Yakushi-ji

Exkurs zur Sammlung buddhistischer Legenden, dem Nihon Ryōiki

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lunar eclipes
Plan
A: Haupttor (中門), B: „Kreuzgang“ (回廊), C: Haupthalle (金堂), D: Ost- und Westpagode (), E: Vortragshalle (講堂), F: Glockenturm (鐘楼), G: Bibliothek (Sutrensammlung, 経蔵)

Hermann Bohner beschrieb den Tempel in einer Fußnote zum Vorwort des 1. Faszikels: Yakushi-ji, einer der „7 großen Tempel der Südhauptstadt“ (Nara). Gegründet von Kaiser Temmu, der im 11. Monat des 9. Jahres seiner Regierung [680] wegen heftiger Krankheit der Kaiserin einen 16-Ellen-Shaku gießen ließ. Die Kaiserin genas von der Krankheit, und als der Kaiser im 14. Jahre starb und Jitō den Thron bestieg, wurde in Okamoto, Gau Takeichi, Yamato, ein Ort für den Tempel diviniert und derselbe errichtet und Statue samt zugehörigen Sutren und Śastren (als Heiligtum) aufgestellt und der Tempel Yakushiji benannt. Mit dem Umzug nach Nara ließ Genshō im 2. Jahr Jōrō auch den Tempel umsiedeln und zwar nach dem 6. , 3. der Linksstadt. 973 verbrannte alles bis auf das Kondō, Ost- und Westpagode. Es folgte Wiederaufbau. Doch Bunan 2. Jahr (1445) riß ein Sturm die Kondō zusammen. 1529 zerstörte Feuer den Tempel. Die alte Größe und Herrlichkeit spürt man heute am meisten wohl noch aus den geistgewaltigen Statuen. Haltestelle Nishikyō („Westhauptstadt“) der Daiki-Elektrischen [1934], ebenso eines von Nara nach Hōryūji regelmäßig verkehrenden Verkehrsautobusses.

Briefmarke
Deutsche 55 cent-Briefmarke: Yakushi-ji

Im Fujiwara-kyō

Wie erwähnt geht die Gründung auf ein Gelübde des Temmu-Tennō zurück, der die Heilung seiner Frau erhoffte. Tatsächlich war sie es, die die Vollendung bis 698 vorantrieb, als sie – ihren Mann überlebend – als Jitō regierte. Gegründet wurde der Tempel in Takaichi [heutiges Kashihara], von wo er zwanzig Jahre später nach Nara umzog. Als erste größere Zeremonie wurde ein 688/I/8 ein musha dai’e für den verstorbenen Stifter abgehalten, der Bau zog sich aber noch gut weitere zehn Jahre hin. Die Anlage befand sich im Quadrat zwischen 7./8. Straße und 2./3. westlicher Avenue des Fujiwara-kyō. Die Haupthalle maß 29,5 ⨉ 18,2 m. Für das mittlere Tor ließen sich Abmessungen von 13,9 ⨉ 6,5 m bestimmen, es war kleiner als das spätere im Heijō-kyō. Die Plattformen der Pagoden – 3stöckig mit drei Zwischendächern – waren 15-16 ⨉ 13-14 m, wobei von Archäologen festgestellt wurde, daß die Materialien der westlichen Pagode minderer Qualität waren und diese wohl erst nach dem „Umzug“ (iken) nach Nara fertig wurde. Einer der letzten Einträge im Nihon shoki: 697, VII. Monat, 29. Tag. Die Grosswürdenträger und Beamten veranstalteten eine festliche Versammlung zur Aufstellung und Einweihung buddhistischer Statuen im Yakushiji-Tempel. Noch 701 ist Verleihung von Hofrängen an Tempelbaumeister belegt. Neuere Grabungen, seit 1993, am alten Tempel haben gezeigt, daß im Fujiwara-kyō noch bis ins frühe 12. Jhdt. ein Tempel in Betrieb war.

In Nara

Der Umzug nach Nara – man folgte dem Arrangement der alten Anlage, jedoch stand nun 15 chō Grund zur Verfügung – begann wohl vor 716 und scheint 718 in Schwung gekommen zu sein. Die neue östliche Pagode war 730 vollendet. Das Shoku Nihongi berichtet über ein Edikt Kōnin’s (Hōji 10/I/20 =? 24.2.780), in dem erwähnt wird, daß die Pagode sechs Tage zuvor durch Blitzschlag zerstört worden war. Die Tempelchronik Yakushi engi stammt aus dem Jahre 1015.
Der Tempel ist heute Hauptssitz der vergleichsweise kleinen Hossō-shū. Die Umbauten der Kengen-Ära (1302–3) haben viel der alten Original-Substanz zerstört.

Kyōkai bezeichnet sich als „Mönch vom Yakushi-ji im westlichen Teil der Hauptststadt,“ daraus ist geschlossen worden, daß er der Hossō-Schule angehört haben soll. Gerade in der Nara-Zeit war aber eine strenge Trennung nach Schulen innerhalb der Tempel noch nicht verwirklicht. – das Konzept verschiedener „Schulen“ (shūha) kam erstmals zur Enryaku-Ära auf, also zu einer Zeit als Kyōkai schon mit der Zusammenstellung des NR begonnen haben könnte. Wie in China bis ins 20. Jahrhundert üblich, lebten besonders in den größeren Tempeln verschiedene Lehrmeinungen zusammen. Wenn man doch ziemlich sicher sein kann, daß der Verfasser des NR zur Hossō angehörte, dann eher aus den Stellen im Text, die ihn als guten Propagandisten der Doktrin dieser Schule zeigen. Gerade in den Vorworten und seiner Lebensbeschreibung (III-39) wird jedoch deutlich, daß er zumindest mit den Grundzügen des aufkommenden esoterischen Buddhismus vertraut und diesem zugeneigt war. (Siehe auch Einleitung: Charakterzüge des Werkes bzw. des Verfassers)

Yakushi-ji westpagode
Die zentrale Säule der aus taiwanesischem Zedernholz 1977-81 neu gebauten Westpagode steht frei. Getragen wird sie von 16 Säulen, die in zwei Ringen aufgestellt sind.

Der erste Tempel in Japan, der nach T’ang-Vorbild zwei Pagoden südlich der Kondō hatte. Im Fundament der westlichen befanden sich Buddha-Reliquien. Die östliche Pagode (東塔, Tōtō) ist das einzige Bauwerk aus dem 7. bezw. 8. Jahrhundert, das sich original erhalten hat. Fast der gesamte Tempel brannte 973 ab. Der Wiederaufbau dauerte bis 1015. 1096 und 1321 kam es zu schweren Schäden durch Erdbeben. Die Haupthalle und das südliche Tor wurden 1445 Opfer eines Taifuns. Die westliche Pagode (西塔, Saitō) wurde im Jahr 1528 mit vielen anderen Bauten im Krieg vollständig abgefackelt. Sie wurde 1981 wiederaufgebaut. Eine neue Vortragshalle baute man erst 1852. Außer der östlichen Pagode und der östlichen Halle (東院堂, Tōindō) stammen alle heutigen Bauten aus den letzten Jahrzehnten. Die ersten Arbeiten wurden 1969-76 mit dem Neubau der Haupthalle (金堂, Kondō) begonnen. An dieser Stelle hatte man im 16. Jhdt. nur ein Provisorium errichtet gehabt. Nach dem Wiederaufbau der westlichen Pagode wurden die jüngste Restauration an der großen Gebetshalle (大講堂, Daikōdō), dem größten Gebäude auf dem Tempelgelände, im Jahr 2003 fertiggestellt. Bis 2030 soll die Komplettsanierung des Tempels abgeschlossen sein.

Die 33,6 Meter hohe östliche Pagode verfügt scheinbar über sechs Stockwerke, es sind allerdings nur drei. Die anderen „Stockwerke“ sind zusätzliche Zwischendächer (mokoshi) und kleiner als die echten Stockwerke. Dieser Dach-Baustil ist sehr selten. Vom amerikanischen Orientalisten und Kunsthistoriker Ernest F. Fenollosa im 19. Jahrhundert wurde er als „gefrorene Musik“ bezeichnet. Ebenfalls berühmt ist die Verzierung auf dem obersten Dach, die 10 Meter hohe und drei Tonnen schwere Sōrin, die nicht nur verschiedene, religiöse Symbole in sich vereinigt, sondern auch als Blitzableiter dient und wichtig für die strukturelle Stabilität ist. Sie steht auf einem Fundament aus gestampfter Erde (版築, hanchiku). Hierfür wurde Schotter mit einer Lehm-Kalk-Mischung gepreßt. Eine Renovierung erfolgte um 1898, dann war die Pagode 2009-20 zur Sanierung komplett zerlegt. Dabei fand man 1,70 Meter tief im Fundament vier der zu den ältesten Münzen Japans gerechneten Wadō-Sen. Es wird vermutet, daß diese bei Baubeginn als Teil der „Grundsteinlegung“ eingebracht wurden.

Genjō Sanzō-in
Genjō Sanzō-in.

Seit 1991 ist der Genjō Sanzō-in hinter dem Tempel eröffnet, der eine Stirnbeinreliquie dieses bedeutenden chinesischen Indienreisenden und Sutrenübersetzers, ch. bekannt als Hsüan-tsang (玄奘), enthält. Diese sind 1942 von der kaiserl. japanischen Armee bei Ausgrabungen nahe dem Südtor in Nangking entdeckt und nach Japan gebracht worden. Der Knochen wurde in mehrere Stücke geteilt. 1955 gab man ein Stück in die Provinz Taiwan weiter, der Rest ist wieder in Nanking u.a. Orten Chinas.
1998 wurde Yakushi-ji mit anderen historischen Monumenten in Nara von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die östliche Pagode und die östliche Halle (Tōindō) gehören außerdem zu den nationalen Kulturgütern Japans.

Das Innere der Jikin-dō, dem früheren Speisesaal wurde 2013-7 von den Architekten Tōyō Itō mit modernen Deckenelementen, die Wellen repräsentieren sollen neu gestaltet. Das ursprüngliche Gebäude von 730 war 973 abgebrannnt und drei Jahrzehnte später wieder aufgebaut worden. Der moderne Neubau orientiert sich an archäologischen Erkennnissen. Das Äußere imitiert den Stil der Nara-Zeit. Zentral im nun als Multifunktionshalle genutzten Saal ist das Gemälde einer Amida-Triade von Tabuchi Toshio (田渕俊夫).

Westpagode Ansicht
Ansicht und Schnitt der 1977-81 neu gebauten Westpagode.

1) 東塔: Nur die östliche Pagode ist original, sie wurde 1898 restauriert. Zur Verbesserung der Statik im weichen Untergrund ließ man in den 1970ern vier Betonsäulen ins Fundament ein.
Es wird auch gesagt, die Pagode sei ein Abbild des Unterwasserpalastes des Drachenkönigs.
Maße: 33,6 Meter hoch + 10 m sōrin.
Ihr Grundriß: 10,52 ⨉ 10,52 m.
Von 17 Tragsäulen gehalten: 4 ⨉ 4 + 1 Mast in der Mitte.
Der fächerähnliche Wasserstaub (sui’en) ist 190 cm hoch. Die 24 „Engel“ spielen Flöte.

1b) Die Westpagode wurde Oktober 1977 bis März 1981 neu gebaut. Mangels Vorlage nahm man die östliche zum Vorbild. 2) In der Haupthalle (金堂) steht die Yakushi-Trinität (薬師三尊, eines der bedeutendsten und am besten untersuchte Gnadenbild des Altertums. Der heilende Buddha (255 cm) thront auf einem hohen Piedestal (151 cm).
Die stehenden Begleitfiguren (je 315 cm groß):
 östlich (rechte Seite): Bodhisattva des Sonnenglanzes (日光菩薩 Nikkō-bosatsu),
 westlich (linke Seite): Bodhisattva des Mondglanzes (月光菩薩 Gakkō-bosatsu).
Hellenistische Einflüsse: Körperhaltung, der Faltenwurf der Kleider.
Die östliche Halle (東院堂 Tōindō) wurde 1285 gebaut.
3) Die Kultfigur ist der Heilige Kannon-Bodhisattva: Shō-kanzeon-bosatsu (聖観世音菩薩) – eine 190 cm große männliche Darstellung des Avalokiteśvara. Etwas starrer in der Haltung als die beiden Boddhisattvas des Mondglanzes und Sonnenglanzes. Indische Einflüsse aus der Gupta-Zeit (350–650). Die jetzige Halle ist ein 2003 vollendeter Neubau.
4) Die Große Lehrhalle (大講堂) ist das größte Gebäude im Yakushiji: 41 m breit, 20 m tief, 17 m hoch.
Kultfigur: Der Zukunftsbuddha mit seinen Begleitern (弥勒三尊像).
5) Der Hsüan-tsang-Pavillon (玄奘三蔵院 Genjō-sanzōin) mit dessen Stirnbeinfragment und der Statue.

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Details der Yakushi-Triade (薬師三尊) in der Haupthalle, namesgebend für den Yakushi-ji in Nara.


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