutra über das Mantra der unfehlbaren Fangschlinge und die übermenschliche Transformation“ – in dem auch erstmals Fudō-Myōō erwähnt wird – T. 1092, Übs. Bodhiruci im Sommer des 3. Jahres Shen Lung (神龍; 707), T’ang-Dynastie, im Hsi-ch’ung-fu-Kloster (西崇福寺). In Japan später eingeführt als die anderen Manifestationen. Stehend oder sitzen dargestellt, zeigen die normalen Arme das Gebets-Mudra, in den obersten werden shakujo und Lotusblüte gehalten. Ein weiteres Händepaar formt das Wohltätigkeits-Mudra (vara). Selten mit Juichimen-Krone, fehlt meist ein solches Zierat ebenso wie die ūrṇā fehlen kann.

6) Bato, die „Pferdekopf-Kannon,“ repräsentiert den tibetischen männlichen Gott Hayagrīva, (馬頭觀音; 馬頭大士; 馬頭明王; 賀野紇哩嚩; 賀演屹哩嚩; auch eine Erscheinungsform Vishnu’s. Gelegentlich mit Pfeil und Bogen.) gilt aber im Volksglauben als Repräsentation der „Göttin der Gnade.“ Er hat entweder eines oder drei (dann unterschiedliche) Gesichter, darüber einen Pferdekopf. Der Pferdekopf soll die Ungläubigen durch Erschrecken bekehren. In ihren acht Händen halten sie üblicherweise buddhistische Symbole oder Waffen. Fünf der Symbole entsprechen denen des Hayagrīva, eine Hand zeigt das Vara-Mudra. Die beiden gewöhnlichen Arme formen das renge no in-Mudra, die Lotusblüte repräsentierend, wobei alle Finger eingehakt sind und die Zeigefinger sich an den Spitzen berühren. Die Haartracht ist abstehend. Der Bodhisattva wird sitzend oder „königlich entspannt“ mit dem rechten Knie hochgezogen dargestellt. Der Gesichtausdruck ist immer grimmig, mit dem dritten Auge.
Das Pferd, besonders der Schimmel, hat im Buddhimus umfassende symbolische Bedeutung. Nicht nur war das Pferd auf dem Shakyamuni in die Hauslosigkeit zog (Kaṇṭhaka) weiß, auch wurde laut dem Mahayana-Sutra Siṃhala (also der Buddha) von einem Pferd vor den Nachstellungen der kannibalistischen Dämonen, den Rākshasa gerettet. In der chinesischen Tradition spielt das weiße Pferd eine Rolle in der Vision vom „vollkommenen Menschen“ des Kaisers Mingti (63 u.Z.), die zum Besuch der ersten beiden buddhistischen Mönche aus Tochara führte.

7) Die „allmächtige“ Nyoirin-Kannon (如意輪觀音), dient im japanischen Glauben seit der Heian-Zeit,No der Wunscherfüllung. Darstellungen der Nyoirin-Kannon. Das in einer Hand gehaltene Juwel (Perle), symbolisiert die Erhörung jeden Gebets. Nyoirin bedeutet etwa „Wunschrad.“ (skr.: Cintāmaṇcakra) Auch sie hat oft zahlreiche Arme, die außer dem Rad des Gesetzes noch Lotusblüten, Juwelen u. ä. halten. Charakteristisch ist, daß die Augen halb geschlossen sind, sich die rechte Hand auf die Wange stützt, dabei eine Meditationsstellung einnimmt, die als hanka shiyui bezeichnet wird (Halblotossitz, wobei ein Bein wie beim Lotossitz angezogen ist, das zweite aber locker vom Sitz herabhängt). Mit ihr sind mehrere Sutren (z.B. T. 1082, 1087) verbunden. Die Legende der Shōmu-tennō habe zu ihr um Gold gebetet und dieser Wunsch sei indeirekt mit den Funden in Mutsu erfüllt worden ist eine hagiographische Zuschreibung späterer Jahrhunderte, die sich erstmals im Sambo Ekotoba findet.
Eine der ältesten Statuen stammt aus dem Chuguji (dort steht heute eine Replika), ursprünglich Residenz der Kaisergemahlin Anahobe no Hashibito, Frau Yōmei’s (519–87 ?; r. 586), erhalten. Eine berühmte Statue befindet sich in der Kondō des Tōdaiji. Die in der Kondō des Kanshin-ji von Osaka befindliche Statue (108,8 cm; um 840) ist Teil einer San Nyoirin genannten Gruppe, die japanischer Nationalschatz ist.Ein weiterer Nationalschatz ist die in der Haupthalle des Gantoku-ji (願徳寺) in Kyoto aufgestellte, die während des nengo Jōgan (859–77) entstand.

Anmerkungen:

1) Umgangssprachlich bedeutet Kannon-sama (観音様) „Klitoris.“ Eine etymologische Untersuchung in Bezug auf den Zusammenhang zwischen ausgestoßenen Lauten (bei sachgemäßer Bearbeitung selbiger) und „Erlösung“ erscheint ein Desideratum. [ ▲ ]
2) Andere chinesische Umschriften für Avalokiteśvara: 婆盧枳底濕伐羅, 廅樓亘, 廅樓亙, 耶婆盧吉帝, 逋盧羯底攝伐羅, 闚音, 阿縛盧枳低濕伐邏, 阿那婆婁吉低輸. [ ▲ ]
3) Vgl.: Weinstein, Lucie; The Yumedono Kannon: Problems in Seventh-Century Sculpture; Archives of Asian Art, Vol. 42 (1989), S. 25-48 [  ]
<4/a>) Gilt als „Begründer“ der Saigoku-Pilgerroute, die aber wohl erst im folgenden Jahrhundert entstand. Die, erst nach dem zweiten Weltkrieg wiederlegte, Behauptung von Kazan als Gründer findet sich auch heute noch in verschiedenen Formen den Pilgerhandbüchern. Vgl. MacWilliam, William; Buddhist Pilgrim/Buddhist Exile: Old and New Images of Retired Emperor Kazan in the Saigoku Kannon Temple Guidebooks; History of Religions, Vol. 34, No. 4 [  ]
5) Auf sie beziehen sich mehrer Sutren: 千手經 ist eine Abkürzung für 手千眼觀世音菩薩大廣大圓滿無礙大悲心陀羅尼經 (T. 1060; Nīlakaṇṭha(ka)(sūtra)). 千手軌 oder 軌經 steht für 金剛頂瑜伽千手千眼觀自在菩薩修行儀軌經 (T. 1056), es wird auch 千手陀羅尼 und 千手千眼儀軌經 genannt. Dazu kommen noch etliche andere, wie 千手千眼觀世音菩藤姥陀羅尼身經 (T. 1058) und 千手千眼廣大圓滿無礙大悲心陀羅尼經 beide idem 千手千臂陀羅尼神咒, das ist das Avalokiteśvara-padma-jāla-mūla-tantra‐nāma-dhāraṇī. ]
5) Zur Bedeutung des 8., rechten: Nisshōmanishu III, 12. [ ▲ ]
6) Bis zum 14. Jahrhundert entwickelte sich das „Juwel,“ auch zum Symbol der Tennō-Herrschaft. Vgl.: Ruppert, Brian O.; Pearl in the Shrine: A Genealogy of the Buddhist Jewel of the Japanese Sovereign; Japanese Journal of Religious Studies, Vol. 29, No. 1/2 (Spring, 2002), S. 1-33 [  ]

Im NR-Text erwähnt: I-17, I-24, II-11, II-15 („Kannon-bon“ gemeint ist: Myōhō renge-kyō – Fumon-bon), II-25, III-3, III-14, III-34 (Senjū-dharani und „Kannon sanmai-kyō“ gemeint ist: Kanzeon bosatsu juki-kyō), III-38.

Literatur:

Die zahlreichen Veröffentlichungen zu einzelnen Kunstwerken können hier nicht gegeben werden.

Zusätzlich zum erwähnten Kapitel im Lotus-Sutra, einige Sutren bezw. Mantras zur Anrufung Kannons (T. meist im: 密敎部 und Vol. 85. Einige existieren auch in tibetanischer Übersetzung):

Externe Weblinks

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