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Mokkan

(von Adi Meyerhofer)

Von der zweiten Hälfte des 7. Jh. bis zum Ende des 8. Jh. schrieben die Beamten des Ritsuryô-Staates offizielle geschäftliche Schriftstücke wie kaiserliche Befehle, Standes- und Steuerregister in japanischer Sprache auf Papier, dessen Herstellungstechnik schon viel früher aus China und Korea nach Japan gelangt war. Für kurze Aufzeichnungen hingegen benutzte man Holz, das nach dem Gebrauch mit einem Messer wieder abgekratzt und neu beschriftet werden konnte. Diese hölzernen Schreibtafeln – mokkan genannt – finden sich bei Ausgrabungen in Heijôkyô, im Gebiet des heutigen Nara, und überall im ganzen Land. Mit ihnen werden immer neue schriftliche Materialien über das 8. Jh. aus der Erde geborgen.
Vom Ende des 8. Jh. an, als die Hauptstadt nach Heiankyô, dem heutigen Kyôto, verlegt wurde, gibt es jedoch immer weniger mokkan-Funde. Man vermutet, daß es zu dieser Zeit üblich wurde, prinzipiell auf Papier zu schreiben.

Die Residenz des verleumdeten Prinzen Nagaya, etwa 15 acres umfassend mit knapp 30 Gebäuden, wurde 1988 bei Aushubarbeiten entdeckt. Archäologen fanden die bisher größte Ansammlung von mokkan, den hölzernen Tafeln, auf denen alltägliche Dokumente und Urkunden zur Nara-Zeit niedergeschrieben wurden. 35000 ließen sich auf die Jahre 711-16 datierten, weitere 50000 aus der Zeit 715-38 fanden sich in der Nähe.1 Von Interesse sind noch mehrere dieser Tafeln die an einen shinnō (親王) bzw. nochi no ōji adressiert sind. Beides sind Titel die direkten kaiserlichen Kindern oder Kronprinzen vorbehalten waren. Das Shoku Nihongi – das unter der Ägide von Angehörigen der Fujiwara erstellt wurde – bezeichet Nagaya stets nur als „O,“ (王) d.i. einfach „Prinz.“ Auch im NR-Manuskript findet sich die Bezeichnung shinnō, die H. B. hier jedoch ignoriert und nur mit Prinz wiedergibt, wohl dem Z folgend.
Im November 1989 wurden in einer naheliegenden Residenz,2 vermutlich eines Fujiwara (?Maro, 4. Sohn Fubito's), etwa 50000 mokkan, die unter Bezeichnung nijo ōji mokkan, bekannt wurden, gefunden. An weiteren 36 Fundorten landesweit hatte man in den 1980er Jahren bereits 11300 Tafeln ans Licht gebracht, deren baldige Bearbeitung (reinigen, lesen, interpretieren) sich als schwierig erwiesen. Zwischen 1961 (erster Fund in Nara) und 2005 wurden 320000 Tafeln ausgegraben, 170000 davon im Umfeld des Heijo-kyō. Inzwischen wurde ein spezielles Computerprogramm entwickelt, daß die automatisierte Rekonstruktion und Lesung, der meist beschädigten Tafeln erleichtert.3 Weiterhin gibt es eine Datenbank gescannter Mokkan.
Verschiedentlich werden sie in der Literatur einfach fuda (K, und Nakamura 札,) genannt.

Anmerkungen:

1) Detailliert in: Piggot, Joan; Mokkan – wodden documents from the Nara period; in: Monumenta Nipponica 45, S. 449-70 (mit zahlreichen Literaturhinweisen) und Asuka Fujiwara-kyū hakkutsu chōsa shutsudo mokkan gaihō; Nara 1980 (Nara kokuritsu bunka zai kenkyū jo, 1) [ ▲  ]
2) Die Lebensverhälnisse eines Noblen des 8. Jahrhunderts am Beispiel Prinz Nagaya's [ ▲  ]
3)ICADAR, Proc. 8th; Support system for archaelogists to read scripts on mokkan; 2005 [ ▲  ]