Asuka

und Fujiwara-kyō, kaiserliche Residenzen des Altertums

Menu

Kaiserliche Residenzen zur Asuka-Zeit

„Asuka“ (飛鳥) hat einer ganzen Geschichtsperiode Japans seinen Namen (Die verbreitete Schreibung 飛鳥 stammt aus der Gedichtsammlung Man'yoshu. Andere in der Literatur vorkommende Bezeichnungen sind: 明日香, 安宿, 阿須賀, 阿須可, 安須可. Das moderne Asuka-mura ist 明日香村. Einige der erwähnten Paläste liegen im Gebiet der modernen Stadt Kashihara 橿原市.) gegeben. Je nach Sichtweise begann sie 538/52 oder 592 und endete mit der Hautstadtverlegung nach Nara 710. Die Spätphase wird auch als Hakuhō bezeichnet. Mit dem Beginn der Ära trat man aus dem Dunkel sagenhafter Überlieferung in die teilweise belegbare Phase eines organisierten Staatswesens ein, das in vielem eine Sklavenhaltergesellschaft war. Die Bevölkerung unfrei, erblich an Berufsgruppen (be) gebunden, die einem bestimmten Klan unterstellt sind. Zivilisatorische Einflüsse aus China wurden im 5./6. Jahrhundert über die koreanische Halbinsel vermittelt.1 Zeitgenössische schriftliche Zeugnisse gibt es noch nicht, diese entstehen erst zum Ende der Epoche, ab den Jahren nach dem Staaststreich 645 („Taika-Putsch“) und dann seit 700 mit den Reichsannalen, die immer noch viel Legendäres enthalten.

Karte des Asuka-Tals, mit Palästen

Es ist zu beachten, daß, insofern in den ersten Legenden von „Palästen“ die Rede ist, damit nur gemeint ist, daß es sich Residenzen von „Kaisern“ bzw. Klanoberhäuptern handelte, nicht jedoch um besonders solide repräsentative Bauten. In alter Zeit hieß die eigentlich Wohnstätte des Herrschers Naitei (内廷). Auch die Tennōs residierten in schilfgedeckten Hütten, zusammengehalten von – aus Wicken gedrehten – Seilen, in denen Stoffbahnen o. ä. als Raumteiler dienten. Die maximale Lebensdauer eines solchen Gebäudes war 20-5 Jahre. (Inwieweit dies der Anstoß war, den Ise-Schrein, der für den damaligen Baustil als represäntativ gelten muß, alle 21 Jahre neu zu bauen, muß Spekulation bleiben.) Der Jōmei-tennō (34., r. 629–641.) litt unter undichten Schilfdächern. Die Idee der Verwendung von Dachziegeln – eines Imports aus China über Korgyö – ist erstmals für 643 nachweisbar.2 Archäologische Grabungen der letzten Jahrzehnte haben – zumindest innerhalb des aufgeschlosseneren Teils der japanischen Academia – zu einem neuen Verständnis des 7. Jahrhunderts geführt, was aber erst in den wenigsten Fällen Eingang in westliche Standardwerke gefunden hat.

Tradierte historische Weisheit hatte es, daß die Residenzen der Fujiwara-kyō bzw. frühen Asukaperiode (552–644) nach dem Tode eines „Kaisers“ aufgegeben wurden, weil sie durch den Tod desselben „unrein“ (kegare, ein wichtiges Konzept im Shintō) geworden waren. Tatsächlich läßt sich zeigen, (Vgl. Kita Sadakichi; 帝都 Teito;」 1939 sowie dessen Arbeiten zu Nagaoka 1908.) daß die Verlegungen fast immer dann erfolgten, wenn das neue Oberhaupt aus einem Zweig des Yamato-Klans kam, dessen engerer Kreis schwerpunktmäßig in einer anderen Region lag. Es handelte sich also eher um eine Maßnahme der Machtsicherung, auch deshalb, weil sich die „Kaiserwahl“ im fünften bis frühen siebten Jahrhundert, als eine verbindliche Erbfolge noch nicht festgelegt war, für den Herrscher durchaus lebensverkürzend auswirken konnte. Vgl. z. B. die Vorgänge um die Söhne des Ichinobe Oshiba no ōji, die Prinzen Oke und Ōshi. (Ersterer Kenzō-Tennō, 顕宗天皇, trad. 23., *450, r. 485–7, † 487. Zweiterer ein nicht inthronisiertes Kind *479, „r.“ 488–9, † 489.) Erst zur Zeit Suiko’s, nach 592, kam die Praxis auf Thronfolger zu designieren. Die Vererbung innerhalb der heute noch regierenden „himmlischen Dynastie“ begann gar erst mit dem Konin- bzw. nach Hauptstadtverlegung Kammu-Tennō (r. 781–806), als auch Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen wurden. Auch die letzte Verlegung der Hauptstadt nach Kioto (Heian-kyō), von der allgemein gesagt wird sie erfolgte, um die buddhistische Geistlichkeit aus der Politik zu halten (zunächst waren keine Tempel in der neuen Hauptstadt erlaubt), muß nach heutigem Wissensstands eher auf den dynastischen Bruch zurückgeführt werden, besonders wenn man bedenkt, daß Kammu ein Förderer Saichō’s war aber Saga Kūkai unterstützte.

Chronologische übersicht der Asuka-Residenzen

Zur Nara-Zeit (und im Kojiki) unterschied man zwischen dem „fernen Asuka“ (Teil Yamatos; tōtsu Asuka), wenn man sich auf die Residenz von Inkyō (r. 412–53, traditionell) und Suiko (r. 592–628) bezog und vom „nahen Asuka“ (schon in Kawachi gelegen; chikatsu Asuka) sofern vom Palast der Kaiser Richū (r. 400–5) oder Kenzō (450–87, r. 485–87) gesprochen wurde. Die Errichtung des Fujiwara-kyō , der ersten planmässig angelegten Hauptstadt, unter der von vielen als Usurpatorin gesehenen Jitō (r. 686–97; † 702) führte wegen der sich ergebenden drückenden Steuerlast zu Unmut im Volk.

Bei mehreren Asuka-Palästen, die sämtlich ohne Fundamente errichtet worden sind, gehen Forscher davon aus, daß sie mehr oder weniger auf dem selben Stück Land errichtet worden sind. Es wären dies der erste Okamoto-Palast, Kimmeis; der Itabuki-Palast; der zweite Okamoto-Palast Kōgyokus.3 Zuletzt dann die Residenz Temmus, die sich insofern von den Vorläufern unterschied, daß an die im Norden in der Mitte liegende Halle Chōdō-in ein für besondere Staatszeremonien genutzter Saal, Daigoku-den (大極殿) angebaut war. Das Vorbild für diese Neuerung dürfte die gleichnamige Halle im Daming-Palast (大明宮) von Chang'an gewesen sein.

Paläste der Asuka-Periode, mit Bezugsdatum, Kaiser, Referenzen im Text:

[Iware-Residenzen]
Für die vorschriftliche Ära finden sich Erwähnungen von fünf Residenzen im Bereich des modernen Iware-mura im Stadtgebiet von Sakurai. Einigermaßen gesichert ist der Bau des Iware no Tamaho (trad. um 526), für den Keitai (reg. trad. 507-31, tatsächlich wohl 507-18). Dann der Hinokuma no Iorino für Senka (trad. 535-39), sowie Osada no Miya (= Osata no Sakitama) unter Bidatsu (trad. 572-85).
Toyoura-no-miya:
(豊浦宮). Bewohnt 592–603. Suiko (♀) verm. heute: Toyoura-dera (bzw. Kogenji; 34° 28′ 56″ N, 135° 48′ 47″ O). Dieser Palast befand sich im Zentrum des vom Soga-Klan und seinen koreanisch-stämmigen Hintersassen ursprünglich erschlossenen Naßreis-Anbaugebiets. Somit residierte das Soga-versippte Herrscherpaar Suiko und Shōtoku Taishi in einer gesicherten Gegend wenige Jahre nachdem ihr Klan seinen Machtanspruch ggü. den Mononobe gewaltsam durchgesetzt hatten.
Im NR: Vor I; I: 1, 5; III: 38.
Oharida-no-miya:
(小治田宮, 34° 29′ 2″ N, 135° 48′ 46″ O). Baubeginn 603. Auch diesr auf Land der Soga errichtet. Bewohnt von Suiko. Den Standort vemutete man lange zwischen Minabuchi-yama und Kaguyama. Neuere Ausgrabungen haben Tonscherben mit entsprechender Aufschrift beim Izakuchi-Hügel zu Tage gefördert, also östlich des Asuka-Flusses. Ausgrabungen haben gezeigt, daß in der Anlage erstmals chinesischen Vorbildern gefolgt wurde. Zeitgleich erfolgte mit Einführung der Mützenränge für Hofbeamte (603) und der „17-Artikel-Verfassung“ (604) die Übernahme des ideologischen Hintergrunds chinesischer Herrscherlegitimation. Besucher gelangten durch das südliche Tor (nandaimon) in den Hofbereich in dem Audienzem stattfanden (chōdō). In die eigentliche Residenz (dairi) kam man durch ein weiteres Tor, dem Daimon.
Im NR: I: 1, 5, 6, 8; II: 7. H. B.: „Woharida.“ („Oharida“ ist in der Literatur oft syn. mit „Asuka.“ Hier stand später auch der Kiyomihara-miya des Temmu-tennō.)
(Asuka) Okamoto-no-miya:
(鵤岡本宮). Bezogen 630, abgebrannt 636/VI. Jomei († 641), vorher Wohnung Shōtoku Taishi’s. Heute Hokiji-Tempel
Im NR: I, 4
Tanaka-no-miya:
(田中宮). Jomei, begab sich 639/XII/14 zu einer Residenz bei den heißen Quellen von Iyo, um nach mehreren Monaten in den Umayasaka-no-miya umzuziehen.
Umayasaka-no-miya:
(厩坂宮) Bezogen 640 einige Monate von Jomei.
Kudara-no-miya:
(百済宮). Bezogen 640/X. Jomei; außerhalb Asuka. Heutiges Kōryō-chō, Nara-ken.
(Asuka) Itabuki no miya:
Bezogen 643, 655/X abgebrannt. Kōgyoku (♀ d. i. Takara, Witwe Jomei’s, 1. Amtszeit 642–45). Dann wieder 655, als Takara in ihrer 2. Amtszeit als Saimei amtierte.
Im NR: I, 9.
(Naniwa) Nagara Toyosaki-no-miya:
(長柄豊前宮). Bezogen 645, heutiges Ōsaka, daher häufig: 難破宮. Kōtoku (Prinz Karu, Bruder Kōgyoku’s).
Im NR: I: 9, 13, 23.
(Asuka) Inabuchi-no-miya:
(稲淵宮, 34°27′47″ N 135°49′20″ O). Wohl ab 653/IV von Tenji und Kōgyoku genutzt. (Es gibt die Auffassung dies könne der Kawabenokari-miya gewesen sein. Vermutet wurde eine Bauzeit 643-5 unter Kontrolle der Soga.) Die 1955 und 1976/7 duchgeführten Ausgrabungen brachten Fundamente zu Tage, wobei nur wenig Klarheit besteht, da weite Teile bis heute privat landwirtschaftlich genutzt sind. Ruinen befinden sich etwa 170 Meter in Nord-Süd-Richtung und etwa 60 Meter in Ost-West-Richtung. Hauptreste sind Pflastersteine ​​zwischen den vier ausgegrabenen Pfeilergebäuden, zwei Ost-West-Gebäuden und zwei Nord-Süd-Gebäuden. Der Ost-West-Flügel befindet sich im Zentrum der Ausgrabungsstätte und ist ein Großbau. Ein Feuer muß die Anlage gegen Ende des Jahrhunderts zerstört haben.
(Asuka) Kawara-no-miya:
(川原宮, 34° 28′ 20″ N, 135° 49′ 2″ O). Saimei. 656 (?) in einen Tempel umgewandelt (Kawara-dera = Gufukuji; 661/XI als mogari no miya für Saimei † 661/VII).
Im NR: I, 9 als: (Asuka no) Kahara no Itabuki no Miya (川原板宮).
(Nochi no Asuka) Okamoto-no-miya:
(後岡本宮). Der „spätere“ Okamoto-Palast, von Saimei als Ausweichquartier bezogen. Dann wieder ab 672 genutzt von Temmu.
Im NR: In II, 17 als Nonnenkloster (von Shōtoku Taishi gegründet) erwähnt.
Asakure no Tachibana no Hironiwa-no-miya:
(朝倉橘広庭宮). Bezogen von Saimei 661/I. Diese Verlegung erfolgte aus militärischen Gründen während der Kämpfe in Korea, im heutigen Fukuoka-ken.
Omi Otsu-no-miya:
Bezogen 667. Tenji (reg. ab 661/7, Inthronisation: 668, † 671); Kōbun (*649; r. 671, Selbstmord 672, erst 1870 in die offizielle Liste der Tennō aufgenommen). In der heutigen Otsu-shi, Shiga-ken.
Shima-no-miya:
(嶋宮). Bezogen 672. Temmu, jüngerer Bruder Tenji's. Putschte gegen dessen Sohn und rechtmäßigen Thronfolger Otomo („Jinshin-Wirren“), der etwa ein Jahr als Kōbun amtierte.
Im NR: I, 9.
(Asuka) Kiyomihara no miya:
(浄御原宮). Bezogen 673/II/27. Temmu, Inthronisationsort dieses Tennō am selben Tag. Erst nach dessen Tod 683 unter diesem Namen bekannt. Hier fand sich erstmals ein Naianden (内安殿) genannter Pavilion zum Empfang. (Unter Archäologen bestand langeUneinigkeit ob die Ausgrabungsstätte, die für den Itabuki-Palast gehalten wird, nicht dieser Palast ist.)
Fujiwara-no-miya:
(藤原宮). Bezogen 694, auch Fujiwara-kyō. Jitō (♀); Mommu; Genmei (♀). Die erste geplante Hauptstadt nach dem Vorbild der T'ang-Dynastie.
Im NR: I: 28, 30.
Heijō-kyō bzw. Nana-no-miya:
Bezogen 710-84. Gemmei (♀), Genshō (♀), Shōmu, Kōken (♀) (= Shōtoku), Jun’nin, Kōnin, Kammu. Die erste wirklich permanente Hauptstadt. Ausführlich: Kaiserliche Paläste in Nara und Kyoto.
Im NR: in I, 24 und II, 1 als: 諾楽.
Nagaoka-no-miya:
(長岡宮). Diese Residenz blieb ein Zwischenspiel vor dem endgültigen Umzug nach Kyoto (= Heian-kyō).
Zu den Vorgängen siehe III, 38A.
Karte der japanischen Hauptstädte
Lage der japanischen Hauptstädte von 6.-10. Jh.

Die Residenz Shōtoku Taishi’s, der Ikaruga-Palast (Bauzeit 601–5), befand sich knapp zwanzig Kilometer nördlich von Asuka. Ausgrabungen vor dem zweiten Weltkrieg legten eine Anlage im Ostteil des heutigen Hōryū-ji4 frei. Südlich des Palastes, aber außerhalb des modernen Tempels gelegen, fand man Reste eines weiteren Tempels.


<