日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Lebewesen töten und dadurch Groll herbeiziehen, zu Hund und Fuchs werden und sich gegenseitig des Grolles Vergeltung bringen

殺生物命結怨作狐狗互相怨報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:  1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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禪師永興者,諾樂左京興福寺沙門矣.俗姓-葦屋君氏,一云市往氏.攝津國手嶋郡人也.住于紀伊國牟婁郡熊野村而修行.時彼村有病者.是將來於禪師住寺,勸請禪師而令看病.咒之時愈,即退發病.如是生經多日不輟.強盟猶咒.病者託曰:「我是狐矣.無用不伏.禪師莫強.」問之:「何故?」答:「斯先殺我,我報彼怨.是人纔死,生犬殺我.」聞怪教化,不放而殺.一年之後,其死人臥室,禪師之弟子臥病.爾時有人,繫犬於禪師而來.彼犬嘷吠,抓脫枷斷鏁欲奔.禪師怪之,告犬主言:「應放知由.」纔放走入病弟子室,咋狐引出.禪師禁犬,不免囓殺.晣委,斃人還報彼怨.鳴呼惟也,怨報不朽.何以故,毗瑠璃王,報過去怨,而殺釋眾九千九百九十萬人.以怨報怨,怨猶不滅.如車輪轉.若有人,能發忍辱時見怨人者,為我恩師.不報彼怨,以之為忍.是故怨者即忍之師.所以書傳云:「若不買忍心,凡打殺其母.」者,其斯謂之矣.
Ryō-Wiki

Der Zenmeister Eikō (永興; Nakada: Eigō) war ein Samon des Kōfukuji(-Tempels) der linken (Hälfte der) Hauptstadt Nara, seines Laiengeschlechts vom Uji der Herren von Schilfhaus — Eine Version sagt Uji von Ichiki (市往) — ein Mann aus Gau Handinse,1 Land Settsu. Er weilte in Dorf Bärenau, Gau Muro, Land Kihi (紀伊國), und tat geistliche Übung.


Sumiyoshi, Settsu. Ukiyo-e von Andō Hiroshige um 1830.

Zur Zeit war in jenem Dorfe ein Kranker. Man brachte ihn zu dem Tempel, da der Zenmeister wohnte, und bat den Zenmeister, den Kranken zu besehn (看病 [かんびょう] ). Da er nun segnete2 ward jener heil; sowie er abließ, brach die Krankheit wieder aus. So lebte der Mann viele Tage, und es ward nicht anders. Da beschwor er ihn mit Gewalt und segnete. Da ward der Kranke besessen (kuruu3) und sprach: „Ich hier bin ein Fuchs. Es ist nicht not. Ich unterwerfe mich. Nur lasse der Zenmeister von der Gewalt ab!“ Er fragte: „Aus welchem Grunde?“ Die Antwort war: „Dieser hier hat vordem mich getötet. Ich vergelte ihm diesen Groll4. Wenn dieser Mann hier stirbt, wird er alsbald als Fuchs geboren werden und mich töten.“ (Der Mönch) hörte es, ihn dünkte es befremdlich. Doch wiewohl er ihn durch die Lehre zu wandeln strebte, ließ jener nicht los, sondern tötete (den Mann).

Ein Jahr danach lag des Zenmeisters Jünger dem Gemache, da der Mann gestorben war, krank danieder. Zu der Zeit war ein Mann, der führte einen Hund angebunden und kam zum Zenmeister. Der Hund bellte und kratzte und wollte sich von der Fessel losmachen und die Kette abreissen und losrennen. Den Zenmeister dünkte es wunderlich, und er sprach zu dem Herrn des Hundes und sagte: „Man sollte ihn loslassen, den Grund zu erfahren. Da, als man ihn losließ, lief er in das Zimmer, da der Jünger krank lag, hinein, biß einen Fuchs und schleppte ihn heraus; der Zenmeister verwehrte es; doch jener gab nicht nach, sondern biß (den Fuchs) tot. Da war klar zu wissen: Der Verstorbene war wiedergekehrt und hatte jenen Groll vergolten.

O schmerzlich fürwahr! Des Grolles Vergeltung verrottet nicht. Was war es, daß der Birori-König5 nahm und Groll vom Vergangenen her vergeltend neuntausendneunhundertundneunzig mal zehntausend von Shaka's Schar tötete? Aus Groll vergilt man Groll; der Groll wird aber dadurch nicht weniger. Wie ein Wagenrad, das dreht, ist es (damit). Wenn ein Mensch ist und er entfaltet wahrhaft Langmut, und er sieht den Menschen des Grolles, so macht er ihn zu seinem Wohltäter. Solcher Groll bleibt unvergolten. Solcher halber muß man Langmut6 üben. Daher ist der Groll der Lehrmeister der Langmut. Daher heißt es in den Schriftberichten: „Wer immer keine Langmut erringt, der schlägt die eigne Mutter tot.“ Das ist damit gesagt.