日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Auf beiden Augen blindes Weib wendet sich verehrend an Yakushi-Buddha-Bild

二目盲女人歸敬藥師佛木像以現得明眼緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:  1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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諾樂京越田池南蓼原里中蓼原堂,在藥師如來木像.當帝姬阿倍天皇之代,其村有二目盲女.此生一女子年七歲也.寡而無夫.極窮無比,不得索食.將飢而死.自謂:「宿業所招,非唯現報.徒空飢死,不如行念善.」使子控手,迄于其堂,向藥師佛像,顧眼而曰:「非惜我命,一惜我子命.一旦亡二人之命也.願我賜眼.」檀越見矜,開戶入裏,向像之面,以令稱禮.逕之二日,副子見之,從其像臆,如桃脂物,忽然出垂.子告知母.母聞欲食,故告子曰:「搏含吾口.」食之,甚甜.便二目開.定知,至心發願,願者無不得之也.是奇異之事矣.
Ryō-Wiki

In der Tadehara-(Tempel-)Halle im Dorfe Tadehara (蓼原) südlich des Kokoshida-Weihers (越田池) der Hauptstadt Nara ist ein Holzbild des Yakushi-Nyorai.

Während der Regierung der Kaiserlichen Herrscherin der Himmlischen Majestät Abe war in diesem Dorfe ein auf beiden Augen blindes Weib. Sie hatte ein Mädchen geboren. Das war (nun) sieben Jahre alt. Sie war Witwe, hatte keinen Mann, war arm ohne gleichen und wußte nicht, wie ihr Brot finden. Sie war geradezu am Verhungern. Da sagte sie zu sich selbst: „Taten früherer Geburten (宿業, shukugo“) haben das herbeigewinkt; das ist nicht nur Vergeltung von Gegenwärtigem. Besser als müßig und eitel Hungers zu sterben, ist es, Gutes im Sinne, Gutes zu verrichten,“ ließ sich von ihrem Kinde an der Hand führen und kam zu dieser Tempelhalle.

Gegen das Buddhabild gewandt, tat sie ein Augenflehen und sprach: „Schone nicht mein Leben! Schone meines Kindes Leben! Sollen zweier Menschen Leben auf einmal zugrunde gehen? Schenke mir die Augen, flehe ich!“ Der Tempelmeister sah es, öffnete gütig die Tür, führte sie ins Innere und ließ sie, gegen das Bild gewandt, verehrend anrufen (稱禮). Es vergingen zwei Tage [K: und sie wich nicht von der Seite des Buddha]. Da sah das Kind an ihrer Seite, wie aus des Buddha Brust plötzlich ein Ding wie Pfirsichherz hervorkam und niederfiel. Das Kind gab das der Mutter zu wissen; darum sagte sie zum Kinde: „Nimm es und stecke es in meinen Mund.“ Als sie es aß, da war es überaus süß [delicious], und in der Folge wurden ihre Augen wieder aufgetan.
Das ist gewiß zu wissen: Wer mit ganzem Herzen ein Flehen tut, der erlangt wahrlich, was er erfleht. Das ist wundersames Geschehen.

Paralellen

  1. K: XII, 19; ohne wesentliche Varianten.
  2. G: XXIX, 3. Sehr kurz.
    Beobachte den Zusammenhang mit III, 12