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Saddharma-puṇḍarīka-sūtra (bezw. Lotus-Sutra oder Myōhōrenge-kyō)

Lotus-Sutra Padgode
Kinji hoto mandara (Lotus-Sūtra aus Goldenen Zeichen als Padgode; um 1200. Myoho-ji, Ōsaka)

Das Lotus-Sutra, von H. B. als „Gesetzesblüten-Sutra“ bezeichnet, mit 69384 Zeichen, heißt bei Kyōkai „Hokke-Sutra“ bzw. „Hokke-kyō“ (法華經). Gemeint ist immer das Saddharma-puṇḍarīka-sūtra (सद्धर्मपुण्डरीकसूत्र; Ch. (pinyin): miàofǎ liánhuá jīng).

Die heute übliche japanische Bezeichnung lautet: Myōhōrenge-kyō. Das Lotus-Sutra ist wohl das einflußreichste und populärste Mahāyāna-Sutra in Ostasien überhaupt. Der Schöpfer ist nicht bekannt.

Das „Lotus-Sutra“ legt die Grundideen des Mahāyana-Buddhismus in prächtigen, teils extravaganten, aber verständlichen Worten und Bildern dar, zeigt mit überzeugenden Argumenten die göttliche Heilsgegenwart im Diesseits auf und mit visionärer Phantasie die Erlösungspracht in jenseitigen Buddhawelten. In dieser letzten und vollendetsten Predigt des historischen Buddha Śakyamuni werden den Gläubigen, die auf die Wahrheit dieses heiligen Texts bauen, die unermesslichen Segnungen, Schönheiten und der Reichtum des Heilsziels in den schillerndsten Farben vor Augen geführt. Der Leser des Sutras verliert rasch die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, zwischen Realität und Vision, zwischen Existenz und Auslöschung, zwischen Heiligem und Profanem. … Allein die Tatsache, daß der Text entgegen traditionellen dogmatischen Lehrmeinungen auch Frauen die Aussicht auf Erlösung gewährt, verhalf dem Lotus-Sutra während der späten Heian-Zeit (10. bis 12. Jahrhundert) in Japan zu großer Beliebtheit.

Der Buddha soll die Lehrrede auf dem Geierkulm vor einer unendlichen Zahl von Lebewesen aller Art gehalten haben. Es setzt zwei Schwerpunkte, zum einen, daß es für die Anhänger des WEGes nur ein Ziel gibt: die Buddhaschaft. Zweitens, die ältere Vorstellung, daß es auf dem WEG drei drei Strömungen, nämlich „Hörer“ (Śrāvakas, synonym mit Hinayanisten), Pratyekabuddhas und Bodhisattvas gäbe, wird als „Geschicktheit der Mittel“ (方便, hōben) erklärt, die der Buddha in alter Zeit (früheren Leben) genutzt habe, um sich den Verständnisfähigkeiten seiner Hörerschaft anzupassen. Auch sein jetziges menschliches Leben sei nur eine Illusion zu diesem Zweck. Zur Bestätigung erscheint während der Predigt eine riesige juwelenbesetzte Pagode (Stupa). Buddha wird nicht als historische Person, sondern als Manifestation des Dharmakāya dargestellt.

Es sei nur darauf hingewiesen, daß es schon in der späten Nara-Zeit sehr populär war, was auch die vielen Legenden in Fasz. III zeigen. Seine Vervielfältigung galt als besonders verdienstvoll. Auch war die Kenntnis einzelner Kapitel dieses sehr umfangreichen Sutras eine Vorbedingung der Ordination zu Kyōkais Zeit. Dem Sutra an sich werden Wunderkräfte zugeschrieben. 129 derartige Legenden wurden von Chingen im Hokkegenki 1040-4 gesammelt. Die Sanron-Schule hatte in ihrem Gründer Khi-tsang (= Kia-siang Ta-shi 549-623) einen Verfasser von vier Kommentaren, der zwischen 605-18 2000 Abschriften des Sutras hergestellt haben soll. Ebenso hat der erste Hossō-Patriarch, Kw'ei-ki (= Ts'ze-ngan, jp.: Jion Daishi; 632-82), vier erklärende Werke verfaßt. Auch auf die Yamabushi des Shugendō unter den Nachfolgern von En'no hatte das Sutra großen Einfluß. Auf seine Bedeutung zur Kamakura-Zeit (Nichiren) und für die „neuen Religionen“ des 20. Jahrhunderts (z. B. Soka Gakkai oder Risshō kōsai kai) kann hier nicht eingegangen werden.

In seiner heutigen Form umfaßt es 28 Kapitel (skr.: varga, ch. p'in; shō bzw. hon) in 8 Faszikeln, (ch.: chüan, jp.: kan) deren Sanskrittexte im wesentlichen in drei zeitlichen Abschnitten entstanden. Die Verse des Teil 1 (Kapitel 2-9) waren etwa 50 v.u.Z [nach andrer Meinung 40 u.Z.] abgeschlossen, dessen Prosa etwa 50 Jahre später. Der zweite Teil (Kapitel 10-20/21), wurde bis etwa 100 vollendet, wobei das Kapitel 12 Daibatta (skr. Devadatta) eine spätere (ch.) Einfügung ist, der dritte Teil (Kapitel 21-28) war bis 150 [220] u.Z. komplett.1 Kapitel 1 enthält eine spät entstandene Einführung, die die ersten beiden Teile verbinden soll. Kapitel 2 mit 9 sind die ursprünglichen Abschnitte und auch in sich zusammenhängend. Kapitel 10 mit 21 (Nyōrai jinriki hon) – ohne 18, Zuiki kudoku hon – wurden von einer Gruppe von Verfassern angefügt, wobei 10 (Hosshi hon), den Verdienst des Sutrakopierens besonders betont. Diese beiden Teile sind hauptsächlich mit dem Dharma und dessen Weitergabe befaßt. Die Kapitel 23-28 enthalten spezielle Glauben wie z. B. Kap. 23 die Lehre vom Medizin-Buddha (Yakushi-Bosatsu), 24 die 16 Arten des sammai des Myō-on-Bosatsu. Kap. 25* beschäftigt sich mit den 33 Transformationen von Kannon, 26, das Dharani-Hon, mit dem Verdienst der Verbreitung des Sutras und der Rezitation verschiedener Dharanis. Im 27. Kapitel (jp.: Myō shōgon ō honjin hon) wird die Bekehrung eines Königs durch seine Söhne beschrieben. In China gibt es noch ein 29. Kapitel, das Miao-fa lien-hua-ching tu liang t'ien-ti p'in ti erh-shih-chiu, das die Verbreitung des Lotus in den Himmeln und auf Erden abdeckt.
Einige Quellen bezeichnen das Ananta Nirdeśa Sūtra (Übs.: Dharmāgatayaśas; 無量義經, ch. (Pinyin): Wú Liáng Yì Jīng, jp: Muryōgi Kyō, engl.: Innumerable Meanings Sutra; T. 276, NJ 133) und das Samantabhadra-Meditations-Sutra, (普賢經, ch. (Pinyin): Pǔxián Jīng, jp: Fugen Kyō) als Vor- bezw. Nachspann.

Manchmal wird das Lotus-Sutra, besonders im Zusammenhang mit der Tendai, auch als Ichijōkyō („Sutra des einen Fahrzeugs“) bezeichnet. Als die vier wichtigsten Kapitel (四要品) nach Tendai-Lehre gelten 方便品, 安樂行品, 壽量品 und 普門品. Die Nichiren-shū setzt 勸持品 an die zweite und 神力品 an die vierte Stelle.

Übersetzungen

Selbstverbrennung
Selbstverbrennung, Rechtfertigung dafür herleitbar aus Kap. 23 des Lotus-Sutras
Lotussutra
Lotus Sutra

Folgende nicht-chinesische Texte sind bekannt: 1) Vollständig: in Nepali, nach dem 8. Jhdt., 2) Fragmente zentralasiatische Texte (5.-7. Jh.): a) Aus Kaschgar (= „Petofsky's“ Text), b) Fragmente aus Khotan, (خوتەن; ch.: 和闐) c) der Khadalik-Text; 3) Der Gilgit-Text aus Kaschmir enthält etwa ¾ des Gesamtwerkes.2

Eine erste, vom mindestens sechs, Übertragung des Altertums ins Chinesische stammt von einem namentlich nicht Bekannten aus dem Jahre 255 (薩曇分陀利經; T. 265, NJ 136. Erwähnt im Hsin chin lu 西晉錄). Spätere chinesische Übersetzungen:

  1. von Kumerajīva 402-12, die bis heute meistgenutzte Ausgabe in 7 Fasz. und 28 Kapiteln (妙法蓮華經, T. 262, NJ 134). Vollendet entweder im 8. Jahr Hung Shih (弘始), der späteren Ch'in-Dynastie (406) im Kloster Ta (後奏), oder im Jahr zuvor im Hsiao-yao Park (逍遙園) von Ch’ang-an (長安), basiert auf der älteren Arbeit Dharmarakṣa. Koreanisch 묘법연화경. Engl.: Kern & Nanjio (1908-1912). Einzelne Sanskrit-Fragmente sind unter den Gilgit-Mss. erhalten.
    Basierend auf diesem Text gibt es auch eine Teilübersetzung aus dem Jahre 406 der Prosa des Kap. 25 (Fumon-bon), die üblicherweise zusammen mit den Versen (gathas), die 557-89 von Jñānagupta übertragen worden sind zusammen genutzt wird (NJ 137; II, 15)
  2. Dharmarakṣa d. Ä vollendete zwischen 266 und 313 in 10 Fasz (und 28. Kap. 正法華經, jp.: Shō hokke-kyō; T. 263, NJ 138), das tibet. ebenfalls als Dam-paḥi chos pad-ma dkar-po existiert.
  3. Jñānagupta und Dharmagupta 585-592 bzw. 601 schufen T'ien p'in miao fa lien hua ching (in 8 Fasz., 27. Kap. 添品妙法蓮華經, T. 264, NJ 139) eine Neubearbeitung des Textes von Kumerajīva.

Es dürfte sich von selbst verstehen, daß die Vielzahl heutiger Sekten in Japan, sich auf teilweise unterschiedlich tradierte Versionen des Sutras stützen. Erstmalig verglichen wurden die verschiedenen Manuskripte (17 7-kan-Versionen, 59 8-kan-Versionen) vom Tendai-Mönch Shū-en (= Shin-a, 1786-1859). Dieser bereiste zu diesem Zweck ganz Japan, kopierte sämtliche Texte und gab dazu Hokkekyō kō (gedr. 1840) sowie Sankehon Hokkekyō heraus.

Die chinesische und japanische Kommentarliteratur ist zu umfangreich, um sie hier detailliert aufzuführen. Kumerajīva’s Schüler Tao-shang – einer der „vier heiligen Philosophen“ (von Kwang-chung) – half nicht nur bei der Übertragung, sondern verfaßte auch den ersten ch. Kommentar: Miao-fa lien-hua-ching-su. Weitere Kommentatoren des 5. Jhdts. waren Liu-k'iu (8 Fasz.; ?479-95) und Fah-yun (8 Fasz.; ?502-29). Innerhalb des T’ien-t’ai/Tendai haben die Texte von Chih-i (智顗) – das 妙法蓮華經文句, meist nur 文句 genannt und das 玄義 besondere Bedeutung.3 Für Nichiren’s Anhänger gehört das Sutra gar zu den zentralen Glaubenssätzen.4 Die Geschichte der Rezeption des Lotus-Sutra (und des damit teilweise zusammenhängenden Kannon-Kults) in Japan füllt eigene Monographien und wird hier nicht genauer betrachtet.5

Die erschienene Literatur – sei es zu, über oder kommentierend – zum Lotus-Sutra ist zu umfangreich, um sie auch nur ansatzweise hier zu erwähnen. Es sei auf entsprechende Bibliographien verwiesen. (Eine ausführliche Übersicht der klassischen Kommentarliteratur findet sich bei Visser, M.; Ancient Buddhism in Japan; Kap. 16 [in Band II, S.616-30]). Ein Versuch, sämtliche erhaltenen Sanskrit-Manuskripte zu erfassen ist: Yuyama Akira; A Bibliography of the Sanskrit-Texts of the Sadharmapuṇḍarīkasūtra; Canberra 1970 (ANU Press), ISBN 0-7081-0840-7.

Lotus Sutra Kommentare usw.
JapanischChinesisch
(W.-G.)
Verfasser; Übs.,
Faszikel
TaishōBemerkungen
Obige Tabelle gibt die Titel einiger der bekannteren Kommentarwerke zum Lotus-Sutra.
Hochwertige Reproduktionen illuminierter japanischer Mauskripte.
* Hokke-gen-gi
* Myōhō-renge-kyō gengi
* Tendai hokke gengi
…kenki
Fa-hua-hsüan-iChi-ki (jp. Chisha Daishi; Vor. III)
20 bzw. 10 Fasz.
XXXIII, 1716Zu diesem Text gibt es zahlreiche weitere Kommentare.
Hokke-gen-gi-shaku senFa-hua-hsüan-i-shih-ch'ienKeikei Tannen (711-82)
20/10 Fasz; 764
XXXIII, 1717Kommentar zum Hokke-gen-gi
Hokke-gen-gi-shi-kiShōshin, 1190-8Dai-Nihon Bukkyō-Zen-Sho, Nr. 21
Hokke-gen-ronFa-hua-hsüan-lunChi-ts'ang (jp.: Kichizō 549-623)
10 Fasz.
XXXIV, 1790"Treatise on the profound meaning of the Hokke-gyō"
Hokke-gi-shoShōtoku TaishiLVI, 2187I, 4. Dazu auch T. LVI, 71f, S.39-40
Hokke-gi-shoFa-hua-ching-i-shuChi-ts'ang (jp.: Kichizō 549-623)XXXIV, 1721"Commentary explaining the meaning …"
Hokke-kyō-anraku-gyō-gi-Fa-hua-ching-an-lo-hsing-iNangaku Eshi (515-77)XLVI, 1926"Meanning of the Angaku-ryō …"
Hokke-kyō-gen-zanFa-hua-ching-hsüan-tanK'uei-chi (jp.: Gi-ki; 632-82) XXXIV, 1723"Profound Psalms in Praise of the Hokke-kyō"
Hokke-kyō-gi-kiFa-hua-ching-i-chiHōun (verf. 467-529)XXXIII, 1715"Notes on the Meaning of …"
Hokke-kyō-go-joFa-hua-ching-hou-hsüSêng-yu (jp.: Sōe)LV, 2145
15 Fasz.
"Last introductory words to …" [Nr. 60 in Ch’u-san-tsang-chi-chi (jp. Shutsu- sanzō-ki-shu)]
* Hokke-kyō-ron
* Myōhō-renge-kyō-ron
?Vasubandhu
Übs.: Bodhiruci, Tan-lin (jp.: Don-rin)
XXXVI, 1519Saddharmapuṇḍarīkopadeśa Weitere Übs. von Ratnamati und Sŭngnang (508) in der Lo-yang Halle (洛陽殿) (T. 1520)
Hokke-kyō-tō-ryakuFa-hua-ching-t'ung-liaoKichizō (Kajō Daishi— [ZZ I, 43, 1]"The Unification and Abbreviation of the Hokke-kyō"
Hokke-kyō-yū-iFa-hua-ching-wên-chüKichizō (Kajō Daishi)
2 Fasz.
XXXIV, 1722

In westlichen Sprachen:


Lotus-Sutra (Abschrift der Nara-Zeit).

Das Sutra kommt in folgenden Kapiteln des Nihon Ryōiki in der einen oder anderen Form vor:
I: 4 (S.T. zugeschriebener Kommentar), 11, 18, 19, 28
II: 3, 6, 15, 18
III: 1, 6, 9, 10, 13, 18, 19, 20, 22, 24, 29, 34, 35, 37, 38.

Anmerkungen:

1) Über die genaue zeitliche Abgrenzung der einzelnen Abschnitte ist besonders von jap. Gelehrten viel diskutiert wurden, die Einzelheiten müssen hier nicht interessieren, sie sind auch bezgl. des NR bedeutungslos. [  ]
2) detailliert in: Yuyama Akira; A Bibliography of the Sanskrit-Texts of the Sadharmapuṇḍarīkasūtra; Canberra 1970 (Versuch sämtliche erhaltenen Sanskrit-Manuskripte zu erfassen) [  ]
3) Auswahl: NJ 1534, 1536, 1538, Tendai sandaibu. Kommentare des 8. Jhdts. von Chan-jan (711-82, 9. T’ien-t’ai-Patriarch): NJ 1535, -37, -39, -41; 1511
vgl.: Dykstra Yoshiko; Miraculous Tales of the Lotus Sutra; Monumenta Nipponica, Vol. XXXII, No. 2, S. 189-210 [  ]
<4/a>) Eine ausführliche Übersicht der klassischen Kommentarliteratur und der mit dem Sutra verbundenen Riten findet sich bei Visser, M. de; Ancient Buddhism in Japan; Kap. 16 (in Band II, S.616-30) [  ]
5) vgl. Tanabe, George [Hrsg.]; The Lotus Sutra in Japanese Culture; Honolulu 1989 (Uni), ISBN 0-8248-1198-4 [  ]
*) deutsch: Günzel, Marcus [Übers.]; Das allumfassende Tor zur Befreiung: das Guanyin-Kapitel aus dem Lotussūtra. Mit einem Kommentar des Dharmameisters Daoyuan; Berlin 2010 (Buddhistischer Studienverl.); ISBN 978-3-937059-20-4 [  ]

Im NR in den Kapiteln:
I: 4 (S.T. zugeschriebener Kommentar), 11, 18, 19, 28
II: 3, 6, 15, 18
III: 1, 6, 9, 10, 13, 18, 19, 20, 22, 24, 29, 34, 35, 37, 38

Externe Weblinks

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