日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Jemand tut ein Gelübdeflehen, das Hokke-Sutra abzuschreiben; in dunkler Höhle erlangt er, durch die Kraft des Gelübdeflehens, sein Leben unversehrt zu erhalten

將寫法華經建願人斷日暗穴賴願力得全命緣

Japanisch

Gunsho ruijū:
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Maeda-Mss.:  1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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美作國英多郡部內,有官取鐵之山.帝姬阿倍天皇御代,其國司召發役夫十人,令入鐵山入穴堀取鐵.時山穴口,忽然崩塞動.役夫驚恐,從穴競出,九人僅出.一人有後出.彼穴口塞合留.國司上下,思之所壓而死,故惆悵之.妻子哭愁,圖繪觀音像,寫經追贈福力而逕七日已訖.于時,獨居穴裏,念:「吾先日願奉寫法華大乘,而未寫斷.我命全給,我必奉果.」居于闇穴,而惆悵之.自生長時,至于今日,無過此哀.彼穴戶隙,指刺許開,日光被至.故有一沙彌.自隙入來,鉢盛饌食,以與之語:「汝之妻子,供我飲食,雇吾勸救.汝復哭愁,故我來之.」自隙出去.去後不久,當乎居頂,而穴開通,日光照被及也.穴開通,廣方二尺餘,高五丈許.于時卅餘人,取葛入山,自穴邊往.穴底人,見人影,叫言:「取我手.」云.山人側聞,如蚊音.即聞怪之,取葛繫石,下底而誡.底人取引.明知人也.結葛為繩,編葛為籠,以四葛繩繫籠四角,機立穴門,漸下穴底.底人乘籠,以機牽上,持送親家.親屬見之,哀喜無比.國司問云:「汝作何善?」答曰如上.國司聞之大悲,引率知識,相助造法華經,供養已畢.是乃法華經神力,觀音贔屭.更莫疑之矣.
Ryō-Wiki

Im Innern des Gaues Ahida des Landes Mimasaka1 (美作國英多郡) war ein Gebirge, da man von Amts wegen Eisen holte. Während der erlauchten Regierung der Kaiserlichen Herrscherin, der Himmlischen Majestät Abe beschied3 dieses Landes Statthalter (國司) zehn Dienstleute, (浮浪人) schickte sie in das Eisenbergwerk, in die Höhle hineinzugehen und Eisen wegzugraben. Da stürzte der Eingang der Berghöhle plötzlich ein und versperrte sich. Die (Pflicht-)Dienstleute strebten voller Furcht und Entsetzen um die Wette zur Höhle hinaus; neun kamen gerade noch hinaus; einer jedoch kam zu spät. Der Eingang der Höhle war und blieb versperrt.

Der Landesstatthalter und hoch und nieder dachten: der Mann ist erdrückt worden, und bejammerten ihn; Frau und Kind weinten und klagten, zeichneten Kwannon-Ebenbilder, ließen Sutren abschreiben und sandten ihm so Segenskraft nach. So gingen die sieben-mal-sieben Tage4 (七日逕) hin und waren nun zu Ende.
Zu der Zeit war der Mann allein in dem Innern der Höhle. Und er betete5: „Ich habe in früheren Tagen gelobt, das Hokke-Groß-Gefährt abzuschreiben, und habe die Abschrift noch nicht vollendet. Gewähre mir, mein Leben unversehrt zu erhalten! So will ich gewiß das Werk vollführen. Daß ich, der ich in dunkler Höhle bin, Erbarmen fände – solang ich lebe, bis heutigen Tages ist nichts, das dies Erbarmen überstiege!“ Da öffnete sich an der Höhle Tor ein Spalt so groß etwa, wie wenn man mit dem Finger ein Loch sticht; der Sonne Glanz drang herein, und siehe da, ein Sami kam durch den Spalt herein, hatte eine Schale gehäuft voll Opferspeise, (饌食) reichte sie hin und sprach: „Deine Frau und Kinder opferten mir Speis' und Trank, mich rufend (yato(u)), die Rettung zu fördern. Und du hinwiederum weinst und bist in Kummer; darum bin ich gekommen,“ und ging wieder zum Spalt hinaus fort. Nicht lange, nachdem er gegangen war, öffnete sich die Höhle oben (und ein Durchgang [通] entstand). Sonnenschein drang leuchtend herein. Die Breite der Höhlenöffnung war über zwei Ellen (shaku), die Höhe etwa fünf Ruten. ( 15 m)

Zur Zeit waren über dreißig [HK: über 40] Männer, Flechtwerk (kadsura) zu holen, in die Berge gegangen und gingen in der Nähe der Höhle vorbei. Da der Mann im Grunde der Höhle die Schatten der Männer sah, schrie er und rief und sprach: „Holt mich!“ Die Leute vom Berge hörten leise undeutlich etwas wie das Summen einer Bremse. Da sie es hörten, wunderten sie sich, nahmen eine Flechte, banden einen Stein daran und ließen sie auf den Grund hinab und warteten ab. Der Mann auf dem Grunde zog daran. Da wußten sie klar, daß da jemand war, banden Flechten zu Seilen zusammen, flochten andere zu einem Korbe, nahmen vier Flechtenseile und banden sie an die vier Ecken des Korbes und ließen sie vom Tor der Höhle her allmählich auf den Grund hinab. Der Mann auf dem Grunde stieg in den Korb, und sie zogen ihn mittelst einer Vorrichtung herauf, nahmen ihn und schickten ihn seinen Angehörigen zu. Da die Angehörigen ihn sahen, war Weh und Freude über alle Maßen. Der Statthalter fragte und sprach: „Was hast du (besonderes) Gutes denn verrichtet?“ Er antwortete, wie oben (erzählt). Da der Statthalter es vernahm, war er tief ergriffen, Kenner6 wurden herbeibeschieden, und es wurde ihm Beistand geleistet; das Hokke-Sutra ward hergestellt, Opfer wurden dargebracht und (jegliches) vollendet.
Dies ist des Hokke-Sutra Gotteskraft, (神力) der Kwannon Gnadenschutz. Nicht wieder zweifle man daran!

Paralellen

  1. Mingbaudji, oberer Band [I, On a Servant in Yeh]: Gegen Ende der östlichen We gingen (Amts)knechte von in die Westberge, Silberbarren zu holen. Da sie die Grube noch nicht fertig gegraben hatten, stürzte sie ein. Ein Mann blieb dahinten; ein Block versperrte den Ausgang; doch der Mann war unverletzt. Ein Löchlein war noch offen geblieben, durch das er den Sonnenschein sehen konnte. Da rief der Mann mit ganzer Seele Buddha an. Der Vater des Mannes hörte, daß der Sohn erdrückt worden sei, konnte auch die Leiche nicht bergen, war überdies äußerst arm. Das einzige, was er aufbringen konnte, war eine Eßschale grober Speise. Er ging damit in den Tempel, die Mönche um ein Fasten, eine Messe zu bitten. Den Mönchen ist das zu gering. Der Alte weint. Endlich erbarmt sich ein mitleidiger Kleriker und nimmt Speise und Bitte an. An diesem Tage sieht der Verschüttete plötzlich eine helle Stelle, eine kleine Öffnung, ein Samon kommt und bringt eine Schale Essen, gibt es. So stirbt der Mann nicht Hungers; in edler Haltung verweilend, ruft er Buddha an. Über zehn Jahre vergehen, da läßt Kaiser Wen von Tsi [wohl Wen-hsüan von Ch’i, 550-9 bekannt für seine Vorliebe für Wein und Weib] dort einen Sommerpalast errichten. Dabei wird der Verschüttete lebend aufgefunden und kehrt zu den freudig bestürzten Eltern zurück.
    Die nördlichen Dynastien (386-581) umfaßten: 1) die nördlichen („späteren“) Wei oder Hou Wei (386-534), der Familienname war T'o-pa Wei, 494 geändert in 元民 Yüan-shih; mit der Hauptstadt zuerst in P’ing-ch'eng (heutiges Schansi), später dann Lo-yang, das auch die Hauptstadt des Tang-Reiches (618-907) war; 2) die nördlichen Chi oder Hou Chi (550-77) mit der Hauptstadt in Yeh (heutiges Honan); 3) die nörlichen Chou (Hou Chou) mit der Hauptsttadt Chʼang-an (= Hsi-tang; Shensi).
  2. F: VI unter Gemmyō, mit Glosse, daß es NR entnommen ist; das Ganze gekürzt; Variante: die Angehörigen lassen Hokke-Sūtra abschreiben; wie K, SB. „Fliege“ (statt „Bremse“) „Hilfe“ (statt „holt mich“).
  3. SB: mittl. Bd. mit Angabe, daß diese Geschichte in NR steht; auch hat deutlich der NR-Text vorgelegen; Varianten: 40 (30) 3 (2), 5 Shaku (5 jō); Kwannon nicht erwähnt; anschaulich wird (wie in K) geschildert, wie durch das Loch zu Häupten der blaue Himmel sichtbar wird.
  4. K: XIV, 9 ziemlich frei dem NR-Zeichentext gegenüber, ohne wesentliche inhaltliche Varianten. 5 Shaku (5 Jō) ; „warte ein wenig, so wird dir geholfen“ sagt der Sami.
  5. HK III, 108; ohne wesentliche Varianten; Glosse sagt: „aus dem Ryōiki“. Ebenso bei HK 106 (II 15) 105 (II 6)