日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Ein schlimmes Weib1 ernährt unkindlich die Mutter nicht, die sie geboren hat, und empfängt sichtbar-gegenwärtig schlimmen Todes Vergeltung

凶女不孝養所生母以現得惡死報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Text 
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故京有一凶婦,姓名未詳也.故京,古於奈良京者.藤原京、飛鳥京歟.曾無孝心,不愛其母.母當齋日不炊飯,思念齋食,便就女邊而乞飯.其女曰:「今家長與我,亦將齋食.除此以外,無餘供母.」時其母有稚子.攜之還家,俛視道頭,有遺裹飯.拾之慰餓,猶勞寢室.夜半之後,有人來扣戶曰:「汝女高叫:『吾胸有釘!』方將垂死.往可看!」母以疲寢,不得往活.其女終死,不復相見也.不孝養而死.從此者,不如讓分,供母而死耶.
Ryō-Wiki

In der alten Hauptstadt [Asuka] war eine schlimme Frau. Name und Zuname weiß man im einzelnen nicht. Sie war schon immer nicht kindlich treuen Herzens (孝養) gewesen und liebte die Eltern nicht. Die Mutter bereitete am Fastentag2 kein Essen, an Fasten(speise) denkend. Sie ging dann zum Hause der Tochter und bat um Essen (). Die Tochter sagte: „Der Hausherr und ich wollen gerade auch Fasten essen. Weiter ist kein Essen da, es der Mutter zu spenden ().“ Ein kleines Kind war da bei der Mutter, das führte sie mit sich und ging nach Hause zurück. Da sie sich niederneigte und schaute, lag da an der Straße eingewickelt etwas zu essen3 (裹食) das war da heruntergefallen. Sie hob es auf und stillte den Hunger. Ganz (nao) erschöpft schlief sie in der Behausung (nuno). Nach Mitternacht war da ein Mann, der kam und pochte an die Tür und sprach: „Deine Tochter schreit laut: „Nadeln sind mir in der Brust!“ Es fehlt nicht viel, so stirbt sie. Darum geh und sieh nach ihr!“ Aber die Mutter schlief erschöpft und vermochte nicht zu gehen, nach ihr zu sehen. So starb die Tochter zuletzt, und sie sahen sich nicht noch einmal. Besser als unkindlich nicht (die Mutter) ernähren und das Leben verscherzend (itazura ni) dahinsterben ist es, den (eigenen) Teil abgeben und der Mutter ihn spenden () und sterben.

Paralelle

  1. Konjaku monogatari-shū: XX, 32 mit geringen Varianten. Die Mutter ist Witwe; wenn sie nicht bei sich kocht, geht sie zur Tochter; Die Mutter trägt das kleine Kind in den Armen. Die Mutter besucht die Tochter nicht, da es doch mitten in der Nacht ist und man nicht gehen kann.