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Ein Weib wird von einer großen Schlange gefreit; durch Arzneikraft erlangt sie Rettung des Lebens

女人大蛇所婚賴藥力得全命緣
(女人大きな蛇に婚せられ、薬の力に賴りて、命を全くすること得し緣)

Japanisch

Gunsho ruijū
Text txt 河內國更荒郡馬甘里,有富家.家有女子.大炊天皇世, 淳仁朝. 天平寶字三年己亥夏四月,其女子,登桑揃葉.時有大蛇,纏於登女之桑而登.往路之人,見示於孃.孃見驚落.蛇亦副墮,纏之以婚,慌迷而臥.父母見之,請召藥師,孃與蛇俱載於同床,歸家置庭.燒稷藁三束, 三尺成束為三束. 合湯,取汁三斗,煮煎之成二斗,豬毛十把剋末合汁,然當孃頭足,打橛懸釣,開口入汁.汁入一斗.乃蛇放往殺而棄.蛇子白凝,如蝦蟆子.豬毛立蛇子身,從膣出五升許. 膣,底本門中也字.女陰也. 口入二斗,蛇子皆出.迷惑之孃,乃醒言語.二親問之,答:「我意如夢.今醒如本.」藥服如是.何謹不用.然經三年,彼孃復蛇所婚而死.愛心深入,死別之時,戀於夫妻及父母子,而作是言:「我死復世必復相也.」其神議者,從業因緣.或生蛇馬牛犬鳥等,先由惡契,為蛇愛婚,或為怪畜生.愛欲非一.如經說:「昔佛與阿難,自墓邊而過,夫妻二人,共備飲食,祠墓慕哭.夫戀,母啼,妻詠,姨泣.佛聞妻哭,出音而嘆.阿難白言:『以何因緣,如來嘆之.』佛告阿難:『是女先世產一男子.深結愛心,口啜其子屌. 屌,底本門中牛字也.男性器.母經三年,儵條得病,臨命終時,撫子啜屌,而斯之言:『我生生世,常生相之.』生鄰家女,終成子妻,祠自夫骨,而今慕哭.知本末事故,我哭耳.」者,其斯謂之矣.又如經說:「昔有人兒.其身甚輕,疾走如飛鳥.父常重愛,守育如眼.父見子輕,譬之而言:『善哉我兒.疾走如狐.』其子命終,後生狐身.」應願善譬,不欲惡譬.必得彼報故也.
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Im Lande Kahachi, im Gau Sa-ara, im Dorfe Umakahi (河内國更荒郡馬甘里) war ein reiches Haus. In dem Hause war eine Tochter. Zur Zeit der Himmlischen Majestät Oho-hi im 3. Jahr Himmelswage-Kleinod Zeichen Erde unten-Eber, im Sommer, im 4. Monat stieg (759), diese Tochter auf einen Maulbeerbaum und schnitt Blätter. Da war eine große Schlange, die wand sich hinauf auf den Baum, auf den das Weib gestiegen war. Die Leute, die auf dem Wege gingen, sahen es und zeigten es dem Weibe. Das Weib sah es, erschrak und fiel herab. Die Schlange hinwiederum schlang sich gleichfalls herab, umwand sie und freite sie. Gebannt und verstört (lag sie und) schlief sie. Vater und Mutter sahen es, riefen einen Arzneimeister herbei, und man legte Schlange und Weib miteinander auf das gleiche Lager, brachte sie nach Hause und stellte sie in den Gartenhof, verbrannte drei Zoku Hirsestroh – drei Jaku machen ein Zoku; drei Zoku waren es – tat es [die Asche] mit heißem Wasser zusammen, nahm von der Brühe drei To, kochte sie, so daß es zwei To wurden, zerschnitt zehn Bündel (; handvoll) Schweinshaare fein und tat es mit der Brühe zusammen, pflöckte sodann das Weib an Kopf und Füßen an und hängte sie an Haken auf und ließ die Brühe in den Scheidemund ein. Als man von Brühe ein To eingelassen hatte, ließ die Schlange los und ging. Man schlug sie tot und warf sie weg. Die Schlangenjungen waren weißlich geronnen wie Krötenlaich. Die Schweinshaare standen den Schlangenjungen am Leibe, und so gingen sie aus der Scheide ab, etwa fünf Shō. Als man in den Mund zwei To einließ, gingen die Schlangenjungen alle ab. Das von Sinnen gekommene Weib schlug alsbald die Augen auf und redete. Die beiden Eltern fragten. Sie antwortete: „Mir ist als wie im Traum. Jetzt, da ich erwache, ist es wieder, wie es immer war.“

Alheria-Schwein
Haariges Schwein

Wenn das Einnehmen von Arznei derart wirkt, warum sollten wir sie nicht sorgfältigst gebrauchen? Nach drei Jahren jedoch ward dieses Weib wieder von einer Schlange gefreit und starb. Das Liebesherz1 war tief eingedrungen; zur Stunde des Todesscheidens kam Liebe auf Gatte und Gattin, und der Vater hatte zu Mutter und Kind gesagt: „Wenn wir auch sterben, in der andern Welt werden wir uns gewißlich wieder zusammenfinden.“ Was dieses göttliche Wirken betrifft, so wird einer, je nach seiner Werke Grund und Verknüpfung, sei es als Schlange, Pferd, Rind, Hund, Vogel und dergleichen geboren, sei es, arger Entsprechung zufolge, von einer Schlange lebend gefreit oder von üblem Tiere liebend begehrt werden.– Dies (eine) Beispiel ist es nicht allein! –

Wie in den Schriften2 steht: Einst gingen Buddha und Anan3 an Gräbern vorbei. Zwei Ehegatten brachten miteinander am Grabe Speiseopfer dar und weinten sehnsüchtig. Der Gatte (stand) voll Liebe, die Mutter weinte, die Frau klagte, die Tante weinte.4 Buddha hörte der Frau Weinen und stieß einen Laut hervor und seufzte. Anan sagte und sprach: „Aus welchem Grund und Zusammenhange (in'nen) seufzt Nyorai?“ Buddha sprach zu Anan: „Dieses Weib hat im vorigen Leben einen Sohn gezeugt. Tiefe Liebe entfaltend, saugte sie mit dem Munde des Sohnes Zeugungsglied. Nach drei Jahren ward die Mutter plötzlich krank, und da die Zeit ihres Lebensendes herannahte, streichelte sie den Sohn, saugte sein Glied und sprach so: „In allen Welten werden wir immer, geboren, zusammenfinden. Im Nachbarhause als Tochter geboren, wurde sie letztlich des Sohnes Gattin. Sie bringt ihres eigenen Gatten Gebeinen Opfer dar und weint voll Sehnens. Weil ich der Dinge Ursprung weiß, deshalb weine ich.“ – Damit ist eben jenes gesagt.

Und wie weiter in den Schriften gesagt wird: Einst hatte ein Mann ein Kind. Dessen Leib war überaus leicht; es lief so rasch, wie die Vögel fliegen. Der Vater liebte es stets mit besonderer Liebe; er zog es auf und hütete es wie seinen Augapfel. Da der Vater des Kindes Leichtigkeit sah, redete er mit einem Vergleiche und sagte: „Vortrefflich! Mein eigen Kind, im raschen Laufe ist es wie ein Fuchs.“ Dieses Kind wurde nach Ablauf seines Lebens mit dem Leib eines Fuchses geboren. Du sollst gute Vergleiche wünschen; laß ab von bösen Vergleichen! Denn was aus ihnen folgt, wird dir gewiß zu teil!

Anmerkungen:

Zu den genannten Maßeinheiten. Es galt für die Nara-Zeit: 1 shaku (, Fuß) zwischen 295 und 308 mm. 1 to (斗, Kanne) = 10 shō () = ca. 2,4 l (legt man das 大升 zugrunde kommt man auf ca. 7,3 l). 1 soku (束, Bündel) = 10 把 (ON: ; kun: たば) „sind ursprünglich soviel Reishalme mit Ähren, wie man mit Daumen und Mittelfinger beider Hände umfassen konnte.“

1) Wörtlich „Liebesherz“, „Liebesgesinnung“, der Text ist an dieser Stelle verderbt. KY vermutet fehlende Zeichen. Der folgende Satz ist nach der Emendation J's übersetzt. Auch so noch sind mehrere Übersetzungen möglich. Soothill/Hodous (1937): 愛心 A loving heart; a mind full of desire; a mind dominated by desire. ]
2) Stelle unidentifiziert ]
3) Ananda, der treuste Jünger des Buddha, 20 Jahre sein engster Begleiter und nach dem endgültigen Verlöschen das wichtigste Glied in der Weitergabe der Lehre. 2. indischer Patriarch. Vielzahl von Fundstellen im Pāli-Kanon.  ]
4) "There is some confusion in the relationships of the people involved. Although the text depicts a couple and a woman in this passage, the following words of the Buddha are on a couple." ]

Weiterführend: Kelsey, W. Michael; Salvation of the Snake, the Snake of Salvation: Buddhist-Shinto Conflict and Resolution; Japanese Journal of Religious Studies, Vol. 8, No. 1/2 (Mar. - Jun., 1981), S. 83-113

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