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Mahāparinirvāṇa-Sūtra (Nirvana-Sutra)

(von Adi Meyerhofer)

Das Nirvana-Sutra oder Mahāparinirvāṇa Sūtra (涅槃經 vereinf.: 涅槃経, jp.: Nehankyō; ch. (pinyin): nièpán jīng; Tib.: myang 'das kyi mdo) ist einer der wichtigsten Mahāyana-Texte. Es ist nicht zu verwechseln mit dem aus dem Pali-Kanon bekannten Mahāparinibbāna Suttam.1 Zur Unterscheidung sollte ersteres mit seinem Sanskrit-Titel, letzteres in Pali bezeichnet werden. Von H. B. und auf dieser Website wird üblicherweise die Bezeichnung Nirvana-Sutra verwendet.

Das Nirvana-Sutra ist eine sehr gewichtige und umfangreiche Schrift, die vorgibt „Buddhas Gesamtzusammenfassung“ seiner Lehre zu sein. Das Hauptgewicht liegt auf der Erklärung der – allgegenwärtigen – „Buddha-Natur“ (Buddha-dhātu) auch Tathāgatagarbha, d.i. der „Buddha-Same“ der allen Lebewesen gemeinsam ist. Erkennen desselben führt zur Befreiung von allem Leiden und mithin zum endgültigen Verlöschen im Nirvana. Das Erkennen der Buddha-Natur wird durch die kleśas2 verhindert. Die verschiedenen tradierten Versionen interpretieren die Buddha-Natur, und die Möglichkeiten diese zu erreichen unterschiedlich (eine weitergehende Diskussion ist nicht Teil dieser Seite.) Besonders populär war es in China im 5.-7. Jhdt. Es existierte eine eigene Schule die Nieh-p'an-tsung (jap.: Nehanshū), eine der „13 Schulen,“ die, als das Sutra zu einem der grundlegenden Texte der T’ien-t’ai wurde (neben dem Lotussutra und dem Daiichidoron), in dieser aufging. Später wirkte es auf die Entwicklung des Zen.3

Der Text ist eigentlich eine Sammlung mehrerer Sutren. Als „Proto-Nirvana-Sutra,“ das um 100 u.Z. entstanden sein soll gelten die Kapitel 1, 2, 3, 4, 6 und 7 der tibetanischen Version und der Übersetzung von Fa-hien. Die anderen Abschnitte sollen teilweise erst nach 200 hinzugekommen sein.

Dazu H. Haas in „Der Kanon des Buddhismus in Japan“ (MOAG 1904)
MOAG 1904 (1)
MOAG 1904 (2)

Folgende (voneinander abweichende) Mahāyāna-Versionen [Fragmente] des Sutras sind überkommen:

In Japan wird das Sutra, beginnend mit einer Erwähnung des nördlichen Textes (2) 722, [(3) erst ab 804] in den Annalen nachweisbar. Allerdings soll der Hossō-Mönch Gomyō bereits eine 788 im Kasuga-dera (Teil des Kofuku-ji in Nara) einen Vortrag dazu gehalten haben. Seit dem 8. Jhdt. wird, wie auch in China, am Tage des endgültigen Verlöschens des Erleuchteten (15. Tag des 2. Monats; ein Tag der Abstinenz imi-bi), bei der Begehung des Nehan-e, das Sutra rezitiert.

Ewähnt sei noch, daß sich in Japan in den 1990ern ein lebhafter Gelehrtenstreit um die „Buddha-Natur“ und Tathagatagarbha-Buddhismus entwickelte.

Anmerkungen:

1) Dt. Übersetzung Neumann, Karl-Eugen; Die Reden des Buddha – Längere Sammlung; Stammbach 1996 (Beyerlein & Steinschulte), 2. Teil „Großes Buch“, 16. Rede, S.231-301. (Erstausgabe 1911). Beckh, H.; Der Hingang des Vollendeten (Parinibbānasutta); Stuttgart 21960. [  ]
2) Skr.: kleśas oder Pali: kilesa. Verschiedene Lehrmeinungen haben unterschiedliche Auffassungen welche und wieviele dieser „Befleckungen“ – die schlechtes Karma erzeugen – aufzuführen sind. Zu den Haupt-Kleśas gehören: Gier, Haß und Verblendung. Vasubandhu hat dazu noch Nichtwissen, Arroganz und Zweifel. Die Liste wird manchmal auf zehn erweitert, dann gehören noch Laxheit, Erregtheit, Schamlosigkeit und Leichtsinn dazu. Die Befleckungen trüben den Geist und verführen den Menschen zu schlechten Taten. [  ]
3) Siehe: Gundert, Wilhelm; Bi-yän-lu München 1960-73 (zahlreiche Neu- und Lizenzausgaben) [  ]
<4/a>) Gem. dem 高僧傳 T. 2059 soll er einen Text, der als Basis für die ersten 10 Fasz. diente, aus Nord-West-Indien gebracht haben. Siehe auch: Chen, Jinhua; The Indian Buddhist Missionary Dharmakṣema (385-433): A New dating of his Arrival in Guzang and of his Translations; T'oung Pao 90 (2004), S. 215–263 [  ]
5) Matsuda Kazunobu; Sanskrit Fragments of the Mahāyāna Mahāparinivāṇa-sūtra. A Study of the Central Asian Documents of the Stein/Hoernle Collection of the India Office Library; Studia Tibetica 14 (1988).
Yuyama Akira; Sanskrit fragments of the Mahāyāna Mahāparinivāṇa-sūtra: Koyasan manuscript; 1981 (Reiyukai Library) [  ]

Vorkommen im NR:

I: 20, 27, 29.
II: 10, 13, 17, 19, 22, 42.
III: 3, 18, 27
Zur der daraus erwachsenen kurzlebigen Schule in Japan (im Daian-ji).

Literatur:

Externe Weblinks

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