日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Einen, der im geistigen Besitz Tausendhändigen Mantra ist, schlagen und darob alsbald-sichtbar schlimmen Todes Vergeltung empfangen

拍于憶持千手咒者以現得惡死報緣

Da der in der Legende erwähnte Kaga-Gun 823 in Kaga-Kuni (im heutigen Ishikawa-ken) umbenannt wurde, wird hierdurch eine Datierung der Entstehung des Nihon Ryōiki vor 823 möglich.

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
http://applepig.idv.tw/kuon/furu/text/ryoiki/
越前國加賀郡,有浮浪人之長.探浮浪人,駈使雜傜,徵乞調庸.于時有京戶小野朝臣庭麿.為優婆塞,常誦持千手之咒為業.展轉彼加賀郡部內之山而修行.神護景雲三年歲次己酉,春三月廿七日午時,其長有其郡部內御馬河里.遇行者曰:「汝何國人?」答:「我修行者,非俗人也.」長瞋嘖言:「汝浮浪人,何不輸調.」縛打駈傜.猶拒逆之,懇引譬言:「衣虱上於頭而成黑,頭虱下於衣而成白.如是有譬.頂載陀羅尼,負經之意,不遭俗難.何故持大乘之我令打辱.實有驗德.今示威力.」以繩繫千手經,從地引之而去.刑行者之處,與長家之程一里許.長至己家門,從馬將下,堅不得下.忽與乘馬,騰空而往,到捶行者之處,懸空逕一日一夜.明日午時,自空落死.彼身摧損,如笇入囊.諸人見之,無不懼恐.如千手經說:「大神咒,乾枯樹尚得生枝柯華菓.若有謗此咒者,柯比己江即為謗彼九十九億恆河沙諸佛云云.」方廣經云:「誹謗賢人者,等於破壞八萬四千國塔寺之人罪.」者,其斯謂之矣.
Ryō-Wiki

Im Lande Echizen, im Gau Kaga (越前國加賀郡) war ein Oberster () umherschweifender Leute (浮浪人), suchte Umherschweifende, preßte sie zur Mannigfachen Fron1 und trieb Steuer und Fronzins2 ein.

Zu der Zeit war da Kyōko (京戸小野朝臣庭麿) Ono no Asomi Nihamaro. Zum Ubasoku geworden, war sein gewöhnlich Werk, die Tausendhändige Mantra3 zu intonieren. Er zog hin und her im Gebirge im Innern jenes Kaga-Gaues und tat (solch) geistliches Werk (). Im dritten Jahr Gottesschutz-Glückswolken, Erde-unten-Hahn im Frühling, im 3. Monat, am 6. Tage (7. Mai 769) zur Stunde des Rosses war jener Oberster im Innern jenes Gaues im Dorfe Roßfluß (御馬河 Mimagawa), begegnete dem Gyōja und sprach: „Wes Landes bist du?“ – Er antwortete: „Ich treibe geistlich Werk, bin kein gemeiner Mann.“ Da ergrimmte jener, schrie ihn an und sprach: „Du bist ein Umherschweifender. Was entrichtest du nicht Steuer?1“ band und schlug ihn, zwang ihn zur Fron. Da widersetzte er sich ihm erst recht […4], zog offen den Vergleich und sprach: „Die Kleiderläuse steigen auf den Kopf und werden schwarz; die Kopfläuse steigen nieder in das Kleid und werden weiß. Solch ein Vergleichswort5 gibt es. … Das Dharani zu Häupten tragen, das Tausendhändige Sutra auf dem Rücken, das heißt: den Nöten des Gemeinen (俗難) nicht begegnen. Was schlägst du und schmähst du mich, der ich das Große Gefährt trage? Wahrhaftig, wenn es sich erweisende Tugendkraft6 gibt, so zeige sie jetzt ihre Macht!“ Den Strick an dem Tausendhände-Sutra befestigt, zog jener (ihn bzw. sie) auf dem Boden hin fort. Es war ungefähr eine Meile7 von der Stelle, da er den Gyōja geahndet hatte, bis zu des Obersten Hause. Da nun der Oberst [official] an der Pforte des eigenen Hauses anlangte und vom Pferd steigen wollte, konnte er mit dem besten Willen nicht absteigen. Plötzlich, zusammen mit dem Pferde, das er bestiegen hatte, stieg er in die Lüfte und jagte dahin, bis er zu der Stelle kam, da er den Gyōja geschlagen hatte. In den Lüften hing er, indes ein (ganzer) Tag und eine (ganze) Nacht verstrich. Andern Tags um die Stunde des Rosses9 stürzte er aus den Lüften herab zu Tode. Zerschmettert lag sein Leib, wie ins Behältnis getane Lotosstäbchen8. Alle sahen es, da war keiner, den nicht Furcht und Entsetzen ergriff. Wie in dem Tausendhände-Sutra gesagt wird: Der Großen Gottheit Mantra erlangt, daß vertrockneter Baum aufs neue Zweige, Sprossen, Blüten, Früchte treibt. Sollte einer den schmähen, der diese Mantra ausübt, der schmäht die neunundneunzig Hundert Millionen Ganges-Sandkorn-Vielen Buddhas10 alle. In dem Hōkwō-Sutra wird gesagt: Wer einen Weisen lästert, ist dem, welcher der 8400011 Länder Pagoden und Tempel zertrümmert und niederreißt, gleich an Schuld. Dies ist hiemit gesagt.

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Paralellen

  1. SB: II, 8. „Steht im NR“ ohne die beiden Schlußzitate.
    Es war ein Oberster, der die Sachen der Umherschweifenden (Freizügigen, Umsiedler; vgl. Takekoshi; Economic Aspects of the History of Japan; Vol. I S. 38 ff) verfolgte. Wenn Leute aus dem Ausland (d. i. anderer Gegend) kamen, erfrug er ihre Namen, notierte sie, verwendete sie zu mannigfacher Fron, forderte Steuer und Fronzins (Zu Fronpflichten und deren Ablösung siehe Steuererbelastung.) Zu dieser Zeit wurde Oho no Asomimaro, ein Mann der Hauptstadt, Ubasoku und rezitierte immerfort die Tausendhändige Mantra. Nach einer Textlücke wird dann die Begegnung am Mimagawa erzählt. „Was bist du für ein Mann?“ „Ich bin ein Shūgyō-sha (geistlich Werk Tuender), ich bin nicht zu der Welt (irdischer Regierung) gehörig. Der Oberste verlangt von ihm Fron, bindet und schlägt ihn. Da sagt der Shūgyō-sha: „Des Kleides (kinu) Läuse steigen zu Kopf und werden schwarz, des Kopfes Läuse steigen nieder ins Gewand und werden weiß. Wenn selbst das Geziefer Form und Art je nach Ort und Wohnung (gewandelt) zeigt, so zeigt auch der Dharma (die Lehre) je nach Ort und Stätte seine Gestalt. Auf meinem Scheitel trage ich das Dhārānī, auf meinem Rücken das Tausend händige Sūtra. Solchem Dharma zufolge traue ich, keinem andern Unheil zu begegnen. Weshalb nicht? Wer das Große Gefährt in Händen (und Sinnen) hält, des Person ist ohne Sünde. Wo ich in nichts gefehlt habe, werde ich geschlagen“ u.s.f. sehr ähnlich wie in NR. Und er nahm einen (oder: den) Strick und befestigte ihn an dem Tausendhändigen Sūtra und warf (das Sūtra) fort und ging weg.

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