Kegon-shū

der japanischen Ableger des chinesischen Hua-yen-Buddhismus

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Die chinesische Huáyánzōng (W.-G.: Hua yen, 華嚴宗) gründet ihre Lehre auf dem Avataṃsaka-Sutra, das in Japan Kegon-kyō heißt. Sie hatte großen Einfluß in China und gelangte im 7. Jahrhundert auch nach Japan wo sie eine der sechs Nara-Schulen war.

Huáyán in China

Eine eigenständige Schule – ohne indischen Vorläufer – bildete sich um 600 erst mit Dùshùn. (杜順, jp.: Dojun, 557–640) Er wird als erster Patriarch der Huáyán angesehen. Sein Nachfolger war der in Japan Chigon genannte Zhìyǎn. (智儼, W.-G.: Chih-yen, 602–668) Der dritte Patriarch war Fǎcáng. (法藏, W.-G.: Fa-tsang, jp.: Hōzō; 643–712) Er war ein Schüler von Hsüan-tsang. Nach seinem Tod galt der Mönch Hui-yüan1 als größter Gelehrter der Huáyán-Schule. Er wurde jedoch nicht als Patriarch anerkannt. Diesen Titel erhielt erst Chéngguān, (澄觀, Chōkan, 737–838) der 26 Jahre nach dem Tod Hōzō’s geboren wurde. Der fünfte Patriarch war Zōngmì, (宗密, W.-G.: Tsung-mi, 780–841) der auch Meister der Ch’an (Zen) Schule war.
Streng genommen stützte man sich hinsichtlich der Doktrin nur auf einen Text, nämlich das Kegon-Sutra, das H. B. als „Blumengirlanden-Sutra“ bezeichnet.

Die Schule hatte, wie der Ch’an, nachdem sie ihren Mönchsgeliebten2 und den obersten Geheimpolizisten Lai Chun-ch’en 697 hinrichten hatte lassen, die besondere Unterstützung der Kaiserin Wu (625-705, Tochter eines reichen Kaufmanns, die eine buddhistische Erziehung erhielt. Táng Gāozōng († 684, 唐高宗, W.-G.: Kao-tsung) übernahm das intelligente Mädchen aus dem Harem seines Vaters. Sie fickte sich bis 655 zu seiner Haupgattin hoch. Ihren dritten Sohn, Kaiser Zhōngzōng (唐中宗) setzte sie nach sechs Wochen ab. Seinen Nachfolger Ruìzōng (W.-G.: Jui-tsung, 唐睿宗; r. 684-90 und 710-12) exilierte sie. 690 ließ sie sich, als Inkarnation Maitreyas legitimiert, unter dem Dynastienamen Zhōu (,Chou) zur ersten und einzigen weiblichen Kaiserin Chinas machen. In ihre Zeit fallen zahlreiche Erleichterungen für das Volk, großzügige Förderung des Tao- und Buddhismus, sowie Reform der Beamtenschaft und seiner Prüfungen. Tendenziöse, in konfuzianischer Engstirnigkeit behaftetete, Geschichtschreiber haben ihr ein wahres Terrorregime und Mannstollheit bis ins hohe Alter angedichtet. Tatsächlich richtete sie sich gegen die nun rebellierenden alten Eliten. Zum Thema gibt es zahlreiche Romane. Erst die seit 1949 mögliche objektivere Geschichtsschreibung hat ihr Eintreten für das einfache Volk anerkannt.) genossen, die auch die erweiterte Neuübersetzung des Sutras (in 80 chüan) veranlaßte. Die Huáyán-Schule bediente sich, wie auch die anderen Schulen zur T’ang, um die Verbreitung des Buddhismus im Volke zu förderen, organisierter Gruppen („Gesellschaften“) von Laien-Förderen, die sich zu einem bestimmten Zweck zusammenschloßen. Die größte, sie soll 100.000 Mitglieder gehabt haben, traf sich vierteljährlich zur Rezitation des Avataṃsaka-Sutras, wobei jeder Anwesende ein Stück vorlas.
Die Schule war für ihren Unterhalt und die akademischen Einrichtungen stark von der Unterstützung des Hofes abhängig. Als es vier Jahre nach dem Tode des 5. Patriarchen 845 zur großen Buddhistenverfolgung kam, wurde sie fast vollständig zerschlagen und erholte sich nicht mehr.

Aufgrund des im chinesischen Buddhismus starken Hang zum Synkretismus (die Klöster waren nicht strikt nach Schulen getrennt) näherte man sich bis zur Ming-Ära anderen Traditionen an.

Hwa Om in Korea

Nach Korea wurde das Avataṃsaka-Sutra von Ŭisang (義湘, 625-702) gebracht, der ein Schüler von Zhìyǎn war. In Korea konnte sich die Hwa Om-Schule (Hwaeom jong) etablieren, die zur bedeutendsten der fünf buddhistischen Schulen (O-kyo) unter der Aristokratie Sillas wurde. Ab dem 8. Jahrhundert stieg dort der Rinzai-Zen auf. Die Hwa Om-Schule wurde von Zen (kor.: Seon) integriert. Dort spielt das Avataṃsaka-Sutra bis heute eine große Rolle.

Kegon-shū in Japan

In der mittleren Nara-Zeit 735 gelangte die Huáyán-Lehre durch den Koreaner Simsang (jp.: Shinjō † 748), der unter Zhìyǎn studiert hatte, nach Japan wo sie die Bezeichnung Kegon erhielt. Deren zweiter japanischer Patriarch war Rōben. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem Ritsuryō-Buddhismus und der Zentralisierung und Organisation des Buddhismus in Japan. Die Vorträge Rōben’s imponierten dem Kaiser, zu einer Zeit als das Land nach der verheerenden Pockenepedemie in einer tiefen Krise steckte. Die Bildersprache einer zentralen Macht, der alle Dinge ihre Existenz verdanken, nutzte er um seine Stellung als Herrscher zu legitimieren. Der Haupttempel ist Tōdai-ji, den Shōmu als zentrale Instanz der Provinztempel errichten ließ. Dort befindet sich auch die damals weltweit größte Buddha-Bronzestatue, die 752 geweiht wurde. Diese abschließende Augenöffnugszeremonie nahm der über Tang-China gekommenen Südinder Bodhisena (= Bodai) vor, der glaubt man den Annalen, (菩提僊那, 703-60. U. a im Shūi Wakashū erwähnt soll er mit Genbō aus China gekommen sein. Im Tōdaiji engi ist die von seinem Schüler Shuei (修栄) verfaßte Biographie 「大安寺菩提伝来記」 mit enthalten. Zum 1250. Jubiläum der Augenöffnung hat man ein 82 cm hohes historisierendes Bildnis, das sich an die damaligen Schnitzereien anlehnt geschaffen und in der Haupthalle aufgestellt. Es hat ein japanisches Gesicht aber grüne Augen)
Bodai 2002
seit 736 im Lande ebenfalls Kegon lehrte, er lebte im Daian-ji.

Auf Befehl Junna’s im Jahre 830 präsentierten alle Sekten eine Zusammenfassung ihrer jeweiligen Doktrin; für die Kegon tat dies Fuki im Kegon-shū ichijō kaishin ron. Die zahlenmäßig immer kleine Kegon verlor nach dem Ende der Nara-Zeit gegen die Tendai- und Shingon-Schulen an Einfluß. Der Reformer Kōben Myōe (1177-1232; 高辮明恵) versuchte der Schule zur Kamakura-Zeit gegenüber dem aufkommenden Nembutsu-Glauben eine größere Breitenwirkung zu verschaffen, was längerfristig nicht gelang. Dem ihm verhaßten Amidisten Hōnen setzte er die Lehre vom Lichtglanz-Mantra (kōmyō shingon, 光明真言) entgegen. Die Kegon ist bis heute lebendig geblieben. Die Schule hatte 1940 außer dem Tōdai-ji nur noch 27 Tempel mit 24 Mönchen, die sich um 22869 Anhänger kümmerten. Wirkungen zeigen sich bis heute in buddhistischer Kust und Literatur.