日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Ein Samon fertigt, Verdienst anhäufend, Buddhabilder; sein Lebensende naht, wundersame Zeichen tun sich kund

沙門積功作佛像臨命終時示異表緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.:   1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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老僧觀規者,俗姓-三間名干岐也.紀伊國名草郡人也.自性天年雕巧為宗.有智得業,並統眾才.著俗營農,畜養妻子.先祖造寺,有名草郡能應村.名曰-彌勒寺,字曰-能應寺也.觀規聖武天皇之代,發願雕造尺迦丈六並脅士,以白壁天皇世寶龜十年己未,奉造既畢.居能應寺之金堂,以設會供養.又發願,雕造十一面觀音菩薩木像高十尺許,半造未畢.小緣歷年之,老耄力弱.不得自雕.爰老僧年八十有餘歲之時,長岡宮御宇大八嶋國山部天皇代, 桓武朝.延曆元年癸亥春二月十一日,臥于能應寺而命終焉.逕之二日,更甦還之.召弟子明規言:「我忘一語,不得念忍.故還來也.」即令立床敷席備食.於是,請智武藏村主多利丸,居床饗食,對面共食,既畢之,即從坐起,引率明規並諸親屬,長跪禮於多利丸言:「觀規少分,盡命不畢觀音像,而忽率罷.今幸逢嘉時,盍申所思.伏願蒙尊芳慈,欲畢聖像.寸心之願,僅當所望,故後生大福,被於觀規,現報功德,蒙於尊主.不勝至誠,更參還來,奉無禮狀.悚慄謹白.」爰多利麿及以明規等,悲哭涕淚而答曰:「請語狀,我必奉畢.」沙門聞之,起拜歡喜.又逕二日,至同月十五日,召明規言:「今日當佛涅槃日,余亦命終.」明規將告,見慈儀,不勝愛之至,詐言而白:「未及彼日.」師乞曆見之言:「今當十五日.何我子虛言未及也.」乞湯洗身,易著袈裟,胡跪合掌,擎持香爐,燒香向西,便日申時,命終之矣.既而佛師多利麿,受遺言,造彼十一面觀音像,因關白供養已訖.今居能應寺之塔本也矣.
 贊曰:「嗟呼慶哉,三間名干岐之氏大德.內密聖心,外現凡形.著俗觸色,不染戒珠,臨沒向西,走神示異.」誠知,是聖非凡矣.

Ryō-Wiki

Der alte Mönch Kwanki (觀規) war seines Laiengeschlechts ein Kanki von Mimana1. Er war ein Mann des Gaues Nagusa, Land Kihi. Von Natur und Begabung war die Bildhaukunst seine Tätigkeit. Er besaß Kenntnis und besaß Übung2 und hatte alle Talente in sich. Unter Laien Ackerbau treibend, ernährte er Weib und Kind. Im Dorfe No-o, Gau Nagusa, war ein von den Vorfahren geschaffener Tempel. Mit Namen war es der Miroku-Tempel. Man bezeichnete ihn als No-o-Tempel (能應寺). Kwanki tat unter der Regierung der Himmlischen Majestät Shōmu ein Gelübde und schnitzte einen sechzehn Ellen Shaka sowie die Seitengestalten. Während der Regierung der Himmlischen Majestät Shirakabe im 10. Jahre Schatzschildkröte, Erde-unten-Schaf (779), ward die ehrfürchtige Schaffung (des Werkes) vollendet und in der Goldhalle des No-o-Tempels aufgestellt, eine Feier abgehalten und Opfer dargebracht.


11köpfige Kannon (Hasedera; Edo-jidai)

Wiederum tat er ein Gelübde und schnitzte an einem etwa zehn Ellen hohen Holzbild der elfköpfigen Kwannon. Halb war es geschaffen, noch nicht ganz vollendet. Da, weil sein (Lebens-)Grund (en) klein ward, und die Jahre verstrichen, und er greis und alt wurde, und die Kräfte abnahmen, vermochte er nicht mehr selbst zu schnitzen. Da legte sich der alte Priester, über achtzig Jahre alt, zur Zeit der in dem Langhügel-Palaste (長岡宮) das Große Acht-Insel-Reich regierenden Himmlischen Majestät Yamabe, im Ursprungsjahre Enryaku, Wasser-unten-Eber, im Frühling, im 2. Monate am ersten Tage (8.3.7833) im No-o-Tempel nieder, und sein Leben endete. Nach zwei Tagen kam er wieder ins Leben zurück. Er rief seinen Jünger Meiki (明規) und sagte: „Ich habe eines zu sagen vergessen. Ich konnte es bei mir selbst nicht aushalten und so kam ich wieder zurück, stand alsbald vom Lager auf, ließ Matten breiten und ein Mahl bereiten, bat den Tarimaro, den Dorfschaftsherrn von Musashi (Musashi no Suguri Tanimaro) herbei, ließ ihn auf dem Lager Platz nehmen und bewirtete ihn mit dem Mahle. Einander gegenüber sitzend, aßen sie zusammen. Da sie nun zu Ende gespeist hatten, erhob er sich vom Sitze und, Meiki und alle Angehörigen mit sich führend, kniete er nieder, verneigte sich vor Tarimaro (ehrfürchtig-dankend) und sprach: „Nur klein ist Kwanki's Teil (), sein Leben ist erschöpft, der Kwannon Holzbild ist nicht vollendet, plötzlich geht er davon. Doch glücklich! Jetzt zur guten Stunde begegnen wir uns. Wie könnte ich verschweigen, wonach mein Herz verlangt! Hier zu Füßen liege ich und flehe, des edlen Erbarmens des Erlauchten4 teilhaftig zu werden, des Heiligen Bildes Vollendung herbeiwünschend. Es ist nur mein bescheidener Wunsch; es ist nur, was ich hoffe. Großer Segen wird darüber im andern Leben Kwanki zuteil werden, und Verdienst, das gegenwärtig sichtbar sich vergilt, wird den erlauchten Meister bedecken. Aus tiefinnerstem Verlangen bringe ich, eigens wieder zurückgekommen, die ungeziemliche Sache scheu in tiefer Verbundenheit vor.“ Da weinte Tarimaro mit Meiki und den andern, wehklagte und erwiderte: „Unbedingt werde ich zu Ende führen, was Ihr erbeten habt.“

Gatha

Der Samon hörte es, erhob sich, verneigte sich und war voll Freude. Wieder vergingen zwei Tage, und als der fünfzehnte Tag des gleichen Monats gekommen war, rief er Meiki und sprach: „Heute ist der Tag, da Buddha in das Nirwana (仏般涅槃日) einging. Auch ich werde mein Leben enden.“ Meiki wollte etwas sagen; er sah die barmherzig-ehrwürdige Gestalt; seine Liebe, ward über alle Maßen, er redete falscherweise und sprach: „Es ist noch nicht der Tag.“ Der Meister bat um den Kalender, sah nach und sprach: „Heute der fünfzehnte. Was redet mein Sohn Trug, (der Tag) sei noch nicht gekommen?“ Er bat um heißes Wasser, wusch den Leib, wechselte die geistliche Schärpe, kniete nieder, schlug die Hände zum Gebet zusammen, hielt das Weihrauchgefäß empor, zündete Weihrauch an und wandte sich gen Westen. An diesem Tage zur Stunde des Affen verschied er. Die hinterlassene Bitte nahm nun der Tarimaro auf und schuf jener elfköpfige Kwannon-Buddha und dem folgend wurden Ansagen (開白) und Darbringung der Opfer völlig vollendet. Nunmehr befindet er sich unten in der Pagode des No-o Tempels. Die Gātha sagt:

O! glückselig fürwahr!
Minama no Kanki no Uji, der edle Priester [daitoku]
im Innern heimlich des Heiligen Herz bergend,
nach außen hin gewöhnliche Gestalt zeigend,
in der (Laien-)Welt lebend, mit der Lust(-Welt)5 sich berührend,
befleckt nicht des Gebotes6 Edelstein.
O Da sein Ende naht, blickt er gen Westen,
macht Götter eilen, tut Wundersames kund.
Man wisse wahrhaft: Dies war ein Heiliger, kein gewöhnlicher Mensch