日本霊異記
„Legenden aus der Frühzeit des japanischen Buddhismus“ – übersetzt von Hermann Bohner

日本霊異記 Nihon Ryōiki

Ort:

(Vorwort zum III. Faszikel)

Japanisch

Maeda-Mss.:
 1  2
 3  4 
3. Band; 育德財團, Meguro-machi (Tōkyō-fu) Vlg.: Ikutoku Zaidan, 1931.

Text 
http://applepig.idv.tw/kuon/furu/text/ryoiki/
夫善惡因果者,著於內經.吉凶得失,載諸外典.今探是賢劫尺迦一代教文,有三時.一,正法五百年.二,像法千年.三,末法萬年.自佛涅槃以來,迄于延曆六年歲次丁卯,而逕一千七百廿二年.過正像二而入末法.然日本從佛法傳適以還,迄于延曆六年而逕二百卅六歲也.夫花咲無聲,雞鳴無淚.觀代修善之者,若石峰花.作惡之者,似土山毛.匪磰因果作罪,以比無目之人履叵失之兮虎尾.甘嗜名利殺生,疑託鬼之人抱毒蛇.莫朽之號惡種.叵見之號善根.惡報遄來如水鏡.向之即現.夸力颯被如谷響.喚之必應.現報若之,人不慎乎.此生空過,後悔無益.暫爾身詎伯存之.泛爾命孰常恃之.既入末劫,何弗仂矣.喃汎言惻,那免劫災.唯資施眾僧一搏食,於修善之福而不逢當來飢饉之災.苦賴持一日不殺戒,於行道之力而不值末劫刀兵之怨.昔有一比丘,住山坐禪.每齋食時,拆飲施烏.烏常啄效,每日來候.比丘齋食訖後,嚼楊枝,嗽口洒手,把礫而翫.烏居籬外.時彼比丘,不瞪居烏,投礫中烏.烏頭破飛即死,死生猪,猪住其山.彼猪至於比丘室上,頹石求食,徑下中比丘而死.猪不思賊,石自來殺.無記作罪,無記報怨.何況乎發惡心殺,無彼怨報歟.殖惡之因,怨惡之果,是吾迷心.作於福因而鑒菩提,是我寤懷.羊僧景戒,所學者未得天台智者之問術.所悟者未得神人辯者之答術.是猶以螺酌海因管窺天者矣.匪傳燈之良匠,而強訂睠斯事.剋轍淨剎,奔心覺路.遠愧前非,長祈後善.注寄異事,示言提流.授手欲勸,濡足欲導.庶掃地共生西方極樂.傾巢同住天上寶堂者矣. 諾樂右京藥師寺沙門景戒錄

Im Shinpuku-ji-Manuskript (= Owaritext) fehlen die ersten zehn Zeilen dieses Vorworts. Das einzige Manuskript, das den Text gibt ist das Maeda-bon, eine Abschrift aus dem Jahre 1236, das erst 1883 wiederentdeckt worden war. (Erste Photoreproduktion 1931.) Es handelt sich dabei um 137 Zeichen, die hier aus der Übersetzung Nakamuras ergänzt werden. (H. B. scheint den Text des GR – der ihm zweifelsohne vorgelegen hat – nicht beachtet zu haben.)

Textlücke
Die Textlücke aus dem Gunsho ruijū

[Textlücke] The Inner Scriptures1 show how good and evil deeds are repaid, while the Outer Writings show how good and bad fortunes bring merit and demerit. If we study all the discourses Śākyamuni made during his lifetime, we learn that there are threee periods: first the period of true dharma (Shōbō) which lasts five hundred years; second, ihr period of the counterfeit dharma (Zōbō), lasting a thousand years; and third, the period of the degenerate dharma (mappō), which continues for ten thousand years. By the fourth year of the hare, (the sixth year of the Enryaku era (787), seventeen hundred and twenty-two years have passed since Buddha entered nirvana.2 Accordingly, we live in the age of the degenerate dharma following the first two periods. Now in Japan, by the sixth year of the Enryaku era, two hundred and thirty-six years have elapsed since the arrival3 of the Buddha, Dharma, and Samgha.

Flowers bloom without voice, and cocks cry without tears. In the present world those who practice good are as few, as flowers on rocky hills, but those who do evil are as plentiful as weeds in the soil. Without knowing the law of karmic retribution, one offends as easily as a blind man loses his way. A tiger is known by its tail. Those devoted to fame, profit, and killing doubt the immediate repayment of good and evil which occurs as quickly as a mirror reflects. One who is possessed of an evil spirit is like one who holds a poisonous snake; the poison is always there ready to appear. Dies tut alsbald sich kund. Des Segens Kraft erzeigt sich rasch wie im Tal der Widerhall.4 Ruft man ihn, antwortet5 er gewiß. Solcher Art ist die sichtbar-gegenwärtige Vergeltung (現報). Sollten die Menschen nicht weislich es in Acht nehmen? Dies Leben leer und eitel hingebracht, hernach bereuen – das hat nicht Gewinn. Den Leib der kurzen Weile [der Leib, den wir nur kurze Zeit haben] wer, dächte, immer ihn zu erhalten? Dieses leihweise Leben6 – wer wollte ewig damit rechnen?

Schon sind wir in die Endzeit (末劫) eingetreten. Wie sollten wir nicht mühn und ringen? Ach allerorts werden wir klagen: Wie dieser Zeitennot (劫災) entrinnen? – Nur eine Handvoll (一搏) Speise helfend gespendet der Priester Schar, und durch den Segen der guten Tat bleibt man von kommender Hungersnot Pein ungetroffen; nur einen Tag [Übung des Guten] das Gebot des Nicht-Tötens gehalten, und durch die Kraft vollbrachten Werkes (行道) entgeht man dem Grimm und Schaden von Wehr und Waffen der letzten Zeit.

Einst war ein Biku. Er siedelte in den Bergen und saß in Meditation. Aß er die Fasten-Zehrung, so nahm er jeweils von der Speise weg und spendete einem Raben. Der Rabe pflegte immer es aufzupicken und kam Tag für Tag herbei (kitarisamarau). Wenn der Biku sein Fastenessen beendet hatte, reinigte er mit Weidenzweigchen die Zähne, spülte den Mund aus, wusch die Hände, nahm Steinchen und spielte damit. Als der Rabe nun einmal außerhalb des Gatters war, sah dieser Biku nicht, wo der Rabe war. Als er nun ein Steinchen warf, traf er den Raben. Des Raben Kopf flog zertrümmert ab, und der Rabe starb. Gestorben, wurde er als Schwein geboren. Das Schwein hauste auf jenem Berge. Dies Schwein wühlte oberhalb der Behausung des Biku Steine auf und suchte Fressen. Ein Stein rollte abwärts und traf den Biku, daß er starb. Das Schwein hatte nichts Arges wollen; der Stein kam von selbst und tötete. Weder gut noch böse zu nennen (無記) war Tat und Verschuldung (作罪), und doch folgt ihr – weder gut noch böse zu nennende – Vergeltung und Rache (報怨). Wie sollte vollends, wo aus bösem Herzen heraus getötet wird, solche Rache und Vergeltung ausbleiben? Keime (in) sprossenden Bösen, Frucht (kwa) bösen Lohnes – beides ist unser irrendes Herz. Keim (in) des Segens, geschaffen, hinleitend zur Erleuchtung – das ist unser erwachender Busen (寤懐). Was der Schafsmönch7 Kyōkai gelernt hat – noch nicht hat er des Tendai-Chisha8 Fragekunst erlangt; was er verstanden hat – noch nicht hat er des Gottesmannes und Kundigen Antwort-Kunst erlangt. Solches ist alswie mit einer Muschel9 das Meer ausschöpfen, alswie mit einer Röhre den Himmel erschauen. Ein geschickter Werkmann weit-erstrahlender Leuchte (dentō 偣灯) ist (er) nicht; notgedrungen denkt er wieder und wieder über diese Dinge nach.
Hin zu einem Tempel (浄刹) lenkt er die Wagenspur, daß das Herz eile den Weg des Erwachens; fernhin abtuend in Scham Falsches von vordem, betet er immerdar um Gutes für hernach. Er verzeichnet die seltsamen Wundergeschehnisse und tut freundlicher Lehre10 Schar sie kund. Er reicht die Hände – zu retten ist sein Wunsch; er netzt die Füße1 – des Wegs zu leiten, ist sein Wunsch. Was er wünscht und fleht, ist, daß alle vereint, erdenentstäubt12 im Paradiese des Westens (西方極楽) geboren werden, daß, das alte Nest13 umstürzend, sie gleichermaßen Wohnstatt finden in den Kleinodhallen hoch in den Himmeln.