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Shōtoku Taishi

(von Adi Meyerhofer)

H. B. hat Shōtoku Taishi eine über 1000seitige Materialsammlung gewidmet. Details

Die Person des Regenten Shōtoku Taishi (S. T.; 576–621) ist unter verschiedenen Namen bekannt. Eigentlich hieß er Umayado no oji (d. h. „der Fürst von der Stalltür,“ 厩戸皇王), da der älteste Sohn Yomei’s vor einem Stall bzw. auf der ausgehängten Tür desselben geboren sein soll. Weiterhin ist er bekannt als Toyosatomimi bzw. Kamitsumiya. Im Kojiki (古事記), heißt er Kamitsumiya no Umayado no Toyosatomimi no Mikoto. Im 720 vollendeten Nihonshoki, der besten Textquelle zur Person, wird er, außer als Umayado no oji, noch unter mehreren anderen Ehrentiteln geführt. Der Name Shōtoku ist erstmals im Kaifuso 751 schriftlich erwähnt, also fast 130 Jahre nach seinem Tode. S. T. ist neben Gyōgi die wichtigste erwähnte Person im ersten Faszikel des NR. Im Buddhismus unterwiesen wurde er von Mönchen aus Kudara. Zum einen durch Hyeja, (jap. Eji, ?–623, in Japan 595–615) zum anderen von Hyech’ong (Daten unbekannt). S. T. buddhistische Gelehrsamkeit ist wahrscheinlich von späteren Hagiographen stark überzeichnet worden. Die beiden mit ihm verbundenen alten Tempel Shitennō-ji und Hōryūji bestanden zwar schon zur Hakuhō-Periode, gewannen aber an Bedeutung erst, als sein Kultus verbreiteter wurde.

Shōtoku Taishi 100 Yen
Shōtoku-taishi (100 Yen von 1945; Dasselbe Bild im Yumedono-Pavillion diente auch als Vorlage für die 1000 Yen-Banknote von 1950)

Soga no Umako († 626; Ō-omi von Bidatsu bis Suiko) ließ den Kaiser Sushun (520–92, reg. 587–92), seinen Neffen, als dieser zu unabhängig wurde, von Koma ermorden und setzte stattdessen 592 seine Nichte Suiko (推古; Prinzessin Daidaiō) auf den Thron, die Schwester der vormaligen Herrschers Yōmei (519–87; reg. 586–7), zugleich Witwe Bidatsu’s (538–85). Sie war damit – als (offiziell) 33. Herrscherin – die erste Frau im Amt. Man stellte ihr ihren Neffen Shōtoku Taishi als Regenten (sesshō, verschiedentlich auch „Kronprinz“ genannt) zur Seite. Sie wurde mehr auf die rituellen Pflichten eines Herrschers beschränkt, während S. T. – Sproß des mächtigen Soga-Klans (蘇我氏3 – die aktuelle Verwaltung übernahm. Der von dieser Sippe geförderten Einführung des Buddhismus lagen Gründe der Staatsraison zu Grunde, so daß der Klan einen Herrschaftanspruch daraus herleiten konnte. Das Lesen „staatsschützender“ Sutre wurde regelmäßige Praxis. Quellen geben an, daß bis 624 bereits 46 Tempel entstanden sein sollen, eine nicht unwahrscheinliche Zahl – Ausgrabungen haben bisher schon mehr als fünfzig buddhistische Kultstätten des Asuka-Zeit gefunden. Es verwundert nicht, daß die treibende Kraft hinter dem Taika-Putsch (645), der die Macht der Soga’s vernichtete, ein Oberpriester des indigenen Shintō war: Nakatomi Kamatari (= Fujiwara no Kamatari).

Ausschnitte der Lebensgeschichte Shōtoku taishi, auf zwei kakemono der Kamakura-Zeit.

ST Eltern
Die Eltern mit dem Neugeborenen
ST Moriya
Endkampf um die Residenz Monobe Moriyas

ST Lotus
S. T. gibt die Lehrrede zum Lotus-Sutra

Shomangyō
Wunder nach der Lehrrede zum Shomangyō

In die Frühzeit der Regentschaft fällt zum einen die seit 591 geplante militärische Expedition gegen das koreanische Silla-Reich (Exkurs: Korea), sowie die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum nach knapp 250 Jahren wiedervereinigten chinesischen Reich, nun unter den Sui. Das Sendschreiben, in dem Suiko sich in einer Art betitelte die zeigte, daß sie den chinesischen Gottessohn als gleichwertig betrachtete – und nicht wie ihre Vorgänger als dessen Vassall – führte zu Verstimmungen. Trotzdem begann wieder ein kultureller Austausch, nun jedoch direkt also nicht mehr durch koreanische Vermittlung. Die Beziehungen wurden bis zum Ende der T’ang gepflegt.

Bei der „17-Artikel-Verfassung“ von 604 handelt es sich mehr um eine Sammlung konfuzianisch beeinflußter allgemeiner Verhaltensregeln, kein Grundgesetz im modernen Sinne. Die enthaltenen Mahnungen zum Frieden (wa „Harmonie“), Untertanengeist, Unbestechlichkeit usw. dienten der Konsolidierung bzw. Aufrechterhaltung der Sippenherrschaft des Tennō aus dem Yamatosippenverband.
Textkritische Untersuchungen1 stoßen sich vor allem am Begriff kokushi kokuzo (kokushi kuni no miyatsuko, 国司国造). Dieser wurde im Jahre 604 noch nicht gebraucht. Kokushi bedeutet „Regierungsbeamter“ im dem Ritsuryō-System, das erst im Jahre 701 etabliert wurde. Ein weiterer Argument ist die Ideologie hinter der Verfassung die sehr an die Ideen der Taika-Putschisten im Jahre 645, erinnert.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde S. T. – außer Wundertaten die an einen buddhistischen Heiligen erinnern – die Einführung verschiedenster zivilisatorischer Leistungen zugeschrieben2 von denen H. B. nennt:

Die heute herrschende Meinung unter japanischen Historikern geht dahin, daß S.T. als Person zwar gelebt hat, außer der Gründung des Ikaruga, dem späteren Hōryū-ji, seien jedoch keine Taten belegbar. Die ihm zugeschriebenen Reformen („17-Artikel-Verfassung (Kempō jūshichi-jō. Der Text findet sich im Nihongi XXII, Suiko-ki 12/4/3. Selbst wenn dieser Text, ebensowenig wie die Sutrenkommentare, nicht wirklich von S. T. stammen, so geben sie doch einen Einblick in die intellektuelle Entwicklung des Zeitalters.)“ usw.) wären ihm erst zur Zeit der Enstehung des Nihon shoki zugeschrieben worden. Wenn es sich bei seinen Schriften/Taten nicht gar um rückdatierte spätere Reformen handelt, so ist zumindest davon auszugehen, daß die ihm zugeschriebenen Werke später im Geiste der Zeit um 800 redigiert worden sind. Die Forscher und Historiker Ōyama Seiichi (大山誠一. Wichtige Werke: 1) Nagayaōke mokkan to kinsekibun, 1998; 2) S. T. no tanjō, 1999; 3) S. T. no shinjutsu, 2003) sowie Tsuda Sokichi (津田左右吉. Tsuda Sōkichi zenshū,1964), letzterer ein Spezialist für die frühen Reichsannalen, vertreten die Auffassung S. T. sei eine (geschickt) konstruierte Fiktion zur Legitimation der nach Jitō (♀, reg. 686–97, † 702) Herrschenden.
Es ist anzumerken, daß sich ein wesentlicher Teil der Shōtoku-Forschung der letzten beiden Jahrzehnte – angestoßen durch Tamura Enchō (pertinente Werke: 1. Nihon bukkyōshi, Kyoto 1982-3, 6 Bde. 2. Kodai Chōsen to Yamato, 1985. 3. mit Kawagishi kyōkō S. T. to Asuka bunka, 1990) in den 1980ern – hauptsächlich um Quellen, Terminologie und kleinliche Fragen der Methodik dreht. Sie ist auch dadurch beeinträchtigt, daß man in zu genauer Betrachtung bzw. Kritik einen Angriff auf die „Einmaligkeit Japans“ bzw. seiner Kultur sieht/sehen kann, die der vergöttlichte Shōtoku wie kaum eine andere historische Figur verkörpert.

Anmerkungen:

†) Im Metropolitan Museum of Art, NY (Inventar-Nr. 29.100.470,471 ). Gespendet von Mrs. H. O. Havemeyer 1929. [  ]
1) Schon angeregt von George Sansom: “Some light on the subject may be gained from a study of Shotoku Taishi’s »Seventeen Articles.« In many respects a remarkable document, it is at the same time a curious medley of modified quotations from a great number of sources which on a strict view are scarcely compatible. In that one short document it is possible to trace the influence of passages from the Odes, the Book of History, the Analects, the Tso Chufan, the Rites, Meng-tzu, Chuang-tzu, Hanfei-tzu, the Han historians, the Wen Hsuian and other works. It is, to say the least of it, highly eclectic: and one would like to know how much of this mixture was deliberate, how much was due to failure to perceive conflicts between schools of thought.
It seems to me that there is room here for the application of the linguistic technique which I have just suggested.” (MN, Vol. I (1938), Nr. 1, S. 42-7) [  ]
2) Die traditionelle, auf den Reichsannalen fußende, Geschichtsschreibung faßte Nachod in seiner „Geschichte von Japan“ (1906), Bd. I, S. 237-46 zusammen. [  ]
3) Im frühen siebten Jahrhundert war die absolute Vormachtstellung des „kaiserlichen“ Yamato-Klans noch keineswegs gesichert. Die Soga (蘇我), mit engen Bindungen zur aus Korea zugewanderten (Volks-)Gruppe der Hata () (und vielleicht auch zu den Horserider-Invasoren) bildeten wohl eine ebenbürtige Gruppierung. [  ]

Literatur:

Klassische japanische Texte: 1) Jōgū Shōtoku Hōō Teisetsu (上宮聖德法王帝說); 2) Jōgū Shōtoku Taishi den hoketsuki (上宮聖德太子傳補缺記); 3) Shōtoku Taishi Eden (聖德太子繪傳); 4) Shōtoku Taishi den shiki (聖德太子傳私記); 5) Shōtoku taishi den kokon mokuroku shō (聖德太子傳古今目錄抄). (1 und 2 übersetzt, die anderen besprochen von H. B.: Details)
Sutrenkommentare: Sangyō gisho, d.i. eine Sammlung von drei Sutrenkommentaren, die traditionell S.T. zugeschrieben werden Taishō .zip LVI, Nr. 2185-7. Fujieda Akira (1975) vertritt die Ansicht – basierend auf Funden in Tun-Huang – daß diese Kommentare chinesischen Ursprungs sind. Inoue Matsusa hält es für wahrscheinlich, daß die Kommentare zu S.T.’s Zeit – eventuell unter seiner Mitwirkung – entstanden. Die Sammlung der Sutren-Kommentare wurde als Taishi sankyōsho 1247, 1294, 1655 und 1682 gedruckt. Bereits 772 wurde das Buch, das auf einen Vortrag im Okamoto-miya basieren soll, vom Kegon-Mönch Kaimyō als Geschenk dem ch. Priester Ling-yiu des Lung-hing-ssu überreicht. Kommentare zum Werk stammen u. a. von den Kegon-Mönchen Shūshō (des Tōdaiji um 1260; Hokkekyō gikishō) bzw. Gyōnen (1240-1321), des Kaidan-in (Taishi Hokkesho ekōki). Als erster Teil soll[te] der Kommentar zum Hokke-kyō ins Englische übersetzt in einer westlichen Sprache erscheinen: McRae, John; Commentary on the Meaning of the Lotus-Sutra; Berkeley [2007 als “in Vorbereitung” und von McRae als “perhaps the most boring Buddhist book” bezeichnet. Nachdem der Übs. 2011 verstarb, ist nicht klar wie weit fortgeschritten das Projekt des Numata Center for Buddhist Translation ist].

Externe Weblinks

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