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Böse-widerspenstiger Sohn plant aus Liebe zu seinem Weibe die Mutter zu töten und wird von sichtbar-gegenwärtiger Vergeltung schlimmem Tode betroffen

惡逆子愛妻將殺母謀現報被惡死緣
(惡逆の子の、愛みて母を殺さむと謀り、現報に惡死を被りし緣)

Japanisch

Gunsho ruijū:
 1 , 2 
Text txt 吉志-火麻呂者,武藏國多麻郡鴨里人也.火麻呂之母者,日下部-真刀自也.聖武天皇御世,火麻呂,大伴.名姓不分明.筑紫前守所點,應經三年.母隨子往,而相節養.其婦者,留國守家.時火麻呂,離己妻去,不昇妻愛而發逆謀,思殺我母,遭其喪服,免役而還,與妻俱居.母之自性,行善為心.子語母言:「東方山中,七日奉說法華經有大會.率母聞之.」母所欺念,將聞經發心,洗湯淨身,俱至山中.子,以牛目眦母而言:「汝地長跪.」母瞻子面答之曰:「何故然言.若汝託鬼耶?」子拔橫刀,將殺母.母即子前長跪而言:「殖木之志,為得彼菓,並隱其影.養子之志,為得子力,并被子養,如恃樹漏雨.何吾子違思,今在異心耶?」子遂不聽.時母侘傺,著身脫衣,置於三處,子前長跪,遺言而言:「為我詠裹.以一衣者我兄男,汝得之也.一衣者贈我中男貺也.一衣者贈我弟男貺也.」逆子步前,將殺母項之,裂地而陷.母即起前,抱陷子髮,仰天哭願:「吾子者,託物為事,非實現心.願免罪貺.」猶取髮留子,子終陷也.慈母持髮歸家,為子備法事,其髮入筥,置佛像前,謹請諷誦矣.母慈深.深故於惡逆子垂哀愍心,為其修善.誠知,不幸罪報甚近.惡逆之罪,非無彼報矣.
Ryō-Wiki

Shiki no Himaro (吉志火麻呂, Kishi no Ōmaro) war ein Mann aus Ort Kamo, Gau Tarna, Land Musashi.1 (武藏國多麻郡鴨里) Himaro's Mutter war eine Matoji von Kusakabe (日下部真刀 Kusakabe ist der Name für viele in kaiserlichen Diensten stehende, die als Nachkommen der kami galten. Diese wurden zuerst in Kawachi organisiert und dann überall ins Land gesandt. Siehe auch I, 18). Zu der erlauchten Zeit der Himmlischen Majestät Shōmu wurden Himaro und Ohotomoe2Name und Geschlecht sind nicht bekannt – zu Statthaltern3 in Tsukushi bestimmt. Drei Jahre waren (dort) zu verbringen. Die Mutter folgte dem Sohne und lebte mit ihm zusammen. Sein Weib aber blieb im Lande und hütete das Haus.

Da mußte sich Himaro von seinem eigenen Weibe trennen. Da er das Weib aber über alle Maßen liebte, ersann er einen frevlerischen Plan: ich werde, dachte er, meine Mutter töten, in Trauerkleidern kommen, vom Amte befreit werden, zurückkehren und mit meinem Weibe zusammen leben. Der Mutter Natur war ein Herz, welches das Gute tat. Der Sohn redete zur Mutter und sprach: „In den Bergen im Osten findet für sieben Tage eine große geistliche Versammlung statt, da über die Gesetzesblüten-Sutra (法華經) gesprochen wird. Will die Mutter mit mir gehen und hören?“ Die Mutter ward betrogen; sie dachte, die Sutren zu hören; glaubensvoll badete sie, machte sich rein () und ging mit in die Berge. Da wurden des Sohnes Augen wie die eines Stieres, er starrte die Mutter an und sprach: „Knie auf den Boden nieder!“ Die Mutter sah des Sohnes Gesicht, antwortete und sprach: „Was ist’s, daß du sagst? Bist du am Ende besessen von dem Teufel?“ Der Sohn zog das Quermesser [“a sword”] heraus und wollte der Mutter Hals durchhauen. Da kniete sie vor dem Sohne hin und sprach: „Wer Bäume pflanzet, des Sinnen ist, ihre Früchte zu ernten und in ihrem Schatten geborgen zu sein.4 Wer ein Kind ernährt, des Sinnen ist, des Kindes Kräfte zu ernten und von dem Kinde ernährt zu werden, gleich wie wenn Regen auf den Baum als (mütterliche) Hilfe herabträuft. Warum mein Sohn, zeigst du wider alles Erwarten nun ein anderes Herz?“ Der Sohn hörte letztlich nicht. Da bat die Mutter um Verzeihung, und sie zog die Kleider aus, die sie trug, und legte sie an drei Plätze, kniete vor dem Sohn nieder, tat ihren letzten Willen kund und sprach: „Um meinetwillen hab Geduld! Ehrerbietig sei ein Kleid genommen; du als mein ältester Sohn empfange es! Ein Kleid sei meinem mittleren Sohn zum Geschenk gegeben! Ein Kleid sei meinem jüngsten Sohn zum Geschenk gegeben!“ Der widerspenstige Sohn aber schritt vor und wollte der Mutter Hals durchhauen, da spaltete sich die Erde und er stürzte hinab. Da fuhr die Mutter auf, schritt vor, ergriff des stürzenden Sohnes Haar, schlug die Augen zum Himmel auf und flehte unter Tränen: „Von etwas5 besessen, hat mein Sohn das getan! In Wahrheit ist sein Herz nicht so. Ich flehe, vergebt die Schuld?“ und packte die Haare und suchte den Sohn zu halten. Doch am Ende sank der Sohn hinab. Die Haare in den Händen, kehrte die erbarmungsvolle Mutter nach Hause zurück und ließ um des Sohnes willen geistliche Werke tun, tat die Haare in ein Behältnis und stellte es vor Buddha auf. Sorgend ließ sie Gesang und Rezitationen vollbringen. Tief ist der Mutter Erbarmen. Weil tief es ist, wendet es dem widerspenstig bösen Sohne ein mitleidvolles Herz zu und übt seinethalben gute Werke. Man wisse wahrhaft: Der Sünde des Unkindlichen (不孝) ist die Vergeltung sehr nahe. Des Böse-Widerspenstigen Sünde trifft unweigerlich Vergeltung.

Anmerkungen:

1) Die Lage des Ortes ist unklar. Tama liegt heute im Großraum Tokio. [ ▲ ]
2) ["he was appointed … by Ōtomo."] „und“ in der Übersetzung hinzugefügt. Die Glosse versteht den Text in dem Sinne, daß zwei Personen sind. Nach der Glosse ist eine Textlücke, ebenso in K, in welchem selbst Ohtomo fehlt. [ ▲ ]

3) 前守 sakimori Gouverneure einer Insel oder abgelegener Landstriche. Richtigerweise abgeordnete wehrpflichtige. Als Folge des verlorenen Krieges in Korea 663 wurde eine Sonderverwaltungszone Dazai-fu geschaffen. Die Dienstzeit betrug drei Jahre (ohne An- und Rückreise; Gumbo-ryō §  8). sie durften Diener, Sklaven und Vieh aber keine Verwandten mitnehmen. Es erfolgte Selbstversorgung durch Dienstfelder, zwischen einzelnen Posten wurde vierteljährlich rotiert. Zur späteren Entwicklung der sakimori (und ihres Dialekts) siehe: Manyōshū („Lieder“ in XX); Friday, Karl; Teeth and Claws. Provincial Warriors and the Heian Court; Monumenta Nipponica, Vol. 43, No. 2 (Summer, 1988), S. 153-185. Tojo Misao; Der gegenwärtige Stand der Dialektforschung in Japan; Monumenta Nipponica, Vol. 5, No. 1 (Jan., 1942), S. 38-51.

Der Yōrō-Kodex stellt die Aufgaben der wohl richtiger als „Küstenwächter“ bezeichneten sakimori im Gumbō-ryō (§ 55-63) detaillierter dar:
Sie durften ihren Hausstand (Sklaven, Rinder, Hauseigene) mitnehmen, mußten sich auf dem Weg bis [zur Sammelstelle am Hafen von] Naniwa selbst verpflegen (§ 55), wurden falls sie Verbrechen begingen, die mit Zwangsarbeit zu strafen waren abgelöst, jedoch nicht ersetzt wenn sie auf der Hinreise starben oder desertierten. Auf dem Weg Erkrankte waren auf Staatskosten zu versorgen, Verstorbenen konnte ein Sarg gewährt werden oder sie wurden verbrannt (§ 57-8, 61). Für die Übergabe des Dienstes war ein Tag der Einweisung vorgesehen, Heimkehrer wurden über das Dazai-fu gesandt. Die eigentlichen Dienstorte wechselten vierteljährlich (§ 59). Jeder 10. Tag war dienstfrei (§ 63). Nahe der Dienstorte wurden Felder (食料田) zugewiesen, (Zug-)Rinder und Gemüse erhielten sie von Amts wegen, pro Trupp wurde ein Mann als Koch designiert (§ 62-3). In sämtlichen Grenzprovinzen waren bei Bedarf Signalfeuer (, hō) im Abstand von jeweils 40 „Meilen“ () dauernd am Brennen zu halten (§ 66). An Waffen (戎具) erhielten sie einen Bogen mit Hülle und zwei Ersatzsehnen, 50 Pfeile mit Köcher, Lang- und Kurzschwert (katana) sowie Reisbeutel, Salzstreuer, Feldflasche und (Stroh-)sandalen. (Ryō no gige zum Shikiin-ryō § 69). Nach Bedarf konnten sie auch als Wachen bei Gefangenentransporten oder für ausländische Gesandtschaften eingesetzt werden (§ 64). Frondienste waren ihnen erlassen (§ 19 Buyaku-ryō).
In der Verwaltung des Dazaifu gab es ein eigenes Büro, dessen Leiter (防人正) im wirklichen 7. Rang oben stand und der für die Kontrolle der Ausbildung (Drill), Namenslisten, Verteilung der Dienstfelder usw. zuständig war. Ihm standen ein Sekretär und ein Konzipst sowie Schreiber zur Seite.

Nicht nachvollziehbar sind die Ausführungen Nakamuras (die Anwesenheit der Mutter bliebe dabei auch ungeklärt): Soldaten, die nach Tsukushi (nördl. Kyūshū) gesandt wurden, um es vor einer möglichen Invasion von China oder Korea zu schützen. Während der dreijährigen Dienstverpflichtung durften sie keine Familienmitglieder dorthin mitnehmen. Vgl. Ryō no gige: Gumbō-ryō Art. 8,27. (der zitierte § bezieht sich auf ein allgemeines Verbot Frauen bei Heerzügen mitzunehmen).
Siehe auch: Exkurs: Risturyō-Verwaltung und Sonderverwaltungszone Dazaifu.
[ ▲ ]

4) Daihatsu nehan-gyō XXI (Taishō XII, 493) [ ▲ ]
5) mono „von einem Ding“; bekanntlich ist mono in der Mythologie ein primitives, hintergründiges Wort. Vielleicht wird „Ding“ auch für Teufel gesagt, den man nicht nennen will. [ ▲ ]

Literatur:
石井公成; 遺髪を入れた筥―『日本霊異記』中巻第三縁の再検討; in: 駒沢短期大学仏教論集, 2 (平 8年 10月)
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