Tendai-Buddhismus

die von Saichō begründete Lehre, die ihr Zentrum am Hi'ei-zan hat

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Entstehung und Doktrin

Die japanische esoterische Lehrrichtung des Tendai hat ihren Ursprung in der chinesischen Tiāntái-Schule. Oft toponym gebraucht wird dies für den heiligen Berg Tiāntāi shān (天台山) in der Provinz Zhèjiāng auf dem sich bis heute die wichtigen Tempel dieser Schule konzentrieren. Der Aufenthalt des Japaners Saichō, der bereits in Japan unter Gyōhyō (行表; 722–97) mit dem Tiāntái-System vertraut geworden war, führte nach seiner Heimkehr zu der geschilderten tiefgreifenden, inspirierenden Reform im japanischen Buddhismus.

Zhìyǐ (智顗; W.-G.: Chih-I; Jap.: Chigi) wird traditionell als „4. Patriarch“ bezeichnet, tatsächlich muß er als Gründer der Tiāntái-Schule gelten, deren Lehren einen Bruch mit der indischen Tradition darstellen und erstmals einen „rein chinesischen,“ universellen Buddhismus brachten. Sein Lehrmeister war der Lotus-Sutra-Exeget Nányuè Huìsī (南嶽慧思, 515–77). Zhìyǐ und Bodhidharma waren, so letzterer gelebt hat, Zeitgenossen. Seit 575 hielt Zhìyǐ sich mit einigen Anhängern auf dem Berg auf, der für seine Schule namensgebend wurde. Hier entwickelte er seine Meditationskonzepte der „vier Samādhis“ (四種三昧). Traditionell ihm zugeschrieben werden die „drei großen Kommentare“ (三大部, sāndàbù), Fǎhuā xuányì (法華玄義), Fǎhuā wénjù (法華文句) und Móhē zhǐguān (摩訶止觀). Diese stammen tatsächlich von seinem Schüler Guàndǐng. (灌頂, W.-G.: Kuan-ting, jap.: Kanyō; 561–632)

H. B.: Konservative Schule, die in China von Chih-ï [= Chih-kai bzw. Dji/Dschï-…], dem dritten Patriarchen nach Hui wen und Hui szu, am Ende des 6. Jahrhunderts ausgestaltet wurde. Ihr Name stammt von dem Berg Tien-tai-shan (Pinyin: Tiāntái; etwa 121°15" O, 29° N), auf dem das erste Kloster stand. Sie sieht in den Lehren der anderen Sekten die vielfältigen Aspekte des Dharma und verehrt die heilige Schrift vor allem den „Lotus des Guten Gesetzes“ (Saddharma Pundarika, Lotus-Sutra) und des (Mahāyāna-)Mahā-parinirvāṇa-sūtra. Sie lehrt die persönliche Erlösung, ausgehend von der Idee, daß alle Phänomene untrennbar vom Absoluten śunjata) sind, daß „in jedem Staubpartikel und jedem Gedankensplitter das ganze Universum enthalten ist.“ Die vier Grundlehren (四門 [しもん] ) sind: 1) shu-shō-fu-ni Praxis und Erleuchtung sind nicht zwei; 2) bonnō soku bodai der Zustand der Verunreinigung (bonnō) unterscheidet sich nicht von dem der Erleuchtung; 3) shō-ji-soku-nehan Geburt-und-Tod (Transmigration) ist gleich dem Nirvana; 4) shaba soku jakkō diese unsere vergängliche Welt ist identisch mit der Welt des Buddha (des Reinen Landes der Ruhe und des Lichtes).

Eine Weiterentwicklung des Tathāgata-garbha, brachte die „Lehre vom Ur-Erwachtsein“ (本覺法門), hergeleitet aus dem Daijō Kishin Ron (起信論; T. 1666, Kommentar T. 1846, relevant auch T. LXXXV: 2813-5, 2822, 2839. In engl. Literatur meist “innate” oder “original enlightenment.”). Die Annahme, jedem fühlenden Wesen wohne prinzipiell die „Buddha-Natur“ und damit die Erlösung inne, war für den japanischen Buddhismus von der späten Heian-Zeit bis ins 19. Jahrhundert von grundlegender Bedeutung. In der Tendai-shū verband man die Hongaku-Idee („immanente Erleuchtung“ „ursprüngliche Erleuchtung“), die auch in der Shingon anerkannt war, mit dem zweiten Teil des Lotussutra.1 In Japan behauptet die Hossō- im Gegensatz zur Tendai-Schule, daß das Hinayāna und andere Fahrzeuge nicht ohne weiteres unter das Ekayāna subsumiert werden könnten.

Lehrer des Tiāntái verbreiteten in China schon früh den Glauben an die 16-18 Lohan (rakan), die Jünger des Buddha. Gelegentlich wird ihre Zahl auf 500 ausgeweitet. Figürliche Dasrtellungen zeigen oft ausdrucksstarke Gesichter. Auch in Japan sind Gruppen der 500 Rakan zu finden. Dabei sind geschnitzte oder aus Ton hergestellte Figuren in Hallen selten. Häufiger ist die Aufstellung von Steinfiguren im Freien. Bekanntere Tempel sind: Rakan-ji (羅漢寺), ein Sōtō-Tempel in Nakatsu, Oita-ken, wo man die Statuen in der Murodō-Höhle aufgestellt hat. Im Tennei-ji (天寧寺) in Onomichi nahe Hiroshima gibt es eine eigene Halle. Auf der dieser Großstadt vorgelagerten Insel Itsukushima steht der Daishō-in (大聖院 = Suishō-ji 水精寺), der auf dem Pilgerweg der „33 Kannonbildnisse von Chūgoku (中国三十三観音霊場 Chūgoku Sanjūsan Kannon Reijō) liegt. Kleine unterschiedliche Steinfiguren, künstlerisch wenig anspruchsvoll, stehen dort im Freien. Entlang des Pilgerwegs der „88 Stationen um Shikoku“ (四国八十八箇所, Shikoku hachijū hakkasho) findet man 500 Rakan im Tempel Nr. 5, dem Jizō-ji (地蔵寺), seine Gohyaku rakandō von 1922 ist japanischer Nationalschatz. Lín Tíngguī (林庭珪, jp.: Rin Teikei; aktiv 1174–89) und Zhōu Jìcháng (周季常) malten Ende des zwölften Jahrhunderts einhundert Rollbilder der 500, die zum großen Teil im Besitz des kiotoer Daitoku-ji (大徳寺) und des Museum of Fine Arts, Boston sind. Minchō (明兆; 1351–1431) kopierte diese für den Tōfuku-ji (東福寺) 1386 und den Engaku-ji (円覚寺) in Kamakura. Weitere 100 Rollbilder gemalt von Kanō Kazunobu (狩野一信; 1815–63) sind Zōjō-ji (増上寺) von Tokyo. In der Präfektur Saitama liegt der Kita-in (喜多院). In dieser zum Tempel umgewidmeten Burg des Matsudairaklans stehen 540 steinerne Rakan, die zwischen 1782 und 1825 hergestellt wurden und fast alle die Zerstörung des Tempels durch das Erdbeben am 1. Sept. 1923 überstanden. In der Ortschaft Tōno (遠野) stehen die 1781–9 geschaffene Figuren im Wald ohne einem bestimmten Tempel zugeordnet zu sein. Die geschnitzten und teilvergoldeten Figuren des Hōon-ji von Morioka (盛岡市) stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Frühzeit: Zhìyǐ und Saichō

Zur Person des Tendai-Gründers in seiner Eigenschaft als Ordner der Sutren in einem stufenweisen System:

Das bedeutendste Ordnungssystem dieser Art, welches denn auch das buddhistische Denken in China und Japan bis in Neuzeit herein stark geprägt hat, stammt von Dschï-i, … Ihm gilt das Lotos-Sutra als die höchste Buddha-Offenbarung, wobei er dennoch nicht umhin kann, auch den Blumenschmuck- oder Avatamsakasutren einen außerordentlichen Rang zuzuerkennen [Theorie der Lehrperioden Buddhas, in denen nach und nach das Dharma entfaltet wurde.] Dieses Ordnungssystem [des gesamten Kanons] war schon rein äußerlich eine gewaltige Leistung; denn es handelte sich um die Bewältigung von Hunderten von chinesischen Bänden; die konventionelle Zählung der Tang-Zeit lautet auf 5048.
Sutraliste
Originalverzeichnis aus dem Jahre 805 der von Saichō aus China mitgebrachten Sutren.

Zwar gab es bereits einige Vorläufer, jedoch führte 805 Saichō (最澄, Geburtsname: Mitsu no Obito Hirono, postum: Dengyō Daishi 傳教大師, 767-822 verstorben im Chūdō-in am Hiei), etwa zur Zeit der Abfassung des Nihon Ryōiki, die Tendai-Lehre in Japan ein. Er hatte, wie der Kaiser 784, aus Protest gegen das buddhistische Establishment, Nara verlassen und – 21jährig – im VII. Monat des Jahres 788 auf dem Berg Hiei (比叡 [ひえい] , an der Grenze zwischen den modernen Präf. Kyōto und Shiga) eine Klause gegründet – genannt Kombon chūdō ichijō shikan-in. Diese wuchs sich schnell zu einem großen Kloster an der Nordost-Seite Kiotos aus. Eigenhändig schuf er eine lebensgroße Yakushi-Nyōrai-Statue. Von einer kurzen Chinareise, auf der er sich vergebens um die spirituelle Anerkennung seiner Tempelstätte bemüht hatte, brachte er die Tendai-Lehre mit und 230 Sutren, darunter vier mit Gold geschriebene, die er Kaiser Kammu präsentierte und für den er einen Bußritus halten durfte als die himmlische Majestät erkrankt war. Am Tientai-san hatte er kurz bei Tao-sui (道邃, pinyin: Dàosuì) und Xìngmǎn (行满 (W.-G.: Hsing-man), im: 佛龍寺 Fúlóng-Kloster.), zwei Schülern des Tiantai-Erneuerers Chan-jan (711–782/4; 湛然, auch Ching-ch’i, pinyin: Zhànrán, 荊溪) geübt. Während er auf das Schiff für seine Rückfahrt wartete traf er Shùnxiǎo (順曉, W.-G.: Shun-hsia), tantrischer Meister am Lóngxīng-Tempel und Schüler von Śubhākarasiṃha, der ihn im esoterischen Buddhismus unterwies.

Saichō erweiterte die chinesischen Lehren durch Elemente aus den Shingon-, Endon-Kai- (Ritsu) und Chʼan-Schulen. Tantrische Einweihungen hatte er von Ācārya Shùnxiǎo (jp.: Ajari Jungyō) erhalten. Saichō – obwohl seit 797 einer der jūzenji – richtete sich auch gegen die staatliche Kontrolle der Sangha durch eine spezielle Behörde, das Gembaryō. (Es bleibt anzumerken, daß die Vorschriften des sōniryō sowieso nur teilweise befolgt wurden.) Sein Vorschlag 806, von Gomyō des Gangō-ji mitgetragen, daß die jährlichen Ordinationsanwärter nach ihrer Sektenzugehörigkeit zu scheiden seien, führte letztendlich zur klaren Unterscheidung verschiedener „Schulen“ im japanischen Buddhismus. Berühmt wurde Saichō’s im Jahr 817–21 schriftlich geführter Disput mit dem Hossō-Gelehrten Tokuitsu (徳一; ca. 760–835) über die richtige Auffassung von der Buddha-Natur. Seine letzten Jahre widmete er der Einrichtung einer eigenen Ordinations-Plattform auf dem Hiei,2 wo Mahāyāna-Gelübde basierend auf dem apokryphen Bommo-kyō (T. 1484) stattfinden sollten. Die etablierten Nara-Tempel waren gegen diese Idee, die erst nach seinem Tode umgesetzt wurde. Langfristig führte die Maßnahme dazu, daß man in Japan mit den Ordensregeln ziemlich lax umgeht (Verglichen mit den Theravadins).3 Die Ordination von Nonnen war nicht vorgesehen, wenn für aristokratische Frauen in den nächsten Jahrhunderten Ausnahmen gemacht wurden, dann erhielten diese die Bodhisattva-Gelübde in Nebentempeln, der Zutritt zum Hiei blieb Frauen bis in die 1870er generell verboten.

Die Tendai-shū wurde auch unter der Bezeichnung Mikkyō (esoterischer Buddhismus) bekannt, dessen andere japanische Ausformung Shingon ist. Von besonderer Bedeutung ist, neben dem Ninno-kyō, das Lotus-Sutra – im Zusammenhang mit dieser Schule oft auch als Ichijōkyō („Sutra des einen Fahrzeugs“) bezeichnet. Die zunehmend eklektische Tendai-Schule, die auf Anbetung, Ritual und Meditation ausgerichtet war, konnte die verschiedensten buddhistischen Praktiken in sich vereinen. Als Shanagō (遮那業) bezeichnet man die esoterischen Praktiken im Abgrenzung von deren Meditationspraxis.
Von den Tendai-Mönchen wurde strenge Disziplin erwartet. Eher ungewöhnlich mutet an, daß das Amt eines Verwalters in der Anfangszeit der Schule als Strafe für Regelübertretungen verhängt wurde. Bevor Mönche den Berg Hiei verlassen durften, wurden sie für zwölf Jahre in der shikan-Meditationsmethode (止観) unterwiesen. Wichtig ist der Glaube an die Erlösung aus eigener Kraft, wobei die vollkommene Erleuchtung (園頓) „plötzlich“ geschieht.
Gleichzeitig verstanden sich die Mönche als Schützer der Nation, was im Mittelalter dazu führte, daß die politischen Streitigkeiten, besonders mit der Hossō-Schule in bewaffnete Kämpfe ausarteten. Einzelne Tempel hielten sich Söldnertrupps. Der Haupttempel Miidera wurde vom 11.-14. Jhdt. neunmal niedergebrannt. Im 9. Jhdt. gründete der Mōnch Enchin (814-891) den Jimon-Zweig des Tendai. Nach seiner Rückkehr aus China 858 – er hatte 50 kan Sutren mitgebracht, die zur Grundlage der Erweiterung des Issaikyō wurden – war er als Kommentator des Daihannyakyō, des Kongō-hannyakyō sowie des Hannyashinkyō (NJ 20) maßgeblich an der Verbreitung dieser Sutren in Japan beteiligt. Saichōʼs Lehren wurden von seinen Nachfolgern En'nin (Jikaku Daishi), Enchin (Chishō Daishi) und Godai-in Annen („Annen vom Godai-in-Tempel“) systematisiert. In ihrer Entwicklungsphase nahm die Tendai-Lehre noch schintoistische Elemente, sowie die Lehre von den Mandalas (durch En’nin 794-864 aus China gebracht) und des Nembutsu-Kultes mit auf. Fukukenjakukannon (不空羂索観音), „Kannon mit der Fangschlinge“ (Amoghapasha) ist die oft sechsarmig dargestellte Manifestation der Kannon, die der Tendai-Schule zufolge in der Menschenwelt wandelt, um dort die Wesen zur Erlösung zu führen. Die Anschauung von den sechs Kannon-Manifestationen scheint als erstes mit dem heianzeitlichen zehnten Jahrhundert vornehmlich bei der Tendai-Schule aufgekommen zu sein. Eine wichtige Rolle spielt auch Samantabhadra.
Hinsichtlich des Beginns des „degenrierten Dharmas“ (Mappō) geht man vom vergleichsweise späten Jahr 1052 aus.

Dharma Lampe
Das „Ewige Licht,“ die Dharma-Lampe in der Kompon Chūdō am Hiei soll, seit sie Saichō entzündete, über 1200 Jahre ununterbrochen brennen. Tatsächlich erlosch es infolge des Massakers 1571, um erst knapp 30 Jahre später mit der Flamme vom Risshaku-ji wieder entzündet wurde.

Der Uda-Tennō (reg. 887-97; † 931) besuchte den Hieizan fünfmal und spendete großzügig. Ryōgen (良源; 912–985), ab 966 Oberpriester am Enryaku-ji, war ein wichtiger Erneuerer der Tendai-shū, zu seiner Zeit hatte die Sekte etwa 3000 Schüler. Sie war in 9. Jahrhundert etwas in Verfall geraten, zum einen lag das an internen Streitereien um die „wahre“ Nachfolge Saichōs, zum anderen aber auch daran, daß die konkurrrierende Shingon, mit ihrem effektheischenderen Ritus (man könnte sagen „die besseren Show“) in der Gunst der Adligen, die als Spendeherren wichtig waren, stieg.
Serien von Bränden suchten die Tempelkomplexe heim (935, 941 und 966), mehrere kaiserliche Erlasse und Rügen ergingen gegen das Missverhalten der Mönche, deren nachlassende Disziplin Probleme verursachte. 993 kam es zur endgültigen Spaltung: Zum einen der Sanmon-Zweig (山門派; Anhänger Ennins auf dem Hieizan) und den Jimon-Zweig (寺門派; Anhänger Gishins und Enchins im Mii-dera). Die Institutionalisierung eines Tendai-Shugendō begann 1090 mit der Ernennung von Zōyo (増誉; 1032–1116) als Obersten durch Shirakawa, (*1063, reg. 1073-86, ordiniert 1096, † 1129. Jedoch als zurückgetretener Insei fast 50 Jahre herrschend.) als dieser die Kumano-Pilgerfahrt durchführte. Gen’e oder Gen’ne (玄慧 vereinf.: 玄恵, ?–1350) war ein wichtiger Mönch der Schule in der späten Kamakura-Zeit. Viele der im Zen bedeutend werdenden Gründerväter haben ihre Lehrzeit, üblich waren 12 Jahre, innerhalb eines der Tendai-Zentren verbracht.

Seit dem Mittelalter

Das japanische Mittelalter war eine Phase des langsamen, aber stetigen Abstiegs. Der Tendai-Shintō (天台神道; auch Sannō-Ichijitsu-Shintō 山王一実神道) entfaltete sich, mit dem Enryaku-ji als Zentrum, erst gegen Ende der Kamakura-Zeit. Ein früher Vertreter war Gyōen (行園; † 1047). Unter dem Druck der Popularität des Amidismus im japanischen Mittelalter wurde auch innerhalb der Tendai-shū eine eigene Schulrichtung des Amidismus begründet, die Shinzei-ha. (真盛派)
Die immer mächtigeren Kriegermönche (sōhei) spielten eine wichtige Rolle, nicht nur im Streit zwischen den Zweigen, sondern auch gegen die Kriegermönche des reichen Kōfuku-ji. 25000 Samurai unter Oda Nobunagaʼs Kommando schlachteten im neunten Monat 1571 nach Augenzeugenberichten ca. dreitausend Mönche ab und zerstörten alle Tempelbauten auf dem Berg Hiei. Das Massaker der Samurai Nobunagas beendete die jahrhundertelang bestehenden Fehden. Tenkai (天海, 1536–1643) war Ratgeber von Tokugawa Ieyasu.

Die Meiji-Zeit und die von der neuen Regierung von Anfang an betriebene Politik der Trennung von Shintō und Buddhismus war verheerend für die größtenteils auf synkretistischen Praktiken beruhenden Taimitsu-Schulen. Im Jahr 1872 begann die Meiji-Regierung einen Versuch, Shinzei-ha und Jimon-ha unter dem Amt des Hieizan-Vorstehers zu vereinigen, was aber scheiterte und 1878 schließlich aufgegeben wurde. Beide Zweige wurden daraufhin unabhängig. Die Shinzei-ha ist gegenwärtig die drittgrößte Tendai-Schule. Mit ca. 2500 Tempeln (1940: 4494 Tempel, 13801 Mönche, 2,1 Mio. Anhänger) ist die Tendai-shū auch gegenwärtig noch eine der größeren Schulen des japanischen Buddhismus. Der erste überseeische Zweig-Tempel entstand 1973 auf Hawaï.

Als moderne Kuriosität bekannt sind die Asketen, das Kaihōgyō vollenden. Dabei wird in zehn 100 Tage-Blöcken über sieben Jahre eine Berg-Strecke von knapp 40000 km unter verschärften Bedingungen zurückgelegt. Dazu kommen noch neuntägige Perioden ohne Schlaf, Essen und Trinken. Tatsächlich lassen sich die Anfänge der Praxis in die Muromachi-Zeit zurückverfolgen.

Die Ichibata Yakushi Kyōdan ist heute eine eigenständige japanische buddhistische Schule, die großen Wert auf den Glauben (genze riyaku) an Yakushi legt. Früher war man erst mit der Tendai, dann dem Myoshinji-Zweig des Rinzai verbunden. Haupttempel ist der Ichibata Yakushi (一畑薬師) in Izumi (Shimane). 1984 zählte man nach eigenen Angaben in 31 Tempeln rund 195.000 Anhänger.

Tempel

Haupttempel der chinesischen Tiāntái-Schule ist der Guóqīng sì (國清寺, W.-G.: Kuo Ch’ing Ssu; 29° 10′ 6′′ N, 121° 02′ 44,4′′ O) am Tiāntāi Shān. An dieser Wirkungsstätte Zhìyǐ’s, dem „vierten Patriarchen,“ nach dessen Tode auf kaiserlichen Befehl 598 während der Sui gegründet, steht aus dieser Zeit noch die zweitälteste Ziegelpagode des Landes. Vollendet war der Tempel 617. Das Grab des Zhìyǐ ist hier zentrales Heiligtum.

Einige bedeutende Tempel der Schule sind, wobei dem Berg Hiei (比叡山, Stadt Ōtsu, Präf. Shiga), mit Enryaku-ji und Miidera, zentrale Bedeutung zukommt:

  • Chūson-ji (中尊寺) Präf. Iwate begründet vermutlich im Jahre 850 von En’nin.
  • Dōjō-ji (道成寺) in Wakayama.
  • En’ryaku-ji (延暦寺) gelegen auf dem Berg Hi‛ei nordöstl. von Kyōto; gegründet 788 durch Saichō, 1571 durch Oda Nobunaga niedergebrannt, aber zu Beginn der Edo-Periode wieder errichtet; Haupttempel der Tendai-Schule; wegen seiner Lage auch als Hi’ei-zan und in Abgrenzung zu den weiter südl. gelegenen Kōfuku-ji in Nara und Kōya-san in der Präf. Wakayama auch als Hokurei, d. h. nördl. Berg, bezeichnet). Alternativ auch „Sange“ genannt.
  • Fudarakusan-ji (補陀洛山寺) in Nachi Katsu’ura-chō; im Jahre 1808 durch einen Taifun vernichtet, 1990 wiedererrichtet.
  • Gangyō-ji (元慶寺) auch Gankei-ji oder Kazan-ji genannt, gegründet von Henjō im Jahre 868.
  • Gichū-ji (義仲寺) in Ōtsu, gegründet 1553.
  • Gokuraku-in (極楽院) im Bezirk Nakagyō in Kyōto (Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Tempel der Shingon-Schule in Nara.)
  • Gyōgan-ji (行願寺) auch Kōdō genannt, in Chūō (Präf. Kyōto).
  • Heisen-ji (平泉寺) in Katsuyama, Präf. Fukui; 771 gegründet, bis 1870.
  • Hōkai-ji (宝戒寺) im Jahre 1325 gegründet in Kamakura (Präf. Kanagawa).
  • Hōkō-ji (方広寺) in der Präf. Kyōto. (Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Tempel der Rinzai-Schule in der Präf. Shizuoka.)
  • Honzan-ji (本山寺) in Misaki, Präf. Okayama.
  • Hōon-ji (報恩寺) in Hirosaki, Präf. Aomori, gründet 1656. (Nicht zu verwechseln mit gleichnamigen Tempel der Sōto-Sekte in der Stadt Morioka, Präf. Iwate.)
  • Jikō-ji (慈光寺) in Hiki, Präf. Saitama, zur Enryaku-Zeit (782 bis 806) gegründet.
  • Jinmu-ji (神武寺) in Zushi, Präf. Kanagawa.
  • Jōraku-ji (常楽寺) in Shiga, gegründet von Rōben.
  • Kan’ei-ji (寛永寺) in Ueno, Tōkyō im Jahre 1625 gegründet von Tenkai (天海).
  • Kanzeon-ji (観世音寺) in der Stadt Dazaifu, Präf. Fukuoka.
  • Kita-in (喜多院) in Kawagoe, Präf. Saitama. Angeblich 830 gegründet; nach seinem Verfall wurde der Tempel zum Schutz der Familie Tokugawa wiederbelebt.
  • Makiodera (槇尾寺) in Izumi (Präf. Ōsaka); auch Makio-san oder Sefuku-ji (施福寺) genannt.
  • Miidera (三井寺・御井寺) ist der allgemein gebräuchliche Name für den Onjō-ji (園城寺) in Ōtsu (大津市).
  • Mimuro-ji (三室戸寺) in der Stadt Uji, Präf. Kyōto.
  • Mōetsu-ji (毛越寺), auch Mōotsu-ji oder Mōtsu-ji genannt, in der Stadt Hiraizumi, Präf. Iwate gegründet vermutlich im Jahre 850 von En’nin.
  • Rakuya-ji (櫟野寺) in Kōka, Präf. Shiga.
  • Ryūsen-ji (滝泉寺) im Bezirk Meguro von Tōkyō, im Jahre 808 von En’nin gegründet.
  • Ryūshaku-ji (立石寺) oder Risshaku-ji, oft einfach nur Yamadera, in der Stadt Yamagata, Präf. Yamagata.
  • Sairen-ji (西蓮寺) in der Präf. Ibaraki; 782 gegründet.
  • Seiganto-ji (青岸渡寺) in Nachi-katsuura, Präf. Wakayama auch Nachi-san (那智山) genannt; erste Station der Pilgerfahrt zu den 33 heiligen Stätten der Kannon-Verehrung in den westl. Provinzen (西国三十三ヵ所霊場巡礼).
  • Sanzen-in (三千院) Ōhara, in der Bergen nördl. von Kyōto.
  • Saikyō-ji (西教寺) Ōtsu in der Präf. Shiga.
  • Shōju-raigō-ji (聖衆来迎寺) kurz Raigō-ji, in der Stadt Ōtsu, Präf. Shiga. Im Jahre 790 von Saichō gegründet.
  • Shōkyū-ji (勝久寺), in der Ortschaft Tsu, Präf. Mie.

Statistiken gaben für 1915 4570 Tempel. Diese Zahl sank bis 1940 auf 4494 in denen 13801 Ordinierte lebten.