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Kaiser Shōmu und der Buddhismus

(von Adi Meyerhofer)

Shōmu (聖武天皇 Shōmu-tennō; *701; † 3. Juni 756) war der 45. Tennō von Japan, im Amt ab 724, abgedankt 749. Sein Eigenname war Prinz Obito, offiziell Ameshirushi kunioshihi raki toyosakura Hiko, nach Abdankung Hirohata no Hachiman (verliehen: 749/12/1). Er war ein Sohn des Mommu-tennō, somit Enkel dreier Kaiser: Temmu, Tenji und Jitō (♀). Er folgte seinem Vater nicht direkt, sondern den Kaiserinnen Gemmei und Genshō (r. 715-24). Seit 714 war er designierter Kronprinz, nachdem die Prinzen Hironari und Hiryo – beide Kinder von Ishikawa no Toji – im Vorjahr durch Intrigen verdrängt worden waren; trotzdem wurde er 715 zugunsten Genshō’s zunächst übergangen. Seine Mutter war Fujiwara no Miyako, eine Tochter der zweiten Frau des einflußreichen Fujiwara no Fuhito († 720). Sie war erst Nebenfrau, ab 729/8/1 Hauptgemahlin, die erste Kōgō (Titel verliehen unmittelbar nach Nagaya’s Selbstmord), die nicht kaiserlichen Geblüts war. Mit ihr hatte er einen Sohn und zwei Töchter. Sie dürfte bei der folgenden Förderung von Nonnentempeln die treibende Kraft gewesen sein. Der Sohn Prinz Motoi, der schon mit 11 Monaten zum Kronprinzen ernannt worden war, starb in der Kindheit. Prinzessin Abe, seine erste Tochter mit der Nebenfrau Asakabe, wurde die Kōken-tennō, die während ihrer zweiten Regentschaft Shōtoku-tennō hieß. Die andere Tochter wurde die Gemahlin des Kōnin-tennō.

Buddhism in Nara Japan
The Emperor Shōmu (reg. 724-49; † 756) and his Fujiwara [Kōmoyōshi] consort were fervent Buddhists and greatly encouraged the propagation of the foreign faith. Indeed, Shōmu and his chief advisers, some of whom were Buddhist priests, even aimed to use Buddhism as the "guardian of the state" to strengthen Japan institutionally. Such an aim may seem completely antithetical to the original spirit of Buddhism, which held this world to be a place of misery and suffering and was little concerned with sociopolitical institutions. But Buddhism in China during the Sui and early Tang dynasties had great wealth and power and its adherents were the chief transmitters of Chinese culture to other lands. To Japanese of the Nara period the idea of having Buddhism serve as the "guardian of the state" must have seemed eminently fitting.
In 737 Shōmu, following the precedents of both the Sui and T’ang dynasties, ordered the construction of a temple and nunnery in each of the provinces of Japan; and to serve as the center for this network of officially sponsored provincial religious bodies, he had the Tōdaiji (Great East Temple) built in Nara. Housed within the central building of the Tōdaiji was a huge bronze statue, some fifty-three feet in height, of the Buddha Vairochana. The casting of this Daibutsu (Great Buddha) was an impressive technological feat for eighth-entury Japan. It was begun in 747 under the direction of craftsmen of Korean descent and, after seven unsuccessful attempts, was completed in 749. In that year the court received news from the northern province of Mutsu that gold had been discovered in Japan for the first time and that several hundred pounds of it were to be donated as gilding for the Daibutsu.
It appears likely that the official who made this report actually brought the gold over from Korea and offered it to the court in order to gain special favor. Shōmu, however, was overwhelmed with the auspiciousness of the "discovery." To celebrate it he went to the Daibutsu and performed a remarkable act.
Assuming a seat facing northward toward the statue, as a subject would face a sovereign, Shōmu declared himself to be a "Servant of the Three Treasures of Buddhism." In so doing he brought the throne to a crossroads in its history. Kingship in Japan was based on the emperor’s claim of direct blood descent from the Sun Goddess; yet sovereigns from the time of Tenji [661-71] and Temmu [673-86] had also sought to use both Confucian and Buddhist tenets to strengthen their hold on the throne. It is possible that Shōmu considered making Buddhism the state religion of Japan. …
At the "eye-opening" ceremony for the Daibutsu in 752, during which the statue was symbolically given life by having the pupils of its eyes painted in, all the great dignitaries of the Nara court were in attendance. In addition there were visitors from China, India, and other distant lands and some 10,000 Buddhist priests. It was without doubt one of the grandest occasions in all of early Japanese history. …
In 749 Shōmu abdicated in favor of his daughter, Koken [749-58], who in turn relinquished her position to a nephew in 757. [vgl. III, 38]

Anzumerken bleibt noch, daß Shōmu sich offensichtlich persönlich verantwortlich fühlte für den schlechten Zustand des Reiches in dem insbesondere ab 735 Seuchen und Hungersnöte wüteten. In diese Zeit fallen eine Vielzahl von ihm angeordnete Sutrenlesungen, Amnestien und Steuererlasse mit Verteilung von Reis aus regierungseigenen Speichern. Politisch war der Seuchentod der vier Fujiwara-Brüder (737) im Staatsrat für ihn eher willkommen. Durch Neubesetzung der Positionen mit Mitgliedern von relativ obskuren Klans gewann er größeren Entscheidungsspielraum.
Während der Rebellion des Fujiwara no Hirotsugu, die 740 in Kyūshū begann, begab sich der Kaiser auf eine 5jährige Periode der Wanderschaft, während der er veranlaßte daß am Flußbett des Izumikawa (heute: Kizugawa) bei Kuni im Sōraku no kōri in der Provinz Yamashiro (heute: Stadt Kizugawa in der Präfektur Kyōto) der Bau einer neuen Hauptstadt mit dem Palast Kuni (恭仁宮, Kuni-kyū oder Kuni no miya) begonnen wurde. Das Neujahr wurde in der anscheinend schon fertig gestellten provisorischen Residenz des Kaisers (内裏, Dairi) gefeiert. Damit verlor Heijō-kyō nach 30 Jahren seinen Status als Hauptstadt. Im 9. Monat wurde der linke und rechte Stadtbezirk festgelegt, einen Monat später wurde mit Gyōgi's Hilfe die große Brücke über den Izumikawa fertigstellt und im 11. Monat der offizielle Name Yamato Kuni no Ōmiya (大養徳恭仁大宮, dt. „großer Schrein/Palast von Yamato-Kuni“) vergeben. Die neue Hauptstadt war zumindest in Grundzügen ausgelegt, wurde aber nach drei Jahren wieder aufgegeben (Tempyō 12/12/15 [6.1.741]).
744 folgte dann eine kurze Verlegung der Residenz in den Asuka-Palast in Naniwa, bis dann 745, wohl angestoßen durch den plötzlichen Tod des Kronprinzen, die Rückkehr nach Nara erfogte. Gleichzeitig war auch, auf Rat der Äbte der Nara-Schulen, entschieden worden, den Daibutsu nicht bei Shigaraki, wo ab 741 kurz der Bau einer weiteren neuen Hauptstadt geplant war, zu errichten, sondern in Nara. Um die kami dem Projekt gegenüber gewogen zu machen, wurde der Buddha Vairocana zu einer Inkarnation der Sonnengöttin Amaterasu erklärt.

Angesichts der Verheerungen im Lande erschien ihm eine Hinwendung zum Buddhismus mit besonderem Schwerpunkt auf den „staatstragenden Sutren“ (Konkōmyō- und Lotus-Sutra) sinnvoll. Zugleich zeigte die gewaltige Bautätigkeit – die das, eines Viertels seiner Steuerbasis durch die Seuchen 735-7 beraubten Reiches an den Rand des Bankrottes führte – die Macht des Herrschers. Begonnen wurden ab 737-41 siebenstöckige Pagoden in den Provinzen; danach folgte die Errichtung der Kokubunji (国分寺) – ein landesweites Netz von „Provinztempeln“ – mit dem Zentrum Tōdai-ji (741). Dort war Platz für je 20 Mönchen und 10 Nonnen, denen zur Versorgung fünfzig Haushalte zugewiesen wurden. Besonders offensichtlich ist die Paralelle angesichts des Baus des monumentalen Buddha im Tōdai-ji die „Lichtgestalt“ erlösenden Maitrya repräsentierend. Nach seinem Rücktritt, unmittelbar nach Abschluß des Gusses des Buddha, trat er zurück. Vier Jahre nach Einweihung des Tōdai-ji, dessen Ausbau er persönlich überwachte, starb er 756. (Zu den folgenden Machtkämpfen seiner regierenden Tochter siehe III, 38.)
In seine Amtszeit fallen noch Einführung genauer Vorschriften für die Beamtenprüfungen und die Einrichtung einer kostenlosen Medikamentenabgabestelle. Einige Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände des Herrschers haben im Schatzhaus Sōsō-in des Tōdai-ji überdauert.1 Als ebenso verdienstvoll galt das Abschreiben von Sutren. Zu diesem Zweck wurde in der Hauptstadt eine eigene Dienststelle (shakyō jo) eingerichtet.

1) Beschrieben in: Band 6 des The Heibonsha Survey ofJapanese Art; New York, Tokyo 1975 (Weatherhill/Heibonsha). [ ▲ ]

Im NR-Text erwähnt: II-00, I-05, I-32, II-01, II-02, II-03, II-04, II-05, II-06, II-23, II-26, II-27, II-35, II-38.

Literatur:

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