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Rōben

(von Adi Meyerhofer)

Gemeint ist Rōben (689-773; H.B: Ryōben; = Konshō gyōja), der ursprünglich aus der Provinz Ōmi stammte. Die Überlieferung hat es, daß er 2jährig von einem [goldfarbigen] Adler ergriffen worden sei, der ihn dann vor dem Kasuga-Schrein in Nara ablegte. Er wurde von Gi-in (= Gi-en, 義淵 † 728) gerettet, der ihn in den Lehren der Hossō-Schule unterwies. Der Sage nach wurde er von seinen Eltern (Name: Tadatoki), die ihn verzweifelt gesucht hatten, bei deren Besuch im Tōdaiji dadurch wiedererkannt, daß er ihnen eine kleine Shukongō-jin Shōzō-Figur zeigte (die er am Körper gehabt hatte). Im Jahre 733 (?728) gründete Kaiser Shōmu für ihn den Konsu-ji, der später zum Tōdaiji erweitert wurde. Durch Anbetung der Nyoirin Kannon soll er 900 ryō Goldes für den Daibutsu beschafft haben (F, Kap. V). Im Konsu-ji fand auch 744/12/4 erstmals das Opfer der „zehntausend Lampen“ statt. Im Kaizan-dō des Tempels befindet sich noch heute seine Statue. Rōben war der zweite Patriarch der japanischen Kegon-Schule. Deren Interpretation des Kegon-Sutras war vom koreanischen Mönch Shinjo gelehrt worden. Rōben führte nachdem er einen visionären traum gehabt hatte, die alle 14 Tage zu haltende Beichtzeremonie (skr.: poṣadha) ein. Er hatte auch, zusammen mit Gyōgi, großen Einfluß auf Shomū.

Auf kaiserlichen Befehl gründete Rōben 749 in seiner Heimatprovinz Ōmi, den Ishiyama-dera (heute zur Shingon gehörig), der wegen seines ab 804 regelmäßig abgehaltenen Nehan-e, das meist von Mönchen der Hossō- oder Sanron-Schule gehalten wurde, berühmt war. (Vgl. Ranjōshō; in: GR Vol. XVI, Nr. 465). Afuri-jinsha (Ōyama, Kanagawa-ken) führt seine Gründung – als Ōyama-dera – ebenfalls auf ihn zurück. Tatsächlich dürfte der Schrein später entstanden sein. Es wird dort eine Bildrolle aus dem Jahre 1532 aufbewahrt, die die Legende aus II-21 nacherzählt.
Weiterhin soll er, nachdem er nach der Weihe des Vairocana in Nara, nach Kanagawa zurückgekehrt war, auf dem Berg eine Statue des Fudo Myō-ō gefunden haben. Nach dreijähriger zurückgezogener Meditation, errichte er zur Erinnerung an dieses wundersame Ereignis den Ukosan Daisan-ji.

H. B., in dem ihm eigenen typischen Stil, führt aus: Nächst Gyōgi kommt Roben (Ryōben 689-773) hervor. Eine der berühmtesten Portraitstatuen. Der Welt bewahrt uns seine Erscheinung (Roben-Tempel des Tōdaiji, der Tradition nach von Roben selbst geschaffen (Staatsschatz). Man betrachte diese Gestalt, diesen Kopf! Da ist Klugheit, Fähigkeit zu warten, ruhig-entschlossenes, festes Temperament. Da ist weder Gembō noch Dōkyō ; aber auch nicht der volksfromme Gyōgi. Dieser Rōben wird sehr klug verstehen, die eigene innerste Position des Buddhismus zu stärken ; merkwürdig gut erfasst er, worin Urtümlich-Japanisches, Shintō, eins ist mit dem Buddhismus; so gilt Roben (wie Kōbō) als Begründer des sog. Ryōbu-Shintō. Dieser Roben wird auch von der Welt der Politik, den entscheidenden äusseren Dingen des Reichs sich nicht abseits halten; aber zugleich wird er mit grosser Behutsamkeit Zurückhaltung üben, dem Weltlichen, d. i. den führenden Fujiwara Lauf und Bahn lassen, vielleicht gleichfalls aus grosser politischer Weitsicht her.

Anmerkung:

Ein Großteil der gegebenen biographischen Daten sind legendär überkommen, und historisch schwer verifizierbar. Sie finden sich verstreut in den japanischen Reichsgeschichten und klassischen Geschichtswerken.

Legende der geistlichen Berufung im NR: II, 21

Literatur:

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