日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Jemand raubt unrechterweise andrer Leute Sachen und tut Böses und empfängt dafür schlimme Verleitung; seltsames Geschehen zeigt sich

非理奪他物為惡行受惡報示奇事緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Text  
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役優婆塞者,賀茂役公,今高賀茂朝臣者也.大和國葛木上郡茅原村人也.生知博學得一.仰信三寶,以之為業.每庶挂五色之雲,飛仲虛之外.攜仙宮之賓,遊億載之庭.臥伏乎蘂蓋之苑,吸噉於養性之氣.所以晚年以四十餘歲,更居巖窟,被葛餌之松,沐清水之泉,濯欲界之垢,修習孔雀之咒法,證得奇異之驗術.駈使鬼神,得之自在.
 唱諸鬼神而催之曰:「大倭國金峰與葛木峰,度椅而通.」於是,神等皆愁.藤原宮御宇天皇之世-葛木峰一語主大神託讒之曰:「役優婆塞,謀將傾天皇.」天皇敕之,遣使捉之.猶因驗力,輙不所捕.故捉其母,優婆塞令免母故,出來見捕.即流之伊圖之嶋.于時,身浮海上,走如履陸,體踞萬丈,飛如翥鳳.晝隨皇命,居嶋而行.夜往駿河,富坻嶺而修.然庶宥斧鉞之誅,近朝之邊,故伏殺劍之刃,上富坻也.見放斯嶼而憂吟之間,至于三年矣.於是乘慈之音,以大寶元年歲次辛丑正月,近天朝之邊,遂作仙飛天也.
 吾聖朝之人-道照法師,奉敕求法,往於大唐.法師受五百虎請,至於新羅.有其山中法華經.于時虎眾之中,有人以倭語舉問也.法師問:「誰?」答:「役優婆塞.」法師思之:「我國聖人.」自高座下,求之無之.彼一語主大神者,役行者所咒縛.至于今世,不解脫.其示奇表,多數而繁,故略耳.誠知,佛法驗術廣大者,皈依之人,必證得之矣.

Ryō-Wiki

Sofern H. B. aus dem Konjaku monogatari-shū übernommene Textstellen gibt, sind diese derartig dargestellt.


Fujiwara-Palast

Der Eashihade no Omi Hirokuni (膳臣廣國) war der Unterpräfekt des Gaues Miyako im Lande Buzen [heute: Miyaku-gun, Fukuoka-ken]. Zur Zeit der in dem Fujiwarapalaste (藤原宮1) die Welt regierenden Himmlischen Majestät [Mommu] im zweiten Jahre (705) Freudenwolken, Holz-unten-Schlange, im Herbste, im 9. Monat, am 15. Tage [9. Oktober], Metall-oben Affe, starb Hirokuni plötzlich.

Nach drei Tagen [F: am 17.], am Tag des Hundes, zur Stunde des Affen, erwachte er wieder, erzählte und sprach: „Zwei Boten waren da, der eine die Haare auf dem Scheitel hochgebunden, der andere ein kleiner (Diener). Sie nahmen mich mit, und als wir eben zwei Stationen gegangen waren, war da mittwegs ein großer Fluß. Ein Steg () war da, mit Golde gestrichen und geziert. Als wir über jene Brücke gegangen waren und jenseits anlangten, war da ein merkwürdiges Reich. Ich fragte die Boten und sagte: „Was ist dies für ein Reich?“ Sie antworteten: „Das ist das Reich Tonan2 (度南 da es nach Süden geht)“ Wir kamen zu dessen Hauptstadt. Da waren acht Amtsleute, die Waffen umgürtet. Und da wir nun weiter gingen, war vorn ein goldener Palast; da wir durch das Palasttor eintraten, siehe, so war da ein König, der saß auf einem Thron von gelbem Golde. Der König erließ an Hirokuni Weisung und sprach: „Daß du hierher beschieden wirst, kommt daher, daß deine Frau Gram redet.“ Alsbald war da eine Frau und siehe, da war es meine früher verstorbene Gattin. Eisennägel waren ihr in den Kopf eingeschlagen und drangen mit ihrem Ende3 heraus, waren in die Stirn eingeschlagen und kamen am Scheitel oben heraus; mit Eisensträngen waren die vier Glieder gefesselt; acht Leute trieben sie an und brachten sie mit sich geführt. Der König fragte und sprach: „Kennst du dies Weib?“ Hirokuni sprach: „In Wahrheit ist es meine Frau.“ Er fragte weiter: „Weißt du die Schuld, darüber das Verhör geht?“ Ich antwortete: „Ich weiß keine Schuld.“ Er fragte die Frau. Sie antwortete: „Ich weiß (sie) in der Tat. Er trieb mich weg und schickte mich aus dem Hause [bei meinem Sterben]; darum bin ich voll Gram und Mißgunst, Haß und Groll.“ Der König erließ an Hirokuni Weisung und sprach: „Du bist in Wahrheit ohne Schuld. Kehre nach Hause zurück. Aber hüte dich wohl, daß du nicht von den Dingen der Gelben Quelle (yomi no kuni) unbedachterweise Mitteilung machest! Willst du aber deinen Vater sehen, so gehe nach Süden hin!“

Da ging ich und siehe, da war da in Wahrheit mein Vater. Eine furchtbar heiße Kupfersäule umschlingend stand er da. 7 [37] Eisennägel waren in seinen Leib geschlagen und staken darin. Mit eiserner Keule ward er in der Frühe dreihundert Male, des Mittags (hiru) dreihundert Male, abends dreihundert Male, zusammen täglich neunhundert Male geschlagen und gemartert. Hirokuni sah es und sprach betrübt: „Ach! was hast du verbrochen, daß du solche Marter erleidest?“ Da redete der Vater mit dem Sohne und sagte: „Weißt du oder weißt du es nicht, wie es damit ist, daß ich solche Marter erleide? Um Frau und Kind zu ernähren, habe ich Lebewesen getötet, habe, wenn ich für acht Ryō4 Florettseide [Baumwolle] auslieh, mit Gewalt es auf zehn Ryō vermehrt eingetrieben, oder wenn ich kleine Pfund Reis lieh, mit Gewalt große Pfund wiedergenommen, oder andrer Leute Sachen mit Gewalt geraubt, oder mit eines andern Frau Unzucht getrieben, – ohne Vater und Mutter in kindlicher Liebe zu ernähren; ohne Herrn und Master mit Ehrfurcht und Achtung zu begegnen; solche, die nicht Fronknechte5 noch Fronmägde waren, habe ich Fronknechte und Fronmägde geschmäht und hochmütig Spiel mit ihnen getrieben [K: 打]. Derartiger Sünden halber stecken in meinem Körper, wiewohl er nicht gerade groß ist, siebenunddreißig Eisennägel und jeden Tag empfängt er neunhundert Eisenpeitschenhiebe. O Schmerzen! O Pein! An welchem Tage werde ich meiner Schuld ledig sein? Wann werde ich wieder den Leib in Frieden betten? Eilends mache du Buddhas und laß Sutren abschreiben um meinetwillen und bezahle (aganou) für meine Schuldenpein. Laß dir's angelegen sein und vergiß es nicht. Vor Hunger ward ich am siebten Tage des siebten Monats6 zur großen Schlange und kam zu deinem Hause; da ich zur Haustür hineinwollte, ward ich mit dem Stecken aufgehoben und fortgeworfen [Warfst mich fort]. Wiederum am fünften Tage des fünften Monats ward ich zum roten Hunde; als ich bis zu deinem Hause gekommen war, riefst du den Hund, ließest ihn auf mich los, mich beißen, und triebest mich mit Schlägen weg, und so kehrte ich hungrig-sterbensmatt zurück. Da ich, am ersten Tage des ersten Monats [Neujahr], zur Katze ward und in dein Haus kam, sättigte ich mich an allerlei Würzigem von dem (den Totengeistern) geopferten (供養, kuyo) Reis und Fleisch, so fristete ich meinen Unterhalt drei Jahre lang. Meine älteren wie jüngeren Bruder, hoch oder nieder, einer wie der andere, sind, weil sie es am Rechten fehlen ließen, zu Hunden geworden und lecken den Saft auf, den sie selbst hervorbringen. Auch muß ich gewiß wohl zum roten Hunde werden.“


Buddhistische Hölle9 (19. Jhdt. Burma)

Im großen und ganzen erhält, wer ein Maß () Reis spendet, zum Lohn Unterhalt (, Nakada: karite) für dreißig Tage; wer ein Gewand spendet erhält eines Jahres Gewand zum Lohn. Wer Sutren lesen läßt, wohnt in dem Goldpalast des Ostens und wird danach in einem Himmel wie sein Gebet es will, geboren. Wer Buddhas und Bodhisattvas schafft wird in des Westens Unermeßlichem Reinem Lande (四方極楽) geboren. Wer lebende Wesen frei läßt, wird in des Nordens Unermeßlichem Reinen Lande7 geboren. Wer einen Tag Fasten (齋食) übt, erhält zehn Jahre Unterhalt. So sah ich, was zum Lohne empfangen, die da Gutes, und die da Böses tun, und fürchtete mich und kehrte um und kam zurück. Da ich nun zu dem Großen Stege kam, waren Männer da, die das Tor verwahrten, sie versperrten vorn den Weg und sagten: Die hineingehen, kommen nicht wieder heraus zurück. Hirokuni ging eine Weile auf und nieder. Da kam ein Kleiner heraus. Da nun die das Tor verwahrenden Männer den Kleinen sahen, fielen sie tief auf die Knie und machten Reverenz. Der Kleine rief Hirokuni und ging mit ihm zu einem [katappo] Seitentor, stieß dies Tor auf und da er sich nun anschickte hinauszugehen, sagte er zu ihm: Geh unverzüglich! Hirokuni fragte den Kleinen und sprach: „Wes Sohnes bist du?“ Er antwortete: „Willst du wissen, wer ich bin – die du in jungen Tagen abschriebst, die Kwannon-Sutra, die bin ich.“ So sagte er und ging zurück hinein. Und als ich mich umsah, siehe da war ich wieder ins Leben gekommen.“

Hirokuni kam bis zur Gelben Quelle und sah der Guten wie der Bösen Lohn, gab klar Bericht und kündete weit und breit – wer Sünde tut, empfängt den Lohn: dies innere Gesetz (in'en), wird in den Mahāyāna-Sutren ausführlich dargelegt. Wie sollte man nicht glauben? Daher heißt es in dem Sutra: „Der Gegenwart süßer Tau – der Zukunft Eisenpillen.8“ Damit wird eben dies gesagt. Hirokuni aber schuf Buddhas um seines Vaters willen, schrieb Sutren ab, opferte den Drei Kleinodien und vergalt so des Vaters Wohltaten. Nun für die vorhandene Schuld Buße bezahlt ward, geschah von da an fernerhin Abwendung von Verkehrtem und Hinwendung zum Rechten.

Paralellen

Nakamuras Englische Übersetzung
1) Fusō ryakii: V, Mommu. Ausdrücklich (und nicht als Glosse) im Beginn der Erzählung sagend: „Das Ryōiki sagt“. Doch ist das Bestreben des F die Erzählung zu kürzen. Es fehlt die Frage nach dem Namen des Reichs und die Antwort darauf, die Frage an Hinokuni, ob er sich der Schuld bewußt sei, sowie dei rede der Frau. Es fehlt der ganze Abschnitt, der sozusagen den Vergeltungstarif und der allerdings auch im NR einem Einschub sehr ähnlich sieht. Ebenso fehlt der letzte Abschnitt.
2) K: XX, 16, das dem Text des NR Zeichen für Zeichen folgt, an mehreren (im Grunde jedoch nicht wichtigen) Stellen jedoch klarer ist, weshalb auch KY nach K manches ändert bezw. ändern möchte.
3) Vor allem aber ist III, 9 zu vergleichen.
Zum Motiv des „Besuchs in der anderen Welt“ (dem Totenreich), siehe Nakamura, S. 50-55.
Allgemeiner ist: Kitagawa, Joseph; “A Past of Things Present” – Notes of Major Motifs of Early Japanese Religions; History of Religions, Vol. XX (1980), 20th Anniv. Iss., S 27-42 [online: JSTOR, lizenzpflichtig].