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Ort:

Tōdai-ji (東大寺)

(von Adi Meyerhofer)

Lage innerhalb Naras (Schema um 780)
Anschrift: 奈良県奈良市雑司町406-1,
Schatzhaus: 奈良市雑司町129

34° 41' 21" N, 135° 50' 23" O

Geschichte

Karte 756
Karte des Tōdaiji 756

Der Tempel geht auf den Kinshōsen-ji (金鐘山寺) zurück, den Shōmu errichten ließ, um den Geist seines einjährig verstorbenen Kronprinzen, Prinz Motoi, zu befrieden. Als 741 das System der staatlichen Provinztempel geschaffen wurde, wurde der Tempel zunächst zuständig für die Provinz Yamato. Der offizielle Name lautete etwa „Tempel des Schutzes des Landes [Reiches] durch die vier Himmelskönige vom Goldglanz-Sutra“ (金光明四天王護国寺). Die ursprüngliche Anlage dürfte der Sanagtsu-dō (oder ein Gebäude anstelle bezw. in unmittelbarer Nähe desseben) gewesen sein. 747 wurde der Komplex gleichzeitig zentraler Tempel zuständig für die Übersicht aller Provinztempel für Mönche (nicht der Nonnenklöster). Ab diesem Jahr ist ein „Tōdai-ji-Bauamt“ nachweisbar. Schon vier Jahre zuvor begann der Bau des Daibutsu. Zur Zeit der Ritsuryō-Verwaltung kontrollierte das Sōgō (僧綱) als Behörde sämtliche Geistliche des Landes, alle sechs Naraschulen hatten Büros im Tōdai-ji. Die ersten sōjō wurden Gyōgi, der eifrig Spenden sammelte und Rōben, der Abt, der die Vollendung des Daibutsu (Vairochana) übersah. Wie alle sieben „großen Nara-Tempel“ erhielt man im Jahre 749 1000 chō (à 11664 m²) steuerfreien Landes.
Ordinationen – auch die des zurückgetretenen Shōmu und die seiner Frau Kōmyō – wurden zentral auf der dafür eingerichteten Plattform, gemäß dem Vinaya durchgeführt. Nach 806 auf Vorschlag Saichō’s nach Schulen getrennt. Kūkai als Gründer des Shingon, führte die Bodhisattva- und die Samaya-Ordination ein. Zu diesem Zweck wurde 829 extra die Abhiseka-Halle gebaut. Die noch heute durchgeführte Shuni-e-Zeremonie geht auf Jitchū zurück. Sie findet heutzutage vom 1.–14. März im Nigatsu-dō statt.

Laterne
Bronzelaterne (752)

Bewaffnete Mönche (sōhei) des Tempels waren 949 die ersten, die in Kioto Unruhen veranstalten. Für das Jahr 950 ist belegt, daß 560000 Ar Grundbesitz vom Tempel kontrolliert wurden, diese Ländereien waren jedoch nicht, wie die des benachbarten Kōfukuji (der in späteren Jahrhunderten Yamato mehr oder weniger komplett kontrollierte), nur in der näheren Umgebung gelegen, sondern verteilten sich über 23 Provinzen. Mit dem Verfall der zentralen Verwaltung wandelte sich der Tempel von einer staatlich geförderten Institution, zu einem, wenn auch reichen und mächtigen, gewöhnlichen Tempel.

Fukukenjaku Kannon
Fukukenjaku-Kannon im Sanagatsu-dō (746)

Dem Tempel war auch die Verantwortung für den in Form des Gottes Hachiman deifizierten Ōjin-Tennō (reg. trad. 201-13) übertragen worden, der als Ahngott der Minamoto-Sippe galt. Wie auch der nahe Kōfuku-ji wurde der Tempel darum im Gempei-Krieg von den Truppen der Taira zum Jahresende 1180 fast vollkommen abgefackelt, das Schatzhaus blieb jedoch unbeschädigt. Der entsetzte Go-Shirakawa ordnete im nächsten Jahr den Wiederaufbau an. Zu diesem Zweck wurde der Mönch Chōgen (1121-95 oder 1206) mit dem Sammeln von Spenden (kanjin) beauftragt. Er verprach den Spendern auch für kleinste Beträge die Wiedergeburt im Paradies des Westens. Die Neueinsegnung war eine grandiose Veranstaltung an der 1000 Mönche, der Tennō und Yoritōmō (源頼朝, 1147-99) Shōgun seit 1192, teilnahmen.

Bis Mitte des 13. Jahrhunderts verringerten sich die Rückflüsse aus den Domänen immer mehr, als Alternative begann man nun z. B. durch Wegezölle Einkommen zu erzielen. Die nächste kriegsbdingte Zerstörung geschah 1587. Zuerst erfolgten nur nordürftige Reparaturen – erst über hundert Jahre später konnte 1692 der Daibutsu wieder hergestellt werden.

Der Tempel ist noch heute Hauptsitz und wichtige Einnahmequelle der Kegon-shū.

Gebäude

Exkurs: Daibutsu-Statue

Der, immer noch große, Tempelkomplex umfaßte, besonders hinter der Haupthalle, zu seiner Hochzeit noch zahlreiche weitere Gebäude und Nebentempel, die nicht wieder aufgebaut wurden. Das Tengai-mon ist das einzige noch original erhaltene Bauwerk. Sehenswert sind, außer der Haupthalle (Kondō) mit dem Daibutsu besonders:

Bilder des Tōdai-ji
Bild 1Bild 2Bild 3Bild 4
Alle Bilder können durch Anklicken vergrößert werden. Moderne Aufnahmen von Adi Meyerhofer, 2010 (CC3: BY-NC). Dachziegeln vom Nationalmuseum Nara.
5er-Pagode
Banner vor dem Eingang
Bikara+ShotoraTaisho
Große Glocke
Eastern
Schrein vor dem Nigatsudō
Daibutsu
Daibutsu (Meiji-jidai)
Daibutsuden
Daibutsuden (Meiji-Ära)
Daibutsuden
Daibutsuden (2010)
Yuima Koji
Daibutsuden vom Park (Meiji-Ära)
Vajra
Aufgang zum Nigatsu-dō
Monju
Blick auf Nara vom Nigatsu-dō
3er-Pagode
Blick auf Nara vom Nigatsu-dō
鐙瓦
Dachziegel, 8. Jhdt.
鐙瓦
Dachziegel vom Sangatsu-dō
鐙瓦
Dachziegel von der Buddha-Halle, 18. Jhdt.
Rosette
Sangatsu-dō Deckenrosette

Anmerkungen:

Der Komplex, der sich einen Berghang hinaufzieht umfaßt zahlreiche weitere Tempel, am schönsten, oben am Hang mit Blick über Nara, ist der Nigatsudō. Heutzutage ist das Gelände ein bevozugter Ort von Schulklassen und Lehrkräften mit Megaphonen, die, oft nur wenige Meter nebeneinander, alle das Gleiche über 100 m hörbar machen.

1) Zum Herstellungsverfahren siehe: Moran, Sherwood F.; Structural Features of Clay Sculpture of the Nara Period; Artibus Asiae, Vol. 23 (1960), No. 1, S. 41-66 [ ▲ ]

Literatur:

Die offizielle Tempelgeschichte, das Todai-ji-yōroku (東大寺要緑. Abk.: TY) von 1134 und einer Fortsetzung bis 1487 wird in der Einleitung beschrieben. Ebenfalls Geschichtliches gibt das Tōdaiji-kokiroku aus dem 13. Jahrhundert (gedruckt: Tsutsui Eishun (Hrsg.); Osaka 1944).
Zu den Beständen des Schatzhauses und einzelner darin aufbewahrter Gegenstände gibt es zahlreiche Veröffentlichungen.

Externe Weblinks

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