日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Ein Weib freit1 wider Sitte und Zucht, läßt die Kinder ohne Milch, daß sie Hungers sterben, und empfängt darum sichtbar gegenwärtige Vergeltung

女人濫嫁飢子乳故得現報緣

Japanisch

Gunsho ruijū:
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Maeda-Mss.:
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3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
http://applepig.idv.tw/kuon/furu/text/ryoiki/
橫江臣成刀自女,越前國加賀郡人也.天骨婬沃,濫嫁為宗.未盡丁齡,死淹歷年.紀伊國名草郡能應里之人,寂林法師,離之國家,經之他國,修法求道,而至加賀郡畝田村.逕年止住.奈良宮御宇大八嶋國白壁天皇世,光仁朝. 寶龜元年庚戌冬十二月廿三日之夜夢見,從大和國鵈鵤聖德王宮前之路,指東而行.其路如鏡,廣一町許.直如墨繩.邊木草立.林佇看之,於草中有,大快肥女.裸衣而踞.兩乳脹大,如灶戶垂.自乳流膿.長跪以手押膝,臨之病乳而言:「痛乳乎?」呻吟苦病.林問:「汝何女?」答:「我有越前國加賀郡大野鄉畝田村之橫江臣成人之母也我齡丁時,濫嫁邪婬,幼稚子棄,與壯夫俱寐.逕之多日,而子乳飢.唯子之中,成人甚飢.先由幼子飢乳之罪,故今受乳脹病之報.」問:「何脫此罪?」答:「成人知之,我罪免也.」林自夢驚醒,獨心怪思,巡彼里訊.於是有人答言:「當余是也.」林述於夢狀.成人聞之言:「我稚時離母不知.唯有我姊,能知事狀.」問姊之時,答:「實如語.我等母公,面姿姝妙,為男愛欲,濫嫁,惜乳不賜子乳.」爰諸子悲言:「我不思怨.何慈母君,受是苦罪.」造佛寫經,贖母之罪.法事已訖後,悟夢曰:「今我罪免之矣.」誠知,母兩甘乳,寔雖恩深,惜不哺育,返成殃罪.豈不令飲哉.
Ryō-Wiki

Des Omi von Querfurt Narito Jime (eigne Angehörige?2) war ein Mensch des Landes Echizen Gau Kaga (越前國加賀郡). Von Natur (ausschweifend-) unzüchtig, freite sie wider Zucht und Sitte: Das war ihr Tun(). Noch hatte sie ihr Blütenalter (丁齡) nicht vollendet, da starb sie. Lange Jahre vergingen. Da kam der Meister des Gesetzes Einsam-Walden(寂林; Nakamura: Jakurin)aus dem Orte No-o (能應里), Gau Nagusa, Land Kihi, von seines Landes Haus sich trennend, andre Lande durchziehend, das Gesetz (Buddhas) übend, rechten Wandel anstrebend, in das Dorf Uneda (畝田), Gau Kaga und verweilte dort lange Jahre.


Küste von Waga in der Provinz Kihi (Kiefern und Kraniche sind Symbole für Langlebigkeit und Glück. Ukiyo-e von Andō Hiroshige um 1830)

Zu der Zeit in der Nara-Miya das Große Acht-Insel-Reich regierenden Himmlischen Herrschers Shirakabe3 im Ursprungsjahr Schatz-Schildkröte, Metall-oben-Hund, im Winter im 12. Monat am 30. Tage (20.1.771) in der Nacht sah er einen Traum.
Er geht den Weg von des Landes Yamato Ikaruga-no-Shōtoku-Königs-Palast (鵤岡本宮) gen Osten. Der Weg ist wie ein Spiegel, breit etwa ein cho, gerade wie eine Richtschnur. Zu den Seiten stehen Bäume und Gräser. Da nun Walden um sich blickt, siehe, da ist mittem im Grase ein Weib, dick und breit. Sie kniet nackt da; ihre beiden Brüste sind hoch aufgeschwollen und hängen rund wie Backöfen (4) herab. Aus den Brüsten rinnt Eiter. Sie liegt auf den Knieen, blickt auf ihre kranke Brust und spricht: „O wie die Brüste schmerzen!“ stöhnt und jammert in schmerzlicher Pein. Walden fragt: „Was bist Du denn für ein Weib?“ Sie antwortete: „Ich bin vom Lande Echizen, Gau Kaga, Ort Großfeld, Dorf Uneda, des Omi von Querfurt Narihito Mutter. Ich habe im blühenden Lebensalter wider1 Zucht und Sitte gefreit, war wollüstig und ausschweifend, warf die kleinen Kinder fort und schlief mit jungen Burschen. Tage vergingen, und die Kinder, ohne Milch () gelassen, starben Hungers. Von den Kindern starb nur Narihito nicht Hungers. Dieser Schuld halber daß ich die kleinen Kinder ohne Milch ließ und sie Hungers starben, empfange ich jetzt die Vergeltung, daß meine Brüste krank geschwollen sind.“ Er fragte: „Und wie mag man der Schuld dich entledigen?“ Sie antwortete: „Wenn Narihito dies weiß, wird er mir wohl die Schuld entsühnen.“
Und damit wachte Walden bestürzt vom Traume auf. Ihn dünkte es seltsam befremdlich, und er durchwanderte den Ort und fragte nach. Da fand er einen Mann, der antwortete und sprach: „Der bin gerade ich.“ Walden erzählte ihm den Traum. Narihito hörte es und sagte: „Als ich klein war, war ich von der Mutter getrennt und weiß von nichts. Nur meine ältere Schwester weiß genau, was war.“ Er fragte die Schwester. Da antwortete sie: „Unsre hohe Mutter (母公) war an Aussehen und Gestalt reizvoll, ward von den Männern in Liebe begehrt und freite wider1 Zucht und Sitte; die Milch tat ihr leid und so gab sie den Kindern nicht die Brüste.“ Da jammerten alle Kinder und sprachen: „Wir haben keinen Groll im Herzen. Ach warum mußt du, barmherzige hohe Mutter, Sündenpein leiden?“ und zahlten, Buddha(-Statuen) fertigend, Sutren schreibend, Buße für der Mutter Schuld. Und nachdem die geistlichen Dinge (法事) nun vollendet waren, ließ die Mutter im Traume wissen und sprach: „Jetzt bin ich von meiner Sündenschuld erlöst.“
Wisse und verstehe wahrhaft: Einer Mutter süße beide Brüste sind fürwahr von Gnaden tief. Tut es jedoch der Mutter leid (um die Milch) und säugt und nährt sie nicht, so kommt (durch sie) im Gegenteil furchtbare Sünde. Wie sollte (eine Mutter) da nicht stillen?