Die sechs Nara-Schulen des Buddhismus

Sanron, Kegon, Kusha, Hossō, Risshū, Jōjitsu

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Schulen bzw. Sekten des Buddhismus

Mit „Sechs Nara-Schulen“ (奈良六宗 Nara rokushū) oder Nanto rokushū bezeichnet man zusammenfassend die während der Nara-Ära etablierten Schulen (Sekten) des japanischen Buddhismus. Sie sind zu unterscheiden von den chinesischen „Sechs Schulen und sieben Häusern.“ (Ch. (W.-G.): Liu-chia ch'i-tsung) Ihre Förderung durch den Hof geschah in der Hoffnung, daß durch die Riten dem Staat Frieden und den Herrschenden Wohlstand gesichert würde. Kennzeichnend für diese Art Buddhismus ist die starke Einbindung in die politische Entwicklung, was die große Zahl unterschiedlicher und synkretistischer Schulen. Buddhismus war anfangs eine Sache der Eliten, nicht des populären Volksglaubens.1 Die „Einheit von Staat und Glauben (saisei-itchi, 祭政一致)“ galt als gegeben. Aristokratische Familien unterhielten innerhalb ihrer – oft sehr weitläufigen Residenzen – eigene Tempel und vielfach eigene „Familienpriester“ (家僧, kasō. Ausgrabungen der letzten Jahre der Anlage Nagaya’s haben die Kenntnisse hierzu stark erweitert).
Die erste Ordination in Japan war 584 die der 11jährigen Shiama2 als Zenshin (善信) und zweier anderer Mädchen durch Hyepʼyǒn (jap.: Eben, 惠便. Im Nihon shoki als „Koma no Ebin“ 高麗の惠便), einen ehemaligen koreanischen Mönch, der nun in Harima lebte. Im Rahmen der Streitigkeiten um den Buddhismus wurden sie 585/3 öffentlich ausgepeitscht. Die drei erhielten Erlaubnis (587/VI/9) nach Korea zu reisen für eine „vollwertige“ Ordination. Nach ihrer Rückkehr 590 lebten sie im Sakurai-Tempel, wo im selben Jahr weitere drei Frauen und acht Männer in den geistlichen Stand traten.

624 zählte man in 46 Tempeln 816 Mönche und 569 Nonnen. In diesem Jahr erschlug ein Mönch seinen Großvater mit einer Axt. Man wollte daraufhin staatlicherseits die Sangha „säubern.“ Eine Petition des Mönches Kwallŭk (jap. Kanroku) aus Paeckche verhinderte dies, man mußte jedoch die Einrichtung einer Kontrollstelle hinnehmen, aus denen sich das Sōgō („Sangha-Büro“) entwickelte. Bereits in seinem ersten Amtsjahr 645 unterstellte Kōtoku den Buddhismus dem Kaiserhaus und machte ihn dadurch effektiv zum Staatskultus. Er berief erstmalig ein zehnköpfiges Kollegium gelehrter Mönche (jisshi, 十師. Unter den ersten Ernannten waren fünf Koreaner, wodurch sich die weiterhin starke Abhängigkeit des Buddhismus zeigt.) zur Leitung der Sangha; drei Laien wurden „Dharma-Oberhäupter“ (hōto, 法頭). Im Nihongi werden für die nächsten Jahrzehnte zahlreiche den Buddhismus fördernde – dem „Staatswohl“ dienende – Maßnahmen geschildert. Das älteste überkommene die Sangha regelnde Gesetz Sōniryō mit 27 Artikeln stammt aus dem Jahre 702 und wurde 718 modifiziert, Grundlage waren auch hier chinesische Vorschriften (道僧格) von 637.3
Der heute noch übliche Brauch eines butsudan (Hausaltars), dürfte auf eine Anordnung von 685 zurückgehen, die die Errichtung eines „Buddha-Schreines“ (佛舎) zur Unterbringung einer entsprechenden Figur, für alle Haushalte der Provinzen vorschrieb.

Seit 696 wurden jährlich (zehn) Mönche mit Zustimmung der Regierung auf der „Ordinations-Plattform“ im Tōdaiji (im Kaidan-in, 戒壇院) geweiht.4 Streng genommen waren erst die seit dem Kommen von Ganshin (ch. Jiangzhen) und seinen Mitreisenden (14 Mönche, 3 Nonnen) duchgeführten Ordination für Mönche ab 754 regelkonform. Seit 798 galt ein Höchstalter von 35. Auf Vorschlag Saichōʼs wurde jährlich seit 806 nach Schulen getrennt zwölf Novizen ordiniert. Zunächst standen Hossō und Sanron (inkl. Kusha und Jōjitsu) je drei, Ritsu, Kegon und Tendai je zwei der Anwärterstellen zu; seit 835 kamen jährlich drei Shingon-Mönche dazu. Nach den Reformen Ganshin’s kamen noch die Kaidan im Yakushiji (Prov. Shimotsuke) und im Kannon-Tempel der Prov. Chikuzen hinzu.
Deutlich mehr Mönche und Nonnen wurden jedoch aus besonderen Anlässen durch „außerordentliche Weihen“ (臨時度, rinji-do. Mit Genehmigung oder auf Wunsch des Hofes.) ordiniert. So berichten die Chroniken von 900 Personen 737, 750 im Jahre 743, 400 zwei Jahre später sowie 2000 749 oder im Jahre 757 dann 800. Seit 749 gestattete das »Gesetz über die Genehmigung für Tempel, neu erschlossenes Land als Eigentum zu betrachten« (ji’in konden shiyū kyoka rei). 783/4 wurden Landschenkungen an Tempel verboten, Mönche die Familie hatten, in den Laienstand zurückversetzt. Laien legten massenhaft die Bodhisattva-Gelübde ab. Nach dem 9. Jahrhundert fanden im Tōdaiji keine Nonnen-Ordinationen mehr statt. Ab dem 10. Jahrhundert verloren die staatlichen Kaidan ihr „Weihemonopol,“ einzelne Schulen führten ihre eigenen Zeremonien durch.


Ordinationsbescheinigung für den Mönch Kōjō (37 ⨉ 148 cm). Von eigener Hand des Saga-tennō, datiert 23. Mai 823 (Konin 14/IV/10), eine Woche vor seiner Abdankung. (Nationalschatz im Enryaku-ji, Ōtsu).

Bereits ab 718 gab es, auf Regierungsanordnung, Experten bzw. Studiengruppen für bestimmte Sutren und die zugehörige Kommentarliteratur. Diese Gruppen, denen später im Tōdai-ji jeweils eigene Bibliotheken, Gebäude und Verwaltungen zugestanden wurden, waren keineswegs exklusivistisch oder sektirerisch. Unterschieden wurden die Sekten anfangs meist nur aufgrund des Schwerpunktstudiums einer bestimmten Schrift. Sie kristallisierten sich oft um „Gründer,“ die eine bestimmte Version der Lehre in China kennengelernt hatten. Die Behauptung (nur) eine bestimmte Person habe ein bestimmtes Dharma gebracht, er sei also Gründer oder „erster japanischer Patriarch“ ist oft erst im Rahmen der späteren Hagiographie entstanden, da durchgehende „Linien“ dem japanischen Geschichtsverständnis entsprechen. (Der extremste Ausdruck dieser Auffassung ist die Behauptung, die Heilige Dynastie regiere ungebrochen seit fast 2700 Jahren, ohne dynastische Brüche.)

Auf Verlangen des Junna-Tennō (r. 823-33) unterbreiteten die Sekten ihre jeweilige Doktrin 830 in schriftlicher Form dem Hof. Dies bildete die Grundlage der Trennung der Schulen und die Verbindung einzelner Tempel mit einer bestimmten Sekte, etwas das so in China nicht üblich war. (Endgültig festgeschrieben wurde die Schule-Tempel-Bindung erst durch die strengen Vorschriften ab dem Beginn der Tokugawa-Zeit, als auch den – zwangsweise familienweise registrierten – Gläubigen ein Wechsel der Sektenzugehörigkeit nur selten gestattet wurde.)

Soothill/Hodous: “ Ancestors, ancestral; clan; class, category, kind; school, sect; siddhānta, summary, main doctrine, syllogism, proposition, conclusion, realization. Sects are of two kinds: (1) those founded on principles having historic continuity, as the twenty sects of the Hīnayāna, the thirteen sects of China, and the fourteen sects of Japan: (2) those arising from an individual interpretation of the general teaching of Buddhism, as the sub-sects founded by Yongming 永明 (d. 975), 法相宗, 法性宗, 破相宗, or those based on a peculiar interpretation of one of the recognized sects, as the Jōdōshinshū 淨土眞宗 founded by Shinran-shōnin. There are also divisions of five, six, and ten, which have reference to specific doctrinal differences.”
宗派: Sects (of Buddhism). In India, according to Chinese accounts, the two schools of Hīnayāna became divided into twenty sects. Mahāyāna had two main schools, the Mādhyamika, ascribed to Nāgārjuna and Āryadeva about the second century A. D., and the Yogācārya, ascribed to Asaṅga and Vasubandhu in the fourth century A. D. In China thirteen sects were founded: (1) 倶舍宗 Abhidharma or Kośa sect, representing Hīnayāna, based upon the Abhidharma-kosāśāstra or 倶舍論. (2) 成實宗 Satyasiddhi sect, based on the 成實論 satyasiddhi-śāstra, tr. by kumārajīva no sect corresponds to it in India; in China and Japan it became incorporated in the Sanron; (3) 律宗 Vinaya or Discipline sect, based on 十誦律, 四分律, 僧祗律, etc. (4) 三論宗 The three śāstra sect, based on the mādhyamika-śāstra 中觀論 of Nāgārjuna the Sata-śāstra 百論 of Āryadeva, and th this school dates back to the translation of the three Śāstras by Kumārajīva in A. D. 409. (5) 涅槃宗 Nirvāṇa sect, based upon the Mahāparinirvāṇa-sūtra 涅槃經 tr. by Dharmaraksa in 423; later incorporated in Tiantai, with which it had much in common. (6) 地論宗 Daśabhūmikā sect, based on Vasubandhuʼs work on the ten stages of the bodhisattvaʼs path to Buddhahood, tr. by Bodhiruci 508, absorbed by the Avataṃsaka school, infra. (7) 淨土宗 Pure-land or Sukhāvatiī sect, founded in China by Bodhiruci; its doctrine was salvation through faith in Amitābha into the Western Paradise. (8) 禪宗 Dhyāna [Ch'an] meditative or intuitional sect, attributed to Bodhidharma about A. D. 527, but it existed before he came to China. (9) 攝論宗, based upon the 攝大乘論 Mahāyāna-saṃparigraha-śāstra by asanga, tr. by Paramārtha in 563, subsequently absorbed by the Avataṃsaka sect. (10) 天台宗 Tiantai, based on the 法華經 Saddharmapuṇḍarīka sūtra or the Lotus of the Good Law; it is a consummation of the Mādhyamika tradition. (11) 華嚴宗 Avataṃsaka sect, based on the buddhāvataṃsaka-sūtra, or gandha-vyūha 華嚴經 tr. in 418. (12) 法相宗 Dharmalakṣaṇa sect, established after the return of Xuanzang [Hsüan-Tsang] from India and his trans. of the important Yogācārya works. (13) 眞言宗 Mantra sect, A. D. 716.
In Japan twelve sects are named: Sanron, Hossō, Kegon, Kusha, Jōjitsu, Ritsu, Tendai, Shingon; these are known as the ancient sects, the two last being styled mediaeval; there follow the Zen and Jōdo; the remaining two are Shin and Nichiren; at present there are the Hossō, Kegon, Tendai, Shingon, Zen, Jōdo, Shin, and Nichiren sects.”

In Japan gab es:

  • Sanron (Madhyamika) und Jōjitsu (Satyasiddhi; Grundtext T. 1646) beide gegr. 625. Bekanntester Vertreter des Sanron der Zeit war Chikō, der vom Daianji aus wirkte. Als zweiter Bringer gilt Fukuryō. Er vertrat die Lehre des Medhyamika von Nāgājuna. Die Jōjitsu-shū von der es zweifelhaft ist, ob sie in Japan jemals wirklich eine eigene „Schule“ bildete, unterschied sich wenig, ist jedoch dem Hinayāna zuzurechnen. Gebracht wurde sie 624 vom Koreaner Hyegwan (jp.: Ekan) dem wohl Hyeja, (慧慈, aus Koguryŏ. Jp. Eji; † 623, in Japan 595-615. Soll Shōtoku Taishi gelehrt haben.) vorausging. Beide Schulen gingen in der Kegon-shū auf.
  • Hossō (Yogacara skr.: Dharma-lakṣana) gegr. 657, der Kyōkai wahrscheinlich angehörte. Insgesamt viermal nach Japan gebracht zuerst von Dōshō. 1915 noch 43, 1940 41 Tempel mit 846 Mönchen.
  • Kusha (von skr.: kośa gegr. 660). Von China durch Dōshō (629–700, 653–60 in China) und unabhängig davon durch Chitatsu sowie Chitsū nach Japan eingeführt, leitete diese Schule ihren Namen von ihrem als Grundtext geltendem (Abidatsuma) Kusha-ron (etwa „Schatzkammer der Dogmatik;“ T. 1558) ab, einer Übersetzung des Abhidharma-kośa(bhāṣyam) des indischen Philosophen Vasubandhu aus dem 4. oder 5. Jahrhundert, bezw. dessen chinesischer Übersetzung (T. 1545, 9 Kap. in 30 巻) aus den Jahren 651–54 von Hsüan-tasang. Darin werden den Lehren der indischen Sarvastivada- und der Sautrantika-Schule besonders viel Platz eingeräumt, wobei im allgemeinen die Position letzterer vertreten wird. Nach 793 in der Hossō aufgegangen.
  • Kegon-shū (ch.: Hua-yen), gegr. 735. 1915 noch 32 Tempel, 1940 27 mit 24 Mönchen und 22869 Anhängern.
  • Ritsu- oder Risshū-shū (Vinaya), gegr. 754 als Kanshin (oder Ganshin) sie von China brachte. Dem Hinayāna zuzurechnen, konzentrierte man sich auf das Studium der Ordensregeln in der Dharmaguptaka-Fassung, dem „Vinaya in vier Teilen“ (ch. (W.-G.): Sifen Lu; 四分律; 60 巻, T. 1428). Die Risshū ist seit dem 13. Jahrhundert unbedeutend, hatte aber im 20. Jahrhundert im Tōshōdaiji von Miura (Nara) noch einen Haupttempel. 1940 noch etwa 15 Tempel.6

Von den genannten Sekten bestehten heute noch die Hossō, mit wenigen Tempeln darunter dem Yakushi-ji in Nara sowie die Kegon.

Als die „drei Schulen der Heian-Zeit“ bezeichnet man die während dieser Ära gegründeten Schulen:

Als die „fünf Schulen der Kamakura-Zeit“ bezeichnet man die während dieser Ära gegründeten Schulen. Die ersten drei sind dem Amida-Buddhismus (Nembutsu-Buddhismus) zuzurechnen. Man glaubt, daß zur Erlangung des Heils die Rezitation der Formel „Namu Amida Butsu“ ausreicht. Sie sind heute die drei größten Schulen. Ihnen liegen drei Sutren zugrunde: 1) Amida-kyō (Sukhāvativyūha-sutra); 2) Muryōjukyō (Aparitāyus-sutra); 3) Kammuryōjukyō (Amitayurdhāna-sutra). Der Buddhismus des „Reinen Landes“ war schon im 7. und 8. Jahrhundert aus China gebracht worden, eigene Sekten, die ihn ausformten waren aber erst:

  • Jōdo, gegr. 1175 durch Hōnen-shōnin (1133-1212), Hauptwerk: Senchaku hongan nembutsu shū. Anfangs auf Druck der Tendai verboten, der Gründer verbannt. Heute vier Zweige, Hauptsitz ist der Chio-in in Kioto.
  • Jōdo-shinshū (= Ikkō-shū oder Monto-shū), gegr. 1224 von Shinran Shōnin (Shinshū; 1173-1262). Zusammengefaßt wurde die Lehre von Yuiembō in Tannishō. Die Doktrin ähnelt auf den ersten Blick der des deutschen Häretikers Martin Luthers, was die portugiesischen Jesuiten Ende des 16. Jahrhunderts überrascht dem Papst meldeten. Die Schule schaffte als erste bereits im Mittelalter das Zölibat ab, was seit 1870 per Gesetz für alle japanischen Mönche gilt. Man ist vergleichsweise stark seelsorgerisch tätig und missioniert auch in Übersee. Haupttempel des wichtigsten Zweiges sind der protzige Higashi- (gegr. 1601) und der Nishi-Honganji (gegr. 1591), beide unter der erblichen Leitung von Angehörigen des adligen Hauses Ōtani, nahe beieinander in Kioto. Insgesamt zehn Zweige, deren doktrinären Unterschiede minimal sind. Die anderen Zweige sind (jeweils: Haupttempel/Anzahl Tempel/Anzahl Ordinierte, Stand 1940): 1) Bukkyō-ji-ha (Bukkyō-ji in Kioto / 341 / 726); 2) Izumoji-ha (Gōshō-ji in Ajimano / 47 / 138); 3) Kibe-ha (Kinshokuji in Nakazato / 58 / 270); 4) Kōshō-ha (Koshō-ji in Kioto / 306 / 1184); 5) Sammonto-ha, Zusammenfassung dreier Linien die auf Jōdoō (1253-1340) zurückgehen (Senshōji in Asuha, Fukui / 34 / 125); 6) Seishōji-ha (Seishōji in Sabae, Fukui / 45 / 86); 7) Takata-ha, gegr. 1226 von Shimbutsu in Takata (Senjuji in Isshiden, Mie seit 1465 / 625 /1072); 8) Yamamoto-ha (Shōjōji in Yokoe, Fukui / 12 / 83).
  • Jishū, gegr. 1275 von Ippen Shōnin (1239-89). Hauptsitz Shōjōkōji in Fujisawa (Sagami). Nembutsu-Anrufung sechs Mal täglich zu bestimmten Zeiten. Heute 13 Zweige.
  • Nichiren-shū (= Hokke-shū), gegr. 1253 von Nichiren. Das Lotussutra (Hokke-kyō) steht im Vordergrund, dessen Anrufung als Gebetsformel genügt zur Erlangung der Erlösung. Ausgeprägter Ritus. Extrem nationalistisch, aggressive Missionstätigkeit. Eine Abzweigung ist die Soka-gakkai, mit der in der Nachkriegszeit die Partei Komei-tō lange verbunden war. Weitere moderne Ableger sind Reiyūkai (1925), Myōchikai-kyōdan (1950) sowie Busshō-gonenkaikyōdan.
  • Zen, mit seinen vier Linien Rinzai (gegr. 1191; Kōan-Übungen), Sōtō (gebracht von Dōgen 1227; „nur sitzen“), Ōbaku (Rinzai mit chinesischem Ritual, 1661 eingeführt durch Ingen) und Sambō-kyōdan (in Japan unbedeutend, bekannt im Westen durch S. Suzuki und Philipp Kapleu).

Die vier großen Tempel

Die Bezeichnung „vier große Tempel“ (yondaiji) findet sich im Shoku nihongi erstmals beim Eintrag 702/XII/25 aus Anlaß der Trauerfeiern für die Jitō-Tennō. Gemeint sind die bedeutendsten Tempelanlagen der Frühzeit des japanischen Buddhismus (ca. 590–710). Dies sind – jeweils an ihren ursprünglichen Standorten: 1) Daianji auch Kudara Ōdera oder Daikandaiji, 2) Yakushiji, 3) Gangōji (= Asuka-dera) und 4) der Gufukuji (= Kawaradera), von dem keine Tempelgeschichte (engi) existiert. Archäologische Grabungen seit den 1950ern haben zahlreiche (neue) Erkenntnisse über diese Anlagen geliefert, die weit über den Wissenstand zu Bohners Zeit, der auf reiner Textanlyse basierte, hinausgehen. Bedeutend waren die Aufschlüsse besonders basierend auf den Ausgrabungen 1956–7 am Asuka-dera und am kontinuierlich bearbeiteten Kawaradera. Die am Kibi ike 1997 und 2001 freigelegten Fundamente erlaubten überhaupt erst eine Ortsbestimmung des ursprünglichen Kudara Ōdera/Daianji.

Die sieben Nara-Tempel

Nara
Nara mit den wichtigsten Tempeln.

Diese Nanto-shichidaiji (南都七大寺) bildeten zusammen mit Gufuku-ji in Asuka, Shitennōji in Ōsaka und Sufukuji in Ōtsu die „zehn großen Tempel,“ denen zum Unterhalt umfassende Ländereien steuerbefreit zugewiesen wurden.

  • 法隆寺 Hōryūji: gegr. zw. 587. Die heutigen Gebäude gehen auf die 670-711 gebaute Anlage zurück. Hossōshū. Weltkulturerbe seit 1993. Es gibt einen westlichen und einen östlichen Tempelkomplex:
    Saiin Garan (西院伽藍), den Westlichen Bezirk (31 Gebäude)
    Tōin Garan (東院伽藍), den Östlichen Bezirk (14 Gebäude).
  • 元興寺 Gangōji: gegr. 596. Hossōshū (heute: Shingon-shū)
  • 東大寺 Tōdaiji: gebaut zw. 745-752. Haupttempel der Kegon-Schule (華厳宗大本山.) Bedeutendstes verbleibendes Gebäude innerhalb des Komplexes ist die Vairocana-Halle (Halle des Großen Buddha), verschiedentlich genannt: Roshanaden (盧舎那殿), Daibutsuden (大佛殿), Kondō (金堂). Bis heute gilt es als das größte Holzbauwerk der Welt, was auch der Higashi-Honganji in Kyoto von seiner Haupthalle behauptet.
  • 興福寺 Kōfukuji: gebaut 710. Familientempel (氏寺) des Fujiwara-Klans (bis heute Hossōshū).
  • 薬師寺 Yakushiji: gebaut zw. 680-698. Haupttempel der Hossōshū 法相宗大本山. Der erste Tempel in Japan, der nach T’ang-Vorbild zwei Pagoden südlich der Kondō hatte.
  • 大安寺 Dai’anji: gegr. 617. von Shōtoku, heute zur Shingonshū.
  • 西大寺 Saidaiji: gegr. 765 auf Befehl von Kaiserin Shōtoku, in Erfüllung eines Gelübdes, das sie geleistet hatte. Falls sich die Rebellion von Fujiwara no Nakamaro niederschlagen ließe sollte ein Tempel gebaut werden. Im 13. Jahrhundert Basis des Vinaya-„Erneuerers“ Eison (1201-90).5 (Heute: Shingon-Risshū 真言律宗総本山). Diese ist seit 1895 als vollkommen eigenständig anerkannt. 1940 70 Tempel, 102 Ordinierte.
  • 唐招提寺 Tōshōdaiji: erbaut 759. Haupttempel der Risshū (律宗総本山).

Die sechs „Sieges“-Tempel

Als ab der mittleren Heia-Zeit die zurückgetretenen Tennōs (''insei''), offiziell ordinierten mächtig wurden, bauten diese beginnend mit Shirakawa (72., r. 1073-87, † 1129) im Nord-Ostteil für sich jeweils große Tempel, die reich mit Pfründen und Latifundien ausgestattet, auch der Versorgung der ehemaligen Majestäten sicherten, für die gewisse Hallen () genutzt wurden. Kollektiv sind diese sechs Anlagen als Rokushō-ji (六勝寺) bekannt.8 Gemeinsam its ihnen, daß sie alle für Mitglieder der kaiserlichen Familie errichtet wurden und das Zeichen für „Sieg“ () im Namen hatten. Fast alle wurden beim Erdbeben 1185 (komplett) zerstört, einer bestand weiter bis 1142.

  1. Hosshō-ji (法勝寺): erbaut von Shirakawa 1077 auf dem Gelände eines ehemaligen Palasts. 1142 abgebrannt.
  2. Sonshō-ji (尊勝寺): erbaut 1102 von (73., 3. Sohn Shirakawas, r. 1087-1107, † 1107)
  3. Saishō-ji (最勝寺): erbaut 1118 von Toba (74., r. 1107-23, † 1156)
  4. Enshō-ji (円勝寺): erbaut 1128 für die mit dem Titel Taiken-mon'in (待賢門院) geehrte Adoptivtochter Shirakawas, die Kaiserin (chūgū) Tobas gewsen war.
  5. Jōshō-ji (成勝寺): erbaut 1139 für Sutoku (75., ältester Sohn Tobas, r. 1123-42, † 1164)
  6. Enshō-ji (延勝寺): erbaut 1149 für Konoe (76., 9. Sohn Tobas, r. 1142-55, † )