日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Ein Samon rezitiert das Hōkwō-Groß-Gefährt, sinkt ins Meer und ertrinkt nicht

沙門誦持方廣大乘沈海不溺緣

Ergänzungen aus Konjaku monogatari derartig, aus dem Sanbo ekotoba auf diese Art.

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:  1  2  3
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
http://applepig.idv.tw/kuon/furu/text/ryoiki/
諾樂京有一大僧.名未詳也.僧常誦於方廣經典,即俗貸錢,蓄養妻子.一女子嫁,別住夫家.帝姬阿倍天皇代之時,稱德朝.聟任於奧國椽.聟,婿也.則舅僧貸錢廿貫,為裝束,向於所任之國.歷歲餘,謝錢一倍,僅償本錢,未償利錢.彌逕年月,猶徵乞之.聟竊懷嫌,而作是念,求便殺舅.舅不知,猶平心而乞.聟語舅曰:「將共奧.陸奧國.」舅聞之往,乘船度奧.聟與船人,同心謀惡,縛僧四枝,擲陷海中.往語妻曰:「汝之父僧,欲瞵汝面,率共度來.忽值荒浪,驛船沈海,大德溺流,救取無便.終漂沈亡.但我僅活耳.」其女聞之,大哀哭言:「無幸亡父.何圖失寶.我別知之.能見父儀,寧視底玉,亦得父骨.哀哉痛哉.」僧沈海,至心讀誦方廣經,海水凹開,踞底不溺.逕二日二夜後,他船人向於奧國而度.見之繩端泛,有於海而漂留.船人取繩牽之,忽僧上.形色如常.於是船人大怪問之:「汝誰?」答云:「我某.我遭賊盜,繫縛陷海.」又問:「師何有要術,故沈水不死?」答:「我常誦持方廣大乘.其威神力,何更疑之.」唯聟姓名,向他不顯.「具我泊奧.」船人隨冀,送之於奧.彼聟奧國而為陷舅,聊備齋食,供於三寶.舅僧展轉乞食,偶值法事,有於自度之例.匿面而居,受其供養.聟椽,自捧於布施,獻於眾僧.於是捨海中僧,申手受施行.椽見之,目漂青面赦然,驚恐而隱.法師含咲,,不瞋而忍,終後不顯乎彼惡事.是沈海,水污不溺,毒魚不吞,身命不亡.誠知,大乘威驗,諸佛加護.
 贊曰:「美哉,不舉彼惡,猶能忍之.寔斯法師,鴻立忍辱高行.」所以長阿含經云:「以怨報怨,如草滅火.以慈報怨,如水滅火.」者,其斯謂歟矣.

Ryō-Wiki

In der Hauptstadt Nara war ein Großpriester (daisō). Sein Name ist nicht weiter bekannt. Der Priester rezitierte immer das Hōkwō-Sutra.1 Er lieh an Laien Geld aus und ernährte so Weib und Kind. Eine ("his only") Tochter freite und wohnte gesondert in des Gatten Haus.


Matsushima Bucht in der Provinz Mutsu, bekannt für ihre 260 kieferbestandenen Inseln. Ukiyo-e von Ando Hiroshige (nach 1830?)

Zu der Zeit der Regierung der Kaiserlichen Herrscherin, der Himmlischen Majestät Abe, wurde der Schwiegersohn zu des Landes Oku2 Amtmann3 ernannt. Daher borgte er von dem Priester, dem Schwiegervater, zwanzig Pfund () Geldes, ließ sich die Gewänder (装束 sōzoku) machen und reiste nach dem Lande seines Amts. Über ein Jahr verging, und das geliehene Geld hatte sich verdoppelt; aber der Schwiegersohn zahlte nur die anfängliche Summe zurück (tsugunou), die Zinsen vergütete er nicht. Er hatte die (finanzielle) Kraft nicht, die Zinsen zurückzuzahlen. und da der Schwiegervater nun drängte, stieg im Schwiegersohn der Gedanke des Mordes auf. Jahre und Monate vergingen. Jener forderte und erbat das Geld zurück. Da stieg in des Schwiegersohnes Herzen die Mißgunst auf, und er sann heimlich: Ich muß einen Weg suchen und den Schwiegervater aus dem Leben schaffen. – Der Schwiegervater ahnte nichts und hielt harmlos (um das Geld) an. Der Schwiegersohn redete mit dem Schwiegervater und sprach: „Wir wollen zusammen nach Oku ziehn. Dort kann ich die Zinsen zurückzahlen“. Der Schwiegervater hörte es, ging und bestieg das Schiff4, und sie fuhren gen Oku.

Der Schwiegersohn ward mit den Schiffsleuten eines Sinnes; sie setzten das Schlimme ins Werk, banden den Priester an den vier Gliedmaßen und warfen ihn hinab in die See. Lügnerisch sprach er zu der Gattin und sagte: „Den Priester, deinen Vater, verlangte dein Antlitz zusehen. Ich nahm ihn mit, und wir fuhren zusammen über. Plötzlich kamen wilde Wogen, das Postschiff4 versank; da war keine Hilfe, den edlen geistlichen Herrn (大徳) vor dem Ertrinken zu retten. So trieb er schließlich dahin, sank und ging unter. Nur ich allein bin mit dem Leben davongekommen“ Die Frau hörte es, jammerte und weinte laut und sprach: „Ohne Glück geht der Vater dahin. Wie hätte ich gedacht, daß ich das Kleinod verlieren würde. Nicht wieder kann ich den edlen Vater (父儀) sehen! Ach, lieber ginge ich auf des Meeres Grund und sähe nochmals des Vaters Gebein. Ach jammervoll! Ach! Schmerzensvoll!“

Gatha

Der Priester, ins Meer gesunken, las mit höchster Herzenskraft das Hōkwō-Sutra, da sank die Meerflut (凹開) ein und öffnete sich; er kauerte auf dem Meeresgrunde und ertrank nicht [Wiewohl er auf den Grund des Meeres sank, drangen die Wellen nicht an den Ort, da er war.]. Zwei Tage und zwei Nächte vergingen, da kamen eines anderen Schiffes Leute, die fuhren nach dem Lande Oku über. Sie sahen eines Strickes Ende schwimmen, das sich auf dem Meere hielt und da herumtrieb. Die Schiffsleute griffen den Strick und zogen, da kam mit einem Male der Priester empor. Seine Gestalt und sein Aussehen war wie immer. Da wunderten sich die Schiffsleute sehr und fragten : „Wer bist du denn?“ Da antwortete er und sprach: „Ich bin der und der. Ich begegnete Räubern, da ward ich mit Stricken gebunden und ins Meer geworfen.“ Sie fragten weher: „Meister, welche wichtige Kunst ist es, die dich, da du ins Wasser gesunken, vor dem Tode erhielt?“ Er antwortete: „Ich rezitiere immer das Hōkwō-Groß-Gefährt. Wie sollte jemand weiter zweifeln an seiner gewaltigen Gotteskraft!5“ Nur des Schwiegersohnes Name und Zuname aber tat er andern nicht kund. „Fahre mit uns über nach Oku!“ sagten die Schiffsleute; und er folgte und begleitete sie nach Oku, Jener Schwiegersohn, im Lande Oku weilend, hatte um des versunkenen Schwiegervaters willen ein wenig Fastenspeise (罪食) bereitet und opferte den Drei Kleinodien.

Der Schwiegervater, der Priester, zog Speise erbittend da und dort umher. Da traf er auf die geistliche Versammlung (法事), reihte sich in der Jido (自度) Schar, verbarg sein Antlitz und blieb da, die Opferspeise zu empfangen. Der Schwiegersohn, der Amtmann, reichte die Spendung ehrfürchtig in eigner Person dem Priester. Da streckte der ins Meer geworfene Priester die Hände aus und empfing seine Spende. Der Amtmann sieht (es), vor den Augen schwimmt es ihm blau und grün; er wird rot im Gesicht; Entsetzen und Furcht packen ihn; er verbirgt sich. Da lächelt der Meister des Gesetzes mild; er ergrimmt nicht; er übt Langmut; er macht auch hernach letztlich die böse Tat nicht offenbar. —

Er sank ins Meer, das Wasser höhlte sich, und er ertrank nicht; giftige Fische verschlangen ihn nicht, Leib und Leben ward nicht-zu nichte. Wisse und verstehe wahrhaft: des Großen Gefährtes mächtig sich Erweisen (威驗), aller Buddha Schutz-Gewahren (加護).
Die Gatha sagt: O schön fürwahr! Er bringt nicht jenes Böse vor, nein, er übt trefflich Langmut. Wahrhaftig, dieser Meister des Gesetzes richtet machtvoll der Langmut hohes Handeln auf. Daher heißt es in dem Chōagon-Sutra:6 Wird Groll mit Groll vergolten, so ist es, wie wenn Gras Feuer löscht; wird Groll mit Barmherzigkeit vergolten, so ist es, wie wenn Wasser Feuer löscht. Damit ist das gesagt.

Paralellen

Die Erzählung ist im Kōya-Text nur in ihrem Titel erhalten.

  1. SB: Gibt an Schlusse der Erzählung an, daß dies im NR steht. Auch die Zeichen zeigen dies.
  2. K: XIV, 38 hat deutlich das NR oder einen sehr ähnlichen Text vorliegen, dem es in den Zeichen fort und fort folgt, gibt aber auch nicht im NR stehende Erweiterungen.
  3. Fusō ryakki VI (Gemmyō). Gibt die Geschichte kurz, ohne Angabe der Quelle wieder. Der Schwiegersohn hatte mit dem Schwiegervater, einem Mönche, eine Zwistigkeit und trachtete ihn heimlich zu töten. Die beiden bestiegen ein Schiff und fuhren über See. Er lügt dann die Gattin an; diese klagt. Der Vater rezitiert im Meer das Hōkwō-Sūtra, die Wellen wölben sich zurück, 2 Tage 2 Nächte. Schiffer retten ihn, fragen ihn und bringen ihn endlich in seine Heimat, als welche anfangs Nara genannt ist. Hiermit bricht die Geschichte ab.