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Diamant-Sutra (Vajracchedikā-prajñāpāramitā-sūtra)

(von Adi Meyerhofer)

Diamant Sutra Bild
Diamant-Sutra, chinesischer Holzschnitt, 868 n. Chr. (British Museum, London)

Das Diamant-Sutra (Vajracchedikā-prajñāpāramitā-sūtra; jp: 金剛般若波羅經, Kongō hannya hamamitsu-kyō) zählt zu den wichtigsten Texten des Mahāyāna-Buddhismus und wurde etwa im 1. Jahrhundert u.Z. verfaßt. Es ist Bestandteil der „Prajñāpāramitā-Sutras“ (sanskr. „prajñāpāramitā“ = Vollkommenheit der Weisheit). Die erste Druckversion des Sutra stammt aus China, wurde als Xylographie hergestellt und ist vom 11. Mai 868 datiert. Dieses Dokument gilt als das erste Buch-Druckerzeugnis der Menschheitsgeschichte. Es wurde im Jahre 1907 vom Archäologen Aurel Stein in den Mogao-Grotten bei der chinesischen Stadt Dunhuang entdeckt. Das Diamant-Sutra untergliedert sich in 32 Abschnitte. Die Rezitation des gesamten Sutra nimmt etwa 45 Minuten in Anspruch. Das Sutra ist ein durch Fragen und Antworten strukturierter Dialog zwischen „Subhuti,“ einem erfahrenen Schüler des Buddha, und dem Buddha selbst. Formal bemerkenswert ist auch die modern anmutende selbstreflexive Qualität des Sutra: im Sutra wird über das Sutra, seine segensreichen Auswirkungen und auch seine künftige Rezeption gesprochen. Der Text thematisiert sich also selbst.

Das Sutra soll auf einer Predigt basieren, die Buddha im Jetavana gehalten hat. Dabei beantwortet er Fragen seines Anhängers Subhūti.
„Form ist Leerheit – Leerheit ist Form.“ Der buddhistische Kerngedanke aus dem Herz-Sutra zieht sich (wenn auch nicht explizit) wie ein roter Faden auch durch das Diamant-Sutra. Nach der Lehre des Buddha existieren zwei Wirklichkeiten/zwei Wahrheiten: 1.) einerseits die Welt der Form, die Welt der sinnlich erfahrbaren Phänomene, die Welt der in Zeichen und Begriffen geronnenen trügerischen, da einseitigen, Wahrnehmungen und 2.) auf der anderen Seite: die Welt der Leerheit (Shunyata), die Welt der „Soheit“ eine Sphäre jenseits der Form, jenseits von Geburt und Tod, Anfang und Ende, Selbst und Nichtselbst, eine Welt jenseits aller Begriffe. Der Buddha wäre aber nicht der Buddha, wenn er sich darauf beschränkte, diese beiden Wirklichkeiten einander gegenüber zu stellen. Form und Leerheit sind letztlich eins, es gibt keine Dualität von Form und Nicht-Form - beide sind Ausdrucksformen ein und derselben Wirklichkeit, zwei Gesichter ein und der gleichen Welt.
Diese Kernaussage wird im Diamant-Sutra in zahlreichen Varianten ausgebreitet. Das Sutra fordert uns auf, hinter die Oberfläche der Phänomene zu schauen und die Illusion zu durchschauen, die Wirklichkeit erschöpfe sich in der Oberfläche der sinnlich erfahrbaren und begrifflich fixierbaren Phänomene. Darum lautet der eigentliche Titel des Sutra auch korrekt und vollständig übersetzt: „Der Diamant, der die Illusion durchschneidet.“ Der Diamant – das ist die Lehre des Buddha, und eigentlich sind es gleich mehrere Illusionen, die in diesem Sutra durchschnitten werden.

Literatur:

Sino-japanische Ausgaben:
Existiert in einer Reihe von Japan-Abschriften aus dem 4. Jahre Tempyō 732: a) Nanjio-Kanonkatalog [NJ] 10; Taishō 235: Übersetzung des Kumārajīva (späte Qin-Dynastie 384-417) 14 Blätter in 2 Faszikeln (ch. W.-G.: Chin-kang-ching; jp.: Kogō-kyō, die populärste Version); b) NJ 11: Übersetzung des Bodhiruci (Nord-Wei) 12. Kapitel, 17 Blatt, 1 Faszikel; c) NJ 12: übs. von Paramārtha (jp.: Shin tai) † 1. Jahr Datjiän der Ch'in-Dynastie, 71 Jahre alt. Abschrift 1 Faszikel; d) NJ 15: übs. von Dharmagupta, Sui-Dynastie, die wörtlichste aller. Daher genauer Titel Vajracchedikā-prajñāpāramitā-sūtra (Diamant-schneidende-Weisheits-Paramitta-Sutra, jp.: Kongō hannya haramitsu-kyō; e) NJ 14: übs. von yì jìng (Tang), vgl. d; f) NJ 13: übersetzt von Hsüan-tsang.
Gleichzeitig ist es das neunte der 16 Sutras, die das jap. Daihannya-kyō (Mahāprajñāpāramita Sūtra) ausmachen. Häufig kommentiert u. a. von: Asanga, ins ch. übs. von Dharmagupta (NJ 1167), dies kommentiert von Vasubandhu, ch. von Bodhiruci d.Ä. 509 (NJ 1168). NJ 1192 vermutlich von Guṇada, ins ch. 683 von Dīvakara. Ein weiterer Kommentar von Asaṇga, ins ch. 711 durch yì jìng (NJ 1208), der auch NJ 1168 im selben Jahr neu übersetzte, dies ist NJ 1231. Die Belehrungen des 4. Tien-tai Patriarchen Zhi Yi (538-597; chinesisch 智顗 zhìyǐ, W.-G.: Chih-i), wie immer von seinem Schüler herausgegeben, bilden NJ 1550. Der 5. Huayan Patriarch Zongmi (780-841; 宗密) gab eine summarische Kommentierung (NJ 1630), die von seinem Nachfolger im Jahre 1024 erläutert wurde (NJ 1631). Ein Zen-Kommentar aus der frühen Ming ist NJ 1615.

Externe Weblinks

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