Chikō

Exkurs zur Sammlung buddhistischer Legenden, dem Nihon Ryōiki

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Chikō und die Sanron-Schule

Chikō (智光, 709-780),1 war ein Mönch der Sanron-Schule (三論宗; ch.: San-lun, „Schule der drei Shastras.“) in der Tradition des Jízàng (吉藏, 549-623; W.-G.: Chi-tsang: = 嘉祥). Bekannt ist er als Verfasser des ersten japanischen Werkes zum „Reinen Land,“ dem Muryōjukyōron Shaku. (無量寿経論釋) Dabei handelt es sich um einen Kommentar zu Tánluán’s (曇鸞, W.-G: Tan Luan, jp.: Donran; 476-542.) Wang-sheng-lun chu, der starken koreanischen Einfluß zeigt. Die Vorstellung vom reinen Land wird dann über die Jahrhunderte weiterentwickelt, um im 14. Jhdt. eine eigenständige Richtung darzustellen.1

Die Qualen, die Chikō der Legende II, 7 nach erleiden muß, dürften eher mit seiner Kritik an der Hossō-Schule zusammenhängen. Im Zusammenhang mit der Debatte über die „drei Fahrzeuge“ (三時教判) ggü. dem „einen Fahrzeug“ (ekyayāna) kritisiert er im Jōmyō genron ryakujutsu die von der Hossō gemachte Unterscheidung der „Fünf Naturen“ (五性各別). Spätere Generationen (und damit Kyōkai) haben Gyōgi, der im Gegensatz zum Theoretiker Chikō als „Praktiker“ gesehen wurde, für diese vereinnahmt, wenn eine derartige Zugehörigkeit auch historisch dünn belegt ist. Da die Abfassung des NR vergleichsweise zeitnah geschah, hat Kyōkai die Hintergründe wohl als bekannt vorausgesetzt. Besonders kritisch stand Chikō der Lehre von den drei Zeitaltern (三時教判) gegenüber. In seinem Jōmyō genron ryakujutsu (浄名玄論略述 zitiert er aus dem Yīchéng fóxìng jiùjìng lùn (一乗仏性究竟論) des chinesischen Mönchs Fǎbǎo (法宝).) Diese ursprünglich chinesische Lehre, postuliert von Kuiji (窺基) und Wonchuk (= Wŏn-hyo; 圓測), basiert auf dem Sādhinirmocana-sūtra [?]. Die Zeitalter (des Dharma) werden doktrinär geteilt. Grob gesagt in die Zeitalter des wahren (shōbō), des falschen und des degenerierten (mappō) Dharmas. Die schematische Abstufung: 500 Jahre „wahrer Geist,“ die Blütezeit in der das Buddhatum seine ganze Kraft entfaltet und sich im Wandel seiner Nachfolger bewährt. Es folgen 1000 Jahre „äußerlichen“ Buddhismus, während derer man zwar die wahre Lehre noch verkündet und auch die Mönchsregel der Form nach eingehalten wird, dies jedoch ohne lebendige Bewährung. Zuletzt folgen 10000 Jahre Endzeit – des degenerierten Dharmas – zu völligem Zerfall führend, bis ein neuer Buddha, Maitreya (jp. Miroku Bosatsu) erscheint.
Verschiedene Vorstellungen zur Länge dieser Zeitalter existierten. Die in Japan populärste setzte den Beginn des degenerierten Zeitalters auf das Jahr 552, zugleich Ankunft des Buddhismus in Japan. Chikō kommentierte die Lehren als: [Die Unfähigkeit dieser beiden zu verstehen] „ist wie wenn ein Blinder nachts wie verrückt herumrennt.“ Insgesamt vertrat er vehement die Ansicht der Überlegenheit der Sanron über die Hossō (ohne dabei von Wonchuk’s anderen Theorien unbeeinflußt zu bleiben). Zumindest in den 750er scheint er das Ohr der Kōmyō kōgō (光明皇后, 701–760) gehabt zu haben. Was ihm seine Gegner wünschten, kann in der erwähnten Legende nachgelesen werden.
Chikō selbst ist noch als Erschaffer des Chikō no Jōdō mandara (智光曼荼羅) im von ihm begründeten Gokuraku-in in Nara, bekannt.2 das nur in Form einer kamakurazeitlichen Kopie (Vgl. das Taima Mandara aus dem Senshōji (専称寺) in Osaka, heute im Nationalmuseum Nara.) erhalten ist.

Sanron und Jōjitsu-shū

Gebracht wurden die Konzepte der Sanron wohl erstmal 595 von den Koreanern Hyeja, (慧慈, aus Koguryŏ. Jp. Eji; † 623, in Japan 595-615.) der Shōtoku Taishi unterwies und Hyechong. (慧聰, aus Paekche.)
Bekanntester Vertreter des Sanron der Zeit war jedoch Chikō, der vom Daianji aus wirkte. Als zweiter Bringer gilt Fukuryō. Auch der Mönch Dōji, (?–744; 702 nach China. Zu seinem Einfluß aud die Verbreitung der Lehre der Sanron-Schule, siehe Bingenheimer, Marcus; A Biographical Dictionary …, Kap. 4.) der 702 zum studieren nach China ging und ab 718 im Daian-ji lehrte hat Sanron- und esoterische Lehren vertreten. Man vertrat die Ideen des Madhyamika von Nāgājuna. Der Sanron-Ableger Jōjitsu-shū (成實宗) von dem es zweifelhaft ist, ob sie in Japan jemals wirklich eine eigene „Schule“ bildete, unterschied sich wenig, ist jedoch dem Hinayāna zuzurechnen. Wichtigster Text ist das Tattvasiddhi-śāstra. Beide Sekten gingen in der Kegon-shū auf.