日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Vorwort

Japanisch

Gunsho ruijū
Text 
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原夫,內經、外書諸傳於日本而興始代,內經、外書,佛教、儒教.凡有二時.皆,自百濟國浮來之.輕嶋豐明宮御宇譽田天皇代,應神朝.外書來之.磯城金刺宮御宇欽明天皇代,內典來也.然乃學外之者,誹於佛法.讀內之者,輕於外典.愚癡之類,懷於迷執,匪信於罪福.深智之儔,覯於內外,信恐因果.  唯,代代天皇,或登高山,頂起悲心,住雨漏殿,撫于庶民.或生而高辨,兼委未事,一聞十訴,一言不漏.生年廿五,受天皇請,說大乘經.所造經疏,長流末代.或發弘誓,願敬造佛像.天隨所願,地敞寶藏.亦大僧等,德侔十地,道超二乘.秉智燭以照昏岐,運慈舟而濟溺類,難行苦行,名流遠國.今時深智人,神功亦罕測.  於是,諾樂藥師寺沙門-景戒,熟瞰世人也.才好鄙行.翹利養,貪財物,過磁石於舉鐵山以噓鐵.欲他分惜己物,甚流頭於粉粟粒以啖糠.或貪寺物,生犢償債.或誹法僧,現身被災.或殉道積行,而現得驗.或深信修善,以生霑祜.善惡之報,如影隨形.苦樂之響,如谷應音.見聞之者,甫驚怪,忘一卓之間.漸愧之者,倏悸惕,悤起避之頃.匪呈善惡之狀,何以直於曲執而定是非.叵示因果之報,何由改於惡心而修善道乎.  昔,漢地造『冥報記』,大唐國作『般若驗記』.何唯慎乎他國傳錄,弗信恐乎自土奇事.粵起自矚之,不得忍寢.居心思之,不能默然.故,聊注側聞,號曰『日本國現報善惡靈異記』.作上、中、下參卷,以流季葉.然景戒,稟性不儒,濁意難澄.坎井之識,久迷太方.能功所雕,淺工加刀.恐寒心,貽患於傷手.此亦崐山之一礫.但以口說不詳,忘遺多矣.不昇貪善之至,慓示濫竽之業.後生賢者,幸勿嗤嗤焉.祈覽奇記者,卻邪入正.諸惡莫作,諸善奉行. 諾樂右京藥師寺沙門景戒錄

Aufzeichnungen) Kyōkai’s, Samon des Arzneiherrntempels1 (薬師寺) der linken (Hälfte der) Hauptstadt Nara.

Forscht man dem nach, in welchen Zeitaltern die internen2 (und) die externen Bücher nach Japan überliefert und erstmalig Schriften darin aufgekommen sind, so sind es zwei Zeiten. Vom Lande Kudara [Paekche] ist alles und jedes gekommen. Im Zeitalter der in der Miya von Karushima no Toyo(u)ra die Welt regierenden Himmlischen Majestät Homuda3 (譽田 = Ōjin) sind die externen Bücher gekommen; im Zeitalter der in der Miya Shikishima no Kanazashi die Welt regierenden Himmlischen Majestät Kimmei (Übertragung des Buddhismus: traditionell 552, wahrscheinlich vor 538. Kimmei 欽明天皇 reg. 539-71) sind die internen Schriften gekommen. Allein alsbald redeten solche, die der externen sich beflissen, abfällig über das Gesetz des Buddha; solche, die die internen lasen, achteten der externen Werke gering. Der Schwarm einfältiger Toren verachtete5 unsichtbarnahende Vergeltung (冥報) und glaubte Sünde4 nicht noch Segen; die Schar der tief Wissenden, interne wie externe schauend, glaubte und fürchtete Ursache und Frucht (ingwa).

Von Zeitalter zu Zeitalter einzig die Himmlischen Herrscher (Tennō) stiegen auf hohen Berges Gipfel, entbrannten mitleidvollen Herzens6, wohnten in regendurchsickertem Palaste, sanft waltend über allem Volke.
Oder (andre,) wissend von Geburt, von hoher Unterscheidungskraft, Ungeschehenes genau im Voraus kennend, lassen, zehn Klagen hörend, nicht Ein Wort zu Boden fallen; von der Himmlischen Majestät [Suiko] gebeten, erklären sie, fünfundzwanzigjährig, die Groß-Gefährt-Sutren; die von ihnen geschaffenen Sutren-Erläuterungen7 strömen immerdar fort bis zu den letzten Zeiten; oder sie leisten allumfassend Eidgelübde8 schaffen Buddhastatuen9 ehrungsvoll; der Himmel leistet Folge ihren Bitten- die Erde breitet aus die Schätze, die sie wahrt; auch sind von großen Mönchen die Klöster10 voll; die edle Wesenskraft () erhält die zehn11 Welten; der Wandel () übertrifft die beiden Gefährte12; des Wissens Leuchte nehmen sie und lassen hell den finstern Kreuzweg strahlen; sie senden hin und her das Schiff Barmherzigkeit und retten die Ertrinkenden; sie kämpfen schwer (難行), sie tragen Pein; ihr Name strömt in ferne Lande hin. Noch heute mögen tiefe Weise die göttlichen Verdienste (神功) schwer ermessen.

Nun da des Nara-Arzeneiherrntempels Samon Kyōkai um und um der Welt Leute siehet, so übertrifft ihr mannigfaltig niedrig Tun, ihr Spähen nach Profit, ihr Gieren nach Vermögen noch des Magnetbergs13 Eisen-an-sich-Saugen; wie sie's gelüstet nach der andern Teil, wie's ihnen leid tut um das Eigne, ist schlimmer, als der Bernstein14, der Kleie anzieht, wenn man Hirsekorn zerkleinert. Der eine giert nach Tempelgut; als Kalb geboren dient er die Buße ab; der andre schmäht der Priester Lehre, im gegenwärtigen Leibe überdeckt15 ihn Unsal.
Der andre wiederum erstrebt den (wahren) Weg (), häuft (rechte) Tat, erlebt noch in diesem Leibe Erfahrungen16 ().
Und wieder andre, tiefen Glaubens, üben Gutes, und lebenslang strömt Segen auf sie nieder. Des Guten oder des Bösen Vergeltung folgt wie der Schatten der Gestalt; der Pein, der Wonne Widerhall antwortet wie der Schall im Tal; die es erfahren, vergessen anfangs über Schrecken und Befremden des Mahles Augenblick (一卓え間) selbst; die Reue fühlen, vergessen alsbald schmerzbewegt im Herzen, wo sie stehn und sind. Tut man nicht dar, wieder es mit Gutem und Bösem ist, wie will man Krummes gerade machen, Recht und Falsch bestimmen? Zeigt man die Ursache- und Frucht-Vergeltung (ingwa no mukui) nicht, wie () will man böse Herzen ändern, den Guten Weg in Übung bringen? Im Lande Han ward der Unsichtbar-nahenden Vergeltung Buch17 geschaffen; im Reich der Großen Tang ward der Hannya-Erweisung Bericht18 verfaßt. Warum nur achtet und scheut man anderen Reiches Berichte, und der eignen Erde seltsam Geschehen glaubt und fürchtet man nicht? Der den Blick erhebend es sah, konnte es nicht länger ertragen; der im Herzen es bedachte, vermochte nicht zu schweigen. Daher hat er ein wenig, was er ungefähr vernommen, verzeichnet und mit Namen es „des Sonnenursprung-Reiches Buch von Geistwundern sichtbar-gegenwärtiger Vergeltung des Guten und Bösen“ genannt, in drei Faszikeln, dem oberen, mittleren und unteren, es verfaßt und übergibt es so der Nachwelt.

Allem Kyōkai ist seiner Natur nach nicht weise noch gescheit; trüb ist Sinnen und Denken; schwer, daß es sich kläre wie wenn man berät, einen Brunnen zu graben, und lange nach allen Seiten irrt; wie wenn ein Meister, der da kann, gemeißelt hat und ein seichter Werkmann werkelt noch dazu. Wehe, das Herz19 erstarrt; Qual bringt es den verletzten Sinnen. Auch ist es wie des Kun-Gebirges20 ein Steinchen. Da er nur mündlicher Rede Ungenau-Bekanntes nahm, so ist viel ausgelassen und vergessen. Er muß fürchten: Gutes in sich zu bergen dahin reiche es nicht auf, und so bringt er erst recht zu Tage, daß er die Syrinx nicht blasen21 kann. Die Weisen der Nachzeit, mag's sie auch komisch dünken, mögen doch nicht lachen darüber! Was er bittet, ist: mögen die Leser der Wundersamen Berichte sich vom Abwegigen wenden, zu dem Rechten sich kehren, alles Böse unterlassen, alles Gute ehrfürchtig-dienend erfüllen!22