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Einer, der böse Dinge liebt, verfällt im gegenwärtigen Leben der Strafe des scharfen Eisen und empfängt als Vergeltung schlimmen Tod

好於惡事者以現所誅利銳得惡死報緣
(悪事を好む者の、以に現に利銳に誅られ、得悪死の報を得し緣)

Japanisch

Gunsho ruijū
Text txt 橘朝臣-諾樂麻呂者,葛木王之子也 諾樂麻呂,續日本紀作奈良麻呂. 強窺非望,心繫傾國.招集逆黨,當頭其便.畫作僧形,以之立的,效射僧黑眼之術.好諸惡事,無過斯甚.諾樂麻呂之奴,於諾樂山為鷹鳥獵而見之,其山多有狐子.奴捉狐子,用木刺串,立其穴戶.奴有嬰兒.母狐結怨,返身化,作奴兒之祖母.抱奴子,迄于己穴戶,如串己子,貫奴子立穴戶.雖賤畜生,報怨有術.現報甚近.不無慈心.為無慈行,致無慈怨.然後不久,諾樂麻呂,天皇見嫌,利銳攸剔.則以知之,先惡行者,令逢利銳,所殺之表也.斯亦奇事也.
Ryō-Wiki

Geschichtlicher Hintergrund: Naramaro (仲麿) plante zusammen mit dem abgesetzten Kronprinzen Funado mit Unterstützung der Kaiserin Kōken (718-70; reg. 749-58, als Shōtoku: 765-70) eine Rebellion gegen Fujiwara no Nakamaro (= Emi no Oshikatsu), den Kanzler, der von Shōmu's Witwe Kōmyō (700-60; = Asukahime. Eine gebürtige Fujiwara) gestützt wurde. Der 756 verstobene Ex-Kaiser Shōmu hatte durchgesetzt, daß Prinz Funado als Thronfolger eingesetzt wurde. Dieser war im Jahr darauf durch Prinz Ōhi (dem späteren Kaiser Jun’nin r. 758-64, † 765 im Exil, deshalb Awaji haitei) ersetzt worden. Die Rebellion scheiterte und Naramaro wurde 757 hingerichtet.
Tachibana no Moroe (= Prinz Katsuragi 葛木王, *684. 737 Annahme des Familiennamens und damit Ausscheiden aus dem Kasierhaus, dann Ernennung zum Dainagon als die Macht des Fujiwara-Klans – vorübergehend – gebrochen war, weil die vier Brüder, die die höchsten Staatsämter innegehabt hatten, fast gleichzeitig an den Pocken starben, wasman dem Rachegeist des verleumdeten Prinzen Nagaya zuschrieb. 738 Ernennung zum Udaijin) war bereits 756 von Fujiwara no Nakamaro aus dem Amt des Kanzlers zur Rechten verdrängt worden, er starb 757.
Die Geschichte setzt sich ausführlich fort in: III, 38. Vgl. Shoku Nihongi XXV (Tempyō hōji: Jahre 8 und 9); Biographie Nakamaros in: Kishi Kunio; Fujiwara no Nakamaro; Tokio 1969.
Bei dem erwähnten Mönch könnte es sich um Gyōgi gehandelt haben, der wohl nicht nur ein „Erleuchteter“ gewesen ist, sondern auch ein geschickter Intrigant bei Hofe (und Nakamaro unterstützte). Kyōkai betätigt sich hier erneut als dessen Propagandist, andere Gegner erfahren im NR ebenfalls ihre „Vergeltung“ (siehe Prinz Nagaya, Chikō)


Fuchs
Fuchs bei Verwandlung

Tachibana no Asomi Naramaro (橘朝臣-諾樂麻呂) war des Prinzen Katsuragi Sohn. Mit Gewalt strebte er falscher Hoffnung nach und hängte sein Herz daran, das Reich umzukehren,1 winkte aufsässiges Volk zu Hauf und lauerte immer nur auf die Gelegenheit. Hochwerter Mönche (宿僧) Gestalt malte er, stellte sie als Zielscheibe auf und übte die Kunst, (in) der Priester schwarzes Auge zu schießen. Alles Böse liebte er; niemand war ärger darin als er. Naramaro's Sklave2 jagte mit Falken in den Nara-Bergen. Und da er zusah, waren in diesen Bergen viele junge Füchse. Der Sklave fing die jungen Füchse, spießte sie mittelst eines Holzes auf und stellte sie vor der Höhle Tür. Der Sklave hatte ein kleines Kind. Die Fuchsenmutter, grollende Vergeltung knüpfend (), verwandelte ihren Leib und wandelte sich in des Sklaven-Kindes Muhme,3 nahm das Sklaven-Kind in die Arme, kam vor ihre Höhle und, so wie ihre Kinder aufgepfählt waren, spießte sie des Sklaven Kind auf und stellte es vor der Höhle Tür. Wiewohl ein geringes Tier, hatte es doch die Kunst, Groll zu vergelten.

Unmittelbare Vergeltung ist überaus nahe. Sei nicht unbarmherzigen Sinnes! Wer kein Erbarmen übt, wirkt grollende Vergeltung ohn' Erbarmen.
Nicht lange danach jedoch, so geriet Naramaro beim Kaiser in Argwohn und verfiel der Strafe des scharfen Eisens. Woraus zu wissen ist: Seine früheren bösen Taten wurden jetzt darin offenbar, daß er dem scharfen Eisen begegnete und getötet ward. Dies ist wiederum seltsam-wundersames Geschehen.

Anmerkungen:

1) "With overweening ambition he planned to usurp the throne and summoned rebels …" ]
2) 奴 Sklave, Leibeigner, Diener. 奴婢 nushi. H. B. fügt weiterhin – nicht nachvollziehbar – an: Vielleicht wäre auch die Fassung „Nakamaro no Yatsuko“ als andere Bezeichnung N's denkbar. [  ]
3) ōba Großmutter, Ahne. ["Grandmother" Muhme: Veraltet für Tante.] [  ]

Siehe den Exkurs zum Thema „Fuchs in japanischer Folklore.“
Zur Falknerei bei Hofe: Möller, Jörg; Spiel und Sport am japanischen Kaiserhof im 7.-14. Jhdt; München 1993; ISBN 3-89129-290-2

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