日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

König Enra tut seltsames Zeichen: fordert einen Mann auf und bestimmt ihn, Gutes zu verrichten

閻羅王示奇表勸人令修善緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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藤原朝臣-廣足者,帝姬阿倍天皇御代,修病嬰身.為差身病,神護景雲二年二月十七日,至大和國菟田郡於真木原山寺而住.持八齋戒,取筆書習.就机迄于暮而不動.侍者童男,思之睡眠,驚動白言:「臻日沒時,故應禮佛.」然猶不驚.強押振動,墮手取筆,四支曲屈,樹仆不氣.訂瞪之死.從者悚怖慄,走歸家,告知親屬.親屬聞之,備喪殯物.經之三日,往見之,蘇甦起居待.屬等問之,答語:「有人,鬚生逆頰,下著緋上著鉀,佩兵持桙.喚:『廣足.』言:『闕急召汝.』以戟棠背立,前逼將.先見一人,後見二,使之中立我,追匆走往.往前道,中斷有深河.水色黑黛不流.沖寂.以楉置中,彼方此方二端不及.前立人言:『汝沒此河,能踐我蹤.』踏躅令度.前道之頭,有重樓閣.炫耀放晃.四方懸珠簾,其中居人.不覲面貌.一使走入而白之言:『召將來也.』告之:『召入.』奉詔召入.聳簾問:『告知於汝後立人不也? 』睠廣足妻,懷妊不得產兒而死也.乃答之曰:『是實我妻.』復告:『依此女患事,故召汝耳.斯女可受苦,六年之中三年受,未受三年.今愁之白,孕於汝兒,而嬰之死.故今殘苦,與汝俱受.』廣足白言:『我為此女,寫法華經,講讀供養,救所受苦.』妻白言:『實如白,儵忽免應還.』便隨女白,而告之曰:『速還疾修.』廣足受詔,罷至闕門,即念欲知召我之人,我更還白之:『欲知御名.』爰告:『欲知我,我閻羅王.汝國稱地藏菩薩是也.』即下右手,摩我頂告:『我印點故之,不逢災.速忽還往.』彼手指大,抱如十抱餘.』廣足朝臣,如之語傳.為彼死妻,奉寫法華經,講讀供養,追贈福聚,贖祓彼苦.斯奇異事矣.
Ryō-Wiki

Der Fujiwara no Asomi Hirotari(藤原朝臣-廣足) ward zur erlauchten Zeit der Kaiserlichen Herrscherin der Himmlischen Majestät Abe plötzlich von einer Krankheit befallen, und da seine Krankheit nicht heilen wollte, kam er im zweiten Jahre Gottesschutz-Glückswolken (Jingo-keiun; 768), im zweiten Monate, am 17. Tage in den Makihara-Bergtempel (眞木原山寺),1 im Gaue Uda, im Lande Yamato und wohnte daselbst.
Die acht Fastengebote (八齋戒) innehaltend, hatte er den Pinsel ergriffen und lag dem Schreiben ob ["practised calligraphy"]. Bis daß es dunkel ward, saß er am Tische und rührte sich nicht. Der aufwartende Bursche vermeinte, daß er schliefe, und sagte, ihn wachrüttelnd: „Die Zeit, da die Sonne versinkt, ist da. Buddha Verehrung erweisen gebührt sich drum.“ Doch weckte er ihn so erst recht nicht. Da er nun mit Macht ihn rüttelte, fiel der Pinsel, den er in der Hand hielt, zu Boden, und indes die vier Glieder sich bogen und krümmten, sah er auf und brach zusammen und atmete nicht mehr; und da man genauer schaute, war er tot. Der Gefolgsmann war voll Schrecken, lief tief bestürzt zum Hause zurück und gab es den Angehörigen zu wissen. Auf die Kunde hin rüsteten die Angehörigen die Sachen zum (vorläufigen) Begräbnis.2


Enra, Herr des Totenreichs (bei der Arbeit)

Drei Tage verstrichen. Da sie hingingen (und sahen), da war er wieder zum Leben erwacht und aufgestanden. Da fragten die Seinen, und er antwortete und sprach: „Männer waren da der Bart wuchs ihnen die Wangen hinauf; unten waren sie Scharlach angetan, oben in Panzer gekleidet, hatten Waffen umgürtet und hielten Speere, riefen Hirotari und sagten: „Der Mikado3 ruft dich eilends,“ nahmen die Speere, stellten sie (steil) auf den Rücken, trieben und führten mich voran. Einer war vorn, einer hinten zu sehen. In der Mitte zwischen den beiden ich; so trieben, eilten und liefen wir dahin. Vor uns, wo wir gingen, brach plötzlich mitten der Weg ab, und ein tiefer Fluß war da. Das Wasser war in der Farbe schwarz wie Augenbrauentusche4, floß nicht eine weite Tiefe stumm-verhalten (沖寂). Sie nahmen einen Granatbaum5 und legten ihn hinein, doch reichte er auf beiden Seiten nicht aus. Der Mann, der vorn war, sagte: „Geh immer gut auf meiner Spur, wenn du nun in den Fluß hineingehst! Ich folgte seiner Spur und kam hinüber. Am Ende des Weges, den wir vorangingen, war ein vielstöckiges Turmgebäude(), funkelnden Glanz ausstrahlend, auf den vier Seiten mit Edelsteinvorhängen, behängt.
Darinnen war jemand. Antlitz und Mienen waren nicht zu schauen. Ein Bote lief hinein, meldete und sprach: „Er ist hergebracht, wie befohlen!“ Herein mit ihm! war die Weisung. Da nun, dem hohen Befehle Folge leistend, eingetreten ward, lichtete sich der Vorhang und die Frage erging: Kennst du den hinter dir Stehenden oder nicht? Da Hirotari umblickte, war es seine Gattin. Da geschah wieder Weisung: Nur dieser Frau Kummer halber haben wir dich herbeschieden. Von den sechs Jahren Pein, die diese Frau zu tragen hat, hat sie drei Jahre getragen; drei Jahre sind es, die sie noch nicht getragen. Nun hat sie in ihrem Gram gesagt: „Dein Kind ist es, damit ich schwanger ward, und darüber starb ich dahin. Daher will ich, die jetzt überbleibende Pein mit dir zusammen tragen.“ Hirotari sprach: „Um dieses Weibes willen will ich das Hokke-Sutra abschreiben, will Vorträge und Lesungen (講読) veranstalten und Opfer darbringen lassen, sie von der Pein, die sie empfängt, zu retten.“ Die Gattin sprach: „Wahrlich (geschehe), wie gesagt ward! Unverzüglich soll er los und ledig zurückkehren!“ Da geschah Weisung, wie das Weib gesagt, und (er) sprach: Gehe eilends zurück und verrichte () unverzüglich (die geistlichen Werke)! Hirotari leistete dem hohen Befehl Folge, nahm Abschied. Da er nun an der Pforte des Palastes angelangt war, wollte er bei sich doch wissen, wer der sei, der ihn herbeschieden, kehrte nochmals zurück und sprach: „Darf ich Euren (erlauchten) Namen wissen?“ Da kündete jener: „Willst du wissen, wer ich bin? – ich bin König Enra (閻羅王). Den sie in deinem Lande Jizō Bosatsu nennen, der bin ich.“ Und damit neigte er seine rechte Hand hinab, berührte (sanft) meinen Scheitel und kündete: „Weil ich (über dir) meine Zeichen (卯點) mache, wirst du keiner Not begegnen. Unverzüglich kehre nun nach Hause!“ So sprach er. Dieser Hand Finger waren mehr als zehn Armspannen groß.
So erzählte und berichtete Hirotari Asomi. Zu Nutz und Frommen jener verstorbenen Gattin schrieb er das Gesetzesblüten-Sutra ab, veranstaltete Vorträge und Lesungen, brachte Opfer dar, sandte Segensfluten (福聚 der Verstorbenen) zu und bezahlte für ihre Pein und riß sie daraus frei. Das ist wundersam Geschehen.

Paralellen

  1. I, 30, das Motiv „Besuch der Unterwelt“ auch in: II, 5, 7, 16, 19; III, 36, 37
  2. Jizō reigenki: VI, 20
  3. Uji shūi monogatari: VI, 1