Obon

oder Urabon, das japanische Allerseelenfest

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Allerseelen-Sutra

Das Allerseelen-Sutra, auch: Ullambana-sūtra, Urabon-gyō Yúlánpénjīng (NJ 303; Taishō XVI, № 685. Service for the Deceased Sutra (Chin.: Yü-lan-p'en-ching; Jpn.: Urabon-kyō). A sutra that explains the origin of the service for deceased ancestors. When Maudgalyāyana asked Shakyamuni Buddha how to save his mother who had died and fallen into the world of hungry spirits, he was exhorted to offer various foods of a hundred flavors to the monks of the Order on the fifteenth day of the seventh month (the last day of the three-month rainy-season retreat, when monks would come together and publicly repent any violation of the precepts). Maudgalyayana did as the Buddha had instructed, and his mother was relieved of her suffering. In China and Japan, this story gave rise to the service for deceased ancestors, an annual Buddhist ceremony held on the fifteenth day of the seventh month. Today this sutra is generally regarded as having originated in China, though its translation into Chinese was traditionally attributed to Dharmaraksha sometime in the third or fourth century.) wurde, traditioneller Überlieferung gemäß, übersetzt von Dharmarakṣa d.Ä. (竺法護 Tukhāra-Zeit, der westlichen Ch'in 西晉; 266-313/7) In ihm wird das vielseitige Zeremoniell des Allerseelenfestes mit seinem Speisungs-Opferriten, besonders für Vater und Mutter der jetzigen und sieben früheren Generationen als von Śakyamuni herrührend dargestellt. Auf Art und Inhalt des Festes hatten aber auch taoistische und tantrische Schriften (besonders T. 1313 (NJ 984), T. 1314 (NJ 539), NJ 985, NJ 1467) großen Einfluß. Die älteste Abschrift japanischerseits ist erhalten aus dem 15. Jahr Tempyō (743; 1 Fasz.)
Heutige Forschung geht davon aus, daß das Sutra nicht auf einem Sanskrittext basiert und mithin auch nicht von Dharmarakṣa geschrieben wurde, sondern, wahrscheinlich im 6. Jhdt., in China entstanden ist. Weiterhin wird eine Verbindung mit dem parsichen Fravardigan-Fest angenommen, bei dem die Anbetung der Seelen der Verstobenen (iran.: uravan) von zentraler Bedeutung ist.

in China
Die rituelle Speisung hungriger Geister gibt es auch beim Geisterfest in Vietnam und China (hier 1950er).
Soothill/Hodous 1937: "… ullambana may be another form of lambana or avalamba, "hanging down,” “depending,” “support”; it is intp. “to hang upside down”, or “to be in suspense,” referring to extreme suffering in purgatory; but there is a suggestion of the dependence of the dead on the living. By some is regarded as a Chinese word, not part of the transliteration, meaning a vessel filled with offerings of food. The term is applied to the festival of All Souls, held about the 15th of the 7th moon, when masses are read by Buddhist and Taoist priests and elaborate offerings made to the Buddhist Trinity for the purpose of releasing from purgatory the souls of those who have died on land or sea. The Ullambanapātra Sutra is attributed to Śākyamuni, of course incorrectly; it was first tr. into Chinese by Dharmaraksha, A. D. 266-313 or 317; the first masses are not reported until the time of Liang Wudi, A. D. 538; and were popularized by Amogha (A. D. 732) under the influence of the Yogācārya School. They are generally observed in China, but are unknown to Southern Buddhism. The idea of intercession on the part of the priesthood for the benefit of souls in hell is utterly antagonistic to the explicit teaching of primitive Buddhism. The origin of the custom is unknown, but it is foisted on to Śākyamuni, whose disciple Maudgalyāyana is represented as having been to purgatory to relieve his mother’s sufferings. Śākyamuni told him that only the united efforts of the whole priesthood could alleviate the pains of the suffering. The mere suggestion of an All Souls Day with a great national day for the monks is sufficient to account for the spread of the festival. Eitel says: Engrafted upon the narrative ancestral worship, this ceremonial for feeding the ghost of deceased ancestors of seven generations obtained immense popularity and is now practised by everybody in China, by Taoists even and by Confucianists. All kinds of food offerings are made and paper garments, etc., burnt. The occasion, 7th moon, 15th day, is known [in Japan] as the urabon-e.

O-bon, japanisches Allerseelenfest

Tanabata
Sommerliche Laternenfeste: Tanabata und Urabon (七夕と盂蘭盆 [たなばたとうらぼん] )

Das basierend auf dem beschriebenen Sutra in Japan erstmals 606 erwähnte Allerseelen- oder Totenfest O-bon (oder Urabon) wurde vom 13. bis 15. Tag des VII. Monats des traditionellen Kalenders abgehalten. Heute findet es an diesen Tagen im August (mancherorts Juli) statt. In die Tradition sind verschiedene Elemente des Ahnenkults mit eingeflossen, Parallelen bestehen zum Seelenfest an Neujahr (tama no matsuri oder shōryō sai). Gelegentlich wird es deshalb noch mit dem Chūgen-Fest1 verwechselt.
Das Fest wurde in Japan erstenmal unter der Kaiserin Saimei im Jahre 657 (der 15. des VII. Monats fiel umgerechnet auf den 1. Sept.) begangen, indem man am westlich vom Asuka-Tempel die Gestalt des Sumeru-Berges nachbildete und davor die Urabon-Messe veranstaltete, wie berichtet wird. Später wurde unter Shomu am 6. Tag des VII. Monats der Periode Tempyo (23.8.735) zum erstenmal dem kaiserlichen Hofküchenamt befohlen, Urabon-Opfergaben zu bereiten und schließlich wurde dies zu einer dauernden Einrichtung erklärt. Die Einführung der „Lichtkomponente“ des O-Bon (von Basil Chamberlain deshalb als „Laternenfest“ bezeichnet) fand in Japan erst 1230 statt (Anordnung Kaiser Go-Horikawa’s (r. 1222-32); das Abbrennen von Scheiterhaufen (oft in Form des Zeichens "Dai", deshalb Daimoji no hi), am Abend des 16., soll auf Kōbō Daishi zurückgehen, jedenfalls hat es seinen Ursprung in Shingon- oder Tendai-Riten. Die tantrische Schule hat auch eine Vielzahl von Pretaspeisungs-Opferriten (u. a. Segaki-ho, Ikitama-e) geschaffen.

Preta, sind „hungrige Geister.“ Nach buddhistischer Auffassung vom Kreislauf der Leben war ihr Karma im letzten Leben nicht schlecht genug, um in eine der Höllen verbannt zu werden. Stattdessen vegetieren sie mit einem langen, dünnen Hals, der Nahrungsaufnahme nur tropfenweise möglich macht. In der chinesischen Tradition heißen die Hungergeister èguǐ (餓鬼). In Japan unterscheidet man zwischen Gaki, die wegen ihrer früheren Gier oder Eifersucht bestraft werden und leichenfressenden Jikininki (食人鬼). Erleichterung verschafft man ihnen durch die rituelle Geisterspeisung (施餓鬼, segaki).

Preta Scroll
Die Gakizōshi-Bildrolle (餓鬼草紙) zeigt die Leiden hungriger Geister.*

Ablauf und Zeremonien

Bondana
Speiseopfer am Hausaltar (盆棚, Bondana.)

Die Woche um O-Bon im Hochsommer ist immer Hauptreisezeit in Japan, da viele Städter in die Herkunftsregion (furosato „die Heimat“) ihrer Familie reisen. Das Urabon-Fest ist eine Familienangelegenheit, trotzdem werden zu seiner Vorbereitung auch der Friedhof gekehrt und die Wege gereinigt. Dort werden die Gräber der Eltern (gemeint ist immer die Seite des männlichen Familienvorstandes) besucht und mit Wasser bespritzt um den Durst der hungrigen Seelen zu löschen. In der Familie besteht die wichtigste Vorarbeit im Schmücken des Altars. Vor dem Hausaltar oder einem speziell aufgestellten Regal (Bondana) und vielfach auf den Gräbern werden Speisen aufgestellt. Wo das Regal fehlt, werden die Geister am Buddha-Altar begrüßt. Eventuell liest ein Tempelpriester ein Sutra für die Ahnen. In den Tempeln der Sōtō-Schule findet die Sejiki-e genannte Zeremonie zur Tröstung der Ahnen-Geister von Familie, Eltern, Verwandten und anderen Menschen mit denen karmische Verbindung bestand statt. Lebenden Eltern kocht man traditionell einen Fisch. An den Haustüren und auf den Gräbern wird eine Bon-Laterne entzündet.
Am Abend des 13. werden die aus der Unterwelt vorübergehend zurückkehrenden Preta durch Kadobi genannte Feuer begrüßt. Am 14. werden üblicherweise Nudeln (meist somen) und am nächsten Tag mit süßer Bohnenpaste gefüllte Reisküchlein geopfert. Vor Buddha bringt man Lotusblüten oder „Bon-Blumen“ (misohagi, Lythrum anceps, Makino), aber auch die Erstlinge von Gemüsen, Reis und Judenkirschen dar.
Im Kanto-Gebiet fertigte man außerdem aus Kürbissen und weißen Melonen Figuren von Pferden an, indem man ihnen Füße aus Stroh einsetzte. Aus Eierfrüchten machte man in derselben Weise Rinder.2 Diese Tiergestalten auf dem Altar sollten die Reittiere der Seelen sein, die sie entweder bei ihrer Reise in das Diesseits oder bei ihrer Rückkehr in das Totenreich besteigen oder die sie auch während Aufenthaltes im Dorfe bei der ihrer Einkäufe benutzten. Ein Bestandteil der Bon-Zeit war in den Dörfern auch der Bon-Tanz, der schon bis zum zweiten Weltkrieg größtenteils abgeschafft worden ist und nie überall üblich war.

Die Verabschiedung der Geister (shōryō okuri) erfolgt gewöhnlich am 15. oder 16. August. Wiederum werden Flammen entzündet und mancherorts auf kleine Boote (shōryō bune) oder Laternen mit Opfergaben bezw. Kerzen gesetzt, um Flüsse hinab oder im Meer zu treiben. Aufgrund der dadurch verursachten Umweltverschmutzung werden die Boote heutzutage in Tempeln und an anderen Orten gesammelt. Das Abbrennen von Hanfstängeln ist selten geworden, da die japanische Staatsmacht dem Gebrauch des besonders im Norden wild wachsenden Cannabis sativa – obwohl die wildwachsenden Typen kaum THC enthalten – ausgesprochen intolerant gegenüber steht. Als Ersatz dient heute Bambus.