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Avataṃsaka- oder Kegon-Sūtra

(von Adi Meyerhofer)

Dieser Exkurs übernimmt wesentliche Teile aus einem gleichnamigen Beitrag der deutschen wikipedia, den der Webseitengestalter mit verfaßt hat.

Das Avatamsaka-Sutra mit 40 (bezw. 60 oder 80) Kapiteln, in Japan Kegon-kyō bei H. B. auch „Blumengirlanden-Sutra“ (skt. Avataṃsaka-sūtra; ch.: 華嚴經 oder 華厳経 W.-G.: Hua-yen ching; andere ch. Namen: 不可思議解脫經, 不思議經, 不思議解脫經, 不可思議經 letzteres kann aber auch der volle Name des 維摩經 Vimalakīrti-sūtra sein. kor.: 화엄경, Hwaeom gyeong; viet. Hoa nghiêm kinh; tib.: Mdo phal po che) im Deutschen auch als Hua-Yen-Sutra oder Kegon-Sutra bezeichnet, ist eines der umfangreichsten buddhistischen Mahāyana-Sutras.
Es wurde ursprünglich in Sanskrit geschrieben. Lediglich eine zweisprachig khotanisch-sanskrit abgefaßte Schriftrolle hat sich in den Höhlen von Tung-huang gefunden. Nur zwei Teile sind auf Sanskrit erhalten. Im ostasiatischen Buddhismus hatten insbesondere die drei chinesischen Übersetzungen Einfluß. Das Avatamsaka-Sutra bildet die Grundlage für die chinesische Huayan zong (華嚴宗). Sie hatte großen Einfluß in China und gelangte später auch nach Japan (Kegon-shū, eine der sechs Nara-Schulen) und Korea (Hwaeom jong). Auf der Halbinsel ging die darauf basierende Schule im Zen (kor. Seon) auf, wo das Sutra noch immer von Bedeutung ist.

Samantabhadra
Statue des Samantabhadra auf dem Emei.

Das Avatamsaka-Sutra, das wohl in Khotan aus mehreren Sutren kombiniert wurde, beschreibt acht verschiedene Versammlungen an sieben Orten (七處八會. In der 80 chüan Version spricht man von neun Versammlungen an acht Orten.) von Bodhisattvas. Der Bodhisattva Samantabhadra (vgl. auch: Lotus-Sutra XXVI und „Samantabhadra Meditations-Sutra“ 觀普賢菩薩行法經) ist Sprecher der ersten Versammlung kurz nach der Erleuchtung. Auch bei den restlichen Versammlungen spricht der Buddha selbst nicht, sondern verharrt in der Stille.
Dargestellt wird ein Universum, das leer von inhärenter Existenz ist und durch den Geist (bezw. dessen Tätigkeit) geschaffen wird und vergeht. Ein Erleuchteter, der das (durch Meditation) erkannt hat und dehalb beherrschen kann, vermag demgemäß aus der Entfernung Wirkung zu erzeugen, die Unerleuchteten als magisch erscheint, tatsächlich aber nur auf Geistestätigkeit beruht. Ein Kernsatz ist „Alles in Einem – Eines in Allem“ (心佛及衆生, 是三無差別). D.h. jeder Gegenstand und jedes Lebewesen existiert nicht isoliert für sich, sondern ist mit allen anderen verbunden und ist selbst in jedem anderen Teil enthalten. Alles ist gegenseitig durchdrungen. Die Mudras1 des Buddha Vairochana drücken das aus. Dieser Buddha ist eine zentrale Symbolik des Avatamsaka-Sutra. Er symbolisiert den Dharmakaya. Der Vairochana hat keinerlei Attribute mehr, er ist die Verkörperung des universellen Naturgesetzes. Somit durchstrahlt er das gesamte Weltall in allen Zeiten und alles ist von ihm durchdrungen. Nachdem er keinen Körper im eigentlichen Sinn hat, wird er durch Buddha Vairochana Statuen nicht direkt abgebildet sondern nur symbolisiert.
Das auch als Daśabhūmika-Sutra (十地經, 22. Kapitel der 60 chüan Version) bezeichnete 26. Kapitel erläutert die zehn Stufen (bhūmi), die man auf dem Weg zum Bodhisattva zu durchlaufen hat.
Das letzte Buch – etwa ein Viertel des Gesamtumfangs – des Avatamsaka-Sutras (Gaṇḍavyūha) beschreibt anhand der Geschichte des Knaben Sudhana (善財童子) den Weg des Bodhisattva. Ausgangspunkt der Reise bildet der erste Lehrer – der Bodhisattva Manjusri. Insgesamt sucht er 53 verschiedene Lehrer auf. Jeder empfiehlt dem Jüngling das nächste Ziel seines WEGs. Seine Reise führt ihn dabei immer weiter in den Süden. Das kann als Metapher für die Hinwendung zum Licht, also zur Wahrheit, gesehen werden. Eine weitere Interpretation ist, daß durch die Reise in den Süden auch die Entwicklung des Buddhismus innerhalb Indiens symbolisiert wird (der erste große Philosoph des „Großen Fahrzeugs“ war Nāgārjuna, der im Süden Indiens geboren wurde).

Das Avatamsaka-Sutra entstand zu einer Zeit, als es bereits verschiedene buddhistische Lehren und Schulen gab. Im Avatamsaka-Sutra wurden diese unterschiedlichen Sichtweisen zu einem Gesamtwerk mit einer übergeordneten Systematik zusammengefügt. Damit betont man den Aspekt der Gesamthaftigkeit des Dharma und versteht die verschiedenen Lehren und Schulen als verschiedene Wege zum gleichen Ziel. Daher wurde auch der Begriff „das eine Fahrzeug“ (Ekayana) geprägt. Nicht eine bestimmte Tradition, eine bestimmte Schule oder Lehrer führen alleine zum Ziel, sondern sie sind letztendlich Teile des Dharma mit demselben Ziel – der Buddhaschaft.
Die Theorie der universellen Ursache (Dharma-Dhatu-Pratitya-Samutpada) ist der Kern des Avatamsaka-Sutra. Diese Theorie geht von der perfekten Harmonie und gegenseitigen Abhängigkeit der materiellen und der immateriellen Welt aus. Geist und Materie sind Eins und bedingen einander in unendlicher wechselseitiger Abhängigkeit. Das Symbol dieses Universums ist der Vairochana-Buddha. Diese Realität des ungeteilten Universums wird Bhūtatathātā (eine ontologisches Synonym für das religiös gebrauchte Dharmakāya) genannt und in vier Stufen eingeteilt.
Unter Shōmu wurde der Text zum wichtigsten Sutra des Reiches erklärt und in sämtlichen Provinztempeln (kokubunji) verbreitet.

Übersetzungen

Der volle Titel des Avatamsaka-Sutras (Daihōkō butsukegon-kyō; 大方廣佛華嚴經, (Pinyin: Dàfāngguǎngfó huáyán jīng, W.-G.: Ta-fang-kuang fo-hua-yen ching). Erstmalig übertragen wurde das (Buddha)avataṃsakasūtra vom indischen Mönch Buddhabhadra u. a. (359-429 in China ab 406; W.-G.: Fo-t'o-pa-t'o-lo; jp.: Butsudabatsudara. In Ch’ang-an zwischen 418-20, 34 Kapitel in 60 chüan.) Bekannt als „die alte Übersetzung“ (T. 278, NJ 87. Auch: 舊經 oder 晉經 Jin-Sūtra) bzw. „60 chüan Hua-yen.“ Dies ist die Version, die von den ersten drei Patriarchen der Schule studiert wurde.
Kaiserin Wu, eine Anhängerin und Patronin des 3. Patriarchen, veranlaßte, daß ein vollständiger Text des Buddhāvataṃsaka-mahāvaipulya-Sutra aus Khotan beschafft wurde. Die „neue“ Übersetzung (auch 唐經, T. 279, NJ 88) besorgte der von dort stammende Mönch Śikṣānanda (652-710; 實叉難陀, W.-G. Shih-ch'a-nan-to; jp.: Jisshananda) zwischen 695 und 699 in Ch’ang-an in 80 Faszikeln. Die Kaiserin schrieb ein Vorwort, inhaltlich unterscheidet es sich nicht von der „alten Übersetzung“, jedoch sind einige Kapitel bedeutend erweitert. Jap. Nara-Zeit-Abschriften des langen Textes: Tempyō 10. Jahr, 70 Fasz., als „Kegon“-Sutra 60 Fasz. aus demselben Jahr. Teilweise auch als Hōkō-kyō bezeichnet.

Zu den drei chinesischen Übersetzungen gibt es zahlreiche Kommentarwerke (in ihrer Gesamtheit: 華嚴部. T. Vol. 09b-10, Nr. 278-309) auch im Tendai – aber auch im Zen – wichtig. Erschließend ist das Wörterbuch (華嚴音義) von Huiyuan (慧苑; um 700). Umfangreiche Kommentare existieren u. a. von Fa-tsang, der derer vier schrieb (NJ 1591-93, und 1595). Vom vierten Patriarchen Chokan (澄観, Chengguan, † um 800 oder 839) stammen NJ 1589 und 1590 in 60 bzw. 90 Fasz., weiterhin NJ 1598 und 1639. Sein Nachfolger Tsung-mih,(779-840; 淸涼澄觀) der „große Lehrer vom Kwei“ (H. B.), gab NJ 1596 heraus, das vom Sektengründer Fa-shun (= Dushun) verfaẞt worden war. Unter der mongolischen Yüan-Dynastie (1280-1368) entstand durch P'u-shui noch ein 40-Fasz.-Kommentar (NJ 1622).
Ta-fang-kuang fo-hua-yen ching: Ju pu-ssu-i chieh-t'o ching-chieh; P'u-hsien hsing-yüan p'in, in 40 Fasz., so der volle chinesische Titel des Sanskrittextes Gandavyūha-sūtra wird in älterer Literatur wegen seiner Namensähnlichkeit („40 chüan Hua-yen“ o.ä.) häufig für eine dritte komplette Übersetzung des Avatamsaka-Textes, auf dem die beiden obigen basieren, gehalten. Tatsächlich – und das geht aus dem vollen Titel auch klar hervor – handelt es sich um eine Erweiterung der Kapitel über die Pilgerfahrt des Jünglings Sudhana und zwei Kapitel über den Bodhisattva Samantabhadra (jp.: Fugen). Die Übersetzung besorgte der kaschmirische Mönch Prajña (ch.: Po-jo; jp.: Hannya) 796-8 in Ch’ang-an. Teile hat Suzuki Daisetz, in seinen „Essays in Zen Buddhism,“ ins Englische übertragen.

Die tibetanische Übersetzung Jinamitra’s aus dem 8. Jahrhundert ist in der Pekinger Ausgabe des KanjurSuzuki Daisetz T. (Hrsg.); Eiin Pekin-ban Chibetto Daizzōkyō; Kyoto, 1955-1961 (Tibetan Tripitaka Research Institute) in den Bänden 25-26 enthalten.

Anmerkung:

1) Dabei werden von den gefalteten Händen die beiden Zeigefinger gerade weggestreckt. In einer anderen Form wird der Zeigefinger einer Hand von allen Fingern der anderen Hand umschlossen. Eine andere Interpretation dieser Mudra ist, daß der Bodhisattva (untere Hand) die fühlenden Wesen (obere Hand) trägt. [  ]

Vorkommen im NR: II: 37; III: 19

Literatur:

Externe Weblinks

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