Kabane

Klassenverbandsbezeichnungen ältester Zeit

Menu

Es empfiehlt sich für den mit dem Gegenstande wenig vertrauten Leser sich mit folgenden Bezeichnungen vertraut zu machen:

Die Kabane

H. B.: Klassenverbandsbezeichnungen ältester Zeit.

Die Rangfolge der Adligen richtete sich in der japanischen Frühzeit nach dem ihren Familienverbänden (uji) zukommenden erblichen Standestiteln (kabane, ). Seit den 1980ern vertreten manche Wissenschaftler (Zu nennen sind Yoshie Akiko und Yamamura Taekito, der von einer „konischen“ Struktur sprach. Gestützt wurden die Ansichten auf Interpretation der 1977 gefundenen Inschrift, datiert 471 oder 531, auf dem Inariyama-Schwert (稲荷山鉄剣), vorne 「辛亥年七月中記乎獲居臣上祖名意富比垝其児多加利足尼其児名弖已加利獲居其児名多加披次獲居其児名多沙鬼獲居、其児名半弖比 」 hinten 「其児名加差披余其児名乎獲居臣世々爲杖刀人首奉事來至今獲加多支鹵大王寺在斯鬼宮時吾左治天下令作此百練利刀記吾奉事根原也 」 . John Whitney Hall formulierte 1966 die traditionelle Auffassung von den Ujis.) die Ansicht, daß es sich bei den Uji nicht so sehr um stammesähnliche Großsippen gehandelt habe, sondern um politische Strukturen, die sich aus dem Verhältnis eines (früheren) Klanoberhaupts zum Yamato-Herrscher ergeben haben.
Über die Rangfolge und Bezeichnung der Frühzeit herrschen in der Forschung die unterschiedlichsten Auffassungen. In der englischen Literatur, hat sich noch nicht einmal ein allgemein feststehender Ausdruck durchgesetzt.

Uji

Uji waren im wesentlichen weitverzweigte (adlige) Großfamilien bzw. -gruppen, die ihren Ursprung auf dieselbe Person (auch Kaiser) bzw. Kami („Gottheiten“) zurückführten, oft mit eigenen Uji-spezifischen Namen, alle trugen jedoch dasselbe Kabane. Die Ursprünge dieses Klassifizierungssystem gehen in die japanische Frühzeit (4.-5. Jhdt.) zurück. Es sind 24 verschiedene Kabane bekannt, wobei diese nicht in einer exakten Reihenfolge festgelegt waren. Verleihung bzw. Erhöhung erfolgte durch den Herrscher. Vereinzelt gab es Verleihungen auch an verdiente Einzelpersonen. Vor 603 ist festzustellen, daß muraji nahe bei Hofe residierten und dort Funktionen innehatten. Miyatsuko amtierten als niedriger stehende Landadlige in den Regionen. Insgesamt war dieses System jedoch, besonders vor Einführung des Hofrangsystems, zu unflexibel, da mit der erblichen Verleihung eines Kabane Privilegien an die (teilweise sehr groß werdenden) Familienverbände verbunden war, die vielfach bestimmte erbliche Funktionen bei Hofe hatten. Die Klanoberhäupter kontrollierten gewisse, als „-tomo“ () oder „-be“ bezeichnete, Berufsgruppen (Zünfte), die einen halbfreien Status hatten. Tomo no miyatsuko kommandierten deren Tätigkeiten, waren aber einem Muraji bei Hofe unterstellt. Bei Hofe tätige Gruppen, die erblich gewisse Tätigkeiten ausübten, nannte man vom 5.-7. Jahrhundert koshiro (子代). Hierzu gehörten u. a. die mibube, dienstbare Geister der hinteren Paläste, die kashiwadebe, yugeibe oder die als Waxchen fungierenden toneribe

Stammbaum
Stammbaum der Fujiwara-Familien, lange mächtig durch ihre Versippung mit dem Kaiserhaus.

Dominierendes Uji der Frühzeit waren die, die Waffenschmiede „-be“ kontrollierend, Mononobe, diese wurden ab 578, bis zum coup d'etat 645, von den Soga verdrängt, danach dominierten die Fujiwara, die das Ritsuryō-System mit einführten. Deren geschickte Familienpolitik und die damit verbundene Versippung mit dem Kaiserhaus, ist aus dem Stammbaum ersichtlich.

Unter Kaiser Temmu wurde mit Edikt vom 684/X/1 ein achtstufiges Rangsystem festgelegt (Yakusa no Kabane, siehe Tabelle). Bereits in den Jahren zuvor war begonnen worden, einzelne Uji in entsprechende Kabane zu befördern. Die alten Kabane bestanden jedoch weiter, so keine Neueinordnung stattfand. Dies wirft einige Probleme bei der Zuordnung auf. Im wesentlichen wurden die meisten alten kimi () in die höchste Klasse mahito überführt; omi, kimi (Schreibung „kun“) zu asomi. Viele der bisherigen obito, miyatsuko, kishi, atahi, fuhito, agnata-nushi usw. kamen in das neue – im Rang niedrigere – vorläufige (680/1) muraji. Einige dieser wurden dann nach 684 zu sukune bzw. imiki, meist aber im muraji belassen. Die „alten“ – höherstehenden – muraji wurden meist sukune. Der neue vierte und fünfte Rang, der der Mehrzahl der vor-Taika omi und muraji zugeteilt wurde, stellte den Hauptteil der höfischen Aristokratie. Unter diesen Stufen nahmen die Privilegien für die niedrige Hofaristokratie und die Nachkommen der alten kuni no miyatsuko, die eine Art Landadel enstehen ließen, rasch ab. Der erbliche Adelsrang und (Hof-)Amt brachten Sondereinkünfte und Nebeneinnahmen. Rangabhängige Pfründe waren z. B. eine gewissen Anzahl von Gefolgsleuten, Nutznießung zugewiesener Ländereien und Steuerbefreiung. Der Landadel erhielt steuerfreies Amtsland, jedoch wenige Privilegien. Als Familienoberhaupt folgte in den Ämtern und Rechten der älteste Sohn.
In späteren Zeiten wurden Kaisernachfahren, die i.d.R. in der 5. Generation aus der kaiserlichen Familie „aussortiert“ wurden, d. h. ihnen wurden Familiennamen gegeben, zu mahito. Zusammenfassend bleibt zu sagen, daß die obersten beiden (neuen) Ränge, Nachkommen des kaiserlichen Hauses vorbehalten blieben. Viele der einflußreichsten Uji, die ihren Ursprung auf Kami zurückführten, erhielten den Rang sukune. Verleihungen der unteren vier Ränge sind erst ab der Regierung Mommu’s (697–707) in den Annalen verzeichnet.

Shinsen-shōjiroku

Die grundlegenden Arbeiten des Historikers Inoue Mitsusada seit den 1960ern haben für die Enstehung der Yamato-Dominanz über die späteren Reichsannalen hinausgehende, plausibel die Hintergründe aufgeklärt. Diese Ansichten, weiterentwickelt von Tsude Hiroshi und der Archäologin Gina Barnes, sind seit den 1990ern „herrschende Meinung.” Demnach wurde die Föderation von Stammesoberhäuptern, denen Himiko vorstand, im frühen 5. Jahrhundert von einer stärkeren, um Seto basierten unterworfen. Um die Machtposition zu stärken, vergab man nach chinesischem Vorbild an die nun nachrangigen, verbündeten Häuptlinge Titel und beließ ihnen regionale politische Macht als kuni no miyatsuko oder rekrutierte sie als Vasallen (tomo no miyatsuko) näher am Zentrum (die fruchtbare Ebene hinter dem modernen Osaka und Nara) mit Befehlsgewalt über Landgüter oder bestimmte Berufsgruppen (-be). Es ließ sich zeigen, daß erstere Form im 5. Jhdt. vor allem in den Regionen Tsukushi (Kyūshū), Kibi (heutige Okayama-, Hiroshima- und Hyōgo-ken) sowie Kenu (Tochigi- und Gumma-ken) dominierte, während das Gebiet um den Yamato-Hof direkter beherrscht wurde. Inwieweit die Größe der zu dieser Zeit entstandenen Kofun-Grabanlagen mit den tatsächlichen Machtverhältnissen der Fürsten korrelierte ist umstritten, besonders da nur wenige arcghäologisch untersucht werden durften. Besonders der lange regierende, heute als Yūryaku bekannte Herrscher (trad. *418, r. 456-79; in chin. Quellen als Bu), scheint geschickt die Verbindungen zwischen Zentrum und Peripherie zum seinem Vorteil ausgebaut zu haben. Dessen Dominanz wurde auch dadurch gestärkt, daß man durch den „Export“ von Söldnern nach Korea bei gleichzeitigem Zufluß von geschmiedeten Eisenwerkzeugen von dort über eine gesicherte bewaffnete Macht verfügte.

Als sich der Yamato-Klan endgültig zur führenden Kraft entwickelt hatte, ergab sich bald die Notwendigkeit die zahlreichen Ansprüche einzelner Klans nachzuprüfen. Der Saga-Tennō beauftragte 815 den Prinzen Mata eine Adelsmatrikel, das Shinsen-shōjiroku (新撰姓氏) zu erstellen. Aufgenommen wurden, in Zweifelsfällen nach Feuerprobe, 1182 Familien aus den fünf inneren Provinzen (kanai). Es erfolgte genaue Aufschlüsselung der Genealogien. Dieses Verzeichnis wurde in drei Abteilungen gegliedert: 1) Kobetsu: Nachfahren von „Kaisern“ seit Kaika, (9.; traditionell 208–98 v.u.Z.) Shimbetsu: diejenigen „göttlicher Abstammung,“ und 3) solche „ausländischer,“ d. h. meist koreanischer Herkunft (324 Sippen). (Mit Immigranten waren hier diejenigen, von der koreanischen Halbinsel ankommenden Träger der Zivilisation gemeint, die nach ca. 450 kamen. Die aus den koreanischen „Invasoren“ von 369 hervorgegangenen herrschenden Klans, u. a. Soga, Ki, Kose, Heguri, Katsuragi, waren zu diesem Zeitpunkt schon japanisiert.1
Die Obsession der Japaner mit Blutlinien und damit verbundener „respektabler“ Abstammung hält bis heute an und findet ihren Ausdruck in den offiziell geführten Familienregistern, deren Ursprünge auf diese Zeit zurückgehen. Seit 670 ist die Erfassung der Bewohner durch solche Haushaltsregister vorgeschrieben. Damalige Register hießen kogō-nen jaku und wurden auf Basis von Volkszählungen, die im 6jährigen Turnus stattfanden angelegt. In dieser Richtung zu sehen sind auch die „schwarzen Listen“ (deren Existenz vehement bestritten wird) zu sehen, mit denen bis heute Personalabteilungen prestigeträchtiger Großfirmen, Bewerber mit burakumin o. ä. Hintergrund aussieben.

Rangfolgen

Rangfolge nach Hermann Bohner:2

Omi
Edeling, Großherr, Adel kaiserlichen Geblüts; Ohomi: Groß-Omi.
Muraji
Scharherr, Dörferschaftsherr, alter Dienstadel nicht kaiserlichen Geblüts
Miyatsuko
Königsknappen
Kimi
oder Herr, Fürst
Atahi (= Atae)
Vitztum
Agatanushi, Suguri, Wobito
県主 (Agata waren seit dem 5. Jahrhundert „dem Herrscherhaus übertrtagene Felder/Gebiete.“ Sie finden sich nur westlich einer Linie, die entlang der Ostgrenzen der Provinzen Echizen, Mino und Owari verlief. In späterer Zeit finden sich viele ihrer Namen als die von Bezirken wieder.), 村主, 選 Oberhaupt (Suguri bezeichnete ausschließlich Einwandererfamilien.)
Asomi
朝臣 Zweithöchstes Kabane bei der Neuverteilung. („Nachfahren“ der Kaiser vor Ōjin bezw. der kami)
Sukune
宿禰 Dritthöchstes Kabane bei der Neuverteilung.
Imiki
忌寸 Vierthöchstes Kabane bei der Neuverteilung.

(Koreanische) Immigrantenfamilien (s. u.), waren von den drei obersten Rängen ausgeschlossen.
Leicht abweichend gibt Miller (1974) die oberen Ränge: Mahito, Asomi, Sukune, Imiki. Weiterhin unterscheidet er bei den (alten) Kimi zwei Schreibungen 1) ko, 2) kun, wobei erstere den höheren Rang darstellten und auch nach 684 fast alle zu Mahito wurden, während letztere meist unter Asomi eingereiht wurden.

Rangfolge von 684, nach Ingelore Kluge:

Mabito
真人 1. Rang für kaiserliche Verwandte. (Hauptsächlich Nachfahren von Keitai; (継体天皇, Keitai-tennō; 26. trad., *485?; † 9. April 527) 13 Sippen.)
Ason
朝臣 2. Rang. (Hauptsächlich Nachfahren der bisher Omi betitelten Familien, oder Nachfahren aus der kaiserlichen Linie von Keiko. Zusammen 52 Sippen.) Auch für Personen vom 5. (Hof-)Rang aufwärts als ehrenvoller Beiname. (Lesung dann chōshin „Höfling“)
Sukune
宿禰 Fünfzig Sippen, die sich als Nachfahren von Kami verstanden. (Meist …no Muraji)
Imiki
忌寸 Fremdadel. (Erste Ernennungen 685/VI/20 von zwanzig Sippen, fast alle Provinzvorsteher.)
Michi no shi
道師 für Handwerker, Künstler usw. (mit Lesung dōshi Taoist, Moralist)
Omi
(mit Lesung: shin Vasall, Untertan)
Muraji
(mit Lesung: tsurete Begleiter, Freund, Anhängsel)
Inaki
unterster (Adels-)Rang

Gemeines Volk, Sklaven

Bauernhaus
Bauernhaus mit elf Bewohnern
(Meiji-Ära. Die bis in die 1920er verbreitete Ansicht, dies sei ein seit dem Altertum unveränderter Haustyp hat sich als nicht haltbar erwiesen. Das einfache Volk lebte lange in gedeckten Erdgruben.)

Mit Umsetzung der Taika-Reformen (645–702) wurde auch die Bindung der Berufgruppen (-be) an einzelne Uji aufgehoben, was zu einer Schwächung dieser Adelssippen gegenüber der Zentralmacht führte. Das gemeine, steuerzahlende Volk war danach im wesentlichen in Ryomin (良民) und Semmin (賤民) geteilt.

Erstere bildeten die obere Klasse und waren in: Kanjin (官人), Komin (公民), Shinabe (品部) und Zakko (雑戸) untergliedert.
Darunter standen die allenfalls halbfreien Semmin, aufgrund ihrer 5stufigen Gliederung oft als go no sen (五の賤) bezeichnet. Sie waren nach ihren Aufgaben wie folgt gegliedert: Ryōko (陵戸), der kaiserlichen Familie zugeordnet, häufig Bewacher von Kaisergräbern. Kanko (官戸), den Behörden zugeordnet. Kenin (家人) Bediente des Adels.
Weiterhin gab es zwei Arten von Sklaven; die kunuhi (公奴婢) Eigentum des Kaisers und die shinuhi (私奴婢) im Besitz von Privatleuten. Kunuhi wurden mit Erreichen der Altersgrenze (66) zu Kanko, mit 76 Jahren Freie – etwas, das bei der damaligen Leneserwartung von 38 Jahren selten vorkam. Heiraten zwischen den einzelnen Gruppen waren anfangs nicht gestattet, das System war aber nicht so streng wie das indische Kastenwesen. Anfangs wurden Mischlingskinder der beiden Kasten den Semmin zugeordnet, nach 789 den Ryomin. Diese Gliederung wurde bis ins 10. Jhdt. angewendet. Erblich Unfreie trugen bestimmte Namen, so daß auch dadurch ihr Status kenntlich wurde.3

Migration der Landbevölkerung aus den Dörfern ihrer Geburt war unerwünscht, kam aber bei verschlechterten Lebensbedingungen vor. Ein Mal im Leben konnte dem Antrag eines Haushaltsvorstands stattgegeben werden. Umzüge über Provinzgrenzen bedurften der Genehmigung aus der Hauptstadt, die Umziehenden hatten nach den Bestimmungen des Taihō-Kodex im Winter von Offiziellen bis zur Provinzgrenze begleitet zu werden und wurden dort in Empfang genommen. Flüchtige wurden nach 721 zwangsweise in Begleitung repatriiert, freiwilligen Rückkehrern wurden Reise-Papiere gegeben. Aufgegriffene wurden ab 736 vor Ort, ohne daß ihnen Land zugeteilt wurde, zur vollen Steuer veranlagt. Die Bestimmung, 780/1-5 vorübergehend außer Kraft gesetzt, führte im frühen 9. Jhdt. zur Schaffung von Vaganten-Registern (furōnin chō). Verschiedene pragmatische Ausnahme-Verordnungen zeigten, daß die Kontrolle in den Provinzen nicht so streng war, wie offiziell gewünscht. Die duolokalen und bilateralen Heiratsgewohnheiten führten auch zu Migration. Gewisse Berufsgruppen, z. B. Fischer waren mobil, ebenso war die Brandrodungswirtschaft bis in die Heian-Zeit üblich, was Haushaltsverlegungen erforderte. Ausgrabungen von Dörfern der Nara-Zeit haben weniger kompakte, als verstreut liegende Siedlungen zu Tage gefördert. (Wehrdörfer mit Palisaden waren allenfalls in Mutsu nötig, sonst herrschte im Yamato-Reich ein Jahrhunderte langer Landfrieden.) Gewohnt wurde lange noch in Erdlochbehausungen (竪穴住居 [たてあなじゅうきょ] ) (ø 16 m², für 5-7 Bewohner), mit Lehmherden, deren Materialien alle 15-20 Jahre Neubauten erforderten. (Saisonale) Arbeitsmigration, z. B. zum Bau des Tōdai-ji ist ebenso belegt wie Beschwerden, daß dadurch ein Fachkräftemangel in den Provinzen enstand. Die Schätzung der Gesamtbevölkerung zur frühen Nara-Zeit auf 5½ Millionen, von Sawada Goichi (1927), als die Kontrolle bis etwas nördlich der Kantō-Ebene reichte, gilt heute als zu hoch gegriffen. 4–5 Millionen dürfte eine realistische Annahme sein. Die Lebenserwartung (hohe Kindersterblichkeit herausgerechnet), läßt sich aus erhaltenen Zensus-Unterlagen auf ø 35-38 Jahre schätzen.


Hofrang

Es sei darauf hingewiesen, daß in Japan der „1. Rang“ immer die höchste Stufe ist. Die „linke“ bzw. „östliche“ Seite ist immer würdevoller als ihr Gegenpart.

Im Jahre 11 der Herrschaft der Kaiserin Suiko (d. i. 603) eingeführt, bestanden die Hofränge (冠位十二階, kan'i junikai) für Beamte nach chinesischem Vorbild – aber entsprechend der Praxis an den koreanischen Höfen. Ursprünglich in sechs Rängen: 徳, 仁, 禮, 信, 義, 智; von diesen jeweils eine obere und untere Stufe. Das Nihon shoki XXII (Suiko 11/XII/5) beschreibt die Einführung des Klassifizierungssystems. Nun war es möglich Personen nach ihrem Verdienst zu befördern, ohne auf die unflexible Kabane-Klassifizierung der Sippen in jedem Fall Rücksicht nehmen zu müssen.
Erstmals modifiziert wurde dieses System 647: 13 Stufen (Kan-i shichi shoku ju-san kai). Bereits im 5. Jahr Kōtoku (649) wurde es in ein 19stufiges Rangsystem (Kan-i ju-ku kai) geändert. Die Unterscheidung erfolgte auch hier anhand der Kopfbedeckung „Mützenränge.“ (Nihon Shoki XXV: Taika 5/II)
Weitere Reformen fanden 646 (26 Stufen) und 685 (zwölf der Kaiserfamilie vorbehaltene4 und 48 einfache Ränge, Shaku-i shi-ju-hachi kai) statt. Den Abschluß fanden diese 701 (18 kaiserliche und 30 Stufen für Untertanen). Die unteren Ränge waren jeweils in vier Stufen unterteilt, z. B. „6. oberer“ („gerader;“ „wirklicher“) bzw. „folgender“ („unterer“) Rang, mit je einer oberen und unteren Stufe. Die Ränge 1-3 („Großwürdenträger“) waren nur in zwei Grade unterteilt. Weiterhin wurde zwischen „inneren“ (Beamte bei Hofe) und „externen“ Rängen (in der Provinz) unterschieden. Die ersteren erforderten u. a. Residenz der Familie in der Hauptstadt. Aufstieg in den Bereich der gemachfähigen Amts- bzw. Würdenträger (5. Rang aufwärts) blieb Außenstehenden meist verwehrt.

Imperial Palace in Kyoto - chair of emperor's office 3 (title='von Ryuch (Eigenes Werk) GFDL via Wikimedia Commons'
„Thron“ in der Audienzhalle (im rekonstruierten Palast in Kioto). Da die himmlische Majestät sonnengleich strahlt, wurden die Bambusvorhänge bei Anwesenheit herabgelassen, auf daß die Besucher nicht erblinden sollten.6

Die obersten drei Ränge bildeten den Kreis der Großwürdenträger, die kuge. Alle Ränge vom fünften aufwärts berechtigten den Inhaber ins Antlitz des Herrschers zu treten, sie bildeten die sogenannten denjōbito. In gewissen Fällen war es unumgänglich einer verdienten Persönlichkeit aus einer „nicht-würdigen“ Familie den fünften Rang zu verleihen, dies jedoch ohne Vortragsrecht. Für diese Zwecke wurde 728 eine spezielle externe Stufe des „fünften folgenden Rangs untere Stufe“ geschaffen – anfangs mit gleichen Bezügen und Rechten wie die inneren Ranginhaber. Die Privilegien wurden später abgebaut. Gewöhnliche Höflinge und Beamte (jige) standen im 6.-8. Rang. Darunter gab es den Einstiegsrang Daisō-i. Den Einstiegsrang im Staatsdienst bei Hofe bestimmte nicht nur die Note der Abschlußprüfung an der Daigaku sondern auch die gesellschaftliche Position der Sippe und der Hofrang des Vaters entscheidend mit.

Aus den Rängen, die immer auch ein Gradmesser gesellschaftlicher Stufung sind, ergaben sich gewisse Pfründen und Privilegien (z. B. hinsichtlich Eskorten oder Ehrenbezeugungen). Zwischen Dienstposten und Rängen der Amtsinhaber bestand eine gewisse „Angemessenheit des Ranges“ (kan'i-sōtō). Der für die Übernahme eines Amtes erforderliche Hofrang konnte einem Kandidaten nach Vollendung des 25. Lebensjahres verliehen werden, bei entsprechend hohem Kabane auch schon mit 21. Dabei hing der Einstiegsrang von der Herkunft und der Bildung des Kandidaten ab. In den unteren Klassen wurden die Beamten jährlich beurteilt. Das Schreibmaterial dafür war selbst zu bezahlen. Die Aufstiegschancen, normalerweise von Länge der geleisteten Dienstperionden (stellungsabhängig unterschiedlich 4-6, teilweise auch 10 Jahre) waren ebenso wie die Entlohnung gering.

Als Sondergruppe zu betrachten sind postum verliehene Ehrenränge (zo-i), die der Familie des Verstorbenen bessere Versorgung sicherten. Dieser war normalerweise drei Stufen höher als die des Verblichenen. Nach 718 wurden noch provisorische Ränge (shaku-i). Solche erhielten meist niedere Provinzbeamte verliehen, teilweise auch Gesandte.

1600–1945

Nominell wurden die Ränge Höflingen bis 1871 weiterhin verliehen, sie waren jedoch schon ab Beginn des Ashikaga-Shōgunats – ebenso wie die Macht des Kaisers – bedeutungslos geworden. In einigen Fällen waren Titularämter (kanshokumei, 官職名) jedoch zur Legitimation eines Kriegsherren von Bedeutung. So ließ sich Hideyoshi in einen Zweig der Fujiwara adoptieren, damit ihm der erste Rang, seiner Machtposition entsprechend, verliehen werden konnte.

Auch nach der Reform des japanischen Adels nach westlichen Vorbildern (Kazoku) 1884 wurden an japanische Staatsbürger weiterhin Hofränge (ikai oder kurai) verliehen. Diese hatten jedoch nur noch zeremoniell-symbolischen Wert. Auch wurde die Anzahl der Stufen verringert – es wurde nur noch in „wirkliche“ und „folgende“ Ränge unterschieden. Die neuen Adligen erhielten automatisch einen ihrem Adelsrang entsprechenden Hofrang, Barone z. B. wurden in den 4. Hofrang eingereiht. Der „erste wirkliche Rang“ wurde hohen Würdenträgern nur postum verliehen. Die seit Nakatomi no Kamatari († 669) übliche Praxis der Erhöhung am Sterbebett bestand also fort.

Verdienstränge

Als militärisches Gegenstück zu den zivilen Rängen wurden Verdienstränge (kun'i), ebenfalls in zwölf Stufen, die jedoch keineswegs gleichwertig waren, verliehen. Nach Abschluß eines Feldzugs wurde ein Meritenregister (kumbo) erstellt. Die direkte Erhebung in den 6. Rang erfolgte z. B. nach Ablieferung von vierzig Feindesköpfen. Mit diesen Rängen waren keine Einkommen und wenige Privilegien verbunden. Ab dem 8. Rang erfolgte Steuer- und Fronerlaß, in der 9. Klasse nur Fron- und Wehrpflichtbefreiung. Im 8. Jahrhundert erfolgten etwa 12000 Verleihungen, die meisten in den unteren Klassen. Im 9. Jahrhundert häufen sich Verleihungen an assimilierte (fu-shū „Unterworfene") Emishi, die oft gleichzeitig noch spezielle „Barbarenränge“ erhielten. Die Verleihungen endeten mit dem Übergang von der allgemeinen Wehrpflicht zur kondei-Miliz.

Erst seit etwa 1967 werden die Taihō-Ränge wissenschaftlich korrekt interpretiert, wobei verschiedene Fragen zum Verhältis von Verdienstrang ggü. Hofrang noch ungeklärt sind.


Geistliche Ränge

Bereits zur Zeit der Soga-Herrschaft versuchte der Hof, das Leben und den Zugang zur Sangha zu regeln und die Struktur zu kontrollieren. Dazu wurden unter Kaiserin Suiko 624, als Sōgō-sei, (僧綱制) die drei Positionen sōjō (僧正, ch.: seng-cheng; 2 Stufen), sōzu (僧都, ch. seng-tu) und hōzu (法頭, ohne chin. Vorbild) geschaffen. Risshi (律師), „Vinaya-Meister“ brachten Novizen die Ordensregen bei. Die Sakan (佐官) kümmerten sich um die Verbindung zwischen der Zentrale und den staatlichen Tempeln (daiji).
Ein eigenes Gesetz, das Sōni-ryō, das auch Verhaltensregeln für Mönche enthielt, und z. B. Mönche an bestimmte Tempel band, wurde erlassen (Teil des Taihō-Kodex). Der Hauptzweck war es, den Buddhismus dem Nara-Hof dienstbar zu machen. Beginnend mit der Regierung Temmus (? 673–86) mußte jede Ordination, die an gewisse Voraussetzungen geknüpft war, von einer eigenen Behörde, dem Gembaryō – das die Funktion des hōzō übernahm – genehmigt werden. Aspiranten, die Kenntnisse gewisser Sutren nachwiesen, erhielten ein Kugen (公験) genanntes Prüfungszeugnis, das ihre Ordination erlaubte. Sie bezeichnete man in der Zwischenzeit als Tokudō. Dadurch sollte u. a. verhindert werden, daß sich Bauern vor der hohen Steuerlast in den geistlichen Stand flüchteten. Oridnierte erhielten bei der Weihe ein Ordinationszertifikat (告牒). Trotzdem zog eine große Zahl „unoffizieller“ Mönche (jidō) durchs Land. Shōmu zentralisierte und verstaatlichte die Verwaltung mit Hilfe der Provinztempel, die zentral vom Tōdai-ji aus verwaltet wurden. Der Jun’nin-Tennō bestimmte, daß die gewöhnlichen Kleriker in vier Ränge eingeteilt wurden, die in der Würde den Stufen des sechsten Hofranges gleich standen. Die Stufen, alle beginnen mit Dentō…, sind von oben: …daihōshi, etwa: „Dharma-Großmeister der Weitergabe der Leuchte“; …hōshi, etwa: „Dharma-Meister …;“ …man-i: „Oberer Rang;“ …jū-i „Unterer Rang;“ dazu noch ohne Rang …nyū-i: „Novize“ (= 沙彌, shamon. Die Auswahl der höheren Würdenträger erfolgte nicht durch die religiösen Gemeinschaften, sondern von Staats wegen („Religion“ war in Japan der weltlichen Herrschaft immer untergeordnet und dienstbar).

In der frühen Heian-Zeit dominierten die in buddhistischer Logik (因明; immyō; der ind. Philosoph Dignāga [ca. 480-540] gilt als Schöpfer der buddh. Logik. Sie ist eine der fünf altbuddhistischen Wissenschaften. Die anderen vier sind Linguistik, shōmyō, „Technologie“ inkl. Mathematik, kugyōmyō, śilpa [karma] sthana vidyā; Medizin, ihōmyō und buddhistische Doktrin, naimyō 内明) gut geschulten Mönche der Hossō, besonders die aus dem Kōfuku-ji, den religiösen Diskurs. Sie hatten daher großen Einfluß auf Rangerhöhungen. Mit ihnen konkurrierten der ebenfalls bildungsbeflissenen Sanron-Mönche. Um Karriere machen zu können, war es wichtig, daß ein Mönch vortragender Meister bei den „drei Nara-Versammlungen“ gewesen war. Gerade die als Einstieg dienende Yuima-e dominierten die Mönche des Kōfuku-ji. Von den 450 überkommenen Namen der zwischen 658 und 1276 gehaltenen Veranstaltungen waren gut die Hälfte von der Hōssō. Für die Jahre 624-1142 sind gut 2000 Ernennungen ins Sōgō (Aufgelistet im Sōgō bunin. Das älteste erhaltenen Manuskript ist aus dem späten 12. Jh. im Kōfuku-ji) bekannt. Von den 170, die die Ausbildung durchliefen waren 105 (62%, über ¾ aus dem Kōfuku-ji) von der Hōssō, am anderen Ende des Spektrums waren Tendai-Mönche mit 4% Anteil.
Mit dem Aufkommen der von Saichō verbreiteten Lehren (ab ca. 800) wurde die strenge Kontrolle der Sangha hinfällig. Buddhistische Mönche und Shintō-Priester unterlagen einem milderem Strafrecht.5

Seit die Trennung in einzelne Sekten 718 festgelegt worden war, gab es für jede einen Gakutō (学頭) genannten obersten Lehrmeister der jeweiligen Doktrin. In den 750ern begann man auch die Vorsteher der monastischen Hallen (sōbō) der Schulen im Tōdaiji so zu betiteln.

In der späten Heia-Zeit wurde es üblich Kaiser- (kishu) und nachgeborene Söhne des Hochadels (ryōke, „aus gutem Hause“), die wegen der weggebrochenen Steuerbasis schlecht versorgt werden konnten in Tempel abzugeben. Solche Herrn machten schneller Karriere als normale Mönche (bonsō oderbonjin). Letztere waren, wenn sie erstmals in die mit Pfründen ausgestatteten Sōgō-Ränge ernannt wurden normalerweise in ihrem sechsten Lebensjahrzehnt, oft auch noch älter. Aristokratische Mönche ernannte man im 11. Jahrhundert oft schon wenn sie 20-30 Jahre alt waren. Meister vererbten auch ihren Privatbesitz an den gewählten Schüler weiter, was dann zur Bildung von Traditionslinien (monryū, 門流) führte, ggf. innerhalb gewisser Untertempel (inge bzw. jike).

Bezeichnungen und Ehrentitel für buddhistische Geistliche:7

Bosatsu
菩薩 Bodhisattwa, der „Bodhi“ (Erleuchtung) Gewordene, nachststehend den Buddhas.
Hōshi
法師 (chin. fashi) Meister des Gesetzes (Buddhas), des Dharma, führender Kleriker.
Kokushi
國師 Sammelbezeichnung Teams von Mönchen, die in den Provinzen die buddhistische Verwaltung erledigten. Das Personasl war in die übichen vier Ränge geteilt.
Zen-shi
禪師 „Zenmeister,“ Meister des Zen, der Meditation. H.B’s Übersetzung, dieses in den Legenden häufigen Begriffs erscheint unglücklich, da Zen in der heutigen Umgangssprache, die Schule diese Namens bezeichnet, die als solche aber zur Entstehungszeit des NR in Japan noch nicht bestand. Dhyana-Meister bzw. Meditations-Meister wären angemessenere Begriffe. In der Nara- und frühen Heian-Zeit hatte der Titel noch die unterschwellige Bedeutung von „Exorzist.“
Dai-toku
大徳 (Skr.: bhadanta) „Groß-Wesenskraft“, „Groß-Tugend,“ eine ehrende Kleriker-Bez. (Weltlich die höchste der „12 Mützenstufen“ des Jahres 603.)
Sangō
三綱 sind die drei leitenden Posten in einem Tempel/Kloster. Oberste ist eine „Hochsitz-Nonne“ (法邇;), analog männlich vom skr: sthāvira „Präsident,“ „Ältester“; skr.: vihārasvāmin, „Vorsteher,“ „Direktor“ zuständig für die weltlichen Affären des Tempels; (tsu)ina skr.: karmadāna (維那 oder 羯磨陀那) „Gebetsleiter,“ „Prior“ zuständig für Mönchsangelegenheiten. Manchmal wird an dritter Stelle auch der Vorbeter Vihārapāla (典座tenza bzw. tenzo oder 毘訶羅波羅in modernen Zen-Tempeln für die Speisung zuständig) genannt. Kleinere Tempel haben je einen, größere je zwei der beiden unteren Ränge.
Im China der Song-Dynastie bildete sich das heute übliche System der sechs Ämter eines Tempels heraus, die vom Zen übernommen wurden: „Prior“ (都寺), stellvertrende Oberpriester (監寺, 監主, 監守 kanzu) und dessen Assistent Fusu (副寺), die erwähnten Rektor und Küchenchef sowie der für die Arbeitseinteilung zuständige Shissui (直歲). Letzteres Amt gibt es heute nur noch in den Ausbildungstempel des Zen.
Shamon, Shami
沙門 (Skr. Śramaṇa, im Ggs. zu den weißes Gewand Tragenden, was in Indien alle Laien tun), allg. Bez. für Geistliche (Asketen, Mönche) die zehn allgemeinen Gebote, aber noch nicht die vollkommenen Gebote auf sich genommen haben („Novizen“).
Gyōja
行者 „Wandeltuende“, „Schreitende,“ der Buddha-Erleuchtung entgegenstrebend, der Lehre gemäß Übung Tuende.
Jido
自度 „Selbstordinierter“ (in ältester Zeit auf eigene Faust ohne Amtserlaubnis) geistlichen Wandel Obliegender
Teranushi
寺主, der Abt, der auch als Jūji (住持) bezeichnet wird, was sich im Mittelalter aus dem Oberpriester entwickelte.
Ubasoku
優婆塞 Upasaka (Skr.: upāsaka/upāsikā). Der im Laienstand verbleibende Gläubige. Weibliche Form: Ubahi.
Danochi
壇越 Dan-otsu, Dāmapati „Spende-Herr,“ Tempelpatron, Stifter, Gemeindemitglied.

Ränge im Shintō

Die Ämter für Shintō-Priester wurden seit 701 vom Jingikan (神祇官 = Kamitsukasa) verliehen, das als Behörde außerhalb – jedoch parallel zum – Ritsuryō-Verwaltungssystems organisiert war. Schreine hatten je nach ihrer Bedeutung, und Nähe zum Kaiserhaus einen Rang. An der Spitze stand der Oberpriester von Ise, die anderen folgten entsprechend dem Rang ihrer Schreine.
1873 wurde eine achtklassige Rangordnung für Schreine eingeführt, die besonders in den oberen Stufen staatlich gefördert wurden und deren Vorsteher entsprechende Titel erhielten. 1947 erfolgte die Trennung von Staat und Kirche, seitdem gibt es keinerlei Förderung aus Steuermitteln mehr.