日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Gewaltsam wider Fug und Recht Zahlungen eintreiben und um vieles mehr nehmen und daraufhin sichtbar-gegenwärtig schlimmen Todes Vergeltung empfangen

強非理以徵債取多倍而現得惡死報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
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Maeda-Mss.:   1  2 3
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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田中真人-廣蟲女者,讚岐國美貴郡大領-外從六位上-小屋縣主-宮手之妻也.產生八子,富貴寶多.有馬牛奴婢稻錢田畠等.天年無道心,慳貪無給與.酒加水多,沽取多直.貸日與小升,償日受大升.出舉時用小斤,償收大斤.息利強徵太甚.非理或十倍徵,或百倍徵.債人澁取,不為甘心.多人方愁,棄家逃亡,趻跰他國,無逾此甚.廣蟲女,以寶龜七年六月一日,臥病床,而歷數日,故至七月廿日,呼集其夫並八男子,語夢見狀而言:「閻羅王闕所召,而示三種之罪.一者三寶物多用不報之罪.二者沽酒加多水取多直之罪.三者斗升斤兩種用之,與他時用七目,乞徵時用十二目而收.『依此罪召汝.應得現報,今示汝耳.』」傳語夢狀,即日死亡.逕于七日,不燒而置,請集禪師優婆塞卅二人,九日之頃,發願修福.其七日夕,更甦還之,棺蓋自開.於是望棺而見,甚臭無比.自腰上方,既成牛,額生角長四寸許.二手作牛足,爪皴似牛足甲.自腰下方成人形.嫌飯噉草,食己齝齝.反芻狀.裸衣不著,臥於糞土.東西之人,匆匆走集怪視,隙頃莫息.大領及男女之,愧恥戚慟,五體投地,發願無量.為贖罪報,三木寺進入家內雜種財物,東大寺進入牛七十頭馬卅疋治田廿町稻四千束,負他人物,皆既免之.國司郡司見,將送解官之比頃,經五日而死.舉國郡見聞之人,喟然懆然.不睠因果,非理無義.是以定知,非理現報,無義惡報矣.現報猶然,況亦後報乎.如經說:「債物不償,作馬牛償云云.」負人如奴,物主如君.負人如鴙,物主如鷹.唯雖負物,而徵非分,返作馬牛,更役償人.故莫過徵迫也.
Ryō-Wiki

Des Mahito von Feldmitten (田中) Hirotada's Tochter1 war die Gemahlin des Agatanushi von Kleinhaus, Miyate's, des den Äußeren Folgenden sechsten Rang oben bekleidenden Präfekten (大領) von Gau Miki, Land Sanuki (讃岐國; Nakamura: dairyō). Sie gebar acht Kinder; Reichtum, Ehre, Schätze gab es die Fülle; zahlreich waren Pferde, Rinder, Sklaven, Sklavinnen, Reis, Geld, Felder, Äcker und anderes mehr. Von Geburt an ohne Sinn für den (wahren) Weg, war sie geizig und habgierig und gab nicht. Sie setzte dem Wein Wasser hinzu, daß er mehr ward, und nahm beim Verkauf mehr an Zahlung. Am Tage, da sie auslieh, gab sie mit kleinem Maße, am Tag der Zurückerstattung ließ sie sich im großen Hohlmaß geben. Zur Zeit, da sie auf Wucher lieh, gebrauchte sie das kleine Pfund; zur Zeit der Zurückerstattung nahm sie es in großem Pfund. Sie trieb die Zinsen gewaltsam ein, ganz und gar wider Fug und Recht, trieb das Zehnfache ein oder trieb das Hundertfache ein; den Schuldnern, denen es wider Willen genommen ward, war bitter zumute. Viele ließen vor eitel Jammer Haus und Familie, flohen fort, schweiften in fremden Landen. Es war so schlimm, nichts ging darüber.

Im siebten Jahr Schatz-Schildkröte, im 6. Monat, am 1. Tage (21.6.776) legte sich die Hirotada-Tochter aufs Krankenlager nieder. Viele Tage vergingen. Darauf am 20. Tage des 7. Monats (25.8.776) rief sie ihren Gatten und ihre acht Söhne und versammelte sie um sich und erzählte ihnen, was sie geträumt hatte und sprach: „Zu König Enra's Palast beschieden, wurde mir dreierlei Sünde dargewiesen: 'Die erste ist die Sünde, daß du vielfältig den Drei Kleinodien Gehöriges gebraucht hast, ohne Entgelt zu erstatten; die zweite ist die Sünde, daß du Wein verkaufend viel Wasser zugesetzt hast und mehr an Zahlung genommen hast. Die dritte ist, daß du zweierlei Hohlmaß und Pfund verwandtest, wenn du abgäbest, den siebenten Strich2 benützt, wenn du eintriebest, den zwölften Strich benutzt und so eingenommen hast. Dieser Sünden wegen wirst du herbeschieden. Schlimme Vergeltung wartet dein. Jetzt sollte es dir nur angezeigt werden.' So lauteten die Worte.“ Nachdem sie erzählt hatte, was im Traum gewesen war, starb sie am selbigen Tage. Sieben Tage vergingen; man stellte sie auf und verbrannte sie nicht, bat Zenmeister und Ubasoku zweiunddreißig an der Zahl zusammen, tat Gelübde und vollzog etwa neun Tage lang segenbringende Übungen. Am Abend des betreffenden siebenten Tages kehrte sie aufs neue ins Leben zurück. Der Deckel des Sarges öffnete sich von selbst. Da man nun in den Sarg schaute, siehe da war der furchtbare Leichengeruch mit nichts zu vergleichen. Von den Lenden nach oben war sie zur Kuh geworden, Hörner wuchsen an der Stirn, etwa vier Zoll lang. Die beiden Hände waren zu Rinderfüßen geworden mit gespaltenen Klauen und Hart-horn wie am Fuß der Kuh. Von den Lenden nach unten hatte sie menschliche Form. Sie verschmähte Reisspeise, fraß Gras. Nach dem Fressen kaute sie wieder. Sie blieb nackt und kleidete sich nicht Sie schlief auf ihrem Mist. Von Ost und West kamen Leute eilends herbeigelaufen, wunderten sich, betrachteten sie fort und fort ohne Aufhören. Der Präfekt und Söhne und Töchter, von Scham und Schmach schmerzlich bewegt, warfen ihren Leib zur Erde, taten unermeßlich Gelübde, brachten, der Sünden Lohn zu büßen, dem Miki-Tempel3 (三木寺) mannigfache Güter der Gemahlin, brachten dem Großen Osttempel siebzig Rinder, dreißig Pferde, zwanzig chō Neufeld, viertausend Büschel () Reis dar und erließen anderen Leuten alles, was sie schuldeten. Die Land- und die Gau-Behörden sahen sie und, da sie sie zur (Reichs-)Behörde () zu senden im Begriffe waren, starb sie am fünften Tage. Da war niemand in Land und Gau, der sie sah und davon hörte, der nicht von Weh und Furcht erschüttert war. – Um Ursache und Wirkung hatte sie sich nicht gekümmert, wider Fug und Recht; ohne Gerechtigkeit war sie. Des wider Fug und Recht Tuns sichtbar gegenwärtige Vergeltung, der Ungerechtigkeit schlimme Vergeltung ist hierdurch unzweideutig kund. Wenn die gegenwärtige Vergeltung schon so ist, wie vollends wird erst die zukünftige sein! Wie in dem Sutra4 gesagt wird: „Wer borgt und nicht zurückerstattet, wird zu Pferd und Rind und erstattet so zurück. Der Schuldner ist gleich dem Sklaven, der Gläubiger gleich dem Herrn. Der Schuldner ist gleich der Taube, der Gläubiger (物主) ist gleich dem Falken. Allein, wer, wenn ihm gleich jemand schuldet, im Übermaß zurückfordert, der umgekehrt wird zu Pferd und Rind und dient erst recht dem Schuldner. Daher mahne man und fordere man nicht über Gebühr zurück!

Paralellen

Wiedergeburt als Rind zur Strafe auch in I, 10, I, 20; II, 9; II, 15; II, 22.