日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Einer hat dem Sohn Dinge gestohlen und sie verwandt, ist darüber zum Ochsen geworden und leistet Dienst und tut seltsame Zeichen kund

偷用子物作牛役之示異表緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Text 
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大和國添上郡山村中里,昔有云椋家長公.當十二月,依方廣經,欲懺先罪.告使人云:「應請一禪師.」其使人問曰:「請何寺師?」答日:「不擇其寺,隨遇而請.」其使隨願,請得路行一僧歸家.家主信心供養.其夜,禮經已訖.僧將息時,檀主設以被覆之.僧即心念:「明日得物,不如取被而出.」時有聲而言:「莫盜其被.」僧大驚疑,顧窺家中覔人,唯有一牛,立家倉下.僧進牛邊,語言:「吾者,此家長之父也.而吾先世,為欲與人.不告子取稻十束.所以,今受牛身,而償先債.汝是出家,何輙盜被乎?欲知其事虛實,為我設人座.我當上居.應知其父.」於是僧即大愧,還止宿處.明朝,事行既訖之曰:「令他人遠卻.」然後召集親族,具陳先事.檀越即起悲心,而就牛邊,敷藁白言:「實吾父者,就此座.」牛屈膝,而臥座上.諸親出聲,大啼泣言:「實吾父矣!」便起禮拜而曰牛言:「先時所用,今咸奉免.」牛聞之,流淚大息.即日,申時,命終.然後,以覆被及財物,而施其師.更為其父,廣修功德.因果之理,豈不信哉?
Ryō-Wiki

Nachbau einer Kura auf Stelzen (Vorbild aus der Yayoi-Zeit)

Im Lande Yamato, in Gau Sofu no kami (大和國添上郡; Nakamura: Sou), in einem Weiler (sato) der Gebirgsdörfer, lebte der Atahi Kura no Ie Wosa no Kimi.1 Da es der 12. Monat war, tat er, auf das Hōkwō-Sutra (I,8) sich stützend, Buße für frühere Sünden. „Bitte einen Zenmeister herbei!“ sprach er zu dem Boten. Der Bote fragte und sprach: „Welches Tempels Meister soll ich bitten?“ Er antwortete und sprach: „Eines Tempels tut nicht not zu wählen. Wie du einem begegnest so bitte!“ Der Bote tat nach Wunsch, fand einen hart Werk (難行 nangyō) tuenden Priester und kehrte mit ihm nach Hause. Der Herr des Hauses brachte ihm glaubenden Herzens Speise (und anderes mehr) dar. In dieser Nacht nun, da die Sutralesung nunmehr beendet war und der Priester zu ruhen gedachte, nahm der Altarherr (壇主 danshu), um ihn wohl zu versehen, eine Decke und deckte ihn zu. Der Priester dachte alsbald bei sich: „Besser als morgen etwas bekommen [K: Spenden, Almosen], ist, die Decke zu nehmen und davonzugehen.“ Da geschah eine Stimme: „Stiehl die Decke nicht!“ Der Priester erschrak gewaltig und spähte argwöhnend im Hause umher. Aber kein Mensch war da zu sehen. Nur ein Ochse war da, der stand unten in der Scheuer (2) des Hauses. Der Priester ging zum Ochsen hin. Der Ochse redete zum Priester und sprach: „Ich bin dieses Hauses Herren Vater. Ich habe in einem früheren Leben, ohne meinem Sohn es zu sagen, zehn Bündel () Reis genommen, weil ich sie jemandem geben wollte. Darüber habe ich jetzt einen Ochsenleib empfangen und trage die frühere Schuld ab (mono-no-kai o tsugou). Du bist einer, der Haus und Hof verlassen hat. Wie solltest du leichterhand stehlen? Willst du wissen, ob dies nichtig oder wahr ist, so bereite mir einen Sitz. Gewißlich will ich dann hinaufsteigen. Und man mag wissen, daß ich hierorts der Vater bin. Da schämte sich der Priester alsbald gewaltig, ging zurück und blieb an dem Herbergsorte.


Reis zum Trocknen am Ujigawa bei Kioto (Photo Meiji-Ära)

Anderntags in der Frühe, da die (geistlichen) Verrichtungen beendet waren, sprach er: „Laß die andern Leute weit sich entfernen! Danach jedoch beschied er die Angehörigen zusammen und berichtete im einzelnen das Vorige. Der Patron (壇越, danochi) ging alsbald, mitleidvollen Herzens, zu dem Ochsen hin, breitete Stroh zurecht und sprach: „Bist du in Wahrheit mein Vater, so komm auf diesen Sitz!“ Da kniete der Ochse und ließ sich auf dem Sitze nieder. Die Angehörigen erhoben die Stimme, schluchzten und weinten laut und sagten: „In Wahrheit unser Vater.“ Alsbald gingen sie, erwiesen Reverenz und sprachen zu dem Ochsen: „Den Reis von vordem wollen wir gern allen erlassen! Der Ochse vernahm es, vergoß Tränen und atmete tief auf und verschied an jenem Tag um die Stunde des Affen. Die Decke jedoch, womit man zugedeckt hatte, und (Geld und) Gut obendrein, spendete man dem Meister. Dem Vater zu Frommen tat man des weiteren reichlich Übung in Verdienst (功徳, kudoku) und Tugend. – Und die Ingwa-Wahrheit sollte man da nicht glauben?3

Paralellen

  1. Myōhōki (III, On Wang usw.)
  2. Fusō ryakki (IV, Saimei), hier wird jedoch nichts Übles vom Priester erwähnt. Der Herr „tut ein wenig Gutes“ der verstorbenen Mutter halber. Die Mutter als Kuh erscheint dem Priester und berichtet, daß sie ohne Wissen des Sohnes 10 Bündel Reis genommen. Ort- und Personennamen sind im übrigen die gleichen. Die erste Anmerkung sagt: „Aus dem Buch des Kyōkai“. Dann folgt – offenbar als zweite Anmerkung – „Ich sage, wenngleich es aus dem Ryōiki ist, so gebricht es diesem Abschnitt doch sehr an Glaubwürdigkeit. Diese Sprache der Tiere war in der Anfangs-Kalpa (Urzeit) zwar gleich der Menschen. Da aber jetzt die Endzeit herangekommen scheint, wie sollte die Sprache noch richtig (gleich der der Menschen) sein! Vielleicht, daß er im Traume fälschliche Phantasien sah und irrtümlich tatsächliche Worte aufschrieb, was vor dem Erwachen gewesen. Der Betrachter muß (das eine) aufnehmen, das andre beiseite tun.“
  3. K: XIV, 37 mit geringen Abweichungen.