日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Einen Frommen hindern, daher eines Affen Leib empfangen

依妨修行人得猴身緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:   1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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近江國野州郡部內御上嶺有神社.名曰-陁我大神.奉依封六戶.社邊有堂.白壁天皇御世之寶龜年中, 光仁朝. 其堂居住大安寺僧-惠勝,暫頃修行時,夢人語言:「為我讀經.」驚覺念怪.明日,小白猴現來言:「住此道場,而為我讀法華經.」云.僧問言:「汝誰耶?」猴答言:「我東天竺國大王也.彼國有修行僧從者數千所.農業怠. 數千者千餘數之數千也.因我制言:『從者莫多.』其時我者,禁從眾多,不妨修道.雖不禁修道,因妨從者,而成罪報.猶後生受此獼猴身,成此社神.故為脫斯身,居住此堂,為我讀法華經.」言:「然者供養行也.」時獼猴答曰:「無本應供物.」僧言:「此村籾多有.此乎充我供養料,令讀經.」獼猴答言:「朝庭臣貺我.而有典主,念之己物,不免我.我恣不用.」典主者即彼神社司也.僧言「無供養者,何為奉讀經?」獼猴答言:「然者淺井郡有諸比丘,將讀六卷抄故,我入其知識.」淺井郡者,同國內有郡也.六卷抄者,是律名也.此僧念怪,隨獼猴語,往告檀越曰山階寺滿預大法師,陳猴誂語.其壇越師,不受而言:「此猴語也.我者不信,不受,不聽.」即將讀抄,為設之頃,堂童子優婆塞,匆匆走來言:「小白猴居堂上.纔見,九間大堂仆如徵塵.皆悉折摧.佛像皆破.僧坊皆仆.」見,誠如告,既悉破損.檀越曰僧,更作七間堂.信彼陁我大神題名猴之語,同入知識,而讀所願六卷抄,並成大神所願.然後乎至于願了,都無障難.夫妨修善道儻,得成獼猴報.故僧勸催,猶不可妨.得惡報故.往昔過去羅,作國王時,制一獨覺,不令乞食.入境不得,七日頃飢.依此罪報,羅睺羅不生六年,在母胎中者,其斯謂也矣.
Ryō-Wiki

Affe im Hie-jinsha (日枝神社)

Im Lande Afumi im Innern des Gaues Yasu (野洲郡) auf dem Mikami-Gipfel1 war ein Gottesschrein (神社). Sein Name war Großer Gott Taga2. An Lehn waren sechs Häuser zum Unterhalt gegeben.
In der Nähe des Schreins war eine buddhistische Halle. Während der erlauchten Regierung der Himmlischen Majestät Shirakabe in den Jahren Schatz-Schildkröte [770-80] wohnte Eshō (惠勝; F: 惠忠 Echū), ein Mönch des Großen Friedenstempels in dieser Halle und tat eine Zeitlang hier geistliche Übung (修行). Da redete im Traum jemand mit ihm und sprach: „Lies um meinetwillen das Sutra!“ Er erwachte verwundert; ihn dünkte es seltsam. Andern Tages erschien ein kleiner weißer Affe3 und sprach: „An dieser Übungsstätte (dōjō) wohnend lies mir zugute das Hokke-Sutra. Der Mönch fragte und sprach: „Wer bist du denn?“ Der Affe antwortete und sprach: „Ich bin Ostindienlandes-Großkönig4. In jenem Lande war ein Übung tuender Mönch. Es folgten ihm viel Tausende. Die Landwirtschaft ward vernachlässigt. — Vieltausend5 sind über tausend Vieltausend — Daher gebot ich Einhalt und sprach : „Es dürfen nicht viele nachfolgen.“ Zu der Zeit verbot ich große Anhängerschaft. Ich hinderte nicht, (heiligen) Wandel, zu üben. Wiewohl ich Wandel zu üben nicht verbot, machte ich mich doch, weil ich die Nachfolgenden hinderte, schuldig und empfing daher die Vergeltung: im nachfolgenden Leben empfing ich den Leib eines Affen und ward dieses Schreines Gott. Daher lies du, mich von diesem Leib zu befreien6, in dieser Halle weilend, mir zugute das Hokke-Sutra!“ Er sagte: „Aber was willst du als Opfernahrung geben?“ Der Affe antwortete und sprach: „Etwas zur Opfernahrung ist nicht vorhanden.“ Der Mönch sagte: „Da ist reichlich Reis der Lehenshäuser. Gib mir davon zur Opfernahrung, daß ich die Sutra lese!“ Der Affe erwiderte und sprach: „Der Hof würde es mir schon verstatten; aber die Schriftherren7 denken, dies sei ihr Eigen, und verstatten es mir nicht. In Willkür will ich es nicht nehmen.“ — Schriftherrn, das sind dieses Schreines Amttuende. — Der Mönch sagte: „Ohne Opfernahrung, was willst du da tun, daß die Sutra-Lesung geschehe.“ Der Affe antwortete und sprach: „So sind in dem Asawi-Gau8 viele Biku, die sind gerade im Begriffe, die Sechs-Faszikel-Schrift (Rokkan-sho9) zu lesen. Daher möchte ich bei den Hochwissenden10 eintreten.“ — Der Asawi-Gau ist ein Gau im gleichen Land. Die Sechs-Faszikel-Schrift ist ein Vinaya Name


Affe als Shinto-Priester (Netskue)

Diesen Mönch dünkte es eigentümlich, er folgte den Worten des Affen und ging, machte dem Patron und Groß-Gesetzes-Meister Manyo (満預大法師) des Yamashina-Tempels11 Mitteilung und berichtete des Affen Begehr. Dieser Patron-Meister lehnte ab, und sagte: „Das ist Affengerede.12“ Ich glaube dem nicht, lehne ab, gebe nicht Gehör. Da er nun die Schrift zu lesen sich anschickte und in den Vorbereitungen war, kamen der Halle Jungen und Ubasoku in großer Hast gelaufen und sagten: „Ein kleiner weißer Affe hockt auf de Halle oben. Und siehe, die Große Neun-Hausweiten13-Halle bricht zusammen und wird zu Staub, und alles samt und sonders bricht er und schlägt er klein. Die Buddhabilder sind alle zerbrochen und beschädigt. Der Patron-Möch erbaute wiederum eine Sieben-Hausweiten-Halle, schenkte Glauben den Worten des Affen, der den Namen des Taga-Großgottes trug, nahm ihn gleichberechtigt unter die Hochwissenden auf, las die erbetene Sechs-Faszikel-Schrift und tat, was der Große Gott erbat. Hernach, nachdem dies vollführt war, geschah keinerlei Not noch Schaden mehr. So empfing der, welcher guten Wandel zu üben hinderte, die Vergeltung, daß er ein Affe ward.
Darum soll man der Mönche Raten und Mahnen ja nicht hindern; denn man empfängt schlimme Vergeltung.

Einst als Rakura14 Landes-König werden sollte, ward einem Pratyeka-Buddha15 Einhalt getan, so daß er nicht um Speise bitten gehen, noch in des Landes Bereich eintreten durfte und nach etwa sieben Tagen Hungers starb. Dieser Schuld zum Lohne wurde Rakura sechs Jahre nicht geboren, sondern blieb solange im Mutterleibe16. Das ist hiermit gesagt.

Paralellen

  1. F: Shō II, Konin. Ausdrücklich beginnend: „das Ryōiki sagt“. Läßt die zweite Erzählung weg.
  2. Genkō shakusho: IX