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Des Begleitgott-Königs Unterschenkel läßt, Lichtglanz ausstrahlend, seltsame Zeichen kund werden

埴神王腨放光示奇表得現報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Text txt 諾樂京東山,有一寺.號曰-金鷲.金鷲優婆塞,住斯山寺.故以為字.今成東大寺.未造大寺時,聖武天皇御世,金鷲以行者常住修道.其山寺居一執金剛神埴像矣.行者神王,腨繫繩引之,願晝夜不憩.時從腨放光,至于皇殿.天皇驚怪,遣使看之.敕信尋光至寺.見有一優婆塞.引於繫彼神腨之繩,禮佛悔過.信視遄還,以狀奏之.召行者詔:「欲求何事?」答曰:「欲出家修學佛法.」敕許得度,金鷲為名.譽彼行,供四事,無乏時.世之人美讚其行,稱金鷲菩薩矣.彼放光之執金剛神像,今東大寺於羂索堂北戶而立也.  贊曰:「善哉,金鷲行者.信燧攢東春,熟火炬西秋.腨光扶感火,人皇慎驗瑞.」誠知,願無不得者,其斯謂矣.埴,底本作土邊聶字.腨,底本作足邊專字.
Ryō-Wiki
Shitsukongoshin
Shitsukongōshin im Sangatsudō0

In den Ostbergen (東山; Nakamura: heutiges Kasugayama) der Hauptstadt Nara war ein Tempel. Mit Namen hieß er Goldaar.1 (金鷲) Der Ubasoku Goldaar2 wohnte in dem Bergtempel. Daher nahm man dies zum Namen. Es ist heute der Großtempel des Ostens.3 (Tōdaiji)

Während der Regierung der Himmlischen Majestät Shōmu, (noch) vor der Erbauung des Großtempels, weilte der Goldaar-Gyōja immer (hier) und tat geistliche Übungen. In diesem Bergtempel0 hatte (man) den Diamant-Keil-führenden Gott Vajrapāni4 (Nakada: 攝像) als Begleitstatue aufgestellt. Der Gyōja hatte einen Strick an des Gott-Königs Schenkel angebunden, zog ihn und flehte6 Nacht und Tag ohne Unterlaß. Zu der Zeit strahlte von dem Schenkel Lichtglanz aus und drang bis in des Kaisers Palast. Die Himmlische Majestät, entsetzt und verwundert, sandte [einen] Boten aus, zu schauen. Da die Boten nach dem Lichtglanz fragten, gelangten sie zu dem Tempel, und siehe, da war ein Ubasoku, hatte an des Gottes Schenkel den Strick gebunden, zog, tat Buddha-Anbetung und Pönitenz (悔過). Die Boten sahen es, wandten eilends um und berichteten den Sachverhalt. (Die Majestät) beschied den Gyōja herbei und erließ die Worte: „Was ist's, das du zu fordern wünschest?“ Die Antwort war: „Haus und Hof zu verlassen, Buddha's Lehre zu üben und zu lernen, ist mein Wunsch“. Da ward Befehl gegeben und ihm Leben in geistlichem Stand (得度) gestattet.

Gatha II, 21

Goldaar ward ihm zum Namen gemacht. Sein Tun ward gepriesen, die Vier Dinge (四事) ihm dargebracht, nie war da Mangel. Die Leute (世人) der Zeit priesen sein Tun und nannten ihn daher Goldaar-Bodhisattva. Die Vajrapāni-Gottstatue, die Lichtglanz ausstrahlte, steht jetzt im Nordgebäude der Kensaku-Halle [= Sangatsu-dō] des Großen Osttempels. Die Gātha sagt:

Herrlich fürwahr! Der Goldaar-Gyōja!
Zum Aufflammen bringt er
des Glaubens Feuerholz
im Osten-Frühling;
helllodern läßt er
die reifen Feuer
im Westen-Herbst.
Des Schenkels Lichtglanzes
Feuererwidern7
ruft er herbei.
Der Menschen Kaiser [Shōmu]
erfährt in Scheu das Wunderzeichen.

Wahrhaft zu wissen ist: Wer fleht, der erlangt gewiß. – Damit ist jenes gesagt.

Anmerkungen:

Adler

0) Es ist nicht klar, ob die Shitsukongōshin im Sangatsudō, die heute noch existiert und von Kuninaka Muraji Kimimaro, einem der herausragenden Schnitzer der Nara-Zeit stammt, die in der Legende genannte Statue ist, oder ob sie kurz darauf beim oder unmittelbar nach der Gründung des Tōdai-ji in Auftrag gegeben wurde. Vgl.; Tanaka Hidemichi; The Discovery of a Great Sculptor: Kimimaro of the Nara Period (710-793); Artibus et Historiae, Vol. 17 (1996), No. 33, S. 202 ]
1) Vgl. zum poetischen Begriff des „Aar“ für Adler, den hergeleiteten Begriff 鼻鷲 (washibana) für das „klassisch römische Profil.“ ]
2) Rōben, war erster Abt dieses Tempels und wurde 760 zum sōjō ernannt. Siehe: Exkurs: Rōben ]
3) 金鷲寺 (konsu; 金鐘寺, auch Konshōji) Gemeint ist ein Vorgängertempel, der heute noch als Teil des Tōdaiji Komplexes, unter dem Namen Hokke-dō [Sangatsu-dō] besteht. (Diese Hokke-dō ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Kapelle der Ostpagode am Hieizan.) Zur Geschichte des Tōdaiji siehe: Tōdaiji-yōroku (東大寺要緑; Abk.: TY) sowie Tōdaiji-kokiroku. Zum dortigen Daibutsu. ]
4) Gegründet von Gi-in, hat der Tempel die mit 4,5 m höchste tönerne Buddhafigur Japans. ]

Okadera Asuka
Nyōirin Kannon (Okadera, Asuka, 1612)4

5) 攝神王 (Vajradhara) hernach Shukongō-jin Shōzō [vgl. Eitel S 190: 1) Indra, 2) Manjusri] auch Shukongō-rikshi …-Held (力士). Unter diesem Namen eine volkstümliche Schutzgottheit des Buddhismus, abgebildet mit 6 Armen und 3 Leibern. Auch Kongō-mitsushaku(ten) oder Kongō-yosha(myō-ō) d. i. „(wunderbarer) Diamantkeil-Yakcha(-König)“ genannt, weil über 500 Yakchas regierend. Der Legende nach Sohn eines Königs, der 1002 Söhne hatte. 1000 wurden eifrige Buddhisten, der 1001. schwur, wenn diese alle Buddhisten würde, werde er zum Teufel werden. Der 1002. aber wurde zu um so größerem und schreckenshafterem Schützer des Buddhismus (Dharma). Ursprünglich eine vedische Gottheit [meist = Indra], oft als Inkarnation der Kannon, mithin Mañjuśrī's. Vajradhara bezeichnet oft jeden Deva- „Träger des Blitzes [vajra]“ (d. h. Verteidiger des Dharmas), wird jedoch am häufigsten als Reinkarnation Indra's aufgefaßt. Andere Theorien führen die Figur auf greaco-buddhistische Einflüße zurück: Er sei von Herakles [Herkules] inspiriert. ]
6) Diese Praxis – bekannt als tsunahiki-gyō – war besonders zur Heian-Zeit unter Anhängern des Reinen Landes populär. ]
7) 感火 „Feuer-Lichterlebnis“ vielleicht mit Absicht anklingend an 感化 „Bekehrung,“ „(Geschickes-)Wendung“. [  ]

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