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Von einer Han-Gottheit verhext, zu Opfern sieben Ochsen töten, wiederum durch Freilassung von Lebewesen gutes Werk üben, und demzufolge guten und schlimmen Lohne empfangen

依漢神崇殺牛而祭又修放生善以現得善惡報緣
(漢神の崇に依り牛を殺り、又放生の善を修して、以て現に善惡の報を得し緣)

Japanisch

Gunsho ruijū:
 1 , 2 
Text txt 攝津國東生郡撫凹村,有一富家長公.姓名未詳也.聖武太上天皇之世,彼家長依漢神崇而禱之,祀限于七年,每年殺祀之以一牛,合殺七頭.七年祭畢,忽得重病.又逕七年間,醫藥方療猶不愈.喚集卜者而祓祈禱,亦彌增病.於玆,思之:「我得重病,由殺生業.」故自臥病年已來,每月不闕,六節受齋戒,修放生業,見他殺含生之類,不論而贖,又遣八方,訪買生物而放.迄七年頭,臨命終時,語妻子曰:「我死之後,十九日置之,莫燒.」妻子置之,猶待期日.唯歷九日,還蘇而語:「有七人非人,牛頭人身.我髮繫繩,捉之衛往.見之前路,有樓閣宮.問:『是何宮?』非人惡眼睚眦而逼之言:『急往.』入于宮門而白:『召之.』吾自知之,閻羅王也.王問言:『斯是殺汝之讎.』答白:『當是.』則膾机與少刀持出白:『急判許.如殺我賊膾而噉之.』時千萬餘人,勃然出來,解縛繩曰:『非此人咎.所崇鬼神為祀殺害.』爰余居中而七非人與千萬餘人,每日訴諍如水火.閻羅王判斷之,不定是非.非人猶強白言:『明知,是人作主,截我四足,祀廟乞利,賊膾食肴.今如切倪,猶欲屠啗.』千萬餘人亦白王曰:『我等委曲知非此人咎.識鬼神咎.王自思惟,理就多證.』經八日已,其夕告詔:『參向明日.』奉詔而罷,九日集會.閻羅王即告之言:『大分理判,由多數證.故就多數.』判許已訖.七牛聞之,嘗舌飲唾,切膾為效,噉宍為效,慷慨捧刀而建,各言:『不報怨哉.我當不忘.猶後報之.』千萬餘人.衛繞於我左右前後,自王宮出.乘轝而荷,擎幡而導,讚嘆以送,長跪禮拜.彼眾人,皆作一色容.爰吾問曰:『仁者誰人?』答:『我等是汝買放生.不忘彼恩,故今報耳.』」自閻羅闕還甦,增發誓願.從此已後,效不祀神.歸信三寶,己家立幢,成寺安佛,修法放生.從此已後,號曰-那天堂矣.終無病,春秋九十餘歲而死也.如鼻奈耶經說:「迦留陀夷,昔作天祀主,由殺一羊,今雖作羅漢,而後得怨報於婆羅門之妻所殺云云.」如最勝王經說:「流水長者,放十千魚.魚生天上,以卌千珠,現報流水長者.」其斯謂之矣.
Ryō-Wiki

Im Lande Settsu, Gau Higashinari (摂津國東生郡),1 Dorf Nadekubo war ein reicher Haus-Ältesten-Herr2 (家長之君). Geschlecht und Name sind nicht weiter bekannt. Zur Zeit der Großen Erhabenen Himmlischen Majestät Shōmu war der Hausälteste von einer Han-Gottheit (漢神; hernach 鬼神) verhext3 und tat Gebet und Flehen () dagegen. Die Opfer4 sollten sieben Jahre dauern, und alljährlich tötete er zum Opfer einen Ochsen (). Zusammen tötete er sieben Häupter. Der sieben Jahre Opfer waren vorüber. Plötzlich ward er schwer krank. Nochmals vergingen sieben Jahre und trotz Arztkunst und trotz Arzeneien und Behandlung (醫薬方療) wurde es in keiner Weise besser. Man rief Wahrschauer5 (卜者) zusammen, ließ Reinigungszeremonien6 und Gebete vollbringen, gleichwohl wurde die Krankheit nur immer schlimmer. Da dachte er: „Daß ich diese schlimme Krankheit bekam, kommt von meinem Leben-Tötenden-Tun (殺生) her.“ Und so nahm er seit dem Jahr, da er sich krank7 daniederlegte, Monat für Monat ohne Ausnahme der sechs Termine (六節) Enthaltsamkeitsgebote auf sich und übte das Werk der Freilassung des Lebenden. Wo er andere etwas Leben-in-sich-Bergendes (含生) töten sah, kaufte er ohne Rücksicht auf den Preis es los, sandte auch nach allen acht Himmelsrichtungen, frug nach Lebewesen, kaufte sie und ließ sie frei.

Enra
Enma (閻羅王)
(Kagamibuta netsuke)

Da nun die sieben Jahre zu ihrem Ende kamen und die Zeit seines Lebensendes herannahte, sprach er zu Frau und Kindern: „Wenn ich gestorben bin, so stellet mich neun Tage8 hin, ohne mich zu verbrennen!“ Frau und Kinder – stellten ihn hin und warteten die verabredete Zeit. Da, gerade nach neun Tagen, kam er wieder in das Leben zurück und erzählte: „Sieben Unmenschen9 waren da mit Ochsenhäuptern und Menschenleibern, banden an mein Haar Stricke, hielten mich gepackt und gingen mit mir voran. Siehe da war des Weges voran ein mehrstöckiger Palast Ich fragte: „Was ist denn das für ein Palast?“ Die Unmenschen fuhren mich mit stieren bösen Augen an und sagten: „Mach, daß du vorwärts kommst! Rasch!“ Wir traten durch das Palasttor ein und sie meldeten: „Er ist herbeibeschieden.“ Ich wußte von selber, daß es König Enra11 (閻羅王) [Yama], sei. Der König frug und sprach: „Ist dies der Widersacher,10 der euch getötet hat?“ Sie antworteten und meldeten: „Ja, gerade dieser.“ Alsbald zogen sie Hackbretter und Kurzmesser hervor und sprachen: „Gib schnell richterliche Gewahr, daß wir gleicherweise, wie er uns zu Tode gebracht, ihn zu Hackfleisch12 zerhacken und verzehren!“ Zu der Zeit kamen plötzlich über tausendmal zehntausend Leute hervorgestürzt, lösten die Stricke, womit ich gebunden war, und sagten: „Es war nicht dieses Mannes Fehl. Um der Teufelsgottheit willen, die ihn verhext, Opferdienst13 zu tun, tat er den Tod euch an!“ Und von da an war Tag für Tag, während ich in die Mitte dazwischen gesetzt war, zwischen den sieben Unmenschen und den über tausendmal zehntausend Leuten Klage und Streit, wie zwischen Wasser und Feuer. König Enra richtete und entschied nicht und bestimmte nicht, wer Recht und wer Unrecht habe. Die Unmenschen drängten immer stärker und sprachen: „Die Sache liegt klar:14 Dieser Mann ließ als Opfer-Herr unsre vier Glieder abhauen, brachte sie im Schreine dar und erbat sich daraus Nutzen. Zu Hackfleisch wurden wir zerschnitten, zum Weinimbiß15 verzehrt. Wie er uns zerhackt hat, so wollen wir ihn nun schlachten und verzehren!“ Die über tausendmal zehntausend Leute aber meldeten gleichfalls dem Könige und sprachen: „Wir wissen bis ins Einzelne genau und sicher, daß es nicht dieses Mannes Schuld ist. Klar ist (shiru), daß es des Teufelsgottes Schuld ist. Der König erwäge doch selbst: das Recht folgt der Zeugenmenge.“ Acht Tage waren vorübergegangen, da an dem Abend erließ der König Mitteilung und sprach: „Kommt morgen vor mich!“ Sie empfingen den Erlaß und gingen. Den neunten Tag war die Versammlung. Alsbald kündete der König und sprach: „Wesentlich [in der Hauptsache] erfolgt rechtliches Richten nach der Mehrzahl der Zeugen. Daher soll der Mehrzahl entsprechend geschehen!“ Damit war die Rechtsprechung beendet. Die sieben Ochsen schleckten mit der Zunge, leckten Speichel, taten, als ob sie Hackfleisch schnitten und das Fleisch verzehrten, standen eifersüchtig mit erhobenem Messer da und riefen alle: „Sollten wir nicht das Übel () rächen? Wir vergessen es gewiß nicht Nein, wir rächen es nun später!“ Die über tausendmal zehntausend Leute aber geleiteten mich, zur Linken und zur Rechten, vorne und hinten mich umringend, zu des Königs Palast hinaus, ließen mich in die Sänfte (Die verwendeten Zeichen 御輿 bezeichnen sonst einen tragbaren Schrein.) steigen, trugen mich, richteten Banner auf und führten mich des Wegs. Zujubelnd geleiteten sie mich, knieten nieder und verneigten sich. All dieser Vielen Erscheinung war von einer Farbe. Da fragte ich und sprach: „Wer seid denn Ihr, Gütige?“ Sie antworteten: „Wir hier sind es, die du gekauft und denen du das Leben geschenkt hast. Diese Wohltat vergessen wir nicht. Was wir jetzt tun, ist nur, es dir vergelten.“

Sänfte
Sänfte (für Adelige)

So kehrte er von Enra's Palaste her zum Leben wieder und tat nun erst vollends Eidgelübde. Selbst nur zum Spiele diente er einer (Kami-)Gottheit16 nicht; glaubend hing er den Drei Kleinodien an. Im eigenen Hause errichtete er Banner (法幢), machte es zum Tempel, stellte Buddha [als Heiligtum] auf, übte das Gesetz Buddha's, ließ Lebewesen frei. Seitdem weiterhin ward dies die Naten-Halle (那天堂17) genannt.

Zuletzt starb er ohne Krankheit, an Frühling und Herbsten über neunzig alt. Wie in dem Binaya-Sutra18 gesagt wird: Karoda [Kāludāyi] tötete einst als Herr des Himmelsopfers ein Schaf. Daher empfängt er, wiewohl ein Rakan (禮經; Arhat) geworden, später des Grolles Vergeltung durch die Brahmanengattin und wird getötet. Wie in dem Saishō-wō-Sutra19 geschrieben steht: Der Obmann des Fließenden Wassers schenkte Zehnmaltausend Fischen das Leben. Die Fische, im Himmel oben (wieder) geboren, nahmen vierzigmal-tausend Perlen und vergalten damit sichtbar-gegenwärtig dem Obmann des Fließenden Wassers [Rusui-chōza].


Dieselbe Geschichte ist im Konjaku-monogatarishū ebenfalls enthalten. Eine Übersetzung ins Deutsche wurde folgendermaßen zusammengefaßt:

Wie ein Mann aus der Provinz Settsu, der Rinder geschlachtet hatte, dadurch, dass er Tiere freigelassen hatte, die Rückkehr aus dem Totenreich erwirkte

Die Geschichte beginnt:
„Heute vor langer Zeit gab es einen Mann, der in der Provinz Settsu im Kreise Higashinari in dem Dorfe Nadekubo lebte. Er stammte aus einer sehr wohlhaben­ den Familie, und er war mit großen Gütern gesegnet.
Damals war der Mann mit dem Fluch einer Gottheit beladen, und um dem zu ent­gehen, betete und opferte er; hierbei nun schlachtete er jedes Jahr ein Rind, und als er sieben Jahre lang geopfert hatte, da hatte er sieben Rinder getötet.“

Der Protagonist der Geschichte wird also geschildert als ein Mann, der nach den Regeln eines lokalen Kultes Tieropfer darbringt, um eine Gottheit, einen kami, den er durch ein Fehlverhal­ten erzürnt hat, zu besänftigen. Es versteht sich, dass dies aus buddhistischer Sicht als schwe­rer Verstoß gegen das Tötungsverbot gesehen werden musste und gemäß dem Karma-Gesetz auch Vergeltung zu erwarten war. Diese stellt sich alsbald ein:

„Nachdem er nach sieben Jahren aufhörte zu opfern, erkrankte dieser Mann schwer an seinem Leib. Obgleich er im Verlauf von sieben weiteren Jahren Ärzte aufsuchte und sich behandeln ließ, genas er nicht, und obwohl er Wahrsager be­fragte und Beschwörungszeremonien durchfuhren ließ, wurde er nicht erhört. Die Krankheit wurde immer schwerer, sein Körper verfiel allmählich, und er war nahe daran, zu sterben. Da nun dachte der Kranke im Innern seines Herzens: ,Ich bin am Leibe schwer erkrankt, und was mir Kummer und Seelenqual bereitet, das kommt von der Missetat her, daß ich jahrelang diese Rinder getötet habe', und weil er dies bereute und bedauerte, ließ er keinen der sechs Reinigungstage eines jeden Monats aus und hielt sich an die Vorschriften. Außerdem sandte er Leute nach allen Richtungen, kaufte alle möglichen Lebewesen und übte den Brauch des Freilassens.“

Diese Übung Tiere freizulassen, war bereits in China im Zusammenhang mit den Mahâyâna-Geboten in Gebrauch gekommen und galt als verdienstvolle Tat im Sinne der buddhistischen Ethik. Kurz bevor er stirbt, trägt er seiner Frau auf, dass er nicht begraben werden wolle, sondern neun Tage liegen gelassen werden soll. Als er nach neun Tagen wieder zu sich kommt, berichtet er seiner Familie, dass er, als er gestorben war, von sieben Wesen mit jeweils menschlichem Körper und Rinderkopf mit einem Seil ge­fangen und vor den Richter der Unterwelt gefuhrt worden sei. Der Richter - es ist niemand anders als der „Höllenkönig" Yama râya (jap. Enma-o) - stellt den Mann den sieben Wesen gegenüber und verkündete:

„'Dieser Mann ist der, welcher Euch sieben getötet hat.' Da sprachen die sieben Wesen, jeder mit einem Fleischbrett und einem Messer ausgerüstet: ,Wir wollen ihn in Stücke zerschneiden und auffressen. Das ist die Rache, daß er uns ge­schlachtet hat.' In diesem Augenblick erschienen plötzlich Tausende und Abertausende von Menschen, lösten das Seil, mit dem ich gebunden war, und erklär­ten: ,Dies Vergehen ist nicht die Schuld dieses Mannes. Um dem Dämon, der ihn mit Unheil verfolgte, zu opfern, hat er sie getötet. Also ist es die Schuld der dä­monischen Gottheit.' So stand ich zwischen den sieben Wesen und den Tausenden und Abertausenden von Menschen, und wie Feuer und Wasser ging Tag für Tag der Streit um meine Schuld oder Unschuld. Und daher konnte der König der Un­terwelt eine Entscheidung über Richtig und Falsch nicht fällen.“

So geht es noch eine Weile hin und her, schliesslich entscheidet der Richter der Unterwelt nach dem Gesetz der grösseren Zahl: „'Ich will mich der Seite anschliessen, die die Mehrheit ist, und das soll mein Urteil sein', so sprach er, und es wurde entschieden, dass die Seite der tausend und abertausend Menschen im Recht sei.“
Die Wesen mit den Rinderköpfen zürnen und grollen zwar weiter, aber der Verstorbene wird von den vielen Tausend Menschen umringt und aus der Unterwelt begleitet - bis an die Pfor­ten des Lebens. Endlich geben sie sich auf die Fage des Mannes zu erkennen: „'Wir? Wir sind die Lebewesen, die du jahrelang gekauft und freigelassen hast. Die Wohltat jener Zeit haben wir dir nicht vergessen und vergelten sie jetzt, so sprachen sie.“

Über Vollmers Folgerungen möge der Leser im Lichte von Bohners Vorarbeit selbst richten:

Der Mann lebte noch viele Jahre als frommer buddhistischer Laie; die Aussage dieser Geschichte wird am Ende wie folgt zusammengefasst: „Daß das Freilassen von Lebewesen das Wesentlichste sein sollte für Men­schen, die Mitgefühl besitzen, das besagt die Geschichte, die uns überliefert ist.“
Einige Hinweise zur Interpretation dieser Geschichte sollen hier zum Abschluß genügen. Es scheint mir ausserordentlich interessant, wie hier - in einer explizit in Japan angesiedelten Erzählung - ein sehr altes, namentlich wohl schon aus dem vorbuddhistischen Indien bekann­tes Motiv im Kontext der Problematisierung der Tötung von Lebewesen variiert wird. Es ist das Thema der „verkehrten Welt", in der die Getöteten Rache an demjenigen nehmen, der sie zu Tode gebracht hat. Diese Verbindung erschliesst sich etwa durch indologische Beiträge zum Ursprung von ahimsâ – also dem bewußten Abstandnehmen vom Schädigen und Verletzen von Lebewesen. Nun ist diese Vorstellung von der Rache der Opfer sicherlich nicht auf einen präbuddhistischen, indischen Kulturzusammenhang beschränkt. Wir finden ihn wahrscheinlich in vielen Kulturen. Allerdings scheint dieser Gedanke – soweit ich sehe – in einer autochthon japanischen Tradition nicht vorhanden gewesen zu sein: Meine allerdings noch eines eindeutigen Beleges harrende Hypothese lautet daher, dass diese in eine durchaus verbreitete Erzählsammlung aufgenommene Geschichte, möglicherweise indische Motive nach Japan transportiert hat, die bereits Einfluss auf die buddhistische und jainistische Haltung zur Verletzung und Tötung von Lebewesen genommen haben könnte. In jedem Fall lohnt es sich, dieser Spur einmal nachzugehen und sie ggfs. über Korea und China zurückzuverfolgen.
Andererseits liefert die Erzählung auch ein schönes Beispiel datur, wie eindeutig hier das Verhältnis von einheimischem Kult und buddhistischer Lehre konstruiert wird: Es wird kein Zweifel daran gelassen, dass die vom Kult erzwungene Handlung für den Ausführenden schlechtes Karma bringt. Es gereicht ihm allerdings zum Heil, dass er seine Erkrankung als karmisches Zeichen seiner Verfehlungen interpretieren und in der ihm verbleibenden Lebens­zeit sozusagen gegen die negativen Konsequenzen aus der Tötung der Rinder durch Freilassen von Tieren Verdienste ansammeln kann (um welche Tiere es sich handelt, bleibt offen). Es ist nun im Hinblick auf die praktische Ethik interessant, dass sich in der Konfrontation der ver­schiedenen Wesen in der Unterwelt auch zwei unterschiedliche Konzepte der Schuldzuwei­sung gegenüberstehen: Die Wesen mit den Rinderköpfen beharren bis zum Schluss auf ihrer Rache und rufen noch nach dem Urteil des Richters aus: „Dass die Schuld nicht vergolten wurde, ist ein Jammer, der keine Grenze hat. Dies vergessen wir nie, und später wollen wir es um so mehr heimzahlen.“ Demgegenüber berufen sich die tausend und abertausend Wesen, die zur Verteidigung des Mannes herbeigekommen sind, nicht auf das Gewicht ihrer Quanti­tät, sondern sie weisen darauf hin, dass es allein die „Schuld der dämonischen Gottheit“ ge­wesen sei, die zur Abwendung von Unheil von dem Mann die Opfer verlangt hatte. Der Rich­ter schliesslich zieht sich auf einen dritten Standpunkt zurück und vermeidet es damit, die Zuordnung der Schuld vorzunehmen: Für sein Urteil sind allein quantitative Gesichtspunkte entscheidend.
Diese Geschichte kann als ein Beispiel dafür angeführt werden, dass wir in den Zeugnissen des japanischen Buddhismus sehr altes, bereits bei der Formierung eines Kernbestandes buddhistischer Vorstellungen beteiligtes Gedankengut vorfinden. …

1) Heutiger Higashinari-ku, Ōsaka-fu [ ▲ ]
2) ie o-sa no kimi; vom K kurzerhand weggelassen. [ ▲ ]
3) tatari: die Verwünschung, Verfluchung, der Deutlichkeit halber sei das Wort „verhext“ gewählt. " … fearful of the influence of a Chinese deiety." [ ▲ ]
Zu Fußnoten 4-6 vgl., das etwas oberflächliche: Mock, Joya; Quaint Customs and Manners of Japan; Tōkyō 1954
4) 祭 (hernach: 祀) matsu(ru) die religiöse Handlung überhaupt bezeichenend, vor allem das rituelle Anbeten, das „Weihen,“ „Opfer darbringen“ – doch nicht gleich dem buddh. kūyo, den Todestag der Ahnen feiern, vergöttlichen. Tieropfer waren in Japan nicht üblich (Nihongi XI, Enryaku 10/9/5). [ ▲ ]
5) Weibliche Schamanen, die den Willen der Götter weitergeben. Oft dienten sie als Mittler zwischen dem Verstorbenen und seiner Familie, um dessen letzten Willen herauszufinden. Auch traten sie als „Heiler“ auf, die ernsthaft Erkrankte „besprachen,“ eine Praxis, die von buddhistischen Mönchen übernommen wurde. Diesen war jedoch das Heilen durch Exorzismus und Magie verboten. Das Sōni-ryō gestattete lediglich die Rezitation von Sutren. Eder, Matthias; Schamanismus in Japan; in: Paideuma (Mitteilungen zur Kulturkunde), Band VI, Mai 1958. [ ▲ ]
6) harai. Vgl. z. B. das Ō-harai „die große Reinigung“ und die uns in europäischer Übersetzung vorliegenden Gebete dazu. (Bedeutend ist die Zeremonie zur Reinigung der Priester und der Musiker am kaiserlichen Hof im Ise-Schrein (30.6. und 31.12.; sie findet mit geringerem Aufwand auch in anderen Monaten statt, in denen viele Zeremonien durchgeführt wurden, immer jeweils am Letzten.) [ ▲ ]
7) So nach J. Die Zeichen können auch zum Vorigen genommen werden: „Deshalb liege ich seit Jahren krank darnieder.“ K hat die Schwierigkeiten der Stelle nicht. [ ▲ ]
8) Leichen wurden normalerweise innerhalb eines Tages verbrannt. [ ▲ ]
9) 非人 hinin Unmenschen; Untermenschen, wobei sich die Bedeutung des Wortes im Laufe der Zeit gewandelt hat, meist sind entlassene Sträflinge und Vaganten gemeint. Einige Quelle geben den Begriff syn. mit burakumin, einer Auffassung der nicht gefolgt werden kann, obwohl es sicherlich Überschneidungen gibt.
Soothill: "Not-men, not of the human race, i.e. devas, kinnaras, nāgas, māras, rakśas, and all beings of darkness; sometimes applied to monks who have secluded themselves from the world and to beggars, i.e. not like ordinary men."
[ ▲ ]
10) 讎 = 讐 SHŪ, ata, ada [N 5041: enemy; revenge]. Umfaßt wohl die ganze Komplexheit urtümlichen strafrechtlichen Vorstellens: Rache, Feindschaft sowie deren Gegenstand, Objekt wie Subjekt. Der urami () erregt hat und darum noch immer den urami-Ausgleich herbeiruft. [ ▲ ]

Enra
Enra (bei der Arbeit)

11) Zum Herrn der Unterwelt und seiner japanischen Fortentwicklung Jizō Bosatsu (von Kṣitigarbha), siehe Exkurs: Enra und Jizō. [ ▲ ]
12) namasu Rohspeise[ ▲ ]
13) "held the service at the shrine for his own benefit" [ ▲ ]
14) akiraki ni shiru [ ▲ ]
15) 肴 sakana, jede Zuspeise zum Wein, meist Fisch. [ ▲ ]
16) Deutlich tritt hier der Gegensatz zwischen Kami und Buddha hervor. [ ▲ ]
17) Vermutlich nach dem Ort, wie das bei privaten Tempeln üblich war, benannt. H. B.: Vielleicht fehlt ein Zeichen. [ ▲ ]
18) Vinaya-Sutra (Sg. oder Pl.?) vgl. Nanjō 1130. Kai-in'nen-kyō japanischerseits existiert Abschrift aus Tempyō 9. Jahr (737). Ebenso weiß man solche aus 19. Jahr (747). Ebenso könnte aber unter obigem Titel der ganze das 律 (ritsu) umfassende Kanon gemeint sein.
Vinaya-kyō IX [Taishō XXIV, 893] zitiert in Shokyō yūshō XIV [Taishō LIV, 129].
Deutsche Übersetzung des Maha-Vibhanga, die 227 Regeln der Mönche, des Pali-Kanon. Eine englische Übersetzung findet sich in: Rhys-Davids, T. W.; Oldenberg, Hermann; Vinaya Texts – Translated from the Pāli; Oxford 1897 (Claredon Press); Sert.: Sacred Books of the East XIII. [ ▲ ]
19) (Konkōmyō)saishō-ō-kyō [NJ 126, Taishō LIV, 129; ch: Chin-kuang-ming tsui-shêng-wang ching; 10 Fasz. 31 Kap.]. Suvarṇaprabhāsottamarrādja-sūtra übersetzt von I-jing (= I-ching, jp.: Gijō; s.u.) in der Tang-Zeit (Von Kap. 12 eine Übs. von Amoghajiva, 6 S.; NJ 974). Abschrift derselben japanischerseits existiert unter dem kurzen Namen aus Ära Shinki bis Tempyō 4. Jahr (724-32). Außerdem weiß man von einer Abschrift unter dem vollen Titel (T 241, 242).
Ausführlich: Exkurs: Konkōmyō-Sutra [ ▲ ]

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