日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Die Fische, die der Zenmeister zu essen gedenkt, wandeln sich zum Gesetzesblüten-Sutra und machen der Laien Schmähen ein Ende

禪師將食魚化作法華經覆俗誹緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:  1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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吉野山有一山寺.名號-海部峰也.帝姬阿倍天皇御世,有一大僧,住彼山寺.精懃修道.疲身弱力,不得起居.念欲食魚,語弟子言:「我欲噉魚.汝求養我.」弟子受師語,至於紀伊國海邊,買鯔八隻,納小櫃而歸上.時本知檀越三人,遭道而問之言:「汝持物何物之也?」童子答言:「此法華經也.」從持小櫃,垂魚之汁,其臭如魚.俗念非經.即至於大和國內市邊,俗等俱息.俗人逼言:「汝之持物非經.此魚也.」童子答言:「非魚,當經也.」俗強令開.不得逆拒,開櫃見,化法華經八卷也.俗等見之,恐奇而去.彼一俗念猶奇見遂,而竊窺往.童子至於山寺,向師具陳於俗等事,禪師聞之,一怪一喜,知天守護.然食彼魚時窺往俗見,五體投地,白禪師言:「雖實魚體,而就聖人之食物者,化法華經也.我愚癡邪見,不知因果,而犯逼惱亂.願罪脫賜.自今已後,為我大師,恭敬供養.」自爾,俗成大檀越,供養禪師.當知,為法助身.於食物者,雖食雜毒而成甘露,雖食魚宍而非犯罪.魚化成經,天感齊道.此復奇異事也.
Ryō-Wiki

In den Yoshino Bergen war ein Bergtempel, mit Namen hieß er Meerwolken-Gipfel.2 Zu der erlauchten Zeit der kaiserlichen Herrrscherin, der himmlischen Majestät Abe, war ein Großpriester3, der wohnte in jenem Bergtempel und übte mit ernsten Sinnen den (geistlichen) Wandel.


Asiatische Mugilidae sp.

Sein Leib erschlaffte, die Kräfte ermatteten; er vermochte nicht aufzustehen. Er fand für gut, Fisch zu essen. Er redete zu seinem Jünger und sprach: „Ich möchte Fisch essen. Schaffe mir welchen und speise mich!“ Der Jünger empfing des Meisters Worte, ging nach dem Meergestad2 des Landes Kihi (紀伊國) und kaufte acht frische Meerbarben,4 tat sie in einen kleinen Kasten und stieg heimwärts.


Sutrenrollen mit Zierarbeiten ca 1165

Da begegneten ihm auf dem Wege drei Gemeindepatrone, die ihn seit langem kannten, fragten und sprachen: „Was ist das, was du trägst?“ Der Jünger (童子) antwortete: „Das ist das Gesetzesblüten-Sutra.“ Da roch aber der Fischsaft, der aus dem kleinen Kasten, den er trug, herabtroff, gar sehr nach Fischen. Die Laien meinten: „Das ist kein Sutra!“ Als sie nun zu einer Stadt im Lande Yamato kamen, rasteten die Laien mit ihm zusammen. Die Laien drängten und sprachen: „Was du da bei dir hast, ist kein Sutra. Das sind Fische!“ Der Jünger erwiderte und sprach: „Fische sind es nicht. Es ist wirklich das Sutra.“ Die Laien ließen ihm keine Ruhe; er solle öffnen. Er konnte sich nicht länger widersetzen und öffnete den Kasten. Siehe, da waren es verwandelt acht Bände () Gesetzesblüten-Sutra. Die Laien sahen es, fürchteten und wunderten sich und gingen davon. Der eine Laie aber fand die Sache doch befremdlich, wollte sie bis zu Ende sehen und ging, heimlich zu spähen. Da der Jünger in den Bergtempel kam, berichtete er dem Meister genau die Sache mit den Laien. Der Zenmeister hörte es, teils wunderte er, teils freute er sich und wußte um die himmlische schützende Bewahrung. Als er nun die Fische aß, sah es der zum Spähen gekommene Laie; da warf er seinen Leib ganz zur Erde5 und sprach ehrfürchtig zu dem Zenmeister und sagte: „Wiewohl wirklich Fischleiber, so doch, weil Speise des Heiligen, verwandelt in Gesetzesblüten-Sutra. Ich elender Tor, verderbten Sinnes, der von Ursache und Frucht nicht weiß, handelte freventlich gewaltsam, wahnsinn-verblendet [oder: freventlich bezichtigend]. Ich flehe, vergebt mir die Schuld. Von nun an fernerhin will ich Euch zu meinem großen Meister machen, Euch ehren und fürchten und opfernd Euch nähren.“ – Von da an wurde der Laie zum großen Patron und nährte opfernd dem Zenmeister.
Wisse und verstehe wahrhaft: Wo man um des Gesetzes (Buddhas) willen dem Leib aufhilft, da mag man gleich mannigfaches Gift essen, es wird zum süßen Tau. Aß er gleich Fisches Fleisch, so tat er doch kein Vergehen. Der Fisch wandelte sich und ward zum Sutra. Der Himmel fühlte (bewundernd mit) und half seinem Wandel auf. Das ist wiederum wundersames Geschehen.

Paralellen

H. B.'s Ergänzungen aus den Paralellen sind in den Anm. nicht gegeben.

  1. SB:, das selbst am Ende sagt, das die Geschichte im NR stehe.
  2. K: XII, 27 [XII, 37] auch in den Zeichen, das gleiche wie NR.
  3. Genkō shakushō XII. Der alte Meister und sein Schüler sowie der einkaufende Diener sind volkommen gerechtfertigt. Das Gebet, daß das Sūtra sich verwandle und er Meister von Schanden bewahrt mögen bliebe, ist noch ausgedehnter. Der Schuß ist knapp und prägnant.
  4. Hokke kenki oberer Band, 10. Erz. Zeit der kaiserlichen Herrscherin Abe.
  5. 寳物集 Bd. 7, Abschnitt 11 (Ausgabe Hara-Wada S. 248) „8 Fische wandeln sich zu 8 Rollen.“ In kürzerster Wiedergabe: Ein Samon, der lebenslang das Hokke-Sutra rezitiert hat, erkrankt lebensgefährlich. Der Arzt verordnet ihm Fisch, der Samon schickt den Jünger, Fische mit dem Namen Myōkichi (Namen-Fisch) zu kaufen. Dieser tut es, begegnet Mönchen von anderswo her, wird von ihnen belästigt. Durch Gebet verwandeln sich die 8 Fische in die 8 Hokke-Sutra-Rollen.
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