日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

Einen armen Sami, der um Nahrung bettelte, strafen und dafür plötzlich schlimmen Todes Vergeltung empfangen

刑罰賤沙彌乞食以現得頓惡死報緣

Japanisch

Gunsho ruijū
Maeda-Mss.
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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紀直-吉足者,紀伊國日高郡別里椅家長公也.天骨惡性,不信因果.延曆四年乙丑夏五月,國司巡行部內,給於正稅.至于其郡,下乎正稅而班百姓.有一自度.字曰-伊勢沙彌也.誦持藥師經十二藥叉神名,歷里乞食.就於給正稅之人乞稻,臻於厥凶人之門而乞.見彼乞者,不施乞物.散其荷稻,亦剝袈裟而拍逼之.沙彌逃隱于其別寺僧坊.凶人逐捕,更將己門,舉持大石,當沙彌頭而迫之曰:「讀其十二藥叉神名,咒縛乎我?」沙彌猶辭之.凶人猶強之.不勝強逼,一遍讀逃.然後不久,仆地而死.更不可疑,護法加罰.雖自度師,猶視忍心.隱身聖人,交凡中故.炯然無過慇探,吹毛不可求疵.求失之者,三賢十聖,有失可誹.求德之者,謗法斷善,有德可美.所以十輪經云:「薝匐花雖萎,猶勝諸花.破戒諸比丘,猶勝諸外道.說出家人過,若破戒若持戒,若有戒若無戒,若有過若無過,說者過出萬億佛身血.」今此義解云:「出血不能障佛道.說僧過時,破壞多人信,生彼煩惱,障聖道.是故菩薩,樂求彼德,不樂求彼失.」像法決疑經云:「未來世中,俗官莫令使比丘輸稅.若稅奪者,得罪無量.一切俗人,不得乘騎三寶牛馬.不得撾打三寶奴碑及以六畜.不得受其三寶奴稗禮拜.若有犯者,皆得殃咎云云.」又如經論說:「慳心多者,雖是泥土,重於金玉.吝貪之人,聞乞糞土,猶懷吝惜.惜財不布施.藏積恐人知.捨身空卒,去餓鬼中,受飢寒心.」夫錢財者,五家共有.何五家者.一縣官非理來向,二者盜賊猶來劫奪,三者忽為水漂流,四者忽然火起不免焚燒,五者惡子無理費用.其故菩薩歡喜布施也.
Ryō-Wiki

Der Atani von Ei, Yoshitari (吉足), war der Ältesten-Herr1 des Brückenhauses Dorf Wake, Gau Hitaka, Land Kihi (紀伊國日高郡別里). Von Charakter böse, glaubte er nicht an Ursache und Wirkung (ingwa).

Im vierten Jahre Enryaku Holz-unten-Stier (785), im Sommer, im fünften Monat, durchzog der Landesgouverneur (國司) das Innere und spendete von der Geraden Steuer. Er kam in jenen Gau und gab und verteilte die Gerade Steuer2 (正税) dem Volk. Ein Jido war da, mit Beinamen Sami von Ise genannt. Die Götter-Namen der zwölf Yakcha der Yakushi-Sutra3 anrufend (誦持), zog er durch den Ort und bettelte um Nahrung. Dem die Gerade Steuer spendenden Manne folgend, bettelte er um Reis.
Da kam er zu jenes unglücklich-verderbten () Mannes Tor und bettelte. Als dieser den Bettelnden erblickte, spendete er ihm nicht nur nichts, sondern zerstreute ihm den Reis, den er trug, riß ihm die geistliche Schärpe (kesa) ab, hieb ihn und bedrängte ihn. Der Sami rettete und verbarg sich ins Mönchsquartier eines Sondertempels(別寺; Nakamura: Wake-dera) dort.
Der unglücklich-verderbte Mensch setzte ihm nach, packte ihn, schleppte ihn wieder zu seinem eigenen Tor, griff einen großen Stein auf, warf ["took aim at"] damit nach des Sami Haupt und sagte: „Binde mich doch, indem du den Bannspruch der Götternamen deiner zwölf Yakcha liesest!“ Der Sami versagte sich dem erst recht. Der Unglückliche drängte weiter. Und da sein Zwingen und Drängen unwiderstehlich ward, so las (der Sami) einmal und entschwand. Nicht lange danach aber stürzte jener zu Boden und starb.


Alant (Inula britannica L.)

Daß die Schützer des Gesetzes (Buddha's) Strafe herbeiziehen, daran ist nicht im mindesten zu zweifeln. Mag es gleich auch (nur) ein Jido-Meister sein, so ist doch Langmut von nöten. Ein Heiliger verborgenen Leibes mischt sich (oft) unter die Gemeinen. Daher geht es nicht an, einem, der nichts getan hat, heftig zuzusetzen, die Haare zu blasen4 und wunde Stellen zu suchen. Sucht man Mängel, so muß man auch die drei Weisen und die zehn Heiligen5 ob ihrer Mängel schmähen. Bei dem die Tugend Suchenden ist, ob er auch das Gesetz verunglimpft und vom Guten abkommt, doch noch die Tugend zu loben. Daher sagt das Zehn-Rad-Sutra6: Wiewohl der Alant7 ein Gestrüppgewächs ist, ist er doch andern Blumen überlegen. Gebotsbrüchige Biku sind doch denen draußen (外道) überlegen. Will jemand von den Vergehungen derer sprechen, die Haus und Hof verlassen haben (Buddha nachzufolgen; 出家), einerlei ob sie die Gebote gebrochen haben oder die Gebote halten, ob sie die Gebote (empfangen) haben oder die Gebote nicht empfangen haben, ob Vergehungen da sind oder Vergehungen nicht da sind, – wer davon spricht, der tut mehr als zehntausendmal hunderttausend Buddha-Leiber Blut vergießen. Der Sinn davon8 wird in der Erläuterung erklärt: Blut vergießen d. i. Buddhas Weg kann er nicht hindern; wenn aber von den Vergehungen der Mönche gesprochen wird, so wird vieler Leute Vertrauen [oder: Glauben] zerbrochen und zerstört und sündige Leidenschaft (煩悩) erregt und der heilige Weg gestört. Daher freut sich der Bodhisattva des, daß man die Tugend suche, und freut sich nicht des, daß man die Mangel suche.

Das Sutra über die Behebung der Zweifel vom Gesetze9 Buddha's sagt: In der zukünftigen Welt sollen die Laienbeamten nicht von den Biku Steuer nehmen. Wer aber Steuer mit Gewalt nimmt, der macht sich unermeßlich schuldig. Was Laie ist, soll nicht auf Rind und Roß der Drei Kleinodien reiten, soll nicht die Hörigen und die sechs Getiere10 der Drei Kleinodien klopfen und schlagen, soll nicht die Verehrung der Hörigen (nuhi) der Drei Kleinodien empfangen. Wer auch immer dawiderhandelt, des Zuwiderhandlung bleibt nicht ungerügt.

So sagt es. Wiederum wird in den Śastra11 so gesprochen: Wes geizig Herz viel begehrt, – mag es gleich Dreck sein, er schätzt es höher denn Gold und Edelstein. – Bettle unter den Geizig-Gierigen auch nur um Dung, sie denken nur immer, ja nichts Herzugeben; was sie haben, tut ihnen leid; sie spenden nicht; speichern und häufen nur auf und fürchten nur, daß Leute davon wüßten. Sie lassen den Leib, fahren leer dahin, scheiden ab zu den hungrigen Geistern (餓鬼). – So wird gesagt.

Geld und Gut wird an die fünf Häuser verteilt. Wieso an die fünf Häuser? Das erste ist: Die Amtleute (縣官) kommen und nehmen ohne Vernunft12 mit Gewalt. Das zweite ist: Die Räuber kommen erst recht, plündern und nehmen mit Gewalt. Das dritte ist: Vom Wasser wird es plötzlich fortgeschwemmt. Das vierte ist: Feuer bricht plötzlich aus, und nichts verschonen die Flammen. Das fünfte ist: schlimme Kinder bringen es durch, ohne Sinn und Verstand.13 Deshalb hat der Bodhisattva selne Freude daran, zu spenden.