日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

(B) Zuerst erscheinen Vorzeichen des Unheils oder Heiles, und hernach tritt die Verwirklichung solches Unheils oder Heiles ein

災與善表相先現而後其災善答被緣

Japanisch

Gunsho ruijū:
 1  2  3  4 
Maeda-Mss.:   1  2
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
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又僧景戒夢見事,延曆七年戊辰春三月十七日乙丑之夜夢見.景戒身死之時,積薪燒死身.爰景戒之魂神,立於燒身之邊而見之,如意不燒也.即自取楉,所燒己身策裳,串梚返燒.云教先燒之他人言:「如我能燒之.」己身之腳膝節骨,臂頭,皆所燒斷落也.爰景戒之神識,出聲而叫.有側人耳,當口而叫.教語遺言,彼語言音,空不所聞者,彼人不答.爰景戒惟忖,死人之神者無音,故我叫語之音不聞也.夢答未來.唯惟之者,若得長命矣,若得官位.自今已後,待夢見答而知之耳.然延曆十四年乙亥冬十二月卅日,景戒得傳燈住位也.同天皇平城宮治天下延曆十六年丁丑夏四五兩月頃,景戒之室,每夜夜狐鳴.并景戒之私造堂壁,狐堀入內,佛坐上屎矢穢,或晝向於屋戶而鳴.然經之二百廿餘箇日,以十二月十七日,景戒之男死也.又十八年己卯十一十二箇月頃,景戒之家狐鳴,又時時螓鳴也.次來十九年庚辰正月十二日,景戒之馬死也.又同月廿五日,馬死也.是以當知,災相先兼表,後其實災來也.然景戒未推軒轅黃帝之陰陽術.未得天台智者之甚深解.故不知免災之由,而受其災.不推除災之術,而蒙滅愁.不應不勤.不可不恐也.
Ryō-Wiki

(Die Vorgänge bei Hofe 764-70; Kaiserin Abe und Dōkyō)
Dieser zweite Teil (B) hat autobiographische Züge, wobei diese jedoch mehr symbolischen Charakter haben, als faktisch sind. Im Maeda-Manuskript fehlt der erste Teil (A).

B 1

Während der erlauchten Regierung eben dieser Himmlischen Majestät, im 6. Jahr Enryaku, Feuer-unten-Hase, im Herbst, im 9. Monat, am ersten vierten Tag, Holz-oben-Tiger, zur Stunde des Hahns (19.10.787, 17-19 Uhr), entbrannte der Mönch Kyōkai im Herzen voller Scham, trauerte und klagte und sprach: „O der Schande! O der Schmach! In die Welt geboren, bei lebendigem Leibe haben wir1 kein Mittel, uns zu erhalten, werden gleicherweise von der strömenden Vergeltung2 hinweggezogen. Darum knüpfen wir Liebesnetze3, werden in der Taten Wirrsal verstrickt, setzen Leben und Tod fort, rennen in die acht Richtungen [der Windrose]. Einer Fackel Leben-Leib4 habend, im Laienhause weilend, haben wir nichts an Vorrat, um Weib und Kind zu ernähren, nicht Gemüsespeise, nicht Salz, nicht Essen, nicht Feuerholz; alles und jedes fehlt uns, und kummervoll sind wir; mein Herz ist unruhvoll: bei Tage, wieder Hunger und Kälte; bei Nacht, wieder Hunger und Kälte! In früheren Existenzen habe ich nicht Werke des Spendens vollbracht. O wie arm mein Herz! O wie dürftig meine Taten!“ Und damit schlief er ein.

In der Stunde der Ratte träumte ihm: Ein Mendikant (乞食者) kam in Kyōkai's Haus und rezitierte Sutren, übte belehrend wandelnden Einfluß aus und sprach: „Wer der höheren Art Verdienst“ guter Werke übt, empfängt einen Leib, eine Rute 7 Ellen lang. Wer der niederen Art Verdienst guter Werke übt, empfängt einen Leib eine Rute 7 Ellen5 lang.“ Da wandte Kyōkai, dies vernehmend, den Kopf, und da er den Bettelnden genauer ansah, war es der in dem Dorfe Kusumi-Aha (楠見粟村), im Innern des Gaues Nagusa, Land Kihi weilende Sami Spiegel-Sonne (鏡日 Kyō-nichi). Da er nun gemachsam hinsah, waren vor dem Sami zwei Holztafeln, etwa zwei Ruten lang und etwa eine Rute breit. Auf diesen Tafeln waren die Zeichen von 1 Rute 7 Ellen und 1 Rute vermerkt. Kyōkai sah es und fragte: „Sind dies die Leibeszeichen derjenigen, die der höheren bzw. der niederen Art Verdienst gute Werke üben?“ Die Antwort war: „So ist es.“ Da entbrannte Kyōkai im Herzen voll Scham, schnellte mit dem Finger6 und sprach: „Wer der höheren oder der niederen Art Gutes übt, empfängt einen Leib von solcher Länge. Ich habe vordem nicht einmal der niederen Art Verdienst guter Werke geübt; daher ist der Körper, den ich empfangen habe, nur über fünf Ellen groß. Wie armselig!“ Sagte es, schnellte mit dem Finger und ward voll Reue und Betrübnis. Leute zur Seite hörten es und sagten alle: „Ja, richtig, so ist es!“ Da hob Kyōkai von dem noch nicht zubereiteten Reis etwa ein Maß voll ehrfürchtig empor und spendete es dem Bettelnden. Der Bettelnde tat einen Segensspruch (呪願) und nahm es in Empfang. Danach zog er eine Buchrolle (書巻) hervor, reichte sie Kyōkai und sprach: „Schreibe dieses Buch ab! Die Menschen zu retten, ist es ein über die Maßen treffliches Buch.“ Da Kyōkai es betrachtete, war es, wie jener gesagt: ein trefflich Buch, aller Lehren Wesentliches7 vereint darinnen. Da ward Kyōkai betrübt. „Wo ich kein Papier habe,“ sagte er, „wie soll ich beginnen “ Da zog der bettelnde Sami weiter Papierfetzen (本垢) hervor, reichte sie Kyōkai und sprach: „Hierauf schreibe es ab! Ich will anderwärts Speise betteln gehen und dann wieder kommen,“ und mit diesen Worten legte er die Streifen und das Buch hin und ging.
Da sagte Kyōkai: „Dieser Sami bettelt auch für gewöhnlich nicht Speise. Warum geht er denn Speise betteln?“ Da war jemand, der erwiderte und sprach: „Seine Kinder sind viele an Zahl, und er hat nicht, wovon er sie ernähren sollte. Er bettelt Speise und ernährt sie.“

Des Traumes Verwirklichung ist noch nicht klar. Nur daß er heilige Weisung ist, vermute ich. Der Sami ist Kwannon's Verwandlung. Und warum? (Jener) hatte noch nicht alle Gebote (gukai) übernommen und nannte sich Sami. Für Kwannon gilt dasselbe. Wiewohl sie das wahre Erwachen vollendet haben, sind sie den Lebewesen zu Nutz und Diensten. Daher weilen sie im Status des In (因位). Das um Speise Betteln zeigt die 33 Fumon8-Verwandlungen. Der höheren Art 1 Rute 7 Ellen, das ist des Reinen Landes zehntausendfältigen Wesens9 Ursache und Frucht (ingwa). Eine Rute ist Zahl der Frucht (kwa). Weil sie rund und völlig ist. Sieben Ellen ist Zahl des Keimes (in). Weil sie nicht völlig ist. Der niederen Art eine Rute ist der Menschen und des Himmels Bittre Wirrsals-Frucht. Reuigen Herzens werden, mit dem Finger schnellen, voll Scham und Betrübnis sein, das ist der ursprüngliche Same (種子). Wird Wissen und Wandel (智行) hinzugefügt, so wird frühere Schuld fernhin versenkt, langehin folgendes Gute erlangt. Reue – das ist das Haar scheren und die geistliche Schärpe umnehmen. Mit dem Finger schnellen – das ist die Schuld, vernichten, Segen empfangen.
Was meinen nur über fünf Ellen großen Leib angeht, so sind die fünf Ellen Ursache und Frucht (ingwa) der Fünf Welten (五道). Das Darüber-Hinaus, das ist noch unbestimmtes Wesen10; mit Herzensmühung strebt es dem Größeren zu. Den weißen Reis emporheben und dem Bettelnden verehren, will sagen: um den Großen Weißen Ochsenwagen11 zu erlangen, Gelübde tun, Buddhas fertigen, das Große Gefährt (Mahāyāna) neu schreiben, kurz, mit allem Ernste ein gutes In pflegen und üben.

Daß der Mendikant Segensspruch tat und es in Empfang nahm, bedeutet, daß Kwannon erhört, um was man bittet. Daß er das Buch gab, bedeutet: neu und frisch den Samen verdoppeln, der Menschen Lehre und Wissen kräftigend hinzubringen. Die gegebenen Papierstreifen bedeuten das einst ursprünglich vorhandene Bodhisattvatum Guten Samens; für eine Zeit lang ist es verhüllt und die Gestalt nicht sichtbar. Durch Üben des Guten Dharma soll (dies) nämlich hernach erlangt werden. Daß er sagte: „Ich will anderwärts Speise betteln gehn und dann wieder zurückkommen – anderwärts gehen, Speise betteln, – das ist: der Kwannon unbedingtes (無縁) großes Erbarmen durcheilt die Dharma-Welt (法界) und rettet, was Odem hat (有性); wieder zurückkommen, d. i. daß sie Kyōkai, was er erbeten hat, letztlich erlangen läßt: Segen, edle Wesenskraft (), Erkenntnis, Gnade. Daß Kyōkai sagte – jener bettle auch nicht immer Speise – das ist: zur Zeit, da das Gelübde12 noch nicht getan war, erlebte13 Kyōkai nichts. Wieso nicht? Erst von dem Speisebetteln an ward seinem Flehn und Beten Erhörung, und jetzt erstmalig kam fort und fort der Segen. Der Kinder Zahl, das sind die Lebewesen, die zu bekehren14 () sind. Nichts ist da, sie zu ernähren, – das ist: Den Lebewesen ohne Samensnatur fehlt das In, das sie zu Buddhas werden läßt. Speise betteln, um sie zu ernähren – das ist: daß sie der Engel15 Samen empfangen.

B 2

Wieder geschah es, daß der Mönch Kyōkai träumte. Im siebten Jahre Enryaku, Erde-oben-Drachen, im Frühling, in der Nacht des siebzehnten, Holz-unten-Stier (27.4.788), träumte ihm: Kyōkai war leiblich gestorben; zu der Zeit schichtete man Feuerholz auf, den toten Leib zu verbrennen. Kyōkai's Seele16 stand bei dem brennenden Leibe und sah zu. Es brannte aber nicht nach Wunsch. Da nahm Kyōkai selbst Reisig, tat es an den brennenden eigenen Leib, spießte ihn mit dem Grabeisen17 auf, wendete ihn, brachte ihn aber nicht zum Brennen. Jemand sagte: „Brenne tüchtig wie ich!“ und indes Kyōkai zusah, wie der eigne Leib brannte, brannten Schenkel, Knie, Gelenkknochen, Arme, der Kopf, – alles brannte und fiel ab. Da erhob Kyōkai's geistiges Wesen die Stimme und schrie, legte den Mund an das Ohr eines ihm zur Seite befindlichen Menschen und sprach zu ihm und schrie, lehrte ihn den eignen letzten Willen. Der Laut () dieser Worte war leer und unvernehmbar. Der Mann, der dort war, antwortete nicht. Da ward es Kyōkai klar bewußt: „Der Geist des Verstorbenen ist ohne Laut; daher wurde auch der Schall, der von mir geschrieenen Worte nicht vernommen.“ —
Die Verwirklichung des Traumes ist noch nicht eingetreten18. Dies und das bedenkend – sollte es Erlangung langen Lebens sein? Sollte es Erlangung von Amt und Würden sein? Man muß jetzt und späterhin des Traumes Verwirklichung abwarten; so nur läßt es sich wissen.

Nun empfing Kyōkai im 14. Jahr Enryaku, Holz-unten-Eber, im Winter, im 12. Monat am 30. Tag (12.2.796) die Würde eines Dentō (傳燈). Und während die gleiche Himmlische Majestät in der Nara-Residenz die Welt regierte, im 16. Jahr Enryaku, Feuer-unten-Stier (797), im Sommer, um die Zeit des fünften Monats heulte allnächtlich in Kyōkai's Behausung der Fuchs. Und der von Kyōkai für sich erbauten (heiligen) Halle Wand durchgrub der Fuchs, drang ins Innere und beschmutzte mit seinem Kote den Buddhasitz oben oder schrie unter Tags gegenüber der Kammertür (家戸). Nach Verlauf von 220 Tagen und darüber jedoch, am 17. Tage des 12. Monats starb Kyōkai's Bursche19. Wiederum im 18. Jahr (799), Erde-unten-Hase, um die Zeit des 11. und 12. Monats schrie in Kyōkai's Hause der Fuchs. Auch lärmten oftmals Drohnen20. Im folgenden 19. Jahr, Metall-oben-Drachen, im ersten Monat am 12. Tag starb ein Pferd Kyokai's. Im gleichen Monat, am 25. Tag starb wieder ein Pferd [10. bzw. 25.2.800]. Hieraus zu wissen ist: Des Unheils Vorzeichen tun sich durchaus im voraus kund, und hernach tritt das wirkliche Unheil ein. Kyōkai jedoch hat noch nicht des Gelben Kaisers21 von Hsiän-Yüan-Kunst des Schattigen und Lichten durchschritten; des Tendai-Wissenden22 überaus tiefes Verstehen und Lösen ist ihm noch nicht zu eigen geworden. Deshalb weiß er nicht, wie dem Unheil entgehen und erleidet das Unheil. Wer die Kunst, Unheil zu vertreiben, noch nicht durchschritten, über den kommt Vernichtung und Trübsal. Höchstes Mühen ist von nöten. Furcht ist unvermeidlich.

Weiteführend