日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Kwannon Bosatsu vertrauend, sein Sinnen auf sie richten, sichtbar-gegenwärtige Vergeltung empfangen

恃憑念觀音菩薩得現報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Text 
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老師行善者,俗姓堅部氏.小治田宮御宇天皇之代,推古.遣學高麗,遭其國破,流離而行.忽其河邊椅壞,無船,過渡無由.居斷橋上,心念觀音.即時,老翁乘舟迎來,同載共渡.渡竟之後,從舟下道.老公不見,其舟忽失.乃疑觀音之應化也.便發誓願,造像恭敬.遂至大唐,即造其像.日夜歸敬.號曰-河邊法師.法師之性,忍辱過人,唐皇所重.從日本國使,以養老二年,歸向本朝.住興福寺,供養其像,至卒不息.誠知,觀音威力,難思議矣.  讚曰:「老師,遠學遭難,將歸無由.濟渡憶聖,椅上憑威.化翁來資,別後遄翳.圖儀常禮,其役不輟.」
Ryō-Wiki

Kannon*

Der alte Meister Gyōzen行善, seines Laiennamens Katabe1 no Uji, ward zur Zeit der im Woharida Palaste die Welt regierenden Himmlischen Majestät [Suiko] zu Studien nach Korea [Koryŏ2] gesandt. Da traf er es, daß dies Reich zerbrach; flüchtig und ohne Obdach wanderte er dahin. Plötzlich kam er dort an einen Fluß (Kawabe3), die Brücke war zerbrochen, kein Schiff war da, keine Möglichkeit überzusetzen. Auf der zerbrochenen Brücke oben weilend, richtete er seines Herzens Sinnen auf Kwannon. Da kam ein alter Mann ihm auf einem Boote entgegengefahren, lud ihn in das gleiche Boot und setzte mit ihm über. Nachdem er so übergesetzt worden war und auf den Weg ausgestiegen, da war der ehrwürdige Alte nicht mehr zu sehen; jenes Boot war plötzlich verschwunden. Da fragte er sich und sprach: „ Kwannon hat mich erhört應花 und ist mir in andrer Gestalt begegnet.“ Da tat er ein Eidgelübde, ein Ebenbild zu schaffen und Verehrung zu erweisen. Endlich kam er nach Groß-Tang [China]. Da schuf er das Ebenbild. Tag und Nacht hing er ihm an und erwies Verehrung. Daher ward er der An-dem-Flusse-GesetzesmeisterKawabe-hōshi zubenannt. Des Meisters Natur war langmütig(Schmach zu ertragen [nin'niku; skr.: kṣānti]), mehr als die (andrer) Menschen. Der Tang-Kaiser4 hielt ihn wichtig und wert. Gesandten des Reiches Japan folgend, kehrte er im 2. Jahr Yōro [718] in dies unser Land zurück,5 wohnte im Tempel der Segenserhebung (Kōfukuji6) und brachte jenem Ebenbilde regelmäßige Opfer dar ohne Aufhören bis an sein Lebensende. Wahrlich ist zu wissen: Kwannons ehrfurchtgebietende Macht ist schwerlich zu messen. Die Gātha sagt:

Gatha
Der alte Meister, ernstKwannon () studierend,
begegnet Not. Rückkehrend findet
er keinen Weg, der ihn hinüberführt.
Und weinend sitzt er auf der Brücke oben,
vertraut der Ehrfurcht Macht. Da nahet
verwandelte Gestalt, ein Greis und hilft
und schwindet unversehens nach dem Scheiden.

Paralellen

  1. Fusō ryakki: VI, Yōrō 2/9 Datiert die Abreise jedoch in die Herrschaft der Kaiserzeit Genshō (715-24), obwohl das Reich Koryŏ bereits 688 von der Tang-Armee unterjocht wurde.
  2. K: XVI, 1, das an kleinen Einzelzügen noch folgendes hinzubringt: Die Leute des koreanischen Landes sind in die Burg des Königs geflüchtet; auf dem Lande ist niemand mehr. Gyōzen irrt in Bestürzung flüchtig, offenbar um auch in die Burg zu gelangen. Die Not geht vorüber. Das Land beruhigt sich; aber Gyōzen zieht, da er weiter nichts mehr hier zu tun hat, weiter. – Der Tang-Kaiser fragt ausführlich, warum er das Bild so verehre. Daraufhin erzählt Gyōzen; daraufhin sein Zuname. Der Zitatschluß fehlt im K wie fast immer.
  3. Shoku Nihongi, VIII (Yōrō 5/6/23) gibt folgende Verordnung: Der Mönchen Gyōzen hat im Ausland studiert und nach Askese wunderbare Erkenntnis erlangt. Wenn er einen Tempel besucht, um den Buddha zu ehren, soll er als ein sangha-Offizieller behandelt werden.
  4. Vgl. generell das buddh. Bild des „über den Strom Setzens“.
  5. Nakamuras Englische Übersetzung (nur Text)