Ort:

Nara: Heijōkyō (平城京)

(von Adi Meyerhofer)

Für ältere Hauptstädte siehe Residenzen zur Asuka-Zeit.

//maßeinheiten

Über die Gründe der Hauptststadtverlegung gibt es verschiedene Ansichten. Koloportiert wird, daß der von der nach dreißig Jahren ersten diplomatischen Mission1 aus Chang'an 704 zurückgekehrte Awata no Mahito († 28. Feb. 719) berichtete, die japanische Residenz folge nicht dem erlauchten chinesischen Vorbild. Darüber seien die Herrschenden so bestürzt gewesen, daß sie eine baldige Verlegung beschlossen. Eine neuere Theorie ist, daß Fujiwara-kyō in einer schlecht entwässernden Sohle lag in dem das Gelände des Palastes nach Norden hin abfiel. Die himmlische Majestät saß somit tiefer als die im Süden des Ortes wohnenden Untertanen.
Was von der alten Hauptsttadt noch übrig geblieben war fiel 711 einem Großfeuer zum Opfer.

Beschlossen wurde der Umzug bei einer Konferenz am 15. Februar 707 (Keiun 4/I/9). Die mantischen Voraussetzungen befand man ein Jahr später, am 11. März 708 (Wadō 1/II/15) für günstig. Die inzwischen amtierende Gemmei-tennō (43.) ordnete den Baubeginn an und richtete eine Stadtbaubehörde ein, die Zō-Heijōkyōshi.
Offizieller Baubeginn war mit der Reinigungszeremonie (Jichinsai 地鎭祭) am 20. Januar 709. Um die durch die anfallenden Frondienste stärker als normal belasteten Untertanen etwas zu schonen, gab es am 3. Dez. 709 (Wadō 2/X/28) einen Steuererlaß.

Der eigentliche Palast wurde am Nordrand der neuen Stadt angelegt. Die Bewohner des Dorfes Sugawara wurden umgesiedelt, zwei Kofun-Gräber eingeebnet2 und im Bereich der 1. Daigoku-den der Boden um über zwei Meter aufgeschüttet. Das Flußbett von Sahogawa und Akishino-gawa (秋篠川) wurde befestigt, zugleich legte man offene Drainage-Gräben an (An den Hauptstraßen (ōji) 1½-4m breit, an den Nebenstraßen (koji) etwa einen Meter.) in denen sich dann später auch die Fäkalien sammelten. Gebaut wurde auf einer Grundfläche von 4800 × 4200 m (= 20,16 km², wobei die Südost-Ecke unbebaut blieb, Plan) damit war die Fläche etwa ein Drittel der Größe Ch'ang-an's (長安) unter den T'ang.

Wie üblich wurden die alten Holzbauten, deren Verbindungen verzapft waren, zerlegt, um das Bauholz wieder zu verwenden. Ebenso wiederverwendet wurden die schweren Dachziegeln.3 Das vorhandene Material reichte jedoch bei weitem nicht. Ein Steinbruch war am Nijō-san. Man flöste aus gut zwanzig Kilometer Entfernung Stämme vom Tanakami-yama (田上山) bis Kizu. Von dort waren zehn Kilometer zum Palastbau.

Plan Chō in bō
Der Abstand zwischen zwei sich kreuzenden Hauptstraßen war 532 Meter, die enstandenen Quadrate bildeten ein (), welche unterteilt wurden: Numerierung der chō (, 119 Meter im Quadrat) innerhalb eines im linken Teil von Heijōkyō. Diese geteilt in vier senkrechte Reihen (, gyō), die halbiert wurden. Die einzelnen Parzellen () waren der Lebensraum eines Haushalts ().

Schematische Pläne des Heijōkyō (Nara)

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Das schachbrettartige Muster der Straßen folgte chinesischem Vorbild. Die 74 Meter breite Nord-Süd verlaufende Symmetrieachse war die Suzaku-ōji (朱雀大路). Die Verlängerung der Mittelachse Naras nach Süden trifft genau auf die östliche Begrenzung des Fujiwara-kyō, die Verlängerung der 4. Straße (四坊大路) auf die westliche Grenze der alten Hauptstadt. Die Wohngebiete wurden spiegelbildlich angelegt,
Zwischen den Hauptstraßen verliefen jeweils drei kleinere, so daß jedes in sechzehn kleinere Quadrate, die tsubo (. Nicht zu verwechseln mit dem modenen Flächenmaß des Quadrat-ken, 182 × 182 cm ≈ 3,31 m².) geteilt wurde.

Die offizielle Verlegung der Hauptstadt war am 13. April 710, ohne daß alle erforderlichen Gebäude fertig waren. Viele wurden auch während der Nara-Ära umgebaut. Nur die wichtigen Palast- und Tempelhallen hatten steinerne Fundamente. Für hölzerne hottebashira-Bauten, d.h. solche deren tragende Holzpfosten nicht auf Fundamantsteinen standen, sondern die ins Grundwasser reichten, war die Lebensdauer naturgemäß auf 20-30 Jahre beschränkt. Archäologen haben bei Dienstgebäuden 3-7 Umbauten für die achtzig Jahre der Hauptstadt nachweisen können.
Für den bald wieder aufgegebenen Versuch 741 die Residenz nach Kuni (恭仁宮) bzw. Naniwa zu verlegen wurde u.a. die Daidoku-den zerlegt. Nachdem sie wieder zurückgebracht worden war überließ man die Halle dem Tempel Kokubun-ji.
Heijōkyō wurde schon im Juni 745 wieder Regierungsssitz, bis der Kammu-tennō (50.) 784 eine Verlegung nach Nagaoka anordnete, was ebenfalls bald wieder zurückgenommen wurde. Stattdessen kam es dann 794 zum Umzug nach Heiankyō.4

Das Stadtgebiet des verlassenen Heijōkyō wurde jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt. Der japanische Staat kaufte das Gebiet 1955. Schon seit 1922 kam der Bereich unter Denkmalschutz und erste Untersuchungen (Als erstes vermaß Kitaura Sadamasa (北浦定政) den Kaiserhof. Es folgte ab 1896 Sekino Tadashi, siehe unten „Literatur.“) begannen. Das Forschungsinstitut Nara Bunkazai Kenkyūsho begann ernsthaft mit archäologischen Untersuchungen, die bis zur 1300-Jahrfeier Naras, ununterbrochen fortdauerten. Den Bau einer Schnellstraße und später eines Rangierbahnhof auf dem Terrain wurde verhindert. Durch den südlichen Bereich führt jedoch schon seit 1914 eine Bahnstrecke nach Osaka. Man erreicht das Gelände über den Haltepunkt Yamato-Saidaiji. (大和西大寺駅) Die moderne Stadt Nara (奈良市) liegt einige Kilometer östlich.

Die Grundfläche des Hofs (daidairi) war 460 oder 462  (ca. 1368½ oder 1374½ Meter; Nord-Süd) auf 384  (ca. 1142½ m, Ost-West) also mindestens 156⅓ Hektar. Der Bereich war mit einer an der Basis zwei Meter breiten Mauer (, kaki) und in acht Meter Abstand einem Wassergraben (御溝水, mikawamizu) eingefaßt.

//Pläne japanisch und Englisch Als akuratester Plan gilt der von //McCulla // er wurde acu in die Cambridge History übernommen und von Dettemer // Der japanische Plan basiert auf dem in //Tsushi erstmals

Kyoto: Heiankyō (平安京)

Der Name Heiankyō war umgangssprachlich nicht in Gebrauch. Man benutzte „Hauptstadt:“ Miyako () oder Raku(ba) (洛場). Später dann Kyoto, wobei beide der konstituiernden Kanji (京都) „Hauptstadt“ bedeuten können.

Neben den erwähnten wegen Verfall nötigen baulichen Veränderungen, so waren die großen Toren auch bei Taifunen einsturzgefährdet, müssen die nicht seltenen Brände im Palastbereich (In den Jahren 960, 976, 980, 982, 999, 1001, 1005, 1014, 1018, 1039, 1042, 1048, 1058, 1082, Mai 1177 (besonders verheerend), 1219 und 1227.) erwähnt werden. Nicht immer, speziell ab dem 11. Jhdt., standen genug Mittel zum (umgehenden) Wiederaufbau zur Verfügung, bis es dann zur komplett sinnlosen Zerstörung im Ōnin-Krieg (1467-77) kam. Der älteste erhaltene Grundriß des Palastes stammt erst aus dem Jahre 1319, alle anderen Pläne sind aus Literatur oder archäologisch rekonstruiert.

Anmerkungen

[1] Abgereist Taihō 2/VI/29 (28. Juli 702), zurückgekehrt Keiun 1/VII/1 (5. Aug. 704). [ ▲ ]
[2] Im Bereich des 2. Daigoku-den. Der erhaltenen hintere runde Teil des Ichniniwako-fun wurde im 9. Jahrhundert für das Grab des Heizei-tennō (51.) verwendet. [ ▲ ]
[3] Den Bedarf für alle Palasthallen mit festen Sockeln wird heute auf 5-6 Millionen Stück geschätzt. Für den Füjiwara-kyō hatte man etwa zwei Millionen produziert. Ein gefundenes zeitgenössisches Mokkan beschreibt, daß man für den Transport von 370 Ziegeln 48 Arbeiter einsetzte. Ziegel auf dem Dach des Tōdai-ji, die man bei der Renovierung Ende der 1960er abnahm wogen 17 kg das Stück. [ ▲ ]
[4] Zu einem weiteren gescheiterten Versuch der Hauptstadtverlegung kam es 1180, zu einer Zeit als die kaiserliche Macht schon stark geschwunden war und als Verantwortlicher Taira no Kiyomori (平清盛; 1118-1181. Mächtig seit seinem Sieg in der ''Heiji''-Rebellion von 1159/60. Der erste Samurai der zum obersten Beamtenrang ''Dajō Daijin'' aufstieg (1167). Antoku war der Sohn seiner Tochter Tokuko mit Takakura (80., 1161-81, r. 1168-80). Kiyomori trat offiziell 1168 von seinen Staatsämtern zurück.) den Kind-Kaiser Antoku (81., 1180-85, r. ab 1182. Der Nachwelt bekannt dafür, daß er im (auch über seine Thronfolge) Gempei-Krieg, als die Seeschlacht von Dan-no-ura (壇ノ浦の戦い, 25. April 1185) hoffungslos verloren war von seiner Großmutter ins Wasser gestoßen wurde und dem Schwert (eines der drei Reichinsignien) versank. Das originale Schwert wurde nicht wiedergefunden.) dominierte. Der sogenannte Fukuhara-sento (福原遷都), erwähnt im Hōjōki, wurde 1180 (Jishō 4/II/6) verkündet und im folgenden Juni durchgeführt als Kiyomori, auf dem Höhepunkt seiner Macht, Kaiser Antoku sowie dessen noch lebende Vorgänger Takura und Go-Shirakawa (77., 後白河天皇, 1127-92, r. 1155-8 aber noch weitere 37 Jahre mächtiger Strippenzieher im Hintergrund. Der Bruch zwischen ihm und Kiyomori erfolgte im Jahre des Umzugs.) nach Fukuhara-kyō umsiedelte. Es handelte sich hierbei um ein Dorf an der Inlandsee, heute auf dem Gebiet des modernen Kobe, wo sich Kiyomori nach seinem Sieg im Shishigatani-Zwischenfall (1177/8, 鹿ケ谷の陰謀) schon einen Palast hatte bauen lassen. Der Hafen wurde hier seitdem auch verbessert. Den Hofbeamten gefiel es hier nicht, bereits zu Beginn des Winters wurde durchgesetzt, daß die Majestäten und Höflinge nach Kyoto zurückkehrten (Jishō 4/XI/23). Im Herbst 1183, der Gempei-Krieg war ausgebrochen, fackelten die Heike den Palast ab (laut Heike Monogatari). In Kobe erinnert heute ein Gedenkstein an diese „Hauptstadt.“ Auch das Grab des an Malaria verstorbenen Kiyomori ist in dieser Stadt.
Auführlich in: ; Disaster in the Making: Taira no Kiyomori's Move of the Capital to Fukuhara; monumenta nipponica, Vol. 70 (), № 1 S. 138 [ ▲ ]


Literatur:

(Verlinkt auf die ausführlichen Einträge in der Bibliographie.)

Vormoderne Werke:

Externe Weblinks: